Papst Franziskus läutet eine »Brave New World« ein

Roberto de Mattei: Die Papst-Franziskus-Kirche wird ein »weltlicher Arm« der Politik und Medien

»Franziskus hat eine ideologische Vision, die seiner kulturellen Formung entspringt. […] Die eines Menschen, der die progressive Theologie vermittelt durch die Befreiungstheologie in sich aufgesogen hat. Es geht um die Utopie einer ›neuen Welt‹.«

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Die Kirche solle ihre Souveränität wiedererlangen. Dies ist der Tenor eines Interviews des katholischen Intellektuellen, Historikers und Chefredakteurs Robert de Matteis mit der italienischen Zeitschrift La Verità. Eine deutsche Übersetzung des Interviews hat katholisches.info veröffentlicht.

 

„Ich finde es sehr schwerwiegend, dass die Kirche auf ihre Souveränität verzichtet hat. Die Kirche ist eine souveräne Gesellschaft wie der Staat, auch wenn ihr Zweck im Gegensatz zu dem des Staates übernatürlich ist,“ erklärte de Mattei.

 

De Mattei ist Universitätsprofessor für Geschichte und leitet die Monatszeitschrift Radici Cristiane (Christliche Wurzeln). Zahlreiche seiner Bücher wurden auch ins Deutsche übersetzt.

 

Damit kommentierte de Mattei die Eskalation des Prozesses von Kardinal Pell, der vor einem weltlichen Gericht schuldig gesprochen wurde, wobei eine überragende Anzahl von Indizien für seine Unschuld sprechen (Freie Welt berichtete). De Mattei sieht darin eine Kapitulation der Kirche vor der weltlichen Macht.

 

„Wenn sie eine souveräne Gesellschaft ist, hat auch die Kirche alle Instrumente, um ihre eigene Ziele der Gerechtigkeit zu erreichen. Sie ist nicht nur ein ethischer Organismus, der sich seiner juridischen Dimension entkleidet und es dem Staat überlässt, alles zu entscheiden. Der Verzicht auf die Souveränität ist eine gefährliche Abirrung.“

 

Papst Franziskus fördere eine gewisse und einseitige Politisierung der Kirche. Damit schade er dem Wesen der Kirche: „Wenn die Kirche auf ihre Souveränität verzichtet, wird sie zu einer Art „gemeinnütziges Unternehmen“. Diese Privatisierung macht potentiell die ganze Kirche, ganz oben angefangen, verantwortlich für die Handlungen ihrer Untergebenen. Das ist nicht der Fall, wenn man sie als souveräne Gesellschaft betrachtet.“

 

Damit hat nicht die Kirche die Oberhand in ihrer Beziehung zum Staat, vielmehr mische sich der Staat in kirchliche Angelegenheiten ein.

 

„Früher einmal war der Staat der weltliche Arm der Kirche, nun läuft die Kirche Gefahr, zu einem weltlichen Arm der Mächtigen in Politik und Medien zu werden.“

 

Konkret bedeute es, dass die Kirche die Politik mitmacht, und „Anweisungen“ von nationalen und internationalen Organismen annehme „die Positionen vertreten, die der christlichen Position widersprechen.“

 

Nur mit einem Widerspruch gegen die politisch Mächtigen kann die Kirche sich behaupten. De Mattei sieht in der derzeitigen Entwicklung unter Papst Franziskus aber das Scheitern dieses Unterfangens.

„Die Kirche verzichtet auf ihren Auftrag, der die Rettung der Seelen zum Ziel hat, um sich in eine Gesellschaft für das materielle Wohlergehen der Menschen zu verwandeln. Sie entfremdet sich ihrer Natur, sie entartet. […] Sie verabschiedet sich von ihrem Auftrag, der ihr von ihrem Stifter, Jesus Christus, anvertraut wurde. Auf diese Weise wird sie zu einem revolutionären Organismus.“

Ursache sei der Glaubensverlust der Hirten, aber auch der obersten Kirchenführung.

„Wenn die vertikale Beziehung zu Gott verlorengeht, wird die Kirche zu einer politischen Gesellschaft. Das ist das Wesensmerkmal dieses Pontifikats, das ein politisches Pontifikat ist anstatt ein religiöses.“

Papst Franziskus sei führende Stimme für die politischen Mächte, die derzeit den Großteil Europas beherrschten.

„Sein [Franziskus] Leitmotiv ist die Einwanderung. Am 14. Februar fand beim Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklungen der UNO (IFAD) eine Begegnung mit einer Delegation indigener Völker statt, bei der Papst Franziskus die Hoffnung äußerte, dass es zwischen den ‚sogenannten zivilisierten Völkern‘ zu einem ‚kulturellen Mestizentum‘ kommt. Das heißt, die christlichen Wurzeln auszumerzen, auf die Johannes Paul II. und Benedikt XVI. so beharrt haben.“

De Mattei fügte hinzu: „Das Mestizentum versteht Franziskus nicht nur kulturell, sondern auch ethnisch. Sein Projekt scheint eine ethnische Ersetzung der europäischen Völker, die sich im demographischen Niedergang befinden, durch neue Wellen afrikanischer Einwanderer zu sein. […]Franziskus hat eine ideologische Vision, die seiner kulturellen Formung entspringt.“

De Mattei war Mitinitiator der Aktion „Acies ordinata“ vom 19. Februar, die zum Anlass des Missbrauchsgipfels im Vatikan in Rom Menschen versammelte, die schweigend für ein Brechen des Schweigens um die wahre Ursache der Missbrauchsfälle öffentlich demonstrierten.

