Links, dumm, also moslemisch

Eine beliebte Übung im rhetorischen Alltag beweist dem politischen Gegner, einmal die eignen Positionen vertreten zu haben. Mit dem »Asyltourismus« war es so – als der Begriff zuerst einmal dem christlich-sozialen Söder und einem unbekannten Sozialdemokraten aus den später 1970er Jahren nachweisbar war, jubilierte die Rechte; wieder einmal schienen die Anderen sich ihrer Begriffswelt zu bewegen.

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Als würde das irgendetwas beweisen. Dass es in diesem Fall eigentlich umgekehrt ist – schließlich kam zuerst einem Sozialdemokraten und dann einem Christsozialen das Wort der Schande über die Lippen –, störte nicht weiter, fiel wahrscheinlich nicht einmal auf.

Mitunter kommt dieser Beifall jedoch auch überraschend und verklausuliert. Und so erging es mir heute beim Lesen eines Stücks von Tucholsky. Eigentlich mag ich ihn nicht. Er schreibt plump, denkt nicht wirklich weiter und originell ist er auch nicht gewesen. Er gehört zur Riege weit überschätzter linker Autoren, von denen heute kaum einer was wüsste, wenn die Nationalsozialisten nicht an die Macht gelangt wären.

Aber zwei Stücke schätze ich doch: »Wo kommen die Löcher im Käse her ?« und »Die Laternenanzünder«. Und in letzterem findet sich, völlig aus dem Rahmen fallend, die Bemerkung: »jüdisch, dumm, also national«. Herzlich gelacht habe ich. Eine Sekunde lang war ich versucht, nach der oben beschriebenen Übung zu verfahren und fragte mich: »War Kurt Tucholsky vielleicht ein Antisemit ?« Doch dann stockte ich. Nein, das war keineswegs antisemitisch. Hier hasst keiner die Juden, wie es Araber und Nationalsozialisten gern und offen machen und Linke lieber kaschieren; hier charakterisiert einer einen bestimmten Typus des Juden: Den, der sich assimiliert hat. Er ist national, aber nur, weil er dumm ist.

Nein, dass, wer national zugleich dumm ist, das wird nicht gesagt. Die Assimilierung ist Objekt des Spottes: Der Jude, der national wird, um in der Masse zu schwimmen. Dieser Jude muss dumm sein.

Sofort probierte ich andere Kombinationen: »christlich, dumm, also national«. Das klingt zwar nach einem schlüssigen Dreisatz; doch kann ich keine Anwendung sehen. Man könnte es in moslemischen Staaten versuchen. Nur sind die allesamt nicht national. Im besten Fall wäre das die Türkei. Doch welcher Christ unterwirft sich dem türkischen Nationalismus ? Welcher Christ propagiert das Türkentum, um als Christ in der Türkei unter Moslems leben zu können ? Sicher, es wird welche geben. Aber von einer flächendeckenden Assimilierung ist mir nichts bekannt.

Eine andere Kombination machte da häufiger Sinn: »moslemisch, dumm, also national«. Doch auch hier gibt es nur wenige Fälle. Eine erklärte Assimilierung größerer Gruppen von Moslems mit der erklärten Absicht, national, ja deutsch-national zu erscheinen, ist schwerlich zu finden. Zwar ist die Gruppe von Türken, die sich deutscher benehmen als so manch ein tätowierter Clubbesucher mit germanischen Wurzeln; aber sie sind in der Minderheit und arbeiten eher still und bescheiden – ganz sicher kein Zeichen von Dummheit, ja vielleicht sogar eines von Intelligenz.

Die andere Kombination: »christlich, dumm, also moslemisch«, die klingt beim ersten Hören plausibel. Ein Blick auf Christenvertreter aus Köln und Umgebung liefert schnell Beispiele in Hülle und Fülle. Nur passt dieser Dreischritt nicht in das Ausgangsschema hinein: »jüdisch, dumm, also national« wechsel ja die Kategorien. Aus gläubiger Jude wird gläubiger Deutscher. Ein Christ, der sich als Moslem geriert, ist dagegen eine Art Sozialdemokrat: Die haben sich bekanntlich prima mit ihren kommunistischen Mördern vertragen und vertragen sich noch heute, trotz aller systematischen Morde, mit ihnen.

Nein, der Kategorienwechsel muss sein. Und da fällt mir nur ein passender ein: »links, dumm, also moslemisch«. In einer Art vorauseilender Unterwerfung geben sich Linke heute gern als Sympathisanten der Moslems, ja als Vertreter, gar als Beschützer islamischer Marotten und Regeln. Die Linke kämpft gegen das Verbot von Kopftüchern in Kitas, Schulen und anderen staatlichen Einrichtungen ein. Die Linke kämpft für das Recht der Moslems, nach ihren eigenen Rechtssystemen leben zu dürfen. Das macht, betrachtet man das Verhältnis von Linken und Religion, zunächst keinen Sinn. Aber als vorsorgliche Unterwerfung passt es zu Linken und ihren Unterwerfungsphantasien. Ein Linker, der heute was auf sich hält, der gibt sich als Freund aller Mohammedaner; vorausgesetzt, er ist dumm. So macht die Übersetzung ins heute wirklich Sinn: »links, dumm, also moslemisch«.

Schade, dass wir nicht wissen, was Kurt Tucholsky dazu gesagt haben würde. Den weiten Schritt vom Opium des Volkes zur Unterwerfung unter moslemische Sitten hätte er aber schwerlich goutiert. Allerdings hätte er für diesen Analogieschluss die Dummheit der Linken annehmen müssen. Und das wäre ihm vielleicht schwerer gefallen als mir. Denn links steht heute vor allem für Dummheit. Aus einer Kritik, die einmal im Fahrwasser der Aufklärung fuhr, ist ein an seinen Visionen krankes ideologisches Monster geworden. Eine entartete Art der Aufklärung hin in eine weltliche Un-Welt. Hier trifft sich die Linke mit dem Islam, dieser entarteten Art von Religion hin zur un-weltlichen Welt. Die Wurzel dieser Entwicklung ist bei beiden die gleiche. Islam und Linke, sie leiden am selben Geschwür: Der Dummheit. Deshalb verstehen sie sich. Deshalb muss es heißen: »Links, dumm, also moslemisch«.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Matias B.

@Autor
Wie immer brillant gedacht und ebenso formuliert. Vor allem Ihre Analyse der "Linken" trifft ins Schwarze.

Gravatar: Duffy

Tucholsky war Sozialist, aber kein nationaler (sprich Nazi) sondern ein internationaler. Folgerichtig hatte er für Patriotismus nur Verachtung übrig. Viele deutsche Juden waren glühende Patrioten, die in WW1 für ihr Land kämpften. Wenn ein arroganter Linker sie deshalb als dumm bezeichnet, paßt das zum sozialistischen Weltbild, aber nicht zum jüdischen Klischee.

Gravatar: Unmensch

Und für die Staatszerstörer unter den EU-Politikern: National, dumm, also europäisch.

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