Komplexität solcher Maßnahmen viel größer als bisher vermittelt

Diskussion um Waffenlieferungen in die Ukraine nicht weitreichend genug

Derzeit wird hierzulande angedacht, mit Waffenlieferungen die Ukraine zu unterstützen. Aber mit den Waffensystemen an sich ist es nicht getan. Die Komplexität einer solchen Maßnahme ist viel größer als bisher vermittelt. Und: sie würde die Leistungsfähigkeit der Bundeswehr zur Wahrnehmung ihrer anderer Aufgaben mindern bis unmöglich machen.

Foto: Bundeswehr
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Der ukrainische Präsident Selenskij will unbedingt, dass Deutschland ihm Waffen sendet. Andere NATO-Länder machten das schließlich auch. Manch Politiker hierzulande ist diesem Ansinnen durchaus zugeneigt und vertritt diese Position medial entsprechend offensiv. Doch mit der Lieferung von Waffensystemen alleine ist es nicht getan, wie Waldemar Geiger in seinem Beitrag bei Soldat und Technik anhand des Beispiels des Schützenpanzers Marder detailliert ausführt. Der gesamte Sachverhalt ist viel komplexer.

Aktuell lehnt die Bundesregierung es ab, Marder an die Ukraine zu liefern. Bei Befürwortern der Waffenlieferungen stößt diese Entscheidung auf scharfe Kritik. Geiger schreibt dazu: »Kritiker dieser Entscheidung blenden einen großen Teil der Komplexität dieser Maßnahme aus und sowohl der Bundesregierung im Allgemeinen, als auch dem Verteidigungsministerium im Speziellen, gelingt es nicht, den Gedankengang hinter der Entscheidung verständlich zu vermitteln. Die Gründe dafür liegen wohl darin, dass man spätestens dann eingestehen müsste, wie es tatsächlich um die quantitative Einsatzfähigkeit der Bundeswehr steht und welchen Anteil der jetzige Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner vorhergehenden Funktion als Finanzminister an diesem Umstand hat.«

Denn würde man an die Ukraine 100 Schützenpanzer Marder abgeben, wäre es nicht alleine mit den Panzern getan. Es bedürfe auch der entsprechenden Menge an Ersatzteil- und Munitionspaketen für Wochen und Monate Kriegseinsatz. Ein solcher Einsatz wäre »deutlich verschleißintensiver (...), als ein eFP-Einsatz im Baltikum oder ein Übungsplatzaufenthalt.«

Geiger: »Denkt man diesen Prozess also  zu Ende, würde die Abgabe der 100 Bundeswehr-Marder dazu führen, dass im schlimmsten anzunehmenden Fall – der Krieg dauert länger und Industriekapazitäten wären mit der Ukraineunterstützung ausgelastet – praktisch die gesamten deutschen gepanzerten Kampftruppen – deren Leistungsfähigkeit sich aus einem kombinierten Einsatz von Kampf- und Schützenpanzern speist – für eine unbestimmte Zeit nicht einsatzfähig wären. Diese Fähigkeiten wären dann weder für die NATO, noch den Übungsbetrieb und den damit verbundenen Fähigkeitserhalt der Landstreitkräfte verfügbar.«

Sein Fazit: »Die deutschen Streitkräfte wurden über Jahre hinweg vernachlässigt und mit unzureichenden Mitteln ausgestattet. Mangelwirtschaft war an der Tagesordnung. Dies war öffentlich bekannt und wurde trotzdem über alle Parteien hinweg und auch von der breiten Öffentlichkeit mitgetragen. Diesem Umstand hat sich auch die nachgelagerte Rüstungsindustrie angepasst und Kapazitäten abgebaut und Investitionen zurückgeschraubt. Nun ist die komplette Kette nicht mehr in der Lage, schnell und ausreichend reagieren zu können. Weder die Fähigkeiten der Streitkräfte noch die Industriekapazitäten können von heute auf morgen aufgebaut werden. Es gilt schließlich immer noch Friedens- und nicht Kriegswirtschaft in Verbindung mit einem Fachkräftemangel.

In dieser Lage kann man (die Bundesregierung in Verbindung mit den NATO-Partnern) dann immer noch politisch zu dem Schluss kommen, dass man die Ukraine mit Engpasssystemen aus Bundeswehrbeständen unterstützen möchte. Man muss sich dann aber bewusst sein, wie hoch der zu zahlende Preis ist. Im Fall der Marder bedeutet er unter Umständen den Verzicht auf die kurz- und mittelfristige Einsatzfähigkeit des deutschen Heeres.

Parallel zu der Entscheidungsfindung wäre es jedoch notwendig, an der Außenkommunikation und der Vermittlung solch komplexer Sachverhalte zu arbeiten. Denn auch beim militärischen Fachwissen in der breiten Öffentlichkeit wurde in den letzten Jahrzehnten massiv „abgerüstet“.«

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Horst Schwakowiak

Wie war das noch mal bei den Grünen. Frieden schaffen ohne Waffen, oder keine Waffenlieferungen in Krisengebiete liefern. Und jetzt sind es die, die am lautesten Schreien und uns in den dritten Weltkrieg ziehen wollen.

Gravatar: Sebastian

Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall bietet bis zu 50 ausgemusterte Kampfpanzer Leopard 1 für die Ukraine an. Dafür muss die Bundesregierung die Zustimmung erteilen.

Rheinmetall hat auch 70 ausgemusterte Schützenpanzer vom Typ Marder, die innerhalb von sechs bis acht Monaten geliefert werden können. Die ersten zehn könnten kurzfristig auf den Weg geschickt werden.

Ukrainische Soldaten können innerhalb weniger Tage für den Einsatz mit dem "Leopard 1" ausgebildet werden, sagen so gut wie alle Fachleute. Auch weil ukrainische Soldaten gute Ausbildung haben.


Bei der nun eingetretenen Bedrohungslage wird man die Panzeranzahl der Bundeswehr kurzfristig verdoppeln dürfen. Denn diese hat in den letzten Jahrzehnten tatsächlich stark abgenommen, wie man hier sehen kann:

https://de.wikipedia.org/wiki/Heer_(Bundeswehr)#Ausr%C3%BCstung

Wir sollten aber auch bedenken, dass wir nicht alleine sind, sondern umgeben von vielen freundlichen NATO-Staaten. Die einzige Bedrohung derzeit geht doch nur von Russland aus.

Gravatar: werner S.

Die USA und die EU wollen Deutschland in einen Krieg mit Russland hetzen.
Auch Wadephul, Vize-Fraktionschef der CDU und Transatlantik-Fanatiker, will Schulz nötigen, Waffen in die Ukraine zu schicken, um einen Krieg zu provozieren. Solche Leute müssen vom Volk hart unter Beobachtung gestellt werden.

Gravatar: Walter

Die
Diskussion in diesem Artikel nur auf fehlende Ausbildung der Ukrainer
mit deutschen Waffen umzugehen und bei Lieferung der geforderten Panzer
die deutsche Verteidigungsfähigkeit zu gefährten, dies ist nicht das
große Problem. Die USA und die EU wollen den Krieg zwischen Russland und
der Ukraine bis zum Sieg der Ukraine fortführen.

Dafür sollen die europäischen Nato - Staaten und vor allem Deutschland
finanzielle Mittel und schwere Waffen zur Verfügung stellen. Allein
schon das Ziel nicht zu verhandeln um den Krieg zu beenden kann man doch
schon als einen Eingriff der Nato in dem Krieg gegen Russland mit allen
Konsequenzen bezeichnen.

Das dadurch der Anteil an zivilen Opfern sich enorm erhöhen wird scheint
den Friedensbringern der Nato egal zu sein.Damit zeigen doch die
westlichen Politiker ihre ganze Scheinheiligkeit und das es ihnen und
ihren Marionetten nie um die Menschen in der Ukraine geht, sondern nur
um die Weltmachtansprüche der USA.

Die USA und ihre EU - Marionetten wollen diesen militärischen Krieg bis
zum Sieg der Ukraine fortführen, egal wie hoch die Kollateralschäden
dabei sind.
Das jetzt sogar der EU - Chefdiplomat "Josef Borrell" die Kriegslösung
dieses Konflikts befürwortet, dies zeigt doch ganz klar, in wessen
Auftrag die EU hier handelt.

Diese EU wurde doch zu einem Konstrukt umfunktioniert, welches die
Machtinteressen der Nato - Führungsmacht durchsetzen soll. Dies zeigt
aber auch, dass die Nato - Bücklinge keine eigene Souveränität in der
Weltpolitik aufzuweisen haben. Dies kann man auch daran erkennen, dass
kleine wirtschaftlich und militärisch unbedeutende Nato - Staaten gerne
verbal mit dem Säbel rasseln, seit sie seit 2009 die
Natoführungsposition übernommen haben.

Deutschland sollte diesen Präsidentenschauspieler "Selenskyj" die
gleiche Brüskierung zukommen lassen wie er es dem deutschen
Staatsoberhaupt gegenüber gezeigt hat und diesen kleingeistigen
Botschafter sofort des Landes verweisen. Was glaubt den dieser
großkotzige Unsympath wer er ist.

Außerdem sollte die deutsche Regierung sämtliche finanziellen Hilfen
und Waffenlieferungen an die Ukraine einstellen. Nur wen die deutsche
Regierung dazu fähig ist, kann sie zeigen, dass sie souverän und keine
Marionette ist. Wenn sich die Regierung von solchen drittklassigen
Politiken wie Roth SPD, Strack - Zimmermann FDP und Hofreiter Grüne
vorschreiben lässt, wie sie zu handeln hat, dann verliert sie komplett
ihre Akzeptanz und macht sich lächerlich und zum Gespött. Einer solchen
Regierung kann man keine Achtung entgegen bringen.

Gravatar: Bertl

Warum sollen nur wir liefern? Hat man z.B. von Forderungen an Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Frankreich gehört? Wir sind wohl bekannterweise die Deppen der EU.

Gravatar: karlheinz gampe

@Rita Kuhbier

Sie haben recht, denn juristisch wirkt er mit! Denn auch der Waffenverkauf z. Bsp. an einen Terroristen wird bestraft. Unsere Regierung besteht aus Lügnern und Betrügern also Kriminellen. Sind die gekaufte Büttel der USA? Wer ist so doof und wählt derartige Leute und ihre Parteien?

Sind CDU, SPD, FDP und Grüne mit ihren Freimaurern, Bilderbergern, young leaders usw. nicht eher als kriminelle Vereinigungen zu sehen, welche es Kriminellen ermöglichen den Bürgedr und den Staat auszurauben?

Gravatar: Samoth

Militärausgaben in Milliarden Dollar
1.USA, 731.8
2.China, 261.1
3.India, 71.1
4.Russia, 65.1
5.Saudia Arabia, 61.9
6.France, 50.1
7.Germany, 49.3
8.United Kingdom, 48.7

Rest of World, 241.1

Deutschland verkauft 5,5 Prozent aller großen Waffen in der Welt. Deutschland steigerte seine Exporte von großen Waffen zwischen 2011 und 15 und 2016 und 2020 um 21 Prozent.


In der 245-jährigen Geschichte der Vereinigten Staaten gab es nur 17 Jahre ohne Krieg.
Von 1945 bis 2001 haben die Amerikaner 81 Prozent der bewaffneten Konflikte weltweit verursacht

Gravatar: Rita Kubier

Wer Waffen, gleich welcher Art, ganz gleich wohin oder an wen bzw. an welchen Käufer auch immer liefert, der sorgt BEWUSST dafür, dass damit Menschen getötet, ermordet werden! Daher ist der Lieferant, der ja fast immer auch der Produzent der Waffen ist, ein Mörder, ein Kriegsführender, ein Kriegemacher! Nüchtern betrachtet ist und kann das einfach nicht anders sein. Man kann und sollte diese Tatsache nicht besser und nicht schön reden.
Da Deutschland Waffen nicht nur jetzt an die Ukraine liefert, sondern seit zig Jahren überallhin, in alle möglichen Länder, ist somit Deutschland seit zig Jahren schon ein Kriegemacher! Da muss es sich gar nicht mit Soldaten an den Kriegen beteiligen. Zur Verfügung gestellte, verkaufte Waffen - noch dazu an ein Land, dass sich aktuell im Krieg mit einem anderen Land befindet - genügen doch ein, wenn auch Außenstehender, so aber beteiligter Kriegsführender zu sein!!
Wer Waffen zum Gebrauch - Wozu denn sonst?! - in andere Länder liefert, noch dazu in solche, von denen bekannt ist, dass diese Krieg führen, beteiligt sich mit diesen Waffenlieferungen AUTOMATISCH an den geführten (oder auch beabsichtigten) Kriegen!!

Gravatar: Gerhard G.

Gestern ...kleine Ostermärsche ...unsere Regierenden habens mit Erschrecken zur Kenntnis genommen ...über die Hälfte der Demonstranten war für ,,Frieden schaffen ohne Waffen'' ...nur 1kl. Rest war für sofortige Waffenlieferungen (das waren die mit den Gelb-Blauen Fahnen) ...diese Feststellung wich um einiges ab von den ewigen Hetzmeldungen des Mainstream.

Gravatar: Walter

Nur der Dumme verkauft auf dem sinkenden Schiff seine Schwimmweste.

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