Propaganda für den Bildungsplan

DPA – Meinungsmacher im Kulturkampf

Die Nachrichtenagentur DPA ergreift fast ungeniert Partei in der Auseinandersetzung um den Bildungsplan 2015 in Baden-Württemberg. Sie desinformiert und macht Stimmung. Hoffentlich geht sie bald pleite.

Foto: Nickolas Titkov / flickr.com / CC BY-SA 2.0
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Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich die Deutsche Presseagentur (DPA) in wichtigen politischen Fragen, um die zum Teil heftige Debatten entbrannt sind, positioniert. Eigentlich ist es allerdings nicht besonders interessant, wie sie es tut, sondern dass. Denn um was handelt es sich bei DPA? Doch wohl um eine Nachrichtenagentur, die mit dem Anspruch auftritt, ausgewogen über das Tagesgeschehen zu berichten. Oder etwa nicht?

DPA ist die größte deutsche Nachrichtenagentur; sie versorgt zahlreiche Redaktionen täglich mit Nachrichten, Reportagen und mehr. Dabei will sie nach eigener Darstellung »unparteiisch und unabhängig von Weltanschauungsfragen, Wirtschafts- und Finanzgruppen oder Regierungen« sein. Wenn es um die Berichterstattung über den baden-württembergischen Bildungsplan 2015 und den Widerstand bürgerlicher Gruppen dagegen geht, ist davon allerdings nichts zu spüren.

Parteiische Auswahl

Von dieser Parteilichkeit gibt der jüngste DPA-Artikel Zeugnis, der von verschiedenen Redaktionen teils gekürzt, teils ergänzt übernommen wurde. Dafür hat Autorin Julia Giertz verschiedene Reaktionen auf den Meinungsbeitrag des Vorsitzenden des baden-württembergischen Philologenverbandes Bernd Saur versammelt. Parteiischer hätte sie dabei kaum vorgehen können.

Giertz ist entweder nicht willens oder in der Lage, die Position Saurs sachlich wiederzugeben. Vom Gegenstand von Saurs Kritik hat sie ersichtlich keine oder bloß wenig Ahnung. Unter Verweis auf die Warnung von Ministerpräsident Kretschmann vor einem Kulturkampf im Ländle, der sich am Bildungsplan 2015 zu entzünden droht, schreibt sie: »Saur trieb den Konflikt nun auf die Spitze. Sein Beitrag gipfelt in der Aufzählung sexueller Praktiken die angeblich Eingang in die Klassenzimmer zu halten drohten – vom Spermaschlucken über Fetische bis hin zu Gruppensex.«

Warum Saurs Beitrag »den Konflikt nun auf die Spitze« treiben soll, bleibt Giertzens Geheimnis. Besonders entlarvend ist, dass Giertz nicht erkennt, dass Saur bei seiner »Aufzählung sexueller Praktiken«, die Giertz offensichtlich unangemessen findet, nichts erfinden musste. Das Drama ist doch vielmehr dies: Saur beschreibt, was die einflussreichsten Vertreter einer gewissen sexualpädagogischen Strömung vertreten – und tatsächlich, nicht »angeblich«, wie Giertz unterstellt, »in die Klassenzimmer« bringen wollen. Und ja: Es gibt tatsächlich Interessengruppen, die den Kindern so früh wie möglich alle erdenklichen Sexualpraktiken beibringen möchten – Anführungszeichen, die Giertz setzt, sind völlig fehl am Platz, denn diese Gruppen vertreten ihre Interessen, und das sind nicht die edelsten.

Dass Giertz lediglich die eine Seite zu Wort kommen lässt, ist nur folgerichtig. Die Kritiker des Bildungsplans tauchen bei ihr bloß als »konservativen Gruppen, hinter denen sich CDU-Arbeitskreise, die eurokritische AfD, Familien- und Elternverbände verbergen« auf. Die Befürworter hingegen sind echte Personen, die mit Namen, Beruf und Funktionsbezeichnung zu Wort kommen: Kulturminister Andreas Stoch, der Vorsitzende des Landeselternbeirates Carsten Rees (»Naturwissenschaftler«), der Psychotherapeut Martin Klett.

