Merkel-Regierung erkennt nicht die Katastrophe

Untergang des Christentums im Vorderen Orient

Erst 100 Jahre nach dem Völkermord an den Armeniern findet der Bundestag den Mut, den Genozid zu benennen. Beim aktuellen Untergang des Christentums im Nahen Osten schaut die Regierung weg.

Foto: Bertramz / Wikimedia Commons / CC BY 3.0
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Seit Jahrzehnten bahnt sich eine Katastrophe an. Das Christentum, das seit zweitausend Jahren im Vorderen Orient beheimatet ist, stirbt aus. Mit ihm gehen Kulturen, Stämme und Traditionen verloren. Tausende Menschen fürchten um ihr Leben. Sie fliehen oder flehen um Hilfe. Die Reaktionen der großen Kirchen und der Weltgemeinschaft bleiben erschreckend kühl. Außer Worte des Bedauerns gibt es nur wenige Bemühungen, den Untergang einer Kultur aufzuhalten. Viele Menschen scheinen nicht mehr zu wissen, wie sehr das Christentum zwei Jahrtausende lang den Vorderen Orient geprägt hat. Der Nahe Osten war niemals ein rein islamisches Gebiet. Doch nun droht er es zu werden.

Nachdem bereits während des Ersten Weltkrieges die Osmanen die Armenier in Massen vertrieben und deportiert hatten, sind seit vielen Jahrzehnten auch die unzähligen anderen christlichen Minderheiten des Nahen Ostens von Verfolgungen betroffen oder im Niedergang begriffen. Die Kopten in Ägypten, die immer wieder über Mordanschläge und Klöster-Zerstörungen klagen, die Maroniten im Libanon, die von einer Mehrheit im Lande zu einer schrumpfenden Minderheit geworden sind und deren Rechte immer mehr eingeschränkt werden, die Assyrer, Aramäer und Chaldäer mit all ihren Konfessionen in Syrien und im Irak, die aktuell von den radikal-islamischen Fundamentalisten verfolgt und oft brutal ermordet werden – sie alle zeugen vom Untergang einer zweitausend Jahre alten Tradition und von der einstigen kulturell-religiösen Vielfalt des Nahen und Mittleren Ostens. Zusammen mit den Jesiden und Zoroastriern gehen sie einem ungewissen dunklen Ende entgegen.

Mutlose und späte Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern

Es ist mittlerweile rund 100 Jahre her. Damals war das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg verwickelt. Es kämpfte an der Seite des Deutschen Reichen gegen Russland und die westlichen Alliierten. Eine wichtige Front zog sich durch Ostanatolien bis ins Gebiet des Kaukasus. Hier lebten nicht nur viele Kurden, sondern vor allem viele Armenier. Die jungtürkische Regierung warf den Armeniern vor, mit den vorrückenden Russen gemeinsame Sache zu machen. Dies war der offizielle Grund für die Massendeportationen von Armeniern nach Mesopotamien und Syrien, bei denen Hunderttausende ums Leben kamen. Parallel gab es im ganzen Osmanischen Reich Säuberungsaktionen und Massaker mit dem Ziel, Armenier aus gesellschaftlichen Positionen zu entfernen.

Das ganze Drama mündete in einen Völkermord, dem zwischen 800.000 und 1,5 Millionen Armenier zum Opfer fielen. Doch die türkische Regierung zweifelt die Zahlen der Historiker an und weigert sich, das Schicksal der Armenier als Völkermord anzuerkennen. Die unterschiedliche Bewertung der Ereignisse aus den Jahren 1915 und 1916 belastet noch heute das Verhältnis zwischen Türken und Armeniern schwer.

Besser spät als nie, doch besonders mutig ist es nicht, wenn der Bundestag nun die Verbrechen an den Armeniern offiziell zum Völkermord erklärt. Das hätte schon Jahrzehnte eher passieren können. Es gab immer wieder Aufrufe und Aufforderungen, dies zu tun. Doch man zierte sich, aus Angst vor emotionalen Reaktionen aus Ankara. Andere Länder waren schneller, so zum Beispiel fast alle osteuropäischen Staaten, aber auch Frankreich, Italien, die Schweiz, Brasilien, Kanada und viele andere. In den USA haben mittlerweile 44 Bundesstaaten den Genozid als solchen anerkannt.