Der Historiker stellte am Ende des Interviews eine schließende Frage: „Benedikt XVI. unternahm, obwohl er in seiner Heimat sehr angefeindet wurde, drei Reisen nach Deutschland. Johannes Paul II. reiste neunmal nach Polen. Wie kann es sein, dass Franziskus in sechs Jahren des Pontifikats, überall hingereist ist, sogar in die Vereinigten Arabischen Emirate, aber nie in sein Argentinien? […] Die Frage ist bereits die Antwort…“

(jp)




 

 

 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Exbiedermann

@ Werter "Konzilswaibel"!

Das II. Vatikanische Konzil hat in seinen sechzehn Dokumenten folgende neuen Akzente gesetzt:

- zugunsten des Pastoralen Amtes der Kirche mit dem Ziel, den Glauben für das christliche Leben fruchtbar zu machen;

- zugunsten der Bibel, dem bleibenden Bezugspunkt des Glaubens, aber unter Einbeziehung der historischen Forschung;

- zugunsten der Kirchenväter, den privilegierten Zeugen der Tradition, welche das biblische Zeugnis interpretierten;

- zugunsten einer Öffnung zur christlichen Ökumene;

- zugunsten des Dialogs mit den Nichtchristen und der damit verbundenen Anerkennung ethischer und religiöser Werte außerhalb der Kirche;

- zugunsten eines dialogorientierten Stils der Verkündigung

- zugunsten einer allgemeinen Öffnung zur Welt, speziell des Verhältnisses zwischen Kirche
und modernem Staat.

Der Staat sei neutral und übernehme die Verantwortung für ein geordnetes und friedliches Zusammenleben der Bürger.

Wer diese Positionen für akatholisch hält, sollte seine eigen hinterfragen!

Gravatar: Picard

@Verehrter Exbiedermann.Ihr "amüsantes" Statement ist nicht mehr up do date.Als Modernist müssen Sie natürlich "Konziliar-Modernistisch sein,nicht wahr.Ihnen ist offenbar entgangen dass diese Konzilskirche auf dem absteigenden Ast sitzt. Was Sie hier bringen ist nichts weiter als die alte Kamelle des Frevlers Montini alias "Papst" Paul VI.Dieser jammerte zwar gelegentlich,dass der Rauch Satans durch einen Spalt in die Kirche eingedrungen ist,aber er unternahm nichts .Er beliess es bei Anklagen.Er hätte Namen nennen müssen,aber er nannte nur einen ungerechterweise und niederträchtig:Erzbischof Lefevbre.Dialog mit der Welt,mit dem Kommunismus (Ostpolitik des Roten Kardinalstaatssekretär und Freimaurer Casaroli,ect) Der moderne Mensch,die moderne Welt,das war sein Credo.Was für ein Nonsens! Und heute: Die Bergoglianische neue After-Kirche des "Papstes" F..ist eben der Vollstrecker dieser Ostpolitik,siehe China!! Ihnen ist wohl nicht mehr zu helfen,

Gravatar: Exbiedermann

@ Picard
Mein Statement zur bleibenden Bedeutung des II. Vatikanums möge Ihnen aus Ihrer eurozentrischen Perspektive "amüsant" und "nicht mehr up do date" erscheinen. Aber wer in seiner persönlichen, interessensgeleiteten Begrenztheit nicht mehr up do date ist, das sind Sie selbst, wenn Sie die "Konzilskirche" auf dem absteigenden Ast wähnen. Meine Perspektive ist die Weltkirche und deren zahlreich blühenden Äste und nicht Ihre kleinkrämerisch verengte "Piussicht", aus der heraus Sie mich flugs in die Modernisten-Ecke zu drängen versuchen. Das wiederum ist für mich erstmalig und mehr als amüsant, weil ihre Beurteilung offenlegt, wes Geistes Kind Sie sind und auf welch absteigenden Ast Sie selbst sitzen

Gravatar: Reinhard

Sehr geehrter Exbiedermann und Picard ! Sie liegen beide nicht ganz richtig und nicht ganz falsch. Einige Dinge des 2.Vatikanums sind richtig, weil sie der Tradition entsprechen. Alles, was im Widerspruch zur Tradition liegt, ist falsch. Der Kommunismus ist eines der größten Verbrechen der Menschheit, also liegen Paul VI. und Franziskus völlig falsch und sind für mich keine Päpste. Hingegen sind Johannes Paul II. und Benedikt XVI. sehr wohl Päpste, denn sie haben sich hinter die Tradition gestellt und Fehlentwicklungen des 2. Vatikanums berichtigt, vor allem Benedikt mit der Zulassung der lateinischen Messe 2007. Das sagen auch die Pius-Brüder. Johannes Paul II. hat den Kommunismus massiv bekämpft, das weiß ich aus eigener Erfahrung, denn ich war Solidarnosc-Mitglied. Und er hat gesiegt, ohne einen Schuß abzufeuern ! Das soll ihm erst mal jemand nachmachen ! Theologisch hat Benedikt die richtigen Konsequenzen gezogen, indem er die guten Dinge des 2. Vatikanums verteidigt hat, aber die schlechten Dinge (z.B. Liturgiereform 1969) versucht hat, zu berichtigen, soweit ihm das möglich war gegen starke Widerstände.

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