Vorwurf: Inflationäre Verwendung des Begriffs Antisemitismus

Freunde palästinensischer Araber schreiben Brief an Merkel

In einem Brief kritisieren linke Schauspieler und Plakatkünstler den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung. Interessant ist, warum.

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Glaubt man dem Berliner Tagesspiegel, dann haben mehrere Wissenschaftler, Schriftsteller und Künstler einen Brief an Kanzlerin Merkel geschickt, in dem sie vor dem »inflationären, sachlich unbegründeten und gesetzlich unfundierten Gebrauch des Antisemitismus-Begriffs« warnen. Was gleich doppelt täuschend ist: Denn erstens verwenden linke Akteure den Begriff des Antisemitismus in geradezu hyper-inflationärer Art und fast immer sachlich unbegründet; zum anderen ist das erste Anliegen dieser linken Akteure nicht der Antisemitismusbegriff, sondern etwas ganz anderes: »Unsere Sorge gilt«, heißt es zunächst in dem Brief, »der drohenden Annexion palästinensischer Gebiete durch Israel«. Der Artikel des Berliner Blattes weiß davon nichts, will davon wohl auch nichts wissen.

Die linken Akteure zielen, gleichsam zur Tarnung, auf die der Tagesspiegel hereingefallen sein mag, auf Felix Klein, den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung. Dem werfen sie Aktivitäten vor, die »menschenverachtende« Ausmaße annehmen.  Als Beispiel nennen sie die Förderung der Publikation »Der neu-deutsche Antisemit« von Arye Sharuz Shalicar. Schlimm genug für die linken Akteure, dass Shalicar im Ministerium für Nachrichtendienste im Büro des israelischen Ministerpräsidenten arbeitet; der Autor hat es gewagt, den Historiker und Publizisten Reiner Bernstein als Antisemit zu bezeichnen.

Reiner Bernstein ist wahrscheinlich kein Antisemit. Aber seine Website, die aktuell noch Barack Obama als US-Präsidenten nennt, ist nun auch nicht gerade ein Glanzportal im Kampf um den Frieden in Nahost. Und wenn der Vorwurf, Antisemit zu sein, jetzt schon menschenverachtend ist, dann Gnade Gott den linken Aktivisten, für die der Vorwurf zum propagandistischen Kleingeld zählt. Dass Bernstein erfolglos gegen die Bezeichnung als antisemitisch geklagt hat, verbuchen die linken Akteure in der Rubrik: Das Berliner Kammergericht unterwirft sich dem Zeitgeist.

Unterzeichnet ist der Brief, in dem es weniger um Antisemitismus, sondern ganz zuerst um die Annektion jener Gebiete im Westjordanland geht, die teilweise seit Jahrzehnten von Israelis bewohnt werden, von einem illustren Sammelsurium aus linkem Urgestein, dem man im besten Fall Naivität vorwerfen kann und im schlimmsten eben Antisemitismus. Warum ein Berliner Antisemitismusforscher oder ein ehemaliger Präsident der Akademie der Künste sich zur Außenpolitik Israels äußern müssen, noch dazu in einem Brief an Angela Merkel, erschließt sich dem Leser nicht. Deshalb lenken Wolfgang Benz und Klaus Staeck ja auch vom eigentlichen Anliegen der Briefautoren ab, ohne davon abzulassen: Israel in den Rücken zu fallen und an die Araber auf der Westbank und in Gaza auszuliefern.

Und dabei ist ihnen jedes Mittel recht.

