Einheit aus Recht, Tradition und Religion im Islam

Scharia: Die größte Schwierigkeit der Integration

In islamischen Ländern ist die Vorstellung von der Einheit aus Recht und Religion sehr verbreitet. Im Westen wird strikt getrennt: Recht, Religion, Kultur und Wissenschaft sind eigene Kategorien.

Foto: Akif Sahin / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
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Der größte Unterschied zwischen Europa und der islamischen Welt liegt in einem bestimmten Denkansatz. In Europa haben die Renaissance und Aufklärung zu einem Aufspaltungsprozess der Wertekategorien geführt: Recht ist Recht, Religion ist Religion, Wissenschaft ist Wissenschaft, Kultur ist Kultur. Das eine darf nicht mit dem anderen vermengt werden. Der Soziologe Niklas Luhmann hat diesbezüglich von „funktionaler Differenzierung“ gesprochen. Die Welt des Rechts ist ein anderes Denksystem mit einer anderen Logik als die Welt der Religion oder der Naturwissenschaft.

Im islamischen Kulturraum ist dagegen noch die Vorstellung weit verbreitet, dass das Recht, die Religion und die Kultur eine harmonische Einheit bilden. Daher haben 1990 die Außenminister von 45 islamischen Staaten in Kairo eine Erklärung unterzeichnet, die die internationalen Menschenrechte im Sinne der Scharia definiert. Die Scharia wird dort explizit als einzige Quelle der Menschenrechte genannt. Diese Erklärung steht im Gegensatz zur UN-Menschenrechtskonvention.

In vielen islamischen Staaten ist die Scharia die Grundlage des nationalen Rechtes. Kein mehrheitlich islamisches Land hat es geschafft, sich vollständig von der Scharia zu lösen. Auch die Bewertung aller kultureller, gesellschaftlicher und sogar wissenschaftlichen Fragen wird im religiösen Kontext gesehen. Naturwissenschaften sind in Staaten wie Saudi-Arabien oder dem Iran streng limitiert, wenn sie zu Aussagen führen, die dem Koran widersprechen. Die Evolution des Menschen im Stammbaum der Säugetiere ist dort kein Forschungsthema.

Wir denken in getrennten Kategorien

In der Kultur des Abendlandes sind Religion und Recht getrennt. Die religiöse Weltanschauung eines Menschen spielt vor Gericht keine Rolle. Das, was zählt, sind die Paragraphen. Argumentiert wird im Rahmen eines juristischen Diskurses, der sich auf das Gesetz bezieht.

In der Naturwissenschaft spielt die religiöse Weltanschauung eines Menschen ebenfalls keine Rolle. Fakt ist Fakt. Der Erkenntnisprozess des naturwissenschaftlichen Denkens ist hypothetisch-deduktiv. Das heißt: Es wird eine Hypothese aufgestellt, die durch Experimente entweder verifiziert oder falsifiziert wird.

Die Trennungen der Wertekategorien ermöglichen uns die Freiheiten im Sinne der Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Freiheit der Kunst und Freiheit der Wissenschaft. Wir sind dieses Denken in unterschiedlichen Kategorien gewöhnt. Sobald Religion und Ideologie in diese Bereiche eingreifen, sehen wir uns in unserer Freiheit eingeschränkt.

Die Trennung der Wertekategorien ist historisch gesehen neu

Historisch gesehen hat es in fast allen Zivilisationen eine Einheit aus Kultur, Recht, Gesellschaft, Kunst und Religion gegeben. Das war im alten Ägypten und Mesopotamien so, im antiken Griechenland und Rom, in China und im hinduistischen Indien, im mittelalterlichen Europa und im islamischen Orient.

Im mittelalterlichen Europa bestimmten das Christentum und die Kirche den hierarchischen Aufbau der Gesellschaft, das Rechtssystem und die Kunst. Alles andere galt als Blasphemie. Fast alle alten Universitäten Europas waren ursprünglich als theologische Fakultäten gegründet worden. Dann kamen das Recht und die Medizin hinzu. Doch das Recht stand immer noch im Schatten der Religion.

