100 Jahre danach: »Der Untergang des Abendlandes« ist so aktuell wie nie zuvor

Neues Buch: »Der lange Schatten Oswald Spenglers«

Vor 100 Jahren erschien der erste Band des »Untergangs des Abendlandes«, verfaßt von Oswald Spengler (1880-1936), der in der Folge einer der weltweit berühmtesten Geschichtsdenker der 1920er und 1930er Jahre werden sollte. Nun tritt die die »Oswald Spengler Society« mit »Der lange Schatten Oswald Spenglers« mit einer ersten Buchpublikation an die Öffentlichkeit.

Bundesarchiv, Bild 183-R06610 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons
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Vor 100 Jahren erschien der erste Band des »Untergangs des Abendlandes«, verfaßt von dem bislang fast unbekannten Privatgelehrten Oswald Spengler (1880-1936), der in der Folge einer der weltweit berühmtesten Geschichtsdenker der 1920er und 1930er Jahre werden sollte. Und nicht zu unrecht: Der Nachweis, daß alle menschlichen Hochkulturen, die westliche eingeschlossen, eine grundlegend parallele Entwicklung durchlaufen und dem Abendland dementsprechend nur noch eine kurze Frist verbleibe, bevor es in einen müden spätzeitlichen Einheitsstaat entarte, auf den nur noch das »Fellachentum« der Nachgeschichte folgen könne, elektrisierte die Mitwelt, überwand den bislang vorherrschenden Eurozentrismus und ließ die Urkatastrophe des Weltkriegs in einem ganz neuen Licht erscheinen.

Doch bald wurde es still um den großen Geschichtsphilosophen: Er war gewissermaßen zum Opfer seiner Vorhersagen geworden. Die liberale Demokratie der Zwischenkriegszeit hatte er als bloßes plutokratisches Zwischenspiel auf dem vorherbestimmten Weg zu Cäsarismus und Weltkriegen gesehen und sich daher auch in Deutschland für eine Bündelung aller verfügbaren Kräfte in Form eines »Preußischen Sozialismus« ausgesprochen. Aber so sehr Spengler in Mussolini (wie auch in Cecil Rhodes) den ersten Vorboten eines solchen imperialen Regimes sah: Für den Nationalsozialismus und seine Rasselehre hatte er nur Verachtung übrig, was ihn rasch zur persona non grata des Hitler’schen Unrechtstaates werden ließ. Kein Wunder, daß Spenglers vielschichtiges Werk in der Stimmung der Nachkriegszeit, von Ausnahmen wie Adorno oder Kissinger abgesehen, nur noch anachronistisch wirken konnte und anecken mußte – bis nach dem Fall der Mauer und dem beginnenden Abstieg des Westens von der Weltbühne das Interesse am »Untergang des Abendlandes« wieder überall sprunghaft anstieg.

Vorliegender Band ist eines der bedeutendsten Zeugnisse dieser gegenwärtigen Spengler-Renaissance. Herausgegeben von der soeben gegründeten internationalen »Oswald Spengler Society« (www.oswaldspenglersociety.com), bemüht er sich im Einklang mit der pluralistischen Zielsetzung dieser Vereinigung um eine vorurteilsfreie und umfassende Neubewertung des Spengler’schen Denkens. Ob es nun eine Grundsatzdiskussion von »Der Mensch und die Technik« ist (Brian R. Myers), der Nachweis, daß Spenglers Vorhersage des modernen Finanzkapitalismus erstaunlich exakt den heutigen Gegebenheiten entspricht (Max Otte), die Frage, inwieweit die heutige US-amerikanische Hegemonie sich in Spenglers System einordnen läßt (Robert W. Merry, John Farrenkopf), das Problem, ob das geschichtliche Wissen des 21. Jh.s überhaupt noch erlaubt, an grundlegende Parallelen zwischen allen menschlichen Hochkulturen zu glauben (David Engels), die Abstimmung der geschichtlichen Stufenlehre aus »Der Mensch und die Technik« mit den heutigen anthropologischen Kenntnissen (Olaf Jöris), die Rezeption des römischen Rechts im »Untergang« (Lutz M. Keppeler) oder schließlich die Rolle der »politischen Korrektheit« beim sich vor unseren Augen vollziehenden Niedergang des Westens (Lars Holger Holm, Samir Osmančević) – diesen und vielen weiteren Fragen stellt sich die internationale Autorenriege des Bandes »Der lange Schatten Oswald Spenglers« mit Bravour und zeigt einmal mehr: Spengler ist gerade heute so aktuell wie nie zuvor.

