Koreakrieg und kein Ende

Heute vor 70 Jahren begann der Koreakrieg. Er war der erste Krieg seiner Art und er dauert bis heute. Denn er wurde und wird von den Medien geführt.

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Fragt man in Deutschland, wer den Koreakrieg begann, werden die meisten Antworten wohl auf die Vereinigten Staaten entfallen, gefolgt von Süd- und dann Nordkorea; falls der Krieg überhaupt noch bekannt ist. Tatsächlich hat das kommunistische Nordkorea den Krieg am Sonntag, den 25.Juni 1950, begonnen. Mit den weltkriegserfahrenen russischen Militärs als Berater, gelang den nord-koreanischen Panzerverbänden ein schneller Vorstoß Richtung Süden. Am 27.Juni fiel Seoul; am 30.Juni zählte die Südkoreanische Armee nur noch ein Viertel ihrer ursprünglichen Stärke. Zwar hatte die UNO bereits am Tag des Überfalls der Nordkoreaner eindeutig Position für den Süden bezogen; zwei Tage später wurde sogar das militärische Eingreifen ermöglicht, weil das Veto der Russen dank eines Boykotts der UNO durch eben der Russen ausblieb - aber im Fall eines schnellen Zusammenbruchs waren alle Entschließungen für einen militärischen Einsatz Makulatur.

Einen Monat später stehen südkoreanische und amerikanische Verbände im äußersten Süden mit dem Rücken zur Wand an der Küste; doch sie halten durch. Anfang September landen amerikanische und britische Truppen an der Westküste Südkoreas, wiederum nicht weit von der Grenze zu Nordkorea, stoßen nach Osten vor und schneiden die Invasionsarmee vom Nachschub ab. Hier könnte der Krieg eigentlich enden - aber die UN