Interview mit Karsten D. Hoffmann

»Der Einfluss der militanten Linken ist immens«

Linker Extremismus lässt sich nicht mit Polizei bekämpfen, sagt Extremismusforscher Hoffmann. Doch die Abgrenzung funktioniert schlecht. Scheinbekenntnisse reichen nicht aus.

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FreieWelt.net: Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) hält Linksextremismus für ein überschätztes Problem. Hat sie recht?

Karsten D. Hoffmann: Die spannende Frage ist doch: Glaubt sie selbst, was sie da gesagt hat? Ich bin mir da nicht so sicher. Die BKA-Statistik müsste ja auch im Familienministerium vorliegen, und nach dieser liegt die Zahl der linksmotivierten Gewaltdelikte seit fast zehn Jahren höher als die Zahl der rechtsmotivierten. Wahrscheinlich musste Frau Schwesig Zugeständnisse an den linken SPD-Flügel machen, wie auch bei der Demokratieerklärung.

FreieWelt.net: Schwesigs Amtsvorgängerin Schröder (CDU) hat von Vereinen, die Fördermittel erhalten, ein schriftliches Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaat verlangt. Schwesig hat diese Klausel wieder abgeschafft. Was halten Sie von der Klausel und ihrer Abschaffung?

Karsten D. Hoffmann: Reine Symbolpolitik. Klar, der Polizist, der bei einer Demo verletzt wird, muss es als zusätzlichen Tiefschlag empfinden, wenn die Steinewerfer von staatlichen Fördermitteln profitieren. Aber mit Scheinbekenntnissen zum Grundgesetz ist das Problem ja nicht aus der Welt. Stattdessen müssten diese Initiativen regelmäßig unter die Lupe genommen werden. Und diejenigen, die am lautesten gegen die »Extremismusklausel« gewettert haben, zuallererst. Dabei würde ich mir übrigens sehr viel mehr Engagement von der CDU und der Konrad-Adenauer-Stiftung wünschen – in Form von Forschungsaufträgen und parlamentarischen Anfragen. Da ist bisher viel zu wenig passiert.

Mehr Forschung über Linksextremismus nötig

FreieWelt.net: Offensichtlich wird linker Extremismus anders wahrgenommen als rechter. Woran liegt das? Sind es »nur« die Journalisten, die mit ihnen sympathisieren, oder repräsentieren die Journalisten eine in der Bevölkerung verbreitete Grundstimmung?

Karsten D. Hoffmann: Ich kenne natürlich diese Untersuchungen, nach denen 70 Prozent der Journalisten sich als eher links einordnen – und das hat sicherlich auch Einfluss auf die Berichterstattung. Aber ich würde nicht den Journalisten die Schuld in die Schuhe schieben. Tatsächlich bin ich in den letzten Jahren immer wieder von Journalisten angesprochen worden, die mir gesagt haben, sie würden gern etwas zum Thema machen, denn es scheint in der Bevölkerung durchaus ein Interesse daran zu geben. Aber es gibt einfach zu wenige Forschungsergebnisse, auf die sich Journalisten berufen könnten.

FreieWelt.net: Wo beginnt Linksextremismus eigentlich? Was kann man tolerieren, was nicht mehr?

Karsten D. Hoffmann: Die ganze Diskussion um den Linksextremismusbegriff ist mir inzwischen völlig egal…

FreieWelt.net: Das überrascht! Immerhin nennen Sie ihr Forschungsportal »Bibliographie zur Linksextremismusforschung«?

Karsten D. Hoffmann: »Bibliographie zur Erforschung linksmotivierter Straftaten sowie anarchistischer, kommunistischer und sozialistischer Bestrebungen« ist halt einfach zu lang! Diese Diskussion um Begriffe führt einfach dazu, dass wir die Gefahren aus dem Auge verlieren, die von diesem Spektrum ausgehen.

FreieWelt.net: Die da wären?

