»Der typische Messerangreifer ist männlich, erwachsen und deutsch«

NRW-Innenminister Reul (CDU) wartet mit exklusiver Erkenntnis auf

Der typische Messerangreifer ist männlich, erwachsen und deutsch - das sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) vor dem Hintergrund des Jahresberichts zur Messergewalt in NRW. Zugrunde liegen dem Bericht aber nur die namentlich ermittelten Täter respektive Tatverdächtigen.

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Die Interpretation einer Statistik war schon immer umstritten und wird es auch weiterhin bleiben. Diese gar nicht neue Erkenntnis betrifft auch den Jahresbericht zur Messergewalt in NRW, zu dem sich jetzt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) geäußert hat. Der nämlich prüfte in seinen Aussagen nicht den Einzelfall sondern pauschalisierte den typsichen Messerangreifer als »männlich, erwachsen und deutsch«. Diese Interpretation dürfte Herr Reul allerdings relativ exklusiv für sich haben.

Dennoch lohnt sich trotz der abstrusen Wertung des Innenministers ein Blick auf den Bericht an sich. In NRW gab es im Vorjahr 6.827 Messerattacken. Von den ermittelten (sehr wichtig!) Tatverdächtigen hatten 40 Prozent keine deutsche Staatsbürgerschaft. Tatverdächtige, die neben der deutschen auch eine ausländische Staatsbürgerschaft besitzen, werden in der Statistik stets als »Deutsche« erfasst. Das ist ähnlich absurd wie die Tatsache, dass antisemitische Straftaten in der Statistik stets als Taten mit rechtsextremistischem Hintergrund erfasst werden - auch wenn Zeugen die Täter zweifelsfrei als mit »südländischen Erscheinungsbild« beschreiben.

Der Ausländeranteil an der Bevölkerung in NRW liegt bei 12,8 Prozent. Selbst wenn man die geschönten 40 Prozent ausländischer Tatverdächtiger in Relation zum Bevölkerungsanteil betrachtet, stellt man unweigerlich fest, dass jene Gruppen bei Messerattacken drei Mal öfter straffällig werden. Wie also Herr Reul zu seiner ganz persönlichen und eigenen Erkenntnis über den angeblich typischen Messerangreifer kommt, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Mit den Fakten jedenfalls hat das nichts zu tun.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

... „Tatverdächtige, die neben der deutschen auch eine ausländische Staatsbürgerschaft besitzen, werden in der Statistik stets als »Deutsche« erfasst. Das ist ähnlich absurd wie die Tatsache, dass antisemitische Straftaten in der Statistik stets als Taten mit rechtsextremistischem Hintergrund erfasst werden - auch wenn Zeugen die Täter zweifelsfrei als mit »südländischen Erscheinungsbild« beschreiben.“ ...

Betonte unsere allwissende(?) Göttin(?) - scheinbar prophylaktisch - nicht auch deshalb:

„Das Volk ist jeder, der in diesem Lande lebt“???
https://www.welt.de/politik/deutschland/article162407512/Das-Volk-ist-jeder-der-in-diesem-Lande-lebt.html

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