Terrorismus

IS: Ausweitung der Kampfzone

Ägypten gerät in den Strudel des IS-Terrors. Koptische Gastarbeiter wurden in Libyen enthauptet. Die ägyptische Luftwaffe bombardierte IS-Stellungen in Libyen. Damit wurde die Kampfzone ausgeweitet.

Foto: Hamed Saber/flickr.com/CC BY 2.0
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Die Saat des Terrors geht auf. Die terroristischen Milizen des selbsternannten „Islamischen Staates“ (IS) provozieren mit ihren grausamen Anschlägen und Hinrichtungen allseits den militärischen Gegenschlag. So soll die Kampfzone ausgeweitet werden. Ihr perverser Plan funktioniert.

Erst wurde das Königreich Jordanien durch die Verbrennung eines jordanischen Kampfjet-Piloten herausgefordert. Die jordanische Regierung reagierte prompt mit verstärkten Luftangriffen auf Stellungen des IS in Syrien.

Nun wurde Ägypten mit einer grausamen Tat provoziert. Terroristen des IS-Ablegers in Libyen haben vor wenigen Tagen 21 koptische Gastarbeiter aus Ägypten enthauptet. Das ägyptische und libysche Militär übten mit Luftschlägen Vergeltung. Doch bei diesen Luftangriffen kamen auch unschuldige libysche Zivilisten ums Leben. Die Stimmung kocht hoch.

Die Spirale der Gewalt dreht sich. Dies scheint so gewollt zu sein. Der IS braucht den Kampf, um seine Existenz zu rechtfertigen. Je mehr Gegner der IS hat, desto verbissener kämpfen seine Anhänger, desto mehr Fanatiker aus aller Welt schließen sich ihnen an. In diesem Kontext ist auch die jüngste mutmaßliche Verbrennung von rund 30 Menschen im Irak zu deuten. Die unbedingte Grausamkeit des IS soll ein Signal an die Welt sein.

Ägypten will UN-Mandat für weitere Militärschläge

Die ägyptische Regierung von Präsident Abdel Fattah el-Sisi (Abd al-Fattah as-Sisi) drängt auf ein UN-Mandat für einen Militäreinsatz in Libyen. Ägypten befürchtet, dass im von dem „Islamischen Staat“ (IS) beherrschten Teil Libyens eine neue Brutstätte für Terrorkämpfer entsteht wie in Syrien, im Nordwestirak, im Jemen oder Afghanistan.

Libyen ist zurzeit zweigeteilt. Tripolitanien im Westen des Landes ist unter Kontrolle der international anerkannten libyschen Regierung. Die Cyrenaika im Osten Libyens ist unter Kontrolle einer radikal-islamischen Gegenregierung. Diese hat ihren Sitz in Tobruk, einer Küstenstadt am Mittelmeer, unweit der ägyptischen Grenze.

Ägypten muss den Terrorismus an drei Fronten zu bekämpfen: Da gibt es die IS-Terroristen an der libysch-ägyptischen Grenze, die fanatischen Ableger der Muslimbrüdergruppen im Landesinnern und schließlich die radikal-islamischen Beduinenkämpfer im Sinai und an der Grenze zu Israel und Gaza.

Libyen scheint – wie zurzeit auch der Jemen – den Weg Syriens und des Irak einzuschlagen. Diese Länder lösen sich in ihre Volk-, Stammes- und Konfessionsgruppierungen auf. Das Chaos ist vorprogrammiert. Dies ist der ideale Nährboden für neuen Terrorismus.

Kopten sind besonders gefährdet

Ebenso wie die Christen und Jesiden in Syrien, so sind auch die koptischen Christen in Ägypten das klassische Angriffsziel der islamistischen Terroristen. Die Kopten waren zahlreich unter den Demonstranten gegen den alten Präsidenten Hosni Mubarak vertreten, weil sie sich mehr Demokratie und Freiheit, vor allem aber eine Bekämpfung der Armut und Korruption erhofft hatten. Ebenso zahlreich waren sie bei den Demonstrationen gegen den Muslimbruder Muhammad Mursi aktiv. Das haben die Muslimbrüder und andere streng islamische Gruppen Ägyptens den Kopten übel genommen.

Insgesamt stellen die Kopten rund 10 Prozent der ägyptischen Bevölkerung. Das sind etwa 8 Millionen Menschen. Damit sind sie als Minderheit zu groß, um wie die Christen in Syrien und im Irak vertrieben werden zu können. Die Kopten gehören seit jeher zu Ägypten. Vor der islamischen Eroberung Ägyptens im 7. Jahrhundert waren fast alle Ägypter koptische Christen. Die polytheistische Religion der Pharaonen war bereits im 4. Jahrhundert ausgestorben.

Doch seit der islamischen Eroberung mussten die Kopten sich immer wieder gegen Unterdrückung und Verfolgung wehren. Im frühen Mittelalter stellten sie noch die Mehrheit der Bevölkerung. Doch ab dem späten Mittelalter verschob sich das Zahlenverhältnis. Insbesondere koptische Klöster in der ägyptischen Wüste mussten sich immer wieder vor Überfällen der Beduinen schützen.

Im 20. Jahrhundert verlief die Verfolgung und Terrorisierung der Kopten in Wellen, die mal auf- und mal abebbten. In den letzten 20 Jahren nahm der Terror zu. Besonders bei Massendemonstrationen, wenn Kopten auf Muslime treffen, kommt es immer wieder zu Verletzten und Toten. Die Revolution von 2011 und die Gegenrevolution von 2013 haben die Situation verschärft. 2011 kamen bei einem Bombenanschlag in Alexandria in einer koptischen Kirche zahlreiche Menschen ums Leben. Wann immer Unruhe im Land herrscht und die Polizei die Kontrolle verliert, wird die Situation von einigen wenigen radikalen Muslimen ausgenutzt, um Gewalt an Kopten zu verüben. Während der Revolutionstumulte 2011 kam es sogar vor, dass ägyptische Armeeangehörige ein koptisches Kloster beschossen.

Die Kopten anzugreifen ist eine brandgefährliche Methode, um Unruhe und Aufruhr in Ägypten zu stiften, weil dadurch das Land gespalten wird. Und genau dies könnte ganz im Sinne der radikalen Vertreter des „Islamischen Staates“ (IS) zu sein. Denn unter den Kämpfern der IS-Milizen in Syrien und Libyen sollen sich zahlreiche radikale ägyptische Muslimbrüder befinden, die nach dem Sturz Mursis ins Ausland geflohen sind, um sich dem IS anzuschließen.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Alexander Scheiner, Israel

Ich befürchte, dass für die IS (Islamische Schlächter) die ganze Welt, die noch nicht IS-hörig ist, Kampfzone ist.

Im Islam nennt sich das Jihad.

Gravatar: Hans von Atzigen

Man fragt sich schon ob insbesondere den Tonangebenden Eliten aus Medien und Politik
auch nur annähernd bewusst ist was sich da im Islamischen Raum zusammenbraut.
Sinnlose Konfrontation gegen Osten, Russland. Gegenüber der Gefahr aus dem Süden
offenbar total blind.
Mit der immer offeneren Konfrontation gegen Russland wird ein sehr potenter Partner
blind dumm und sinnlos verprellt. Mit den Russen kann man zivilisiert Leben und Arbeiten.
Mit einem beängstigend sich ausbreitenden radikalen Islam nie.

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