Karsten D. Hoffmann: Auf der einen Seite ist da natürlich die unmittelbare Gewalt gegen Menschen bei Demonstrationen oder ähnlichen Anlässen. Und das muss man einmal deutlich sagen: Dabei können auch Menschen zu Tode kommen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Gefahren, die man nicht auf den ersten Blick erkennt. Die militante Linke ist mit Steinewerfern zwar nicht in der Lage, den Staat ins Wanken zu bringen. Aber das hat sie aber gar nicht nötig, weil ihr Einfluss auf die Meinungsbildung in diesem Land schon immens ist.

Statistisch gesehen gibt es jeden Tag linksmotivierte Übergriffe. Das hat natürlichen einen Effekt. Nehmen wir einmal das Beispiel AfD. Man kann von dieser Partei halten, was man will, aber es sollte Konsens sein, dass die Wähler über ihr Schicksal entscheiden und nicht eine gewalttätige Minderheit. Wie aber soll ein fairer Wahlkampf stattfinden, wenn dreiviertel der Wahlplakate zerstört, Wahlkämpfer körperlich angegriffen werden und 3.000 Leute versuchen, den AfD-Bundesparteitag zu verhindern. Wenn das so weitergeht, dann brauchen wir hier bald OSZE-Wahlbeobachter!

Kulturarbeit ist für Linke ein Mittel, um Politik zu machen

FreieWelt.net: Linksextremisten fühlen sich in alternativen Subkulturen mit einem bestimmten Lebensgefühl wohl. Aber auch wer nicht linksextrem ist, fühlt sich oft davon angezogen: Preiswerte Gastronomie, innovatives Design und kreative Veranstaltungen wie Theater, Kunst, Literatur und politische Bildung in einem charmant-heruntergekommenen Altbauviertel – wer geht da nicht gerne hin! Ist diese Kompatibilität zum bürgerlichen Lebensstil – Urlaub vom spießigen Alltag – vielleicht das Erfolgsrezept der Linksextremisten?

Karsten D. Hoffmann: Zunächst einmal sind die meisten alternativen Subkulturen nicht linksextrem. Aber sie überschneiden sich häufig mit der militanten Szene. Für linke Zentren ist Kulturarbeit ein Mittel, um Politik machen zu können. Denn mit ihren Veranstaltungen können sie an einem Wochenende fünfstellige Beträge einnehmen, die dann in die politische Arbeit fließen. Das Problem ist, dass in der Gesellschaft kein Bewusstsein dafür vorhanden ist, dass einige der Betreiber unseren Staat beseitigen wollen und dafür Gewalt, auch gegen Menschen, als legitimes Mittel ansehen. In diesen Zentren geben bekannte Chart-Größen wie »Jan Delay«, »Wir sind Helden« oder »Fettes Brot« Soli-Konzerte, ohne dafür jemals Kritik zu erfahren.

FreieWelt.net: Gibt es ein Kontinuum zwischen Linksextremismus und links orientierter Bürgerlichkeit?

Karsten D. Hoffmann: Jedenfalls funktioniert die Abgrenzung auf der linken Seite sehr viel schlechter als auf der rechten. Mit der Linkspartei hat sich gewissermaßen eine parlamentarische Interessenvertretung der militanten Linken gebildet. Grüne und SPD üben kaum Kritik, obwohl sie mittlerweile selbst von linker Gewalt Betroffen sind. 2014 haben wir bei einem Dokumentationsprojekt allein mit einer Medienauswertung 32 Übergriffe auf die SPD und 19 auf die Grünen festgestellt. Offenbar gehen den Militanten die Gegner aus.

FreieWelt.net: Was muss geschehen, damit das bürgerliche Lager gestärkt und gegen linksextremistische Versuchungen immunisiert wird?

