Iran gegen Petrodollar

Iranisches Erdöl bald gegen Euro?

Nach dem Wegfall der Sanktionen darf der Iran wieder sein Erdöl in den Westen exportieren. Teheran will das Öl in Euro handeln. Dies ist ein Frontalangriff auf den Petrodollar.

Foto: Tim Evanson / flickr.com / CC BY-SA 2.0
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Es ist eine Nachricht, die in der Medienflut unterging, aber dennoch von großer Tragweite ist (CNN, Die Presse, CNBC, The Times of India). Nach dem Wegfall der Sanktionen will der Iran wieder groß in den Erdöl-Export einsteigen. Zudem will Teheran ausstehende Zahlungen von Kunden einfordern. Die große Änderung: Ausstehende Zahlungen und künftige Verträge sollen in Euro statt in US-Dollar abgewickelt werden.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte aus einer Quelle der „National Iranian Oil Company“ (NIOC): „Unsere Rechnungen kommen mit dem Hinweise, dass Käufer unseres Öls in Euro bezahlen müssen – unter Berücksichtigung des Wechselkurses zum Dollar am Tag der Lieferung.“
(“In our invoices we mention a clause that buyers of our oil will have to pay in euros, considering the exchange rate versus the dollar around the time of delivery.”) Da nach dem Wegfall der Sanktionen der Iran wieder an das internationale Zahlungssystem SWIFT angeschlossen sei, könne man die Währung wählen dürfen. Und der Iran wolle vor allem Euro.

Hintergrund sei, so wird berichtet, eine Direktive der Iranischen Notenbank. Diese stamme noch aus der Zeit der Sanktionen. Man wolle sich vom Einfluss der USA lösen. Der Iran und die USA sind seit der iranischen Revolution im permanenten Widerstreit.

2007 hatte der Iran sich darum bemüht, die Organisation der Erdölfördernden Länder (OPEC) zu einem Ausstieg aus dem US-Dollar und einem Umstieg zum Euro zu bewegen. Es gab zudem immer wieder Verhandlungen mit Vertretern Chinas, Erdöl in anderen Währungen zu handeln. Nun soll auch Indien als großer Importeur iranischen Öls seine Rechnungen nicht mehr in US-Dollar begleichen. Indien hat noch rund sechs Milliarden Dollar Schulden beim Iran.

Bereits im Jahre 2003 hatte der Iran damit begonnen, mit verschiedenen Kunden aus Europa und Asien das Erdöl in Euro zu handeln. 2006 wollte der Iran eine nationale Erdölbörse einführen, um den Export gänzlich in Euro abzuwickeln. Aber am Ende beließ man es bei einer Nummer kleiner: 2008 wurde eine Öl-Börse eröffnet, die iranisches Erdöl in der Landeswährung Rial handelt.


Schon seit längerer Zeit besteht ein Einverständnis mit verschiedenen europäischen – insbesondere italienischen und französischen – Energiekonzernen, dass ein Handel des iranischen Erdöls via Euro-Zahlungen sinnvoll sei. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei, dass Europa nach dem Wegfall der Sanktionen voraussichtlich wieder ein bedeutender Importeur iranischen Öls werden wird.

Was ist der Petrodollar?

Lange Zeit war der Wert des US-Dollars an einen definierten Gegenwert in Gold gekoppelt. Man spricht vom klassischen Gold-Standard. Die Goldreserven der USA galten als Sicherheit für die Stabilität der Währung. Seit 1944 galt das System von Bretton Woods. Dies war eine Vereinbarung zwischen den USA und 44 weiteren Staaten, den Goldstandard einerseits zu behalten, ihn aber mit den Vorteilen eines flexiblen Wechselkurssystems zu kombinieren. Großbritannien war dem neuen System gegenüber zunächst skeptisch, musste sich jedoch wegen der hohen Kriegskosten und Verschuldung bei den Vereinigten Staaten fügen. So wurden das System von Bretton Woods das international dominierende System und der US-Dollar die Weltleitwährung.

Doch in den 1960 und 1970er Jahren begannen verschiedene Staaten an den realen Gegenwerten in Gold zu zweifeln. Besonders Frankreich forderte sein in den USA gelagertes Gold zurück. Die US-Finanzpolitik wurde nervös und befürchtete einen Run auf das in den USA gelagerte Gold und einen Zusammenbruch des US-Dollars. Am 15. August 1971 verkündete US-Präsident Richard Nixon das Ende des Goldstandards und des Systems von Bretton Woods. Diese wichtige Ankündigung ging als sogenannter Nixon-Schock in die Geschichte ein. Die Wechselkurse wurden schließlich 1973 freigegeben.


Zur Stabilisierung der US-Währung rückte ein anderer Faktor in den Vordergrund. Seit dem Zweiten Weltkrieg hatte die Bedeutung des Erdöls und der Petrochemie stark an Bedeutung gewonnen. Die USA waren sowohl der größte Produzent als auch größter Verbraucher des Erdöls. Die meisten Erdölexporte der Welt – damals vor allem aus Venezuela – gingen in die USA und wurden in US-Dollar gehandelt.