Ein seltsames Signal der Resolution des Bundestages ist es zudem, dass ausgerechnet Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel bei der entscheidenden Abstimmung nicht persönlich anwesend waren. Was soll das für eine Botschaft sein?

Der christliche Orient: Kaleidoskop der Religionskulturen

Die christliche Welt des Nahe und Mittleren Ostens war einst reicher und umfassender als viele glauben mögen. Im westlichen Volksmund herrscht oftmals das Vorurteil vor, dass der Orient seit dem Propheten Mohammed schon immer in der Hand des Islam war. Der Islam habe nach dieser Vorstellung sozusagen die altorientalischen Religionen abgelöst. Doch diese weit verbreitete Vorstellung stimmt nicht.

Tatsache ist, dass es bereits im ersten und zweiten Jahrhundert zahlreiche christliche Gemeinden im Mittelmeerraum und vor allem im Vorderen Orient gab. Der Apostel Markus soll persönlich das Christentum nach Ägypten gebracht haben. Ägypten, Palästina und Syrien waren sehr schnell christianisiert.

Viele Menschen des alten Ägypten erkannten im Christentum Aspekte ihrer eigenen uralten autochthonen Religion wieder: die Idee der Gottessohnschaft, die Rechenschaftsablegung beim Weg ins Jenseits, die Heilige Familie und die Idee der Wiederauferstehung. Überhaupt scheint zwischen altägyptischer Religion und frühem Christentum ein starker wechselseitiger Einfluss bestanden zu haben.

Immerhin kommt die Idee des Mönchstums aus dem frühchristlichen Ägypten nach Europa. Es waren Ägypter wie der Heilige Antonius, der als Einsiedler und Asket in der Wüste lebte, oder der Heilige Pachomius, der in Ägypten die ersten Klöster gründete. Bereits im dritten und vierten Jahrhundert war Ägypten von Klöstern und Kirchen übersät, die altägyptische Religion bis auf eine Enklave des Isis-Kultes auf der Nil-Insel Philae bei Assuan fast ausgestorben.

Schließlich war es der Wechsel der römischen Religionspolitik durch Kaiser Konstantin dem Großen und später die Spaltung des Römischen Reiches in das von Rom dominierte Westrom und das von Byzanz aus regierte Ostrom, die die Wende brachten. Unter den byzantinischen Kaisern war das Christentum Staatsreligion. Das strahlte auch auf die umliegenden Länder aus. Im ganzen östlichen Mittelmeerraum und sogar bis nach Mesopotamien und Arabien hinein wurden Kirchen gebaut. In Mekka und Medina gab es Christen und Juden. Und in Palästina war die Mehrheit der Bevölkerung christlich geworden.

Als im 7. Jahrhundert der Prophet Mohammed und seine Nachfolger, die Wahlkalifen, die arabische Halbinsel und dann den Vorderen Orient Schritt für Schritt eroberten, fanden sie eine Welt vor, die fast ausschließlich vom Christentum dominiert war. Lediglich im persischen Raum gab es eine zororastrische Mehrheit.

Falsche Vorstellungen vom orientalischen Mittelalter

In den ersten Jahrhunderten regierten die frühen islamischen Kalifen und ihre Statthalter über eine immer noch mehrheitlich christliche Bevölkerung. Selbst zur Zeit der Kreuzzüge gab es in vielen Regionen Syriens und Ägyptens noch christliche Mehrheiten. Es war also keineswegs so, dass die christlichen Kreuzfahrerstaaten des 12. und 13. Jahrhunderts ausschließlich vom Islam umgeben waren. Die Idee vom christlichen Abendland versus muslimisches Morgenland war ein Klischee. Der Orient war religiös und kulturell bunt. Der Islam spielte zwar politisch die dominierende Rolle, weil er die Religion der Herrscher und Eliten war, wurde aber nur sehr langsam zu einer Religion der Bevölkerungsmehrheit.

In Ägypten kippte die Mehrheit erst im späten Mittelalter. Doch selbst bis in osmanische Zeit blieben die koptischen Christen eine große Minderheit. Heute sind noch rund 10 Prozent der Ägypter Christen. Auch in Syrien kippte das Verhältnis erst spät. Und auch dort waren bis zum Bürgerkrieg rund 10 Prozent der Syrer Christen. Noch anfangs des 20. Jahrhunderts lag der Anteil der Christen in Syrien bei über 30 Prozent!

