Greenpeace

Die Mär vom grünen Frieden

Die Umweltorganisation Greenpeace versteht es meisterhaft, sich als die Guten zu inszenieren. Doch der Lack hat Risse erhalten, die Ökokrieger sind nicht so edel, wie sie vorgeben.

Foto: Frank Jakobi / flickr.com / CCBY-ND 2.0
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»Es war einmal« – so beginnen alle Märchen. Angeblich hat sich das Geschilderte vor langer Zeit abgespielt. Niemand weiß es so genau. Und deshalb kann man den Wahrheitsgehalt des Erzählten auch nicht wirklich überprüfen. Wichtig ist nur, dass es die Guten gibt und die Bösen. Und nichts und niemanden dazwischen. Die Helden sind meist arm und schwach, allein und auf sich gestellt. Ihre Verfolger dagegen sind reich und mächtig, und diesen Umstand nutzen sie skrupellos aus. Doch am Ende tragen jene, die reinen Herzens sind, den Sieg davon, und die Kräfte der Finsternis müssen sich beugen.

»Es war einmal« – so könnte auch die Mär von Greenpeace beginnen. Und die Organisation versucht bis heute, ihre Geschichte genau auf diese Art zu erzählen. Doch mittlerweile sind einige Flecken auf der blütend grünen Weste aufgetaucht, und in der Wirklichkeit erweisen sich die Charaktere als differenzierter als es der greenpeace‘sche Mythos glauben machen will.

We shell undercome

Dabei enthalten zumindest die frühen Jahre der selbsterklärten Umweltkämpfer eigentlich alles, was das moderne Heroenepos auszeichnet: Ausgestattet mit Mut und Abenteuerlust und in der festen Gewissheit, auf der richtigen Seite zu stehen, besorgen sich anno 1970 ein paar junge Leute einen Fischkutter, um einen Atomwaffentest auf der kleinen Insel Amchitka im Beringmeer zu verhindern. Zwar wird die Gruppe rechtzeitig von der amerikanischen Küstenwache abgefangen, aber das lässt sie in der verbandsinternen Geschichtsschreibung nur noch größer erscheinen.

Auch das obligatorische Benefizkonzert zur Unterstützung der Aktivisten verzeichnet die Chronik. Erst kürzlich konnte der originale Tonbandmitschnitt restauriert und Menschen mit Sinn für Wehmut und Nostalgie zugänglich gemacht werden. Und wenn man dann noch weiß, dass zu dem damaligen Auftritt niemand anders als die großartige Joan Baez die Fäden zog, die zwar politisch im Grunde immer falsch liegt, aber gleichwohl fasziniert und innerlich berührt, dann möchte man fast selbst zum Greenpeacer werden.

Kalt und roh fühlt man sich da, wenn eine innere Stimme dazu mahnt, die Durchführung von Atomtests zu verteidigen. Denn das Konzept der atomaren Abschreckung kann ja nur funktionieren, wenn im Fall des Falles die Wirkungsweise der eingelagerten Kernwaffen bekannt ist. Und ist es nicht sogar gefährlich, ein solches Arsenal ungeprüft zu horten? Im Übrigen: Die Chinesen, die Nordkoreaner und diverse andere Mitglieder des A-Bomben-Clubs testen ihren Bestand ja auch – sollte der Westen da wirklich eine Ausnahme bilden? Doch vielleicht sind all das Debatten von gestern, die nur ein kaltes Kriegerherz zu führen vermag.

Mehr Menschen dürfte dagegen noch die Ölplattform »Brent Spar« vor Augen stehen, die der Shell-Konzern im Jahre 1995 im Atlantik versenken wollte. Und tatsächlich stand die Anlage bis zum Schluss – all der Unverzagten im ganzen Land zum Trotz, die auch auf dem Höhepunkt der Berichterstattung drüber noch die Tankstellen mit der gelben Muschel im Emblem anfuhren, selbst wenn ihnen da von empörten Vorbeifahrern nachgehupt wurde. Denn tatsächlich hatte es Greenpeace geschafft, die öffentliche Meinung wie nie zuvor und nie danach in den Bann seiner Argumentation zu ziehen. Die geplante Versenkung werde die Meere vergiften und einzigartige Naturschönheiten unwiederbringlich zerstören, argumentierte die Organisation damals. Tatsächlich kam später heraus, dass die Verbandszentrale mit falschen Zahlen operiert und die auf der Plattform verbliebenen Ölmengen massiv überschätzt hatte. Doch da hatte sich Shell dem Druck der Autobahn längst gebeugt und die »Brent Spar« an Land transportiert. Und die moralische Empörung konnte einen weiteren Triumph für sich verbuchen.