Karsten D. Hoffmann: Die meisten Forderungen aus dem bürgerlichen Lager wie Räumung linker Zentren, mehr Polizei, härtere Gesetze und so weiter sind völliger Unsinn! Es ist ein gesellschaftliches Problem, und deswegen kann man es nicht mit der Polizei lösen. Wir brauchen mehr Forschungsarbeit! Wir brauchen junge Sozialwissenschaftler, die den Mut haben, über militante Gruppen zu schreiben, und wir brauchen finanzielle Mittel dafür. Wenn sich Bundes- und Landesregierungen verpflichten würden, nur zehn Prozent der Mittel für die Rechtsextremismusprävention für die Forschung über das linke Spektrum auszugeben, dann wären das vielleicht fünf Millionen Euro – ziemlich wenig für den Staatshaushalt, aber damit könnte man 100 Dissertationen und 50 Forschungsaufträge finanzieren. Das wäre ein herber Schlag gegen die militante Linke.

FreieWelt.net: Danke für das Gespräch.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Johannes R. von Bieberstein

Wie ich in meiner viele exakte Belege enthaltenden Schrift
SCHWULENKULT UND FEMI-NISTISCHER GESCHLECHTERKAMPF
(Graz Ares 20115, 144 S., 14,95 €)
dargelegt habe, geht der neofeministische GESCHLECHTERKAMPF unmittelbar auf den "GESHLECHTERKLAASENKAMPF" und damit auf Karl Marx sowie den Sexualkommunisten und Propheten des Orgasmus Wilhem Reich zurück.
Die schamlose anti-Männer- Militanz Militanz dieser neuen Bewegung gegen den Mann als "Feind Nr. 1" (Alice Schwarzer) signalisiert das von mir wiedergegebene berühmte "Schwänzeflublatt" von 1968. Darauf räkelt sich eine nackte (lesbische?) Emanze mitr dem Hackebeilchen unter einer Anzahl erlegter und gleich Rehgehörnen präsentierter Penisse ...

Es versteht sich, daß meine wohl grundlegende Schrift von allen "Korrekten" beschwiegen wird, da ihre Erkenntnisse - zum Beispiel auch für die EKD mit ihrer Schwulen-und Lesben-, also Minderheiten-Förderung zu peinlich ist!

Gravatar: Thomas Rießler

Mit Leuten, die politisch motivierte linke Gewalt als gelegentliches zu Bruch gehen von Glasscheiben verharmlosen und dies auch noch rechtfertigen, kann man nicht vernünftig diskutieren.

Gravatar: Philipp

Ich bin durch Zufall auf freiewelt.net gestoßen und habe mir hier den ein oder anderen Artikel durchgelesen. Besonders die Kommentare fand ich sehr aufschlussreich.

Mich hat es außerordentlich verwundert, dass ein "Extremismus"-Experte ausgerechnet hier ein Interview gibt. Eigentlich sollte er den nötigen Intellekt haben nicht bei vertretern von rechtsaußen Positionen um Zustimmung zu werben. Auf dieser Seite wird permanent gegen "Linke" gehetzt und soweit ich es einschätzen kann, findet so gut wie nie eine wirkliche Inhaltliche Außeinandersetzung mit den eigentlichen Positionen statt.
Hier wird dem "Wutbürger" nach dem Mund geredet. Man mag über bestimmte Dinge streiten können, aber man sollte immer eine gewisse Intellektuelle Aufrichtigkeit an den Tag legen anstatt Gebetsmühlenartig Klischees über "Linksfeministen" und ähnliche zu wiederholen.

Abgesehen davon ist es durchaus erwähnenswert, dass alleine in den letzten 10 Jahren zig Menschen von rechten getötet wurden (wenn die Zahl nicht sogar dreistellig ist) und von den Linken.... NULL.

