Interview mit Charles B. Blankart

»Die Krise setzt sich fort«

Es sieht nicht so aus, als seien die Staaten gewillt, von ihrer Schuldenmacherei abzulassen, sagt Prof. Dr. Charles B. Blankart im Gespräch mit FreieWelt.net. Er prophezeit »ein Elend ohne Ende«.

Foto: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
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FreieWelt.net: Die Schuldenkrise hält Europa immer noch in Atem – doch Angela Merkels pure Präsenz beruhigt zumindest die Deutschen. Doch wie schlimm ist die Lage wirklich?

Charles B. Blankart: Nicht wegen Angela Merkel verhalten sich die Gläubiger ruhig, sondern weil sie von der EZB die Garantie erhalten haben, dass sie ihr Geld niemals verlieren werden. Notfalls werden sie über die Notenpresse der EZB entschädigt. Derweil verliert die EZB an Bonität. Die Mitgliedstaaten erhalten weniger oder keine Gewinnauszahlungen mehr. Dadurch bezahlen ihre Steuerzahler die Zeche.

FreieWelt.net: Wie sieht die Lage im historischen Vergleich aus: Gab es in der Vergangenheit schon einmal eine ähnliche Zuspitzung der Schuldensituation von Staaten?

Charles B. Blankart: König Philipp II. von Spanien hat vier Staatsbankrotte erlitten. Die Gläubiger bezahlten die Zeche, weil ihre Staatsanleihen plötzlich nichts mehr wert waren. Sie hatten sich verspekuliert. Sie wussten es auch. Das war ihr Risiko.

FreieWelt.net: Um Zypern vor der Pleite zu bewahren, wurden auch die Sparer herangezogen, man hat sie gleichsam enteignet. Inwieweit ist dieses Vorgehen als Blaupause auch für hochindustrialisierte Staaten wie Deutschland zu verstehen?

Charles B. Blankart: Das ist nicht ganz richtig. Man hat die Kleinsparer geschont und bittet aber die Großen zur Kasse. Denn sie haben bewusste Investitionsentscheidungen getroffen.

FreieWelt.net: Welche Folgen hätte es, wenn die Schulden immer weiter wachsen?

Charles B. Blankart: So sieht es ja derzeit aus. Solange sich die Süd-Euro-Staaten weiter verschulden können, können sie ihre Reformen aufschieben. Daher mangelt es weiter an Investitionen, und die Krise setzt sich fort.

FreieWelt.net: In einem Aufsatz, der für Furore gesorgt hat, zeigen sich Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff pessimistisch, dass die Staaten ihre Schulden wieder loswerden, indem sie Wachstumsgewinne in den Schuldendienst stecken. Wie sehen Sie das?

Charles B. Blankart: Sie müssten also über lange Zeit eine selbst gemachte Austeritätspolitik betreiben. Dann fehlt es an Gewinnen, Investitionen und Schuldenrückzahlungen: ein Elend ohne Ende.

FreieWelt.net: Vielen Dank für das Gespräch.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: H.von Bugenhagen

Na ist denn das...
Hoffe es spielt sich in Kürze ab damit danach wieder Ruhe herrscht.

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