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Medien deuten Papst-Rede fehlerhaft

Gewisse Medien picken sich aus der papst-Rede vor dem Europäischen Parlament das heraus, was ihnen in den Kram passt. So zeichnen sie ein falsches Bild. Franziskus ist daran nicht unschuldig.

Foto: Lupo / pixelio.de
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Der Papst und die Medien, zumal die linken – das ist ein Verhältnis, das, wie es aussieht, geprägt ist von Missverständnissen. Die Rede, die Franziskus gerade vor dem Europäischen Parlament gehalten hat, gibt davon ein eindrucksvolles Zeugnis. Denn wer diese Rede mitverfolgt hat und somit weiß, was gesagt wurde, und dann liest, was gewisse Zeitungen daraus machen, dem springt die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit sehr deutlich ins Auge.

Franziskus ist ja sowieso der Liebling vieler oder eigentlich fast aller Medien: Nach dem als Panzerkardinal geschmähten Ratzinger endlich einer auf dem Stuhl Petri, der so locker, so unkonventionell, so volksnah und sozial ist! Nicht so dogmatisch, streng und entrückt! Hach, wie erfrischend! Doch die Art Franzens täuscht über seine Meinung und die Lehre, die er vertritt, hinweg. Verwunderlich ist eigentlich nur, dass sich der Mythos vom Erneuerer oder Revolutionär so lange gehalten hat.

Bezeichnend ist der Kommentar von Gregor Peter Schmitz im Spiegel, in dem der Journalist im Vorfeld der Rede seine Erwartungen äußerte: Der argentinische Papst solle sich als »Missionar für Europa« betätigen und »die Politiker und mit ihnen die 500 Millionen EU-Bürger an drei unbequeme Wahrheiten erinnern, die moralische statt nur politische Antworten verlangen.« Schmitz denkt an die Toten an den europäischen Außengrenzen (»Du sollst nicht töten«), an die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Eurozone (»Hochmut und Greiz sind Todsünden«) und an den als anstößig empfundenen Steuerwettbewerb, insbesondere die Praktiken Luxemburgs und der Niederlande (»Pharisäer kommen nicht ins Himmelreich«).

In gewisser Hinsicht erfüllt der Papst Schmitzens Wunsch. Er sprach von Wirtschaft und schlecht bezahlter Arbeit, die die Würde des Menschen verletzt. Auch die Migrationsfrage sprach er an und dass man verhindern müsse, »dass das Mittelmeer zu einem großen Friedhof wird!« Eben diese Formulierung nahmen beispielsweise die Frankfurter Rundschau und das Neue Deutschland dankbar auf. Des Papstes Herleitung dieser Forderung und welche weiteren Forderungen sich ergeben, das allerdings verschweigen diese Organe geflissentlich. Oder haben sie sie nur übersehen?

Von der Rede des Papstes bleibt – einstweilen – also nur die Formulierung vom Mittelmeer als Friedhof hängen. Dass er sich gegen Abtreibung ausspricht, erfährt keiner: Er prangert an, dass man den Menschen »nach dem Maß eines zu gebrauchenden Konsumgutes« behandelt, das »ohne viel Bedenken ausgesondert wird wie im Fall der Kranken im Endstadium, der verlassenen Alten ohne Pflege oder der Kinder, die vor der Geburt getötet werden.« Ähnlich verhält es sich mit der ziemlich prominent ausgeführten These von der Notwendigkeit, sich auf die christlichen Wurzeln Europas zurückzubesinnen und von der Erwartung, das Recht »harmonisch auf das größere Wohl hin« auszurichten, damit es nicht »als unbegrenzt aufgefasst und damit zur Quelle von Konflikten und Gewalt« wird, wie er mahnte.

Man sieht also, dass der Papst verschiedene Dinge gesagt hat, dass einige Medien aber nur einzelne Teile davon herausgepickt haben, die in ihr Bild passen, das sie sich vom Papst machen. Sicherlich: Franziskus beklagt die Toten, die in Lampedusa an den Strand gespült werden. Aber er fordert auch dazu auf, die europäische Identität zu wahren und wiederherzustellen. Er prangert Arbeitsverhältnisse an, die die Würde des Menschen verletzen, aber er fordert zugleich zum Schutz der Familie und des ungeborenen Lebens auf.

Vielleicht ist Franziskus einfach nur ein schlechter Redner, dem es einfach nicht gelingt, seine Reden so zu proportionieren, dass seine Botschaft von allen verstanden wird. Möglicherweise ist auch die Rede vor dem Europäischen Parlament ein Beispiel für die fatalen Wirkungen einer Rhetorik, die auf theologische Begrifflichkeiten verzichtet. Es wäre ein Zeichen gesunder Selbstbeschränkung, wenn Franziskus rhetorisch weniger Anleihen bei der Politik machen würde als bei der Theologie. Sein Vorgänger im Amt, Benedikt XVI., könnte ihm da ein Vorbild sein.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Werner N.

@ Joachim Datko
Mit Ihrer Behauptung vom erfundenen Wanderprediger Jesus gehören Sie einer intellektuellen Minderheit an. Statt ständiger bloßer Wiederholung sollten Sie mal wissenschaftliche Argumente liefern. In Wikipedia ist zu lesen: …“halten gegenwärtige Historiker und Neu–Testamentler Jesu Existenz zumeist für gesichert“ … G. Ebeling (2012): …“Das Bestreiten der Historizität Jesu hat sich historisch als unhaltbar erwiesen“… meint die überwiegende Mehrheit der Historiker und Religionswissenschaftler.

Gravatar: der letzte Deutsche

" .......... das allerdings verschweigen diese Organe ( die FRANKFURTER RUNDSCHAU
und das NEUE DEUTSCHLAND) geflissentlich. Oder haben sie sie nur übersehen ?"

Nein ! Falsch !
Denen fehlt, wie immer, nur der intellektuelle Zugang zu solch schwierigen Themen.
Die haben dieses komplexe Thema einfach nicht verstanden. Wie sollten sie auch ?
Haben Linke in den letzten hundert Jahren überhaupt schon einmal etwas richtig oder auch nur logisch gedeutet, bzw. auf entsprechende Herausforderungen folge- richtig gedacht und gehandelt ?

Gravatar: Stephan Achner

Dass die Frankfurter Rundschau, der Spiegel, das Neue Deutschland und wie diese Linkspostillen alle heißen, sich aus einer Rede herauspicken, was ihrer ideologischen Weltsicht gefällt, ist doch nicht anders zu erwarten. Diese Form der Lesermanipulation betreiben diese sog. Zeitungen doch täglich, egal wer eine Rede hält und was gesagt wird.

Gravatar: Joachim Datko

Das Christentum ist ein Lügengebäude!

Den angeblich wundertätigen Wanderprediger hat es nicht gegeben. Wir werden dieses Jahr wahrscheinlich einen neuen Rekord bei den Kirchenaustritten der beiden Kirchensteuerkirchen sehen, es gilt den bisherigen Rekord, von 1992 mit 554.000 Austritten, zu übertreffen.

Joachim Datko - Physiker, Philosoph
Forum für eine faire, soziale Marktwirtschaft
http://www.monopole.de

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