Die Fakten verzerrt dargestellt

Es sind aber nicht nur die O-Töne, die in diesem Fall höchst einseitig ausgewählt worden sind. Hinzukommt beim vorliegenden Artikel noch eine Verzerrung der Realität, die bezeichnend ist. Lüge möchte man Giertz nicht unterstellen, wenn sie sich auf die Polizei beruft, die bei der DEMO FÜR ALLE 1.200 Teilnehmer gezählt hat. Die Veranstalten indes sprechen von 3.000 Teilnehmern.

Doch infam ist es so zu tun, als hätte die Polizei verhindern müssen, dass die Teilnehmer an der DEMO FÜR ALLE und die Teilnehmer an einer Gegendemonstration aufeinander losgehen. Familien mit Kindern, die sonntags normalerweise in die Kirche anstatt auf Demonstrationen gehen, und autonome Polit-Aktivisten müssen getrennt werden? Ja, damit die linken Chaoten die Familien mit den Kindern nicht angreifen, sie durch die Stadt jagen und schlimmeres! Gierztens Satz »500 Polizisten verhinderten, dass es wie bei Demos zuvor zu Krawall zwischen Gegnern des neuen Bildungsplans und linken Gruppen kommt« ist so offenkundig falsch, dass man durchaus von einer Lüge sprechen kann.

Wenn man sich Artikel wie den von DPA-Mitarbeiterin Giertz durchliest, dann wächst der Ärger über »die Medien«, die sich offensichtlich berufen fühlen, sich im politischen Tagesgeschehen und in weltanschaulichen Debatten auf eine Seite zu schlagen. Dass auch die DPA, der man lange so vertrauen konnte wie der »Tagesschau«, ist bedauerlich, aber wahrscheinlich symptomatisch. Es bleibt einem daher nicht viel übrig, als diesen Umstand festzustellen, auf den Untergang dieser Medien zu hoffen und sich selber die Informationen zu holen, die man braucht, um die Wirklichkeit richtig einzuschätzen.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Karin Weber

Abos kündigen, keine Zeitungen mehr kaufen. Nur so kriegt man solche Wurstblätter tot. Bei der EMMA gibt's sicherlich politische Stützkäufe und GEZ-Sender werden etwas länger überleben. ARD u. ZDF habe ich bereits auf der Fernbedienung gelöscht.

Gravatar: quapp

Das Gemeine an der dpa ist, dass jeder denkt, diese Quelle bringe noch ungefärbte, verlässliche Nachrichten. Dabei ist die dpa kein bisschen besser als andere Presseorgane, vielleicht sogar noch tedenziöser.

Gravatar: Stephan Achner

Wenn man sich die Gesellschafterstruktur, also die Kapitalgeber der dpa anschaut, wird vieles klar. Noch deutlicher wird es, wenn man die Struktur der Hauptkapitalgeber betrachtet. Das sind diejenigen, die Pressearbeit praktizieren, die gezielte Meinungsmanipulation in subtiler Form und manchmal bewusste Falschinformation betreiben oder - das beobachte ich zunehmend - über wichtige Ereignisse überhaupt nicht mehr berichten, wenn es der "political correctness" widerspricht. Offensichtlich versteht sich der neue Chefredakteur der wirtschaftlich angeschlagenen dpa, Sven Gösmann, als Teil der schrumpfenden Mainstream-Presse. Er spart damit natürlich seinen Auftraggebern viel Arbeit und Zeit, wenn er gleich stimmungsgefärbte und wahrheitswidrige dpa-Pressemeldungen produziert.

Die dpa hatte ihre gute Zeit. Das offensichtlich neue "Geschäftsmodell" der dpa wird früher oder später auf Grund laufen.

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