Zunächst wird die aktuelle israelische Regierungspolitik in eine Linie mit dem Mörder Jitzchak Rabins gestellt. Zitat: »Ermordet wurde Rabin von einem Einzeltäter, dessen politische Haltung seither immer wirkungsmächtiger geworden ist und heute wesentliche Züge der israelischen Regierungspolitik zu bestimmen scheint.«

Danach klappern die linken Forscher im Dienste ihrer Ideologie die üblichen Narrative ab: »Wir fragen uns«, schreiben sie an Frau Merkel, ohne sich wirklich zu fragen, »welchen Kräften im heutigen Israel die Unterstützung der Bundesregierung gilt. Mit der Förderung zweifelhafter Publikationen, deren aggressiv-populistische Machart nicht faktengestützt ist, wird jedenfalls geduldet, dass Stimmen des Friedens und des Dialogs diffamiert und mundtot gemacht werden sollen.« Aggressiv-populistisch - da ist der Rechtspopulismus nicht mehr weit und mit ihm eben was? - Antisemitismus.
Was Kanzlerin Merkel nun Benz, Staeck und Genossen wirklich fragen sollte, wenn sie Sätze liest wie: »Frieden kann nur durch gegenseitigen Respekt erreicht werden.« - Wann haben diese Salonlinken das letzte Mal einen Islamo-Faschisten der Hamas gefragt, welchen Respekt er Israelis wohl entgegenbringt?

Doch all die linke Rhetorik bliebe wirkungslos, wenn nicht auch eine Drohung in den Brief plaziert werden würde. Richtung Israel weisen die Briefunterzeichner darauf hin: »Wesenskern deutscher Staatsraison ist auch und vor allem die Verpflichtung gegenüber den universellen Menschenrechten und dem Völkerrecht. Die Sicherheit Israels kann nur im Einklang mit diesen dauerhaft sein.« Mit anderen Worten: Israel verstößt in den Augen der Briefunterzeichner gegen Menschen- und Völkerrecht.  Sollte Israel sich nicht bald, wie Deutschland praktisch schon immer, ans Völkerrecht halten, dann wird seine Sicherheit nicht dauerhaft sein. Sprich: Früher oder später wird es ausgelöscht werden.

Bei solchen Briefen fragt man sich, zu welchem Zweck linke Akteure die Vernichtung der europäischen Juden studieren?

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Peter Lüdin

Da Antisemitismus immer „rechts“ ist, kann man den Rechten den islamischen Antisemitismus automatisch zurechnen, obwohl die gar nicht wollen, dass die Moslems hier sind. Und den Linken kann man, obwohl sie wollen, dass die Moslems sich hier pudelwohlfühlen, deren Antisemitismus nicht zurechnen, da der immer „rechts“ ist. Win-Win-Situation.

Gravatar: Peter Lüdin

Israel ist der einzige Leuchtturm in der Region. Und Israel wird es noch geben, wenn viele andere Staaten aus dem Mittleren und Nahen Osten kollabiert sind. Nur für Europa sieht es leider auch düster aus. Was ist eigentlich mir den 2 Milliarden Euro geschehen, die von der EU in den letzten Jahren an Unterstützung in den Libanon geflossen sind?

Gravatar: germanix

Ich kann nur für mich feststellen, dass Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, noch nie erwähnt hat, dass die Merkel-Diktatur-Regierung, fleißig Antisemiten mit Migrationshintergrund nach Deutschland holt.

Ich persönlich habe noch nie in meinem Leben einen deutschen Antisemiten kennen gelernt. Im Gegenteil - ich habe in den 60er und 70er Jahren und bis heute, viele Freunde, die Juden sind, als Freunde kennen lernen dürfen. Meine jüdischen Freunde sind der gleichen Meinung!

Steinmeier, Merkel, Maas und Konsorten sind die wirklichen Aktivisten des:

Zitat:

"..»inflationären, sachlich unbegründeten und gesetzlich unfundierten Gebrauch des Antisemitismus-Begriffs«...".

gegenüber dem deutschen Volk!

Sie nennen die antisemitischen Migranten, die sie zu tausenden hier reinholen, nicht beim Namen - jedes mal müssen die Deutschen herhalten - weil sie (die Regierung) genau wissen, dass die Deutschen das "hündische Kriechen" vor der eigenen Obrigkeit beständig gerne durchleben.

