Visegrád und »Drei-Meere-Initiative«

Erstreckt sich Europas Rückgrat bald im Osten?

Die osteuropäischen Staaten der Visegrád-Gruppe und »Drei-Meere-Initiative« bilden in Europa ein Gegengewicht zur EU-Troika Paris-Berlin-Brüssel. Das ist der Bundesregierung ein Dorn im Auge. Sie will im Osten vermehrt mitmischen, um ein Auseinanderdriften der EU zu verhindern.

By JayCoop [CC BY-SA 4.0 ], from Wikimedia Commons
Veröffentlicht: | Kategorien: Reportagen, Reportagen - Empfohlen, Startseite - Empfohlen | Schlagworte: EU, Drei-Meere-Initiative, Visegrad
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Die EU ist in Gruppen zersplittert. Während der Süden mit Italien, Spanien und besonders Griechenland mit Haushaltsproblemen und Schulden zu kämpfen hat, hat der Westen mit Frankreich, den BeNeLux-Staaten und Deutschland ein Migrations-Problem. Großbritannien sagt »Good bye!« und die Schweiz will nicht »Gruezi!« sagen, sondern der EU fern bleiben.


Doch noch mehr aus dem Rahmen fällt der Osten der EU-Staaten. Hier formiert sich die stärkste Opposition gegen Brüssel. Und hier wehrt man sich auch am heftigsten gegen die Massen-Migration.


Die östlichen Staaten haben einen engeren und einen weiteren Verbund gebildet.


Den engeren Verbund stellen die Visegrád-Staaten: Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn. Sie haben sich als europäisches Binnenbündnis zusammengefunden, um sich innerhalb der EU besser miteinander abszustimmen, aber auch um ein koordiniertes Gegengewicht zu den Mehrheiten in Brüssel zu stellen.


Den weiteren Verbund bilden die Visegrád-Staaten zusammen mit den baltischen Staaten (Estland, Lettland, Litauen) sowie Österreich und den Balkanländern Slowenien, Kroatien, Rumänien und Bulgarien. Dieser Verbund wird auch »Drei-Meere-Initiative« genannt. Damit nimmt man Bezug auf die Geographie, denn dieser Verbund grenzt an das Mittelmeer, an das Schwarze Meer und an die Ostsee.


All diese Staaten stellen sich kritisch gegen viele EU-Leitbilder, besonders aber gegen die Migrations-Politik, wie sie aus Berlin, Paris und Brüssel vorgegeben wird. Österreich, Polen Tschechien, Kroatien und Ungarn werden vorrausichtlich nicht den Globalen UNO-Migrationspakt unterschreiben. Besonders Ungarn, Österreich und Kroatien und Slowenien wollen enger in der Grenzsicherung zusammenarbeiten.


Geostrategisch sind die Staaten der »Drei-Meere-Initiative« für die USA und die NATO interessant. Hier liegt auch die Stärke und das Selbstbewusstsein dieser Staaten begründet. Denn Washington braucht diese Länder als NATO-Grenzgebiete zu Russland.


Da wundert es auch nicht, dass beim zweiten großen Gipfel der »Drei-Meere-Initiative« im Juli 2017 in Warschau US-Präsident Donald Trump höchstpersonlich teilnahm.


Für Paris und Berlin sind die osteuropäischen Gruppierungen ein Dorn im Auge. Zu oft reagieren die Osteuropäer souverän und rebellisch gegen Brüssel. Das gefällt Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Heiko Maas nicht. Denn dort könnte sich ein Gegengewicht bilden. Also versucht Deutschland nun, in diese Ostgruppe hineinzukommen. Man wolle, so die Begründung, ein Auseinanderdriften Europas verhindern.

 

[Schlagwort: GeoAußenPolitik ]

 

 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

... „Die osteuropäischen Staaten der Visegrád-Gruppe und »Drei-Meere-Initiative« bilden in Europa ein Gegengewicht zur EU-Troika Paris-Berlin-Brüssel. Das ist der Bundesregierung ein Dorn im Auge. Sie will im Osten vermehrt mitmischen, um ein Auseinanderdriften der EU zu verhindern.“ ...

