Interview mit Manfred Libner

»Kinder sind kein Rohstoff, sondern Menschen«

Mit Manfred Libner, dem Geschäftsführer der Stiftung Ja zum Leben, sprach FreieWelt.net über die erfolgreiche Kampagne EINER VON UNS, den Estrela-Bericht und die Zukunft des Lebensschutzes.

Foto: Stiftung Ja zum Leben
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FreieWelt.net: Die Europäische Bürgerinitiative EINER VON UNS hat mit 1,9 Millionen Unterstützern einen überragenden Erfolg erzielt. Haben Sie am Beginn der Kampagne damit gerechnet?

Manfred Libner: Am Anfang haben wir nicht damit gerechnet, vielleicht davon geträumt. Das Ausmaß des Erfolges konnten wir ja erst acht Wochen vor Ende einigermaßen abschätzen.

FreieWelt.net: Es ist erstaunlich, dass bereits die zweite Europäische Bürgerinitiative überhaupt von Lebensschützern ins Werk gesetzt worden ist. Sie gehören zu den Initiatoren – bitte erzählen Sie, wie Sie mit den anderen zusammengefunden haben.

Manfred Libner: Ich kenne die Freunde vom italienischen Movimento per la vita schon viele Jahre. 2010 haben wir bereits gemeinsam mit vielen anderen nationalen Lebensrechtsorganisationen die Petition »Für das Leben und die Würde des Menschen« ans Europaparlament gerichtet und dafür eine halbe Million Unterschriften in Europa gesammelt. Mit Carlo Casini ist da auch ein Urgestein der europäischen Lebensschutzbewegung im Europaparlament. Er hat uns darüber informiert, dass es ab 2012 die Möglichkeit einer aktiven Bürgerbeteiligung auf EU-Ebene geben würde. Und deshalb haben wir nicht gezögert und uns mit den Lebensrechtsvertretern aus den übrigen EU-Staaten von Anfang an daran beteiligt. So ist EINER VON UNS eine der ersten Europäischen Bürgerinitiativen geworden.

FreieWelt.net: Was würden Sie, im Rückblick betrachtet, anders machen?

Manfred Libner: Man darf nicht vergessen: Dieses Bürgerbegehren war ja nicht nur für uns Neuland, sondern auch für die EU-Kommission in Brüssel. Das Gute ist: Jetzt wissen wir genau, wie es geht. Wir sind jetzt viel besser vernetzt als vorher. Wir kennen uns persönlich, und das ist ungemein wichtig. EINER VON UNS ist im Hinblick auf die Zusammenarbeit der europäischen Lebensrechtsbewegung gar nicht hoch genug zu bewerten. Das hat uns allen einen wichtigen Schub gegeben. Wir könnten heute viel schneller und effektiver starten.

FreieWelt.net: Wie beurteilen Sie vor dem Hintergrund Ihrer Erfahrungen das Potential für weitere Kampagnen zum Schutz des Lebens, vor allem in Deutschland?

Manfred Libner: Über 174.000 Unterstützer allein in Deutschland – diesen Erfolg konnten wir natürlich nicht vorhersehen. Er zeigt uns ganz deutlich: Der Schutz des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen ist den Menschen auch hierzulande ein wichtiges Anliegen. Das Thema Lebensschutz wird in den nächsten Jahren ohnehin an Bedeutung gewinnen. So wie Umwelt- und Naturschutz mittlerweile einen zentralen Stellenwert in unserer Gesellschaft haben, wird auch die Ökologie des Menschen in den Blickpunkt rücken.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Wir können es uns angesichts von mehr als 100.000 Abtreibungen jährlich gar nicht mehr leisten, ungewollt schwangere Frauen in ihrer Verzweiflung alleine und zur Abtreibung gehen zu lassen. Überall werden schon Kindergärten und Schulen geschlossen, weil es keine Kinder mehr gibt. Was ist da naheliegender, als durch beste Beratung und umfassende Hilfe für die Schwangeren in Not einen Weg zum Leben mit Kind zu ebnen, wie dies im begrenzten Umfang zum Beispiel schon von »1000plus« verwirklicht wird? Dazu braucht es einfach eine breite gesellschaftliche Diskussion, wenn die Politik selbst dazu nicht in der Lage ist.