Ob wir dem von ihm vorhergesagten allmählichen Verdämmern des Westens in Unbedeutendheit und Posthistorie entkommen können? Sicherlich wird die »Oswald Spengler Society« bei der Diskussion dieser Frage eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen haben. Man darf gespannt sein, nicht nur auf die angekündigten Folgebände, sondern auch die im Oktober zu Ehren Spenglers organisierte Tagung, bei der in Brüssel zum erstenmal ein »Oswald Spengler-Kreis« an einen europaweit bekannten Literaten verliehen werden soll!

David Engels / Max Otte / Michael Thöndl (Hgg.), Der lange Schatten Oswald Spenglers. Einhundert Jahre Untergang des Abendlandes, Berlin, Manuscriptum, 2018, 176 p., ISBN: 978-3-944872-71-1

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Unmensch

Jeder Untergang hat Ursachen, welche die vom Untergang betroffene Hochkultur überfordern - denn freiwillig gäbe es keinen Untergang.
Dagegen kann man nichts machen, ausser, die eigenen Fähigkeiten auszubauen und damit die Überlebenswahrscheinlichkeit zu erhöhen.
Und darüber hinaus das Leben nach dem Tod, somit das Lernen aus den Untergängen, vorausgesetzt die Fähigkeit zu einem Neustart!

Gravatar: Max Moritz

Mit dem Untergang der griechischen Antike und dem römischen Reich sind weder die Griechen noch die Römer als Volk unter gegangen. Untergegangen sind bestimmte Herrschaftsformen mit ihren gesellschaftlichen Strukturen.
Untergang von Veraltetem bedeutet nicht zwangsläufig Niedergang, das Neue kann durchaus auch Fortschritt mit sich bringen.
Kann.
Es liegt an uns das Neue zu gestalten.
In Amerika sind die Ursprungskulturen untergegangen und es entwickelten sich neue Mestizen-Kulturen.
Es liegt an uns Europäern, welchen Durchmischungsgrad wir bereit sind zu tolerieren.
Rassereinheit gibt es faktisch nicht bzw. ist wenn, dann reine Definitionssache.
MM

Gravatar: H.M.

Aufstieg und Fall der Stämme, Völker, Länder, Nationen, Reiche und Zivilisationen liegen letztlich in Gottes Hand. Man wünscht sich von Herzen ein Fortbestehen des eigenen Landes und der eigenen Leute und sollte seinen Teil dazu beitragen. Doch wir kennen Gottes Pläne nicht. Wenn es ihm gefallen sollte, einen Westen, der ihm den Rücken gekehrt hat, untergehen zu lassen, können wir nichts dagegen tun. Eine Rückkehr zum HERRN ist für den einzelnen und das Land aber auf jeden Fall etwas Gutes. Man nehme einmal teil an den Gedanken des christlichen indischen Philosophen, Buchautoren, Referenten, Sozialreformers, Politikers und Theologieprofessors Vishal Mangalwadi (*1949), wie etwa in diesem Buch: „Das Buch der Mitte: Wie wir wurden, was wir sind: Die Bibel als Herzstück der westlichen Kultur“ (https://www.amazon.de/dp/B018GN8U1I/ref=dp-kindle-redirect?_encoding=UTF8&btkr=1).

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