Wenn hier und da ein paar Glasscheiben zu bruch gehen müssen damit die Politik aufhört sich als Interessenvertreter der Großbanken zu verstehen dann ist das eine ganz andere Qualität als die rechten Terroristen

Gravatar: Harald Seitz

Selten so einen Schwachsinn gelesen, absolut unseriöser Umgang mit Statistik, eventuell verursacht durch völlige Unkenntnis der Empirie oder, näherliegend, bewusste Manipulation.
Extremismusforscher ist kein geschützter Begriff! Jeder, der nur genügend verblendet ist, darf sich als solcher bezeichnen.
Zählt doch bitte mal nach, wieviele Menschen von Rechtsradikalen die letzten zehn Jahre ermordet wurden, und wieviele von Linksextremen.

Gravatar: Rüdiger Braun

Ich verweise auf den Kommentar von Frau Weber

Gravatar: Alice Warzer

'Linker Extremismus lässt sich nicht mit Polizei bekämpfen, sagt Extremismusforscher Hoffmann. Doch die Abgrenzung funktioniert schlecht. Scheinbekenntnisse...'

Wie auch?! Diese <a href="https://www.youtube.com/watch?v=k7jEk_f04pE" rel="nofollow">linksextremistischen</a> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=FhjnCPYdkk0#t=3m54s" rel="nofollow"> Leute</a> sind doch nur damit beschäftigt, Muttis politische Agenda umzusetzen und durchzusetzen.

Wer sich aber gegen diese Feminazies, Hasardeure, Stadtindianer und Terroristen wehrt oder sie auch nur beim Namen nennt, wird sofort als Nazi denunziert und verfolgt.

Gravatar: Jens

Absolut richtig!

Gravatar: Karin Weber

Die meisten Kinder wachsen in AE-Familien ohne Vater auf. Die Mütter gehen dann logischerweise Fulltime arbeiten. Da bleibt so was kausal eben auf der Strecke. Insofern muss man über diese "politischen Vorgabe" für Frauen gewaltig nachdenken. In dem der Staat/Feminismus sogenannte Frauenrechte offeriert, die Frauen emanzipiert etc., ermöglicht er ja im Umkehrschluss erst solche Fehlentwicklungen. Zweifelsfrei trägt das zum Machterhalt der politischen Klasse bei und Kindeswohl oder Frauen-/Familieninteressen werden nur vorgetäuscht. Viele Frauen merken ja nicht einmal, wie sie durch Frauenrechte sich selbst entrechten.

Die Zerschlagung von Familien, hier in Form die Separierung des Nachwuchses zur Übernahme in die manipulierende Obhut des Staates, funktioniert problemlos. Uns Frauen verkauft man den Zugriff auf unsere Kinder als "Vereinbarkeit von Familie und Beruf". In Wirklichkeit zerstört man die Seelen der jungen Generation.

Gravatar: Jens

In der Schule wird den Kindern auch beigebracht, immer auf die Gefahren von "rechts" zu achten (wie etwa PEGIDA) und dagegen anzugehen. Extremismus ist dort durchaus ein Thema, aber ein verlogenes und einseitiges.
In den Schulen wird immer mehr indoktriniert und die Eltern merken es noch nicht einmal.

Gravatar: Hannes

Ich bin nicht enttäuscht. Ein Interview mit einem Extrmismusforscher zu lesen, bei dem es um die Gefährdung der Meinungsfreiheit und -bildung durch Linkextremisten geht und damit auch um die Pfeiler unserer Demokratie, hat Seltenheitswert und ist bitter nötig.
Den meisten Menschen ist von diesen Staatsfeinden und ihren hehren Parolen schon längst das Hirn gewaschen worden. Alles schaut auf die Gefahr von rechts, während die weit größere Gefahr längst auf der linksen Überholspur davongezogen ist.
Aufklärung, Aufklärung und nochmals Aufklärung ist tatsächlich dringend nötig. Herr Hoffmann hat absolut Recht, wenn er sagt: "Wir brauchen junge Sozialwissenschaftler, die den Mut haben, über militante Gruppen zu schreiben, und wir brauchen finanzielle Mittel dafür."
Der Redaktion von "Freie Welt" ein herzliches Dankeschön für das Interview!

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