Nauru - ein sozialistisches Paradies

Keiner sage, es gäbe keinen realen Sozialismus. Es gibt ihn. Im Pazifik. Auf einer Insel kaum größer als Hiddensee mit allerdings deutlich mehr Einwohnern. Nauru – nördlich der Salomonen gelegen, von denen allerdings auch schon kaum jemand weiß, dass es sie gibt und dass sie einmal teilweise deutsche Besitzungen waren.

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Nauru beherbergt den drittkleinsten Staat der Welt; nur Monaco und der Vatikan-Staat haben noch weniger Fläche. Mit diesen anderen Kleinststaaten hat Nauru eines gemeinsam: Es lebt nicht von der Arbeitskraft seiner Bewohner, sondern von einem Gut, das es gewinnbringend an andere Weltbewohner verkauft: Der Vatikan das Seelenheil von Katholiken; Monaco neben dem Glücksspiel spannende Geschichten um den Blut- und Geldadel aus aller Welt. Gleichsam als eine Art von Ergänzung lebt Nauru von Scheiße; von Vogelscheiße, um genau zu sein – Nein, nicht Vogelschiss; mit Nazi-Devotionalien handelt Nauru nicht.

Der Vogelmist hat sich über Jahrzehnte in Phosphat verwandelt und kann auf der Insel leicht abgebaut werden. Dadurch erhält die Insel eine markante Struktur: In der Mitte eine triste, gräuliche Mondlandschaft - außen ein grünes Band aus Palmen und Stränden. Bis 1968 bestimmte der Rohstoff Phosphat im schlechten Sinne das Schicksal der Inselbewohner. Ab 1888 deutsche Kolonie, wurde es 1914 von Großbritannien annektiert. Im Zuge der japanischen Eroberung Südostasiens wechselte die Insel 1942 noch einmal ihren Besitzer. Diesmal wurden die Bewohner als Zwangsarbeiter ins benachbarte Truk deportiert. Die wenigsten kehrten 1945 nach Nauru zurück – jetzt unter australische Herrschaft.

Mit der Unabhängigkeit im Jahre 1968 begann dann eine andere Zeit. Die Phosphatabbaugesellschaften wurden verstaatlicht und die Bewohner über Nacht zu Bürgern eines Staates mit dem höchsten Pro-Kopfeinkommen der Welt. Und anders als z.B. in arabischen Staaten profitierten sie auch wirklich davon. Kurz gesagt: Nauru war sozialistisch geworden. Weder offiziell noch de jure, aber de facto. Die Insulaner lebten im Reich der Freiheit ohne Notwendigkeit: Keine Steuern, freie Krankenversicherungen, jedem ein Auto und Boot, im Alter nur Gebratenes und Gesottenes statt Ausreise in den geschmähten Westen. Und das alles ohne Pechmarie oder andere Strafen für Leute mit mangelhafter Arbeitsmoral.

Doch auch dieses Paradies machte nicht glücklich. Ohne das Reich der Notwendigkeit wird es im Reich der Freiheit sehr schnell öde. Die Bewohner kamen in jeder Hinsicht auf den Hund. Die holländische Krankheit befiel sie – so nennen Wirtschaftstheoretiker es, wenn Länder durch Rohstoffreichtum in Nachteil geraten. In Nauru handelt es sich um eine geistige Abart. Versuche, in einem Anflug von weiser Voraussicht, das gewonnene Geld gewinnbringend in anderen Staaten zu investieren, endeten regelmäßig im Bankrott. Vielleicht fehlte den Bürgern einfach jedes Motiv, in Effektivitäten zu denken. Dann war der Rohstoff plötzlich verbraucht; es ging tatsächlich abwärts. Statt Phosphat zu verkaufen, begann man das trostlose Abbaugebiet an die australischen Behörden zu vermieten. Die suchte zum Glück nach Platz für Flüchtlinge fern ab australischer Strände. Und so hatte Nauru ein weiteres Mal etwa entdeckt, mit dem man Geld machen kann, ohne schuften zu müssen: Auf der Insel wurden Flüchtlingslager eingerichtet.

Natürlich handelt es sich auch bei Nauru um einen Sozialismus in einem einzelnen Staat, denn der Weltsozialismus funktioniert schwerlich nach diesem doktrinären Prinzip. Immer muss es einen anderen geben, der arbeiten geht. In anderen Fällen hilft eine Erbschaft – sei es bei der Vorgängergeneration oder dem Staat, in den man migriert. Nauru hat für seine wirtschaftlichen Probleme seine traditionelle Lösung gefunden: Unter dem öden Abraumgelände wurde weiteres Phosphat in großen Mengen gefunden. Und für das haben Vögel arbeiten müssen. Hier, in Nauru, lässt sich wirklich sagen: Es ist gelungen, aus Scheiße sozialistische Butter zu machen. Man arbeitet nur noch am Geschmack.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Hans-Peter Klein