Wie sehr die Christen in Syrien vertreten sind, demonstriert die Vielfalt der dortigen Konfessionen: Vertreten in Syrien sind die griechisch-orthodoxe Kirche, die melkitische Kirche, die syrisch-orthodoxe Kirche, die syrisch-katholische Kirche, die alte maronitische Kirche, die sich bereits im 7. Jahrhundert abgespalten hatte, die armenisch-orthodoxe und armenisch-katholische Kirche, die assyrische Kirche, die chaldäische Kirche und schließlich das katholische Christentum.

Wenn die Islamisten im Nahen und Mittleren Osten weiterhin die Oberhand gewinnen, wird die ganze Region eine religiöse und kulturelle Monokultur werden. Im Kampf der islamischen Gruppierungen werden die Christen und andere Minderheiten wie Juden und Jesiden als Kollateralschaden verschwinden. Die Verfolgungen der Christen durch den „Islamischen Staat“ (IS) in Syrien und im Irak sind brutal. Nicht nur die Kirchen und Klöster werden zerstört. Die Christen werden oftmals grausam getötet, Frauen und Kinder regelrecht versklavt. Und das im 21. Jahrhundert. Man mag es kaum fassen.

Für die Christen in den betroffenen Ländern ist es furchtbar. Sie verstehen nicht, warum ihr Schicksal bei den anderen christlichen Gesellschaften so wenig thematisiert wird. Sie begreifen nicht, warum es keine ausreichende Solidarität unter den Christen gibt. Doch ihr Schicksal bleibt ein Randproblem. In Deutschland wird eher über Kopftuchfragen diskutiert als über die Lage der Christen im Vorderen Orient. Dabei wünschen sich viele orientalische Christen nur eines: In ihrer mehrheitlich muslimischen Heimat wollen sie so viele Rechte haben wie die Muslime im mehrheitlich christlichen Europa.

 

( Schlagwort: GeoAußenPolitik )

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Thomas Rießler

Das Timing der Resolution ist durchaus nachvollziehbar: Zuerst über eine Million Moslems aus Kriegsgebieten ins Land holen, sie dann gegen uns aufhetzen und gleichzeitig den Abflug machen.

Gravatar: Frank Zimmermann

Es gibt keine "Regierung Merkel" mehr, sondern nur noch eine vermutlich unzurechnungsfähige Despotin namens Merkel, der leider niemand in Berlin zu widersprechen wagt. Was diese Frau noch sieht oder nicht, bleibt Spekulation. Darum sollten sich gute Ärzte kümmern.

Gravatar: rinhard

Das Fernbleiben von Merkel, Steinmeier und Gabriel bei
der Abstimmung zur Völkermord-Resolution der Osmanen/-bzw. Jungtürken ist nicht nur eine Schande, sondern zeigt auch die Verlogenheit und die Heuchelei gegenüber dem Deutschen Volke. Millionen deutscher Wähler werden dies hoffentlich bis zur BTW 2017 nicht
mehr vergessen! Merkel zieht sich feige zurück um den
türkischen Islamisten Erdowahn nicht zu beleidigen.
Auf diese Bundeskanzlerin brauchen die Deutschen
wirklich nicht stolz zu sein. Sie ist eine Schande für die-
ses Land. Ebenso wie alle übrigen von SPD, Grünen
und Linke. Das seldschukische barbarische Nomaden
und Reitervolk (dazu bekennt sich der Islamist Erdo-
wahn ausdrücklich) hat Europa und im speziellen uns
noch nie gut getan. Das begann mit der unglücklichen
Weltreichidee Wilhelm II und seinem osmanischen Ver-
bündeten. Und als dies beendet war beging Deutsch-
land in den 1960igern erneut den Fehler sich mit der
Türkei einzulassen indem sie anatolische Mohammeda-
ner als Hilfsarbeiter hierherholte die nach Ablauf Ihrer
Arbeitserlaubnis nicht wieder gingen (denn Sie sahen
ja den großen Unterschied zur rückständigen Türkei)
bis zu Merkel und Ihren unverantwortlichen Gesten
gegenüber dem Islamisten Erdowahn.

Und der Deutsche Michel bleibt ungerührt und hängt
lieber bei der Verblödungshysterie Fußball ab. Das
ist kollektiver Nationentod.