Sind die „Felle“ der Göttin(?) Co. nicht aber längst davon geschwommen???
https://www.watergate.tv/deutschland-sieht-felle-davonschwimmen-annaeherung-an-osteuropa-gesucht/

Gravatar: Anton

Die genannten Ostländer bis auf Bulgarien waren im Laufe
der Geschichte miteinander verbunden, die starke Beziehung zwischen Ungarn und Polen war lange Zeit
die "Ostbastei", die Europa im Gesamten zu Gute kam;
Die K.u.K-Monarchie Österreich-Ungarn war ein zweifelhafter Schachzug der Habsburger, Großungarn alleine mit Polen wäre besser geblieben!
Das angestrebte Bündnis innerhalb der EU ist ein Protest
gegen die deutsche Übermacht und gegen die EU, die
Deutschland lästig ist!!!

Gravatar: Hajo

Nein nicht nur die Italiener und andere Südstaaten haben mit Schulden zu kämpfen, Deutschland genauso, denn die 3 Billionen werden nur noch unter dem Deckmäntelchen der nachlassenden Wirtschaftskraft verdeckt, geht es aber weiter abwärts, kommen diese Schulden vermehrt in Blickfeld und das erinnert an einen Vergleich im Privatleben, auf dem Konto hat man 2 000,-- EUR im Haben, langfristige Verbindlichkeiten liegen bei 300 000,-- EUR und dann kann man doch auch nicht die Verbindlichkeiten bei der Gesamtberechnung totschweigen, die sind da und solange man liquide ist auch nicht sonderlich störend, aber beim geringsten Einbruch finanzieller Art wird es zu einem Problem, oft auch zu einem Existenziellen.

Gravatar: Maria Ronando

Wenn man in die Geschichte hineinschaut, stellt man fest, daß Ungarn sogar bei König Sigismund zu den 3 Meeren
direkten Zugang hatte.
Die Monarchie brachte mit D. 2 Weltkriege zustande.
Allein diese Tatsache müßte bei den Bürgern in Osteuropa, als Warnhinweis gelten und die tägliche Arbeit danach gerichtet werden.
Wenn die Sanktionen egal aus welcher Richtung nicht bald aufgehoben werden, würde der Westen wesentlich mehr Schaden bekommen, weil sie auch viel mehr aus Übersee-Export abhängiger sind und von dort kann sich etwas entwickeln....

Gravatar: Anna-Maria

Liebe Maria Ronaldo, Sie haben Recht! Und die V4 ist eine "Neuauflage" für das 3 König Treffen in Visegrad in der14. JH- wenn ich mich nicht irre, gegen 1335? Und dann noch nach einigen Jahren später. Es trafen der polnische ungarische und böhmische Könige - Herzöge dort um zu besprechen und sich organisieren, um ein Gegenpol zu einrichten zu den deutschen Herzögen. Ich glaube, es gibt in deutschen Lexika darüber zu lesen. Diese Zusammenarbeit war reaktiviert nach dem Zusammenbruch des kommunistischen System, damals noch zwischen Ungarn-Polen-Tschechoslowakei.
Ich glaube, in diesen 3-Meere-Staaten wäre man nicht besonders über die Deutschen glücklich.
Es ist aus dem Sicht der mittel-osteuropäischen Länder ist ziemlich verwunderlich, dass Brüssel jetzt ein Vereinigte Staaten Europas machen wird. Mit allen Problemen, Ungarn existiert schon mit seinen vielen Völker 1.000 Jahre in dem Karpatenbecken, dann noch Hunderte Jahren als K&K. Frankreich und England und die USA haben alles daran gesetzt, dieses Gebilde zu zerstören. Wie man sag, die Jugoslawien - also Süd Slaven und die Tschechoslowaken hielten miteinander kaum einige Jahrzehnte aus. Nach Statistiken übrigens nach der Zerstückelung der Monarchie in Nationalstaaten, lebten NUR!!!! 200.000 Ethnien - also Minderheiten weniger unter "fremdem Herrschaft".
Aber Millionen ihre Heimat verloren. Ich bin mir sicher, dieses Anstreben der Siegelmächte nach dem 1. Weltkrieg beeinflusst Mitteleuropa immer noch. Umso erfreulicher, dass diese Länder zueinander finden.

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