Es brauchte die Folge von Renaissance, Reformation, Gegenreformation, Aufklärung und gesellschaftlichen Revolutionen, um die einzelnen Felder zu trennen. Das war kein Schritt von heute auf morgen. Das war ein langer, schmerzhafter Prozess, der von Kriegen begleitet war. Noch heute fällt es vielen Menschen schwer, das eine vom anderen zu trennen.

In Staaten wie Indien und China ist dieser Prozess noch lange nicht abgeschlossen. Das indische Kastensystem ist zwar rechtlich abgeschafft, aber immer noch im Bewusstsein der Bevölkerung omnipräsent. Auch in China kann man sich schwer von der Vorstellung lösen, die Wertekategorien zu trennen. Das ideal in China ist die sogenannte harmonische Gesellschaft, in der nach der Vorstellung des Konfuzianismus alles eine in sich geschlossene Einheit bildet.

Die strikte Trennung der Kategorien von Recht, Religion, Kultur, etc. hatten die Europäer in der Zeit des Kolonialismus in alle Welt exportiert. Und noch heute stellt der Westen diese Trennung als Idealbild hin. Doch auch wenn viele Staaten diese Trennungen offiziell übernommen haben, so handelt es sich um oberflächliche Trennungen. Sie sind noch nicht im Bewusstsein vieler Menschen angekommen.

Islam ist ein ganzheitliches System

Scharia-Gerichte? Ehrenmorde? Töten Ungläubiger? Islamische Verfassungen? Glaubenskriege? All diese Erscheinungen sind Bestandteil einer ganzheitlichen Weltsicht, wie sie im Islam dominiert. Der Islam wird von den meisten Muslimen nicht nur als Religion, sondern als komplettes religiös-gesellschaftlich-kulturelles Gesamtkonzept verstanden. Individuell gelebter und geglaubter Islam, politischer Islam, gesellschaftlicher Islam – das ist alles eins. Es handelt sich um eine göttliche Ordnung.

Die Idee einer göttlichen Ordnung als archaisches Gesamtkonzept, die Welt zu verstehen, zu bewerten und zu ordnen, war bis zum Mittelalter nahezu weltweit verbreitet. In vielen traditionellen Gesellschaften sind diese Denkformen auch heute noch stark verbreitet.

Viele Menschen, die in traditionellen Gesellschaften aufgewachsen sind, haben beim Kontakt mit dem Westen ihre Schwierigkeiten damit, die Wertekategorien zu trennen. Deshalb suchen viele Muslime in Europa und in den USA immer noch die Scharia-Gerichte und Islamgelehrten auf, um rechtliche, moralische oder familiäre Streifragen zu klären.

Es dauert Generationen und bedarf einer intensiven schulischen Aufklärung, um Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund daran zu gewöhnen, dass in Europa die Wertekategorien funktional differenziert sind. Wie schwierig dies ist, zeigt sich daran, dass selbst Europäer immer wieder dazu neigen, die Kategorien zu vermischen, wenn etwa das Gedankengut einer Ideologie (z.B. Sozialismus, Kommunismus, Faschismus) auf alle Felder des gesellschaftlichen Lebens übertragen werden soll. Dogmatismus sowie autoritäre und totalitäre Denkformen sind der Tod des aufgeklärten Liberalismus unserer Gesellschaft. Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit sind ohne die Trennung der Kategorien wie Religion und Recht nicht möglich.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Karin Weber

Man kann das alles abkürzen: Hier gilt ein Gesetz und wer sich dem unterordnet, kann bleiben. Wer dies nicht tut, wird bestraft und/oder muss das Land verlassen.

Wir brauchen uns nicht mit fremden Kulturen zu befassen, hier ist und bleibt Deutschland. Da es mittlerweile tatsächlich ist, dass sich verschiedenste Nationalitäten und Kulturen nicht bei uns zurechtfinden, dürfen die erst gar nicht mehr ins Land gelassen werden. Andernfalls ist der innere Frieden und das Grundgesetz in Gefahr.