Auch als Europas Öldurst gestiegen und die Bedeutung des Nahen Ostens als Erdölexporteur gewachsen war, wurde ein Großteil des Erdöls in US-Dollar gehandelt. Dafür sorgte unter anderem der Einfluss der US-Regierung auf Saudi-Arabien. Richard Nixon und sein Außenminister Henry Kissinger sorgten dafür, dass Saudi-Arabien sein Erdöl ausschließlich in US-Dollar exportierte. Im Gegenzug sicherten die USA dem saudischen Königshaus militärische Unterstützung zu. So konnte die saudische Führung einerseits einen festen Absatzmarkt gewinnen und sich gleichzeitig sicherheitspolitisch nach innen und außen absichern.

Dieses System ist heute global dominierend und wurde von den Amerikanern forciert. Die Dollarfaktuierung von Erdöl und Erdgas – verknüpft mit der weltweit steigenden Nachfrage nach diesem Grundrohstoff der Industrialisierung – führte zu einer beständigen Dollar-Nachfrage. So konnten der Wert des US-Dollars und der US-Staatsanleihen auch in Zeiten des Geldzuflusses durch das Drucken von zusätzlichen Banknoten relativ wertbeständig bleiben.


Rebellen gegen das Petrodollar-Imperium

Die Bedeutung des US-Dollars als Leitwährung sowie der Dollarfaktuierung von Erdöl- und Erdgasgeschäften ist so enorm, dass Abweichungen vom System von den USA mit großer Besorgnis betrachtet werden.

Verschiedene Staaten haben versucht, sich vom Petrodollar-System zu lösen. Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi plante eine goldgedeckte Währung für Afrika und wollte Libyens Öl nur gegen diese Währung verkaufen. Im Irak hatte der Diktator Saddam Hussein zum Jahrtausendwechsel verkündet, das Erdöl seines Landes gegen Euro zu verkaufen. In Venezuela hatte Hugo Chávez sich für eine Euro-Faktuierung des Öls stark gemacht.

In Russland und China wird seit längerem über einen schrittweisen Ausstieg aus dem Petrodollar-System nachgedacht. Man will zunehmend Erdöl und Erdgas in Rubel und Yuan Renminbi handeln. Schließlich waren auch Syrien und der Iran seit langer Zeit Kritiker des Petrodollars.

Zusammenhang zwischen Petrodollar und US-Außenpolitik

Geo- und sicherheitspolitische Entscheidungsprozesse finden unter Abwägung unterschiedlichster Faktoren statt. Inwieweit die Verteidigung des US-Petrodollar-Systems angesichts der hohen US-Schulden Einfluss auf die US-Außenpolitik hat, ist umstritten. Deutlich ist jedoch folgende Korrelation: Alle Staaten, die sich dem Petrodollar-System entgegenstellen, werden als außenpolitische oder sicherheitspolitische Bedrohungen (Iran, Irak, Syrien, Russland, etc.) dargestellt oder als zukünftige geostrategische Konkurrenten (z.B. China) gewertet.

Klar ist, dass das komplette Finanzsystem mit dem globalen Rohstoffhandel auf engste verflochten ist. Wie bei einem Seismometer werden geringste Vibrationen wahrgenommen und vom Kurs abweichende Regierungen und Konzerne auf die eine oder andere Weise ermahnt oder unter Druck gesetzt. Dies zeigt sich daran, in welchen Ländern Oppositionen unterstützt werden und in welchen nicht. Während der Iran, der seit langem am Stuhlbein des US-Petrodollars sägt und eng mit Russland und China kooperiert, hart angegangen wurde, bleibt Saudi-Arabien von solcherlei Maßnahmen verschont.


Ob die aktuelle Entscheidung des Irans, den Euro als Hauptwährung für seinen Erdölexport zu wählen, von den USA geduldet wird oder nicht, hängt nun vor allem davon ab, wie sich der Euro zum US-Dollar verhält. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

( Schlagwort: GeoAußenPolitik )

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Gino Morelli

Seit Putin und nun Trump, dreht sich die Erdkugel etwas anders...

Gravatar: Benni

Für die USA ist diese Entscheidung nicht hinnehmbar, sie werden den Iran bombardieren. Warum? 9/11 als Argumentation. Versteht eh keiner.

Gravatar: H.von Bugenhagen

Na ist denn das..
Wer braucht schon Öl wen Elektronik Fahrzeuge von der Regierung mit50% gesponsert wewrden.
Dann kann der Orient im Öl Baden.

Gravatar: Alfred

Wie auch immer - ein positiver Ansatz!

Gravatar: Freigeist

Die absoluten Zahlen des Exportes aus Iran sind marginal, in Bezug auf den Welthandel. Geräusch um fast nichts.

Gravatar: Coyote38

Wer waren noch gleich die letzten Staatschefs, die ihr Erdöl gegen Euro verkaufen wollten ...?

RICHTIG ... das waren die Herren Saddam Hussein und Muammar al-Gaddafi ... was ist eigentlich nochmal schnell aus denen geworden ...?

Gravatar: Klaus Kolbe

Da darf man sicherlich sehr gespannt sein, wie es weitergeht.

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