Gravatar: Britta

Selbst wenn in Israel kein einziger Jude mehr leben
würde, so bleibt es jüdisches Land. Das ist für alle Zeit
festgeschrieben im Buch der Bücher, der Heiligen Bibel.

Gravatar: Tracie

https://www.kopp-verlag.de/a/vereinte-nationen-gegen-israel

Dieses Buch deckt auf.

Die UN ist ein Pro-islamischer Haufen.
Von diesem Verein muss sich Israel nicht länger was bieten
lassen.
Die UN gehört verboten oder reformiert.
Die Gründer dieser Org. würden sich im Grab umdrehen,
wenn sie wüssten was dieser Haufen bzgl. Israel so
alles verbricht.

Gravatar: Jüppchen

@elfriede kleine

"Die Juden" mit einer legitimierten politischen Vertretung hat es seit der Vertreibung durch die Römer nicht mehr gegeben. Bruno Kreisky hat einmal gemeint, die zur fraglichen Zeit dort lebenden Palestinenser seien eigentlich nur arabisierte Juden.
Wie dem auch sei, diese Menschen und ihre Vorfahren haben seit fast 2000 Jahren dort gelebt und da kann doch keiner mit einem abstrakten Recht, das man sich selber zuspricht, kommen und sie vertreiben.
Das war ihre Heimat ganz egal, ob anderswo auch Moslems leben, denn auch die Moslems sind unterschieden in verschiedene Völker, Stämme usw., wie wir "Christen" auch.
Wo kämen wir hin, wenn wir als die Nachfahren von Germanen plötzlich alles beanspruchen, wo mal Germanen gelebt haben.
Oder die Italiener Deutschland beanspruchen würden mit dem Hinweis auf das alte römische Reich. Der Beispiele gäbe es noch viele.
Ebenso sollte der Staat Israel weiterbestehen, um ein erneutes Blutbad zu verhindern.
Aber da ist selbiger Staat auch in der Pflicht, mit Augenmaß zu handeln.
Das macht mich noch lange nicht zu einem Freund des Islam - ganz im Gegenteil

Gravatar: Tacheles

Früher, so bis ca. vor 20 - 30 Jahren konnte man bei
der VHS noch Hebräisch lernen.
Seitdem gibt es leider dort Kurse in türkisch und arabisch.
Hebräisch gibt es dort nicht mehr.
So ist das, wenn es im Land zu viele Moslems gibt.

Hebräisch war mir 1000x lieber.

Gravatar: Walter

Fakt ist, das Westjordanland wurde durch UNO - Beschluß zur Aufteilung Palästinas dem palästinensischen Bevölkerungsteil zuerkannt. Auch wenn diese Gebiete seit Jahrzehnten von den Israelis bewohnt werden, ändert dies nichts an der Tatsache, dass dieses Gebiet den Palästinensern zugeteilt wurde.
Dies müsste eigentlich der Redaktion bekannt sein oder hat die UNO diesen Beschluß aufgehoben?

Wenn JEMAND überhaupt einen Anspruch auf dieses Land hat, dann sind es die Nachkommen der Kanaaniter, welche ca. 1300 vor Chr. durch die Israeliten aus diesem Gebiet vertrieben wurden. Diese behaupten aber, dass Gott ihnen dieses Land als sein auserwähltes Volk gegeben hat.

Diese Aussage der biblischen Religion ist primitiver Aberglaube, wie es "Albert Einstein" einmal genannt hat und hat mit dem Völkerrecht nichts zu tun. Damit können nach heutigem Völkerrecht keine Besitzansprüche hergeleitet werden. Aber wie es scheint gilt für dieses den Palästinensern zugesprochene Gebiet nicht das Völkerrecht, sondern das auf einem primitiven Aberglauben bestehende Religionsrecht.

Was erhoffen sich die Briefschreiber von "Merkel" ?
Nur die UNO als Organ des Völkerrechts ist der Ansprechpartner für dieses Problem.

Aber die UNO sollte erst das Veto - Recht der Großmächte abschaffen, wenn sie eine wirklich demokratische Organisation sein wollen.

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