Gravatar: Donald Ganter

So, nur noch etwas Ausführlicher und vor allem deutlicher hat es am 18.5.2016 im tschechischen Abgeordnetenhaus anlässlich einer Konferenz mit dem Titel „Sollen wir Angst vor dem Islam haben?" die tschechische Rechtsanwältin JUDr. Klára Samková in einer Rede vorgetragen. Wörtlich unter anderem:"

.......Der Islam hat die gleichen Züge wie Nazismus, Faschismus, Kommunismus. Er ist so, trotz der Tatsache, dass er sich hinter einer Religion versteckt. In Wirklichkeit ist er vor allem eine staatskriminelle und verbrecherische Ideologie und ein nicht reformierbares Regierungssystem...
.....Islam und sein Scharia-Rechtssystem sind unvereinbar mit den Grundsätzen des europäischen Rechts, insbesondere den Rechten die in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankert sind....
... die Folge dieser kompletten Raum-Zeit-Starre des Islams ist, dass gerade Völker, die unter muslimischer Ideologie leiden, am meisten verwüstet werden...."

Sehr lesenswert:
http://www.pi-news.net/2016/06/muslime-auf-dem-weg-in-den-untergang

Gravatar: Lisje Türelüre aus der Klappergasse

"Es dauert Generationen....." mag sein, aber nicht bei uns!
Dieses ISSBe.V. spekuliert auf generationenlange Arbeitsplätze in einer Integrationsindustrie!
Wollen wir nicht, brauchen wir nicht!
Im übrigen können die Muslime in ihren Heimatländern unter der Scharia glücklich werden, wenn sie es denn so wollen.

Gravatar: Sepp Kneip

"Scharia-Gerichte? Ehrenmorde? Töten Ungläubiger? Islamische Verfassungen? Glaubenskriege? All diese Erscheinungen sind Bestandteil einer ganzheitlichen Weltsicht, wie sie im Islam dominiert. Der Islam wird von den meisten Muslimen nicht nur als Religion, sondern als komplettes religiös-gesellschaftlich-kulturelles Gesamtkonzept verstanden."

Und genau deshalb gehört der Islam nicht zu Deutschland. Wenn er zu Deutschland gehören würde, müsste das alles zugelassen werden. Das darf auf keinen Fall geschehen. Man kann sich allerdings oft des Eindrucks nicht erwehren, dass Politiker und manchmal auch Gerichte Scharia-Gedanken ins deutsche Recht einfließen lassen möchten. Dem muss unbedingt entgegengewirkt werden. Nur wenn Muslime, die in Deutschland leben und sich allein am Grundgesetz und deutschem Recht orientieren, können sie sich in Deutschland integrieren. Wer das nicht will, muss halt wieder gehen. So einfach sollte das sein. Es kann nicht sein, dass nach jahrhunderte langem Kampf für Trennung von Kirche und Staat in Europa das alles von vorne los gehen soll.

Gravatar: lector

Langsam scheint es sich herumzusprechen, wes Geistes Kind DIE sind.

Man sagt DENEN, sie sollen "zurückgehen", wo sie hergekommen sind, wenn sie unsere Werte ablehnen oder eben nur "vorübergehend" respektieren, solange sie in der Minderheit sind (in der "Diaspora").

Die Antwort ist immer häufiger: "Ich bin von hier, bin hier aufgewachsen, hier geboren!"

Ja, das seid ihr vielleicht, aber euer Kopf ist ganz weit weg, nämlich im Orient geblieben, wo eure Eltern oder Großeltern herkommen, die hier im Lande nur körperlich anwesend sind; im Wohnzimmer hängt die türkische Flagge, der Fernseher ist auf Südosten gepolt, man wählt wahrscheinlich AKP, hört türkische Musik und die Kinder sollen Türken heiraten, vielleicht noch Araber. Von christlichen oder atheistischen Kuffar hält man sich fern, wie es das unheilige Buch gebietet, und Demokratie ist nur ein Lippenbekenntnis.

Wenn jetzt die türkische Partei gegründet wird, werden einige Dinge klarer werden, und manche linke Parteien verlieren ihre treuesten Wähler - tja, aufs falsche Pferd gesetzt, liebe lausige Link*Innen. Wer soll euch noch wählen, wenn selbst eure Lieblinge jetzt stiften gehen? Die von euch verratenen arbeitenden Deutschen? Kaum noch, so dumm sind selbst deutsche WählerInnen nicht auf Dauer.