Es gibt noch eine Einnahmequelle:
Im Januar 2005 wurde Nauru als potenzieller Standort für die Endlagerung von australischem Atommüll genannt.
MfG, HPK

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

... „Es lebt nicht von der Arbeitskraft seiner Bewohner, sondern von einem Gut, das es gewinnbringend an andere Weltbewohner verkauft: Der Vatikan das Seelenheil von Katholiken; Monaco neben dem Glücksspiel spannende Geschichten um den Blut- und Geldadel aus aller Welt. Gleichsam als eine Art von Ergänzung lebt Nauru von Scheiße; von Vogelscheiße, um genau zu sein – Nein, nicht Vogelschiss; mit Nazi-Devotionalien handelt Nauru nicht.“ ...

Trotzdem aber ist z, B. im EU-Spanien eine „Reaktivierung des Faschismus“ längst nicht mehr zu übersehen!!!
https://deutsch.rt.com/meinung/87363-reaktivierung-des-faschismus-in-spanien/

Und wie sieht es dies bzgl. im göttlich(?)-vermerkelten Deutschland aus?

„Chef der Partei der Swoboda-Faschisten und Partner von Merkel und Obama auf Regierungsebene in der Ukraine - Zitat:

"Schnappt euch die Gewehre, bekämpft die Russensäue, die Deutschen, die Judenschweine und andere Unarten. Seid stark für unsere ukrainische Heimat"!!!
(Oleh Tjanybok 2004, zumindest anno 2014 noch Bündnispartner deutscher Außenpolitik
http://internetz-zeitung.eu/index.php/1607-kanzlerin-merkel-und-steinmeier-hofiert-hardcore-faschisten,-der-judens%C3%A4ue,-deutsche,-russen-und-anderes-pack-abknallen-will
und der „Dilettanten aus dem Westen“ insgesamt!!!
https://www.freitag.de/autoren/barbara-muerdter/die-dilletanten-aus-dem-westen

Gravatar: Ernst-Friedrich Behr

Herr Klein, Sie liegen, wie so oft, schon wieder meilenweit daneben, weil Sie nichts wissen. "Atommüll" braucht nicht endgelagert werden. Er wird zu neuen Brennelementen aufgearbeitet, in Brutreaktoren gespalten und schneller Neutronenstrahlung ausgesetzt, bis er zu stabilen, nicht mehr strahlenden Elementen zerfallen ist. Die Endprodukte sind wertvolle Rohstoffe und kein Müll. Nur in Deutschland ist diese elegante Form der Entsorgung nicht möglich. Das liegt u.a. an solchen Durchblickern, wie Sie es sind.

Nauru wird aber trotzdem Endlager werden, und zwar für den Schrott aus abgebauten, nicht mehr nutzbaren Windenergieanlagen aus Südaustralien. Alte Rotorblätter aus Glasfaser-Verbundwerkstoffen sind gefährlicher Sondermüll. Ca. 150 t fallen je Anlage an.

Gravatar: Hans-Peter Klein

@ Ernst-Friedrich Behr 20.04.2019 - 17:18

Also behält Australien seinen sämtlichen Wertstoff-Sonderatommüll für sich, das mit Nauro war dann wohl nur eine Ente, ja wattdennnu?
Bitte klären Sie uns doch mal auf.

Die Verplastifizierung des Globus ist in der Tat ein echtes Problem, überhaupt das die westlichen Industrieländer die sog. Dritte Welt als Sondermülldeponie missbrauchen.

Mikroplastik gelangt über die Meerestiere sogar in die Nahrungskette des Menschen, ganz zu schweigen von verendeten Großsäugern wie Delphine, Wale usw. in Schleppnetzen.

Was ist denn nun das ganz besondere an Rotorblättern, was ist an ihnen sondermülliger wie all die weltweiten Plastik-Einmalverpackungen, all die Plastik-Wegwerfprodukte mit kurzer Lebenszeit, all die Plastik-Verbundmaterialien die man nie mehr sortenrein trennen kann,
auch darüber dürfen Sie uns gerne mal aufklären.

MfG, HPK

Gravatar: Hans-Peter Klein

@ Ernst-Friedrich Behr 20.04.2019 - 17:18

Es ist doch nochmal einen extra Nachtrag wert,
was Sie da geschrieben haben.

Vertreten Sie da etwa die nagelneue EIKE-Position:

"GFK-Rororblätter sind gefährlicher Sondermüll, gefährlicher als Sonder-Atommüll-Wertstoff".

Na dann, auf in den Europa-Wahlkampf mit diesem eleganten, neuen AfD-Slogan.

MfG, HPK
P.S.: Nur zur Sicherheit:
Die ganze Ironie dieses "Slogans" sollte auch dem hintersten und letzten EIKE-Betonkopp klar sein, mindestens so klar wie das Abklingbecken eines AKWs.

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