Wer darf geboren werden?

Bundestag diskutiert über Trisomie-Test

Der Bundestag debattiert heute über die Zulassung eines vorgeburtlichen Tests für ungeborene Kinder. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will den Bluttest zur Kassenleistung machen, mithilfe dessen Ärzte Trisomien beim Kind vorzeitig fest stellen können.

Trisomie 21. Foto: Wikimedia, gemeinfrei
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Bislang kann dies nur im Rahmen der mit gesundheitlichen Risiken behafteten Fruchtwasseruntersuchung geschehen. Der wesentlich einfachere Bluttest, sofern die Schwangere ihn wünscht, muss aus der privaten Tasche bezahlt werden.


Gerade die Unkompliziertheit des Verfahrens birgt jedoch seine Gefahr. Schwangere und auch Ärzte gehen mit diesem Test – gerade wegen seiner Harmlosigkeit – sehr viel unbekümmerter um als mit der gefährlichen Fruchtwasseruntersuchung. Denn das hochriskante Verfahren, schreibt der Arzt und Medizinethiker Giovanni Maio, setzt bei einer Schwangeren ganz andere (Vor)Denkprozesse in Gang als ein einfacher Bluttest. Eltern gehen behutsam heran und wägen genauer ab zwischen der physischen Gefahr, den Kosten und dem letztlichen Nutzen dieser Untersuchung. Auch beim heute schon erhältlichen Praena-Test verhinderte bislang der relativ hohe Kosteneinsatz, das ein Elternpaar privat tragen muß, daß er zum Routinetest wird. Nun erwägt die Bundesregierung, ihn zur Kassenleistung im Fall einer Risikoschwangerschaft zu machen. Parallel zum Anstieg des Gebäralters bei Frauen ist allerdings auch die Quote der der Risikoschwangerschaften deutlich angestiegen. Würde er für Risikoschwangere kostenfrei, würde dies auf circa 80% der Frauen zutreffen.


Die Folge eines solch standardmäßig durchgeführten Suchverfahrens nach behinderten Kindern liegt auf der Hand: Es werden mehr Kinder abgetrieben. Bereits heute lasse neun von zehn Paaren das Ungeborene töten, wenn absehbar ist, daß es mit Trisomie 21 zur Welt kommen wird. Wird dieser Test zur Routine, würden auch mehr Kinder mit einem Gendefekt entdeckt. Wohlgemerkt: Bei Kindern mit Behinderungen läßt der Gesetzgeber auch die besonders grausame Spätabtreibung zu. Die Tendenz in der pränatalen Medizin geht bereits seit Jahrzehnten in die Richtung, soviel wie möglich über das Ungeborene wissen zu wollen. Wer bewußt ein behindertes Kind zur Welt bringt, muss sich heute unangenehmen Fragen aussetzen, sinkt doch mit der zahlenmäßigen Abnahme dieser besonderen Kinder die gesellschaftliche Toleranz erheblich gegenüber den wenigen, die es noch gibt. Vor kurzem berichtete ein Vater, Chefredakteur einer Regionalzeitung, über die immensen Schwierigkeiten mit Kita und Behörden, denen sie als Familie mit einem Trisomie-Kind ausgesetzt sind. Das Schönwetter-Gerede über Inklusion und Anti-Diskriminierung verstummt regelmäßig abrupt, wenn es um ein behindertes Kind geht, das gleichberechtigten Einlaß in die Gesellschaft verlangt. Da paßt ein Verfahren, das solche Kinder im Vorfeld standardmäßig vom Leben aussortiert, gut ins Bild.


Gastbeitrag der Initiative Familien-Schutz

 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Zyniker

Heute sortiert man an keiner Rampe mehr, es geschieht viel früher...

Ich hoffe es gibt bald auch einen Test auf „linksgrün“ ... das wäre entgegen meiner sonstigen Einstellung auf jeden Fall abtreibenswert!

Gravatar: Sigmund Westerwick

Man muss es wissen dürfen

Ein behindertes Kind hat in dieser Welt schlechte Karten, un d auch wenn Politik und Medien etwas anderes behaupten, so braucht eine überbevölkerte Welt nicht mehr Behinderte, Inklusion hin oder her, und wenn es sich also vorhersagen läßt so haben Eltern die Pflicht, sich über mögliche Erkrankungen ihrer Kinder frühestmöglich zu informieren, auch wenn sie damit eine schwere Entscheidung auf sich ziehen.

Ich halte es für unvertretbar einen relativ einfachen und kostengünstigen Test nicht zu machen, angesicht der Gesamtkosten eines Kindes sicherlich Kleinkram, und es ist sicherlich viel grausamer dem Kind gegenüber zu begründen warum man einen einfachen Test eben nicht gemacht hat, nur um ein paar Euro zu sparen, und jetzt ist die Krankheit eben da.
Tatsächlich schützt Unwissenheit hier eben nicht, und selbst verschuldete Unwissenheit würde ich hier zumindest als böswillige Gleichgültigkeit auslegen, und ebenso wie die Gesundheit eines Kindes den Eltern nicht gleichgültig sein darf, sollte auch eine mögliche Erkrankung den Eltern nicht egal sein.

Gravatar: Werner

Wenn Eltern ihrem behinderten, ungeborenen Wesen und sich selber großes Leid ersparen wollen, müssen sie das Recht haben abzutreiben.

Gravatar: Werner

Unverschämt und dumm von dieser selbstherrlichen, göttlichen Regierung, die beschlossen hat, dass die Krankenkassen die gefährliche Fruchtwasser Untersuchung bezahlen und die ungefährliche Blutuntersuchung nicht.

Gravatar: Emma Klüger

Eine ganz einfache Meinung, die von allen akzeptiert werden kann:
-bitte denke an den armen alleinstehenden Kindern, wie wollen sie ohne Eltern dann weiterleben?????
Außerdem es gibt schon eine Methode, die aber gefährlich ist, also...
Ansonsten müssen diese Lebensretter lieber an sonstige Schwangerschaftsabrüche denken und diese lieber verhindern.

Gravatar: Freigeist

Wenn erst mal das Desinger-Baby möglich ist, wird man darüber gar nicht mehr diskutieren. Dann gibt es hoffentlich Trisomie 21 nicht mehr.

Gravatar: Tina

Meiner Ansicht nach sollte der Bluttest von der Kasse bezahlt werden, damit jede Frau selbst entscheiden kann, ob sie ein Baby mit einer solche Behinderung bekommen möchte. Das sollte nicht vom Geldbeutel der werdenden Mutter abhängig sein.

Im Hinblick auf die Diskussion über Designerbabys: Die Wissenschaft und Forschung ist meiner Meinung nach erst einmal neutral und kann sowohl für Gutes als auch Böses genutzt werden.

Gravatar: Freigeist

@Heinz Gampe
Impfungen sind ein globalisiertes Geschäft. Zwingt man die wenigen Impfgegner zum Impfen, berührt das die großen Bilanzen der Konzerne kaum. Die Konzerne verdienen jedoch weit mehr daran daran, wenn ein Baby wegen Nicht-Impfung stirbt. Was da noch alles in der Intensiv-Medizin gemacht wird, das kostet richtige Summen.

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