Vorverurteilen soll man niemanden. Viele Türken sind Atheisten, Atatürk-gesinnt, alevitisch-gemäßigt oder einfach säkularisierte Moslems ohne strenge Glaubensbindung, vielleicht sogar Christen.
Mit solchen Mitbürgern sollte es kein Problem geben, solange sie nicht allzu nationalistisch sind.

Ansonsten sollte damit begonnen werden, den Einfluss des Islams zurückzudrängen und vor allem keine neuen Moslems mehr ins Land zu lassen oder gar einzubürgern. Das wird aber ein langwieriger Prozess sein müssen, den man wohlüberlegt angehen muss.

Voraussetzung hierfür ist natürlich eine politische Wende.
Wenn die große deutsche Mehrheit, die den Islam ablehnt, endlich erkennt, wie relevant dieses Thema für die Zukunft des Landes und unsere Freiheit ist, dann wird sie sich auch entschließen, die einzige Partei zu wählen, die diese Sache angehen will, die friedliche Reconquista, eine Herkules-Aufgabe, die Jahrzehnte dauern wird.

Vielleicht kriegen wir die Kurve noch. Aber knapp wird es schon. Bis zu den entscheidenden Wahlen ist es nicht mehr lang. Mecklenburg-Vorpommern muss ein starkes Signal setzen, dass die AfD stärkste Partei werden kann und dann eine klare, überzeugende Politik vorlegt, als Vorreiter für die weiteren Wahlen bis 2017.

Solange eine religiöse Ideologie z.B. das Tötungsgebot für Apostaten nicht abschafft bzw. solche Koranstellen offiziell für ungültig erklärt, weist sie die nötige Mindest-Toleranz nicht auf, um selbst Toleranz und Bekenntnisfreiheit für sich selbst einzufordern; muss ergo VERBOTEN werden, weil sie gegen jedes bestehende Recht verstößt.

Solange der Islam die im Artikel beschriebene westliche kategoriale Trennung nicht vollzieht, kann er im und vom Westen nur abgelehnt und bekämpft werden. Eine vorübergehende Anerkennung des säkularen Rechts heilt die Illegalität einer verfassungsfeindlichen, weil menschenfeindlichen Weltanschauung keineswegs.

Es dürfen keinesfalls "Verträge" abgeschlossen werden, die der Gegenseite die Illusion erlauben, bei geänderten Macht- oder Mehrheitsverhältnissen den Vertrag einfach annullieren zu können, um dann den Kampf für das eigentliche Ziel aufzunehmen, den Allah-Staat, wo alle Freiheiten annulliert sind zugunsten eines totalitären Systems wie im frühen Mittelalter von Gröfaz dem Ersten erfunden.

Gravatar: Ron Ceval

Jetzt noch einmal verkürzt: Islam ist im Staatswesen wie Schwangerschaft: entweder - oder. Ein "bißchen Islam" gibt's nicht.
Eigentlich paßt das Bild von Tollwut besser: der Krankheitsverlauf ist immer tödlich, wenn Sofortmaßnahmen verpaßt wurden.

Gravatar: Reiner Schöne

Nun, Integration muß man wollen ansonsten kann man versuchen was man will, es klappt nicht. Wer in ein anderes Land auswandert, muß den Willen haben sich dem neuen Land anzupassen. Wer natürlich arbeiten will, in dem neuen Land leben will, aber sein altes Leben nicht bereit ist es aufzugeben, hat nicht nur selbst ein Problem sondern die Bevölkerung des neuen Landes auch.

Gravatar: Karl Brenner

Man tut so, als wenn die Bekenntnisfreiheit der einzige Artikel im ganzen Grundgesetz ist.

Die Verfassungswirklichkeit ist aber immer ein Abwägen zwischen sich widersprechenden verschiedenen Artikel.

Gravatar: H.von Bugenhagen

Die Deutsche Politik hat mit Kohl sein Ende gefunden.
Bei Ulbricht ,Schmidt und Brandt war die Welt noch in Ordnung

Gravatar: H.von Bugenhagen

Na ist denn das..,,Wer den Islam leben will soll zuhause bleiben,,Hier gibt es zu viele Christen und das macht ihnen doch nur Angst.

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