Bauernproteste weiten sich auf Deutschland, Italien, Polen und Spanien aus

Jouke (16): »Ich hätte tot sein können«

Die Bauernproteste gegen die EU-Stickstoff- und Klimapolitik in NL weiten sich auf Deutschland, Italien, Polen und Spanien aus. Der 16-jährige Jouke Hospes, auf den ein Polizist am Dienstag geschossen hatte, sagte »Ich kann immer noch nicht glauben, dass sie auf mich geschossen haben.«

Jouke Hospes / Foto: Klokkenluiders
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Deutsche Bauern parkten ihre Trekker auf Autobahnbrücken im Sauerland/NRW, um ihre Solidarität mit den niederländischen Bauern zu verkünden, wie Schmalors Bauernhof aus Sundern postete. In Italien bildete sich ein Trekkerkonvoi mit dem Ruf »Auf nach Rom!« In Warschau demonstrierten 1000 Menschen unter dem Motto »Wir lassen uns nicht ausrauben!«

Niederländische Bauern bildeten in Moerdijk aus 400 Traktoren die Schrift »No Farmers, No Food!« (Ohne Bauern kein Essen). Auf der A280 bei Leer/Groningen »verlegten« die Bauern kurzerhand die »deutsche Grenze« nach Holland hinein, um die schärferen niederländischen Stickstoffregeln als in Deutschland zu kritisieren. Am Abend wurde die Stadt Nijmegen von Bauern blockiert.

Der 16-jährige Bauernsohn Jouke Hospes aus Akkrum in Friesland, auf den am Dienstag in Heerenveen ein Polizist zwei Schüsse abfeuerte, als Jouke mit seinem Trekker bereits wendete, äußerte sich auf Facebook:

»Ich möchte mich bei allen für die vielen Nachrichten und Unterstützung und auch für die Aktionen in und um Friesland bedanken. Leider habe ich in der Zelle nichts davon mitbekommen, nichts gehört oder gesehen. Als ich um ca. 21:30 h entlassen wurde, durfte ich sehen, was in den Niederlanden passiert ist.

Ich kann mir immer noch nicht erklären, warum die Polizei geschossen hat. Die Bilder zeigen sehr deutlich, dass ich nichts falsch gemacht habe. Ich habe Glück, dass ich überlebt habe. Ich war sehr erschrocken. Ich wurde wegen versuchten Totschlags verhaftet, und dann freigelassen. Ich bin heute Nacht immer noch ein Verdächtiger, in meinem eigenen Bett. Wir werden weiter kämpfen – alle für einen, einer für alle!«

Jouke schilderte dann, was am Abend des 5.7. passiert ist:

»Wir demonstrierten bei einem Distributionszentrum im Gewerbegebiet von Heerenveen, als die Polizei ankündigte, dass Sie räumen werden. Also beschlossen wir den Ort zu verlassen. Wir fuhren mit den Traktoren durch Heerenveen und parkten beim Eisstadion. Es war ein schöner Ort, um etwas zu trinken und zu essen. Dann sagten wir, wir müssen noch eine Runde durch Heerenveen fahren, etwas Lärm machen, und dann nach Hause gehen.

Der Demonstrationszug fuhr also aus Heerenveen hinaus, der Anführer fuhr die Auffahrt bei Oranjewoud hinauf Richtung McDonald‘s, als an der ersten Ausfahrt Polizeiautos standen. Viel fuhren an ihnen vorbei, vor mir waren noch ein paar Trekker, hinter mir waren fast alle weg, also dachte ich, ich sollte den anderen folgen. Also überquerte ich den Mittelstreifen, immer auf den Verkehr achtend, und ob ich auf die Gegenspur wechseln kann.

Da hörte ich plötzlich ein PENG im rechten Ohr. Ich dachte, was ist jetzt los, da bekam ich ein Pfeifen im Ohr. Aus Panik wollte ich schnell weg, da fiel ein zweiter Schuss. Mir ist nichts passiert, deshalb dachte ich, es war vielleicht ein Gummigeschoss, das abgeprallt ist. Bei Oudehaske hielten wir an, ich sah mir den Traktor an und da war ein Loch im Metall!

Ich war fassungslos. Es hätte echt nicht viel gefehlt und dann wäre es aus gewesen mit mir. Wenn ich ein bisschen schneller oder langsamer gefahren wäre, wäre ich nicht hier, um das zu erzählen. Ein paar 100 Meter von Oudehaske entfernt kam die Polizei und verhaftete mich wegen »versuchten Totschlags«. Ich wurde in Handschellen zur Polizeiwache abgeführt. Dann weiß ich vor lauter Adrenalin nicht mehr genau, was passiert ist. Es war ein Schock, aber heute bin ich froh, überlebt zu haben.«

»Ich will wissen, warum sie das getan haben,« sagte Jouke zu NOS.nl. Auf einem Video zeigten Jouke und sein Vater Jan Hospes  die Einschusslöcher im Rahmen und Reifen seines Traktors.

Wütende Bauern entluden Silageballen vor dem Haus des Beamten, der geschossen haben soll. Der Beamte, der in der Gemeinde Opsterland wohnt, wurde Mittwoch Abend unter Polizeischutz in Sicherheit gebracht, berichtet Leeuwarder Courant.

Unterdessen hat die Polizei in Bleiswijk bei Den Haag am Mittwochabend erneut Landwirte verhaftet, berichtet Agrar Heute. 19 Personen sollen in Gewahrsam genommen worden sein. Sie hätten sich an den seit drei Tagen andauernden Blockaden von Verteilzentren des Lebensmitteleinzelhandels beteiligt.

 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Facherfahrener

Was sagt man den zum Unberechtigtem Waffengebrauch?

Erhält der Polizist vom Schwab den Ritterschlag???

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

... „Der 16-jährige Jouke Hospes, auf den ein Polizist am Dienstag geschossen hatte, sagte »Ich kann immer noch nicht glauben, dass sie auf mich geschossen haben.« ...

Sollte(?) der kleine Jouke Hospes vielleicht endlich begreifen(?), dass auch sein Tod im Namen der Toleranz
https://www.diepresse.com/5080045/toleranz-2-der-weg-in-den-totalitaeren-staat-durch-zwang
in Kauf genommen worden - bzw. als abschreckendes Beispiel wahrscheinlich sogar dringend(?) nötig(?) und gewollt gewesen wäre???

Gravatar: Lutz

Bullenterror gegen berechtigte Forderungen der Demonstranten!

Die NL-Umweltministerin hat vor ihrer Hütte einen Güllegruß erhalten - Natur pur. :-)))))
Wenn Derartiges unserem Kuhscheiße-Stapler widerfahren sollte, müßte er länger als fünf Minuten duschen - das wäre allerdings klima-unfreundlich.

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