Gravatar: Django

Schaut Euch das Geschwätz der Linken, Grünen, Roten und Schwarzen an und stellt Euch die Frage: um was geht es denen eigentlich? Ich kann da nichts erkennen, was mehr als ein phantasierendes Multikulti sein kann. Ein riesiger Feldversuch ohne Rücksicht auf Christen und eigenere Bevölkerung, demagogisch immer wieder als hohes Gut der Menschheit verkauft. Ein wirkliches Konzept oder alleine nur den Durchblick hat keiner dieser Schwätzer, am wenigsten noch die einfälltige Kanzlerin.

Gravatar: Karl Brenner

Ich sehe den christlichen Orient kritisch.

Nachdem die Juden während der letzten Jahrzehnte alle nach Israel geflüchtet sind, holen Merkel und die Altparteien nun die TÄTER-Kulturen nach Deutschland, statt den Christen zu helfen.

Die völlige Verneinung kultureller Identitäten und deren Interaktion untereinander ist ein typisches Merkmal unserer aktuellen Regierungen, deren angeschlossenen Medien und deren gekauften Mitläufer (Kirchen, etc).

Es gibt Unterschiede. Und die kann man nach der Sozialisation in einem Kulturraum nicht einfach nivellieren. Besonders nicht, wenn es sich um eine Massenüberflutung handelt. Man wird sich formieren und man wird zusammenhalten und man wird weiter seine Herkunftskultur pflegen. Wie die zahlreichen Übergriffe, Vergewaltigungen, Diebstähle, Körperverletzungen und anderen Gewalttaten offenbaren. Da nützt es auch nicht, eine Nachrichtensperre über die bekannten Medien (ARD, ZDF, faz, welt, zeit, etc) zu verhängen.

Gravatar: Judith

"In den USA haben mittlerweile 44 Bundesstaaten den Genozid als solchen anerkannt."

Ja. Aber nicht die amerikanische Regierung unter Obama, obwohl er es in seinem Wahlkampf versprochen hatte. Ich denke, bei solchen Resolutionen geht es gar nicht wirklich um die Opfer des Genozid- es geht um Politik, Geostrategie und Machteinfluss.

Gravatar: Franzkeks

Schicksalstag 29. Mai 1453 in Konstantinopel: 80.000 türkische Kopfabschneider eroberten die Stadt. Eine hohe Kultur kapituliert. Viele Bauten der Kaiserzeit sind im Laufe der folgenden Jahrhunderte verschwunden, vor allem Kirchen wurden zu Moscheen umgewidmet. Die Christen wurden versklavt und an öffentlichen Plätzen bis vor 100 Jahren wie Vieh verkauft. Die Osmanen, wie die Kommunisten beseitigen die christliche Elite und zerstörten das Bildungswesen.

Gravatar: KritischeStimme

heutige Nato steht fuer Provokation,Katastrophen,Menschenleid,misslungene Kriegsabenteuer, Missachten von Ordnung+Menschenleben+Ethik+Moral.Als Folge sind im NahOst 1,5 mio Christen unter erbaermlichen Umstaenden verjagt.Das provokative Vorgehen+der agressive NatoTon ist ganz gut zu verstehen weil Ukraine,Syrien,Lybien sehen aus als wieder verlorene Kriege,geplant v/d US-NatoKriegsPlanern.Die Liste der US-NatoFehlKriege lautet schon Lybien,Irak,Afganistan,Somalia,Ukraine,Syrien,Kosovo,Yemen,Georgien,mit vielen Menschenrechtsverletzungen+immensen Fluechtlingstroemen.Geldsummen belaufen sich auf Hunderten v Miliarden Euro fuer EU.Vielleicht wachen EU-NatoMinister jetzt auf das Alles wieder ganz schief gelaufen ist.Man hat einfach USA-WeltKriege finanziert,Folge verlorenes Ansehen i/d Welt als Marionnet-Kriegstreiber v USA,sichselbst beschaedigend in Wirtschaftsinteressen+historischen Wachstumschancen.Europa Untergang bringend statt Wohlstand.Fuer diese Politik sollte man die EU-NatoMinister sofort entlassen. Ueberall wo die Nato aktiv war versinken Laender+Regionen im Chaos

Gravatar: H.von Bugenhagen

Na ist denn das..Bald heißt es ,,Untergang des Islam im Vorderen Westen,,

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