Zu geringe Miete

Zu Eltz schmeißt Carolus-Buchhandlung hinaus

Geringe Miete trotz guter Lage – das wollte der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz nicht länger dulden. Er kündigte deshalb der christlichen Carolus-Buchhandlung die Räumlichkeiten.

Foto: Bauke Karel / flickr.com / CC BY-NC-ND 2.0
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Als Protz-Bischof wird der Oberhirte des Bistums Limburg von seinen Feinden innerhalb und außerhalb der Kirche verunglimpft. Der Neu- und Umbau seiner Residenz auf dem Limburger Domberg hat den ursprünglichen Kostenrahmen deutlich überschritten, unter anderem wahrscheinlich deshalb, weil Tebartz-van Elst großen Wert auf langlebige Materialien legte. Das war zwar vorausschauend geplant, aber für seine Gegner Anlass genug, ihn zu vertreiben.

Johannes zu Eltz und das liebe Geld

Einer von Tebartz-van Elsts schärfsten Kritikern ist der Stadtdekan von Frankfurt am Main, Johannes zu Eltz. Zu Eltz steht den 42 katholischen Kirchengemeinden der Main-Metropole vor, die sich im Gesamtverband der Frankfurter Kirchengemeinden zusammengeschlossen haben. Dass zu Eltz mit Geld umgehen kann, hat er erst diesen Sommer demonstriert, als er der traditionsreichen christlichen Carolus-Buchhandlung die Räumlichkeiten kündigte. Der Grund: Ihm ist die Miete zu niedrig.

12,39 Euro pro Quadratmeter zahlt die Buchhandlung, die zum Herder-Verlag gehört, derzeit an den Gesamtverband, geboten hat man rund das Doppelte, doch den Zuschlag hat die Einrichtungskette Butler’s erhalten, denn die wird 42,25 Euro zahlen. »Das war längst nicht das höchste Angebot«, beteuert zu Eltz. Damit will er sagen: Seht her, wie bescheiden ich bin! Für diese Bescheidenheit werden die Frankfurter sich jetzt nicht mehr in der Innenstadt nach christlicher Literatur und Kunst umsehen können, sondern an einem anderen, noch unbekannten Ort.

Die Betreiber der Buchhandlung geben sich einstweilen optimistisch, was einen neuen Standort angeht. »Wir ziehen nur um, wir werden nicht geschlossen«, heißt es. Doch die Frankfurter wissen, dass nun der Anfang vom Ende begonnen hat. Ein Kunde sagt: »Die werden hier in der Innenstadt nichts Neues mehr finden, das ist viel zu teuer hier!« Auch zu Eltz ist bewusst, dass der Laden wenig Aussichten auf adäquaten Ersatz für die gute Lage zwischen der Einkaufsstraße Zeil und dem Römerberg hat. »Wir brauchen einen Philanthropen, der für Carolus ein Haus anbietet«, ruft er.

Man muss eben Opfer bringen ...

Für den Stadtdekan waren bei seiner Entscheidung gegen den Buchladen die Prioritäten klar: Er war das Opfer, das erbracht werden musste, um mehr Geld in die Kassen des Gesamtverbandes zu spülen. Dessen Mitglieder wollen nämlich immer mehr Geld, es »wachsen die Wünsche nach Bezuschussung«, wie zu Eltz formuliert. Die Summe von 500.000 Euro, die die Gemeinden jedes Jahr vom Gesamtverband erhalten, sind nicht mehr genug. Dass mit dem Rausschmiss der Carolus-Buchhandlung die katholische Kirche einen wichtigen Anker inmitten der Großstadt Frankfurt verliert und das Ensemble aus Liebfrauenkloster, Buchladen und Kirchen-Café auseinandergerissen wird – wen stört das schon?

Nach eigener Auskunft hat sich zu Eltz die Entscheidung gegen den Geist und für das Geld, gegen die Mission und für den Mammon nicht leicht gemacht. »Ich finde meine eigene Entscheidung furchtbar«, schluchzt er. Und über die besorgten Katholiken, die sich mit ihren Sympathiebekundungen für Carolus an ihn wenden, sagt er: »Ich verstehe die Leute.« Wirklich? Den Gewissenskonflikt – wenn da überhaupt einer ist – muss er jedenfalls mit sich selbst ausmachen. Dass man ihm das abnimmt, darauf darf er sich aber nicht verlassen. Die Tränen, die der Kirchenfunktionär der Buchhandlung hinterherweint, sehen doch arg nach Krokodilstränen aus.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Hermine Stecker

Ich bin noch nicht lange in Frankfurt und war nicht oft in der Stadt, aber die Buchhandlung Caraolus fiel mir gleich auf und es hat mich echt erfreut eine solche Buchhandlung hier zu finden und nicht nur Hugendubel und Co . Umsomehr bin ich jetzt zutiefst erschrocken über solche Kurzsichtigkeit von "Kirchenfürsten". Herr Eltz kann seine Krokodilstränen wahrhaftig sparen. Es ist gerade heute wichtig und vorallem in einer so hektischen Stadt wie Frankfurt, solchen Buchhandlungen eine Chance zu geben, weil es wichtig ist auch christliche Bücher an den wichtigen Stellen einer Stadt vorzufinden und es ist doch klar, dass Carolus sich die teueren Mieten nicht so einfahc erarbeiten kann wie diese großen Hugendubel!!. Es ist schade, das die Verantwortlichen der Kirche so kurzsichtig handeln und das ist sicher oft auch ein Grund, warum so viele der Kirche den Rücken kehren.

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