Im goldenen Reiszeitalter

Doch irgendwie wurde damit der Zenit überschritten, und der grüne Friedensstern befindet sich seither im Sinkflug. Zwar gilt Greenpeace in einschlägigen Kreisen noch immer als ethisch überlegener Zirkel unentwegter Idealisten, woran auch der Ausbau der Umweltinitiative zu einem Ökokonzern mit vierzig Verwaltungszentren, zweieinhalbtausend Mitarbeitern, drei Millionen Beitragszahlern und einem Jahresertrag von rund fünfzig Millionen Euro allein in Deutschland nichts geändert hat. Doch außerhalb dieses erlauchten Freundeskreises wird die Vereinigung inzwischen kritischer gesehen.

Gleichsam symbolisch steht hierfür die Debatte um die Greenpeace-Kampagne gegen den »Goldenen Reis«. Die Organisation bekämpft die Verbreitung dieses Lebensmittels, da es unter Einsatz von Gentechnik entwickelt wurde. Doch »Golden Rice« verfügt über eine deutlich höhere Vitamin-A-Konzentration als die herkömmliche Version dieser Speise und könnte somit gerade in vielen Regionen Asiens zu einer Verminderung von Unterernährung und Kleinkindersterblichkeit beitragen. Der Aktivist Patrick Moore, selber einst Greenpeace-Präsident, hat sich nicht zuletzt vor diesem Hintergrund von der Organisation getrennt. Mehr noch, mittlerweile gehört er zu ihren entschiedensten Kritikern: Von »Logik und Wissenschaft« habe sich die Vereinigung längst verabschiedet, moniert das Gründungsmitglied. Man arbeite gerne »mit emotionalen Bildern«, nehme es mit den Fakten aber oft genug nicht allzu genau.

Und auch an anderen Stellen knirscht es inzwischen im Gebälk: Die Greenpeace-Abspaltung »Robin Wood« beklagt undemokratische Strukturen beim »Öko-Multi«, die Neumitgliederwerbung ist vielfach ins Stocken geraten, und Finanzbehörden in aller Welt stellen die Gemeinnützigkeit des Verbands in Frage, insofern dieser immer wieder zu gesetzeswidrigen Aktivitäten aufgerufen habe.

Vielleicht mag eine kleine Anekdote den Weg skizzieren, den Greenpeace dereinst nehmen könnte: Dessen Stiftung hat den Tierhof »Arche Warder« finanziert, der im beschaulichsten Teil des ohnehin schon beschaulichen Schleswig-Holstein errichtet wurde. »Auf vierzig Hektar leben Angler-Sattelschweine, Telemark-Rinder, Alt-Oldenburger Pferde, Lockengänse …«, schwärmt die Internetseite des Parks für bedrohte Haus- und Nutztierrassen. Doch ab und zu finden ausgerechnet in der Parlamentskantine des Landes zwischen den Meeren die so genannten »Arche-Warder-Tage« statt: Ausrangierte Schweine, Rinder, Pferde und Gänse kommen dann ins Gulasch. Und schmecken als solches nicht einmal schlecht. So findet das edle Tun von Umweltaktivisten einen ziemlich schnöden Abschluss.

Nicht auszuschließen, dass auch das Ende von Greenpeace einmal profaner sein wird, als es manch grüner Friedensstifter derzeit noch wahrhaben mag.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Thomas Rießler

Ihre Ausführungen erinnerten mich an die Einleitung des Buches „Wiederlegung aller Häresien“, die Dr. Theol. Graf Konrad Preysing als Übersetzer verfasst hat. Preysing war als katholischer Priester und Theologe natürlich ebenfalls von der Rechtmäßigkeit und Notwendigkeit seiner Organisation überzeugt. Nun hatte er die Aufgabe, das zwischenzeitlich verlorengegangene Werk eines katholischen Heiligen (Hippolyt von Rom) aus dem dritten Jahrhundert vom Altgriechischen ins Deutsche zu übersetzen, in dem die üblen Machenschaften des damaligen Papstes Calixt I. aufgeführt wurden. Schlimmer noch: Es wird erläutert, dass Calixt eben nicht Bischof der Kirche, sondern Gründer einer Sekte war, die in Widerspruch zu der wahren, apostolischen Kirche stand: „ Seht, wie weit der Ruchlose in seiner Gottlosigkeit gekommen ist! Er lehrt Ehebruch und Mord zugleich. Und auf all das hin gehen diese Ausgeschämten daran, sich „katholische Kirche“ zu nennen und manche laufen ihnen zu, in der Meinung, recht zu handeln.“ Man hat es also mit einem einmaligen Zeitdokument zu tun, das die Geburtsstunde der römisch-katholischen „Kirche“ beschreibt.
Wie sah nun die zu erwartende Reaktion des Herrn von Preysing aus? Eine solch niederschmetternde Kritik an seiner Organisation konnte natürlich nicht wahr sein, vielmehr offenbare sie die „Schattenseiten des im Grunde edlen Charakters Hippolyts“: „Kallists Vorleben wird von Hippolyt in gehässiger Weise dargestellt; er sucht seinem Gegner das Ansehen, das er noch nach seinem Tode als Konfessor genießt, durch Bestreitung seines Martyriums zu rauben und ihn auch sonst verächtlich zu machen.“ Als Basis hierfür wird eine Konkurrenzsituation zwischen Calixt und Hippolyt um die Nachfolge auf dem Bischofsstuhl konstruiert.
Außerdem darf auch eine Verschwörungstheorie in Form von dunklen Hintermännern nicht fehlen: „Ein großer Teil der literarischen Arbeiten Hippolyts dürfte aus dem Pontifikat Zephyrins stammen; der geistreiche Mann hatte in Rom einen kleinen, aber mächtigen Kreis hinter sich, vornehme Leute, von denen gerade um diese Zeit eine größere Anzahl sich dem Christentum zuwandten. Sie haben wohl schon damals an dem Aufsteigen Kallists Anstoß genommen und sich um so enger an Hippolyt angeschlossen; sie dürften wohl auch in Hippolyt die Hoffnung und den Wunsch genährt haben, nach Zephyrins Tod den römischen Bischofstuhl zu besteigen.“
Bei Ihnen habe ich nun analog auf Greenpeace getippt und recht behalten (http://www.greenpeace.org/austria/de/aktivwerden/jobs/Direkt-Dialog-Fundraising-bei-Greenpeace/Kontakt/).

Gravatar: Hofmann,M

Greenpeace, WWF, B.U.N.D sind alles Mafia Konzerne, die von Erpressung und Angstmärchen (Lug und Trug) leben. Schiebt diesen Mafia-Konzernstrukturen endlich einen Riegel in Deutschland und Europa vor. Danke!

Gravatar: torben hoffmeister

„Ich tippe auf Gentech Lobby“
Auch solche platten Argumente werden nicht verhindern, dass sich kritische Stimmen mit dem zweifelhaften Agieren von NGO`s wie greenpeace auseinandersetzen. Die Kultivierung von Angst wo vor auch immer, war schon immer ein todsicheres Geschäft. Das gilt für die alten Schamanen wie auch für die modernen Spendensammler.

Gravatar: Klaus Reichel

Deutliche Parallelen zum WWF, dessen Vertreter sogar im Vorstand von Monsanto und Syngenta sitzen und die alles andere im Sinn haben als den Schutz von Natur und Umwelt. Man lese dazu das "Schwarzbuch WWF".

Gravatar: MicroHirn

Die Mär der Unschuldslämmer von Ölgesellschaften bis Gentechnikkonzerne.
Eine sehr platte Sichtweise und verallgemeinernde Kritik an Greenpeace.

Und der 'Wunderreis'? Dieser Film dürfte die Erwartungen dämpfen:

http://www.youtube.com/watch?v=y1d_LmLb1_0

Gravatar: Guido Aengenheyster

Sehr geehrter Herr Dr. Alfes,
Inhaltlich kann man Ihnen nun nicht gerade "Falschaussagen" unterstellen. Wenngleich man anhand der von Ihnen angeführten Beispiele merkt, welche Mühe es Ihnen bereitet hat, ernsthaft relevante Kritik an Greenpeace zu finden. Dass Fehler oder Falscheinschätzungen ganz anderer Dimension auch in anderen Bereichen des Weltgeschehens passieren und damit auch bei Greenpeace vorkommen können ist meiner Meinung nach selbstverständlich.
Was ich nicht verstehe ist, wie ein offenbar vernunftbegabter Mensch, bzw. auch eine anscheiend von intelligenten Menschen geführte Internetseite dazu kommt, eine der letzten Organisationen anzugreifen, die auf der notwendigen globalen Skala zwischen den Gewinninteressen der Konzerne und unseren Lebenserhaltungsystemen (den Ökosystemen dieses Planeten) steht. Aufgrund der Profanität und Unaktualität der Anschuldigungen einerseits und dem Loblied auf ein weiteres Versprechen der Gentech Industrie (die inzwischen ja bekanntermassen seltenst oder nur kurzfristig ihre Versprechen gehalten hat) andererseits, gekrönt von der unglaublichen Frage der Legitimität von Atombombentests des "Westens" (und dabei dem Artikel auch noch den Titel "Die Mär vom grünen Frieden" zu verpassen) vermute ich Befangenheit- denn es wäre unhöflich Ihr Urteilsvermögen in Frage zu stellen. Ich tippe auf Gentech Lobby.

Gravatar: Florian Hohenwarter

Ich halte von diesen Organisationen auch nicht besonders viel, obwohl der Grundgedanke durchaus richtig ist. Jedoch werden so große Vereinigungen zunehmend undurchschaubarer und anfälliger für Unterwanderung und Korruption. Dann verleihen zum Beispiel Vereine wie der WWF ihre Gütesiegel irgend welchen norwegischen Lachsfarmenbesitzern, die vor Chile mit ihren Zuchtbecken und Unmengen an Antibiotika, die sie in das Meer kippen, ganze Küstenabschnitte schädigen. Das erinnert irgendwie an die Grünen, die auch mal mit dem Slogan "Nie wieder Krieg" angetreten sind, und seit Joschka Fischer bei jedem Krieg mit bomben wollen. Da wurden auch die Führenden Köpfe Zug um Zug gegen Transatlantiker wie Cem Özdemir ausgetauscht.
Jedoch halte ich diese Sache mit dem "Golden Rice" für nichts anderes als eine Werbeaktion von Agrarkonzernen. Es ist ja mittlerweile erwiesen, dass man auf der Welt rund 12 Milliarden Menschen mit herkömmlicher Landwirtschaft ernähren könnte. Solange aber mit Lebensmitteln spekuliert wird und alleine in Europa jährlich 90 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden, ist man gar nicht gewillt alle Menschen zu ernähren.
http://www.youtube.com/watch?v=q49-P3e_JKI

Gravatar: Crono

u.a.: ...da es unter Einsatz von Gentechnik entwickelt wurde. Doch »Golden Rice« verfügt über eine deutlich höhere Vitamin-A-Konzentration als die herkömmliche Version dieser Speise und könnte somit gerade in vielen Regionen Asiens zu einer Verminderung von Unterernährung und Kleinkindersterblichkeit beitragen ..
~~~
Acha, acha, acha .. (Waw, waw!!! , würde ich sagen, wenn ich amerikanisiert wäre!!)
+
Was will man eigentlich mit dem ganzen Beitrag sagen?

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