FreieWelt.net: Sie haben die Unterschriften dem Bundesverwaltungsamt übergeben, das sie an die EU-Kommission weiterleiten wird. Was passiert danach?

Manfred Libner: Ab Februar 2014 haben die EU-Kommission und das Europaparlament drei Monate Zeit, noch einmal unsere Argumente anzuhören und hoffentlich auch Maßnahmen zu ergreifen, die insbesondere die weitere finanzielle Förderung von verbrauchender Forschung mit embryonalen Stammzellen beendet.

FreieWelt.net:  Dieser Tage hat sich das Europäische Parlament mit dem Berichtsentwurf der Abgeordneten Estrela beschäftigt, in dem ein Recht auf Abtreibung behauptet und die Frühsexualisierung von Kindern gefordert wird. Ist es Zufall, dass dieser Entwurf ausgerechnet jetzt auf den parlamentarischen Weg gebracht worden ist?

Manfred Libner: Die Abtreibungs-, Gender- und Frühsexualisierungslobby ist stark in Brüssel. Deshalb meinten viele, die erste Abstimmungsniederlage des Estrela-Berichts und Rücküberweisung in den zuständigen Frauenausschuss vor wenigen Wochen sei ein Zufall gewesen und könne sich nicht wiederholen. Deshalb wurde der Bericht nahezu ohne Veränderungen am 10. Dezember wieder dem Parlament zur Abstimmung vorgelegt. Dass es auch diesmal eine Mehrheit gegen den Estrela-Bericht gab, bezeichnen einige als Wunder.

Natürlich ist es eine Sensation! Aber es ist auch ein Ergebnis einer besseren Zusammenarbeit und Informationsarbeit im Vorfeld, nicht zu vergessen die beiden Demonstrationen vor dem Parlament. Man erkennt daran einfach: Es hat sich etwas geändert. Das Recht auf Leben lässt sich nicht mehr so leicht an den Rand drängen. Das ist ganz wichtig!

FreieWelt.net: Wie können sich die Unterstützer von EINER VON UNS auch nach Abschluss der Kampagne für den Schutz des Lebens engagieren?

Manfred Libner: Wir merken schon jetzt, dass EINER VON UNS ganz viele Menschen mobilisiert hat über die Abgabe der Unterstützungsbekundung hinaus. Ohne diesen Einsatz hätte es vielleicht gar keine Mehrheit gegen den Estrela-Bericht gegeben. Viele Menschen schließen sich Lebensrechtsorganisationen an und wollen aktiv helfen. Auch wir bei der Stiftung Ja zum Leben merken das.

In den kommenden Monaten ist es vor allem wichtig, dass die EU-Kommission und das EU-Parlament unser Bürgerbegehren auch umsetzen. Im Mai sind Wahlen zum Europaparlament. Da haben alle Bürger Europas wieder die Chance, ihren Kandidaten auf den Zahn zu fühlen. Wir wollen ein Ende der Diskriminierung von ungeborenen Kindern. Sie sind weder Rohstoff noch Abfall. Es sind Menschen! Darum geht es!

FreieWelt.net: Vielen Dank für das Interview.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: H.von Bugenhagen

Na ist denn das...
Da können wir ja froh sein keine Asiatischen Gepflogenheiten bei uns zu haben.Die töten ihre Mädchengeburten sobald sie kein Geld für Hochzeiten haben die die Brauteltern zahlen müssen Heute haben viele Männer deshalb keine Möglichkeit eine Frau zu bekommen..was bleibt bei Männern unter sich wissen wir und dazu kommen Massen Vergewaltigungen auch an Touristinnen aber jetzt kommen ja viele zu uns und hier ist der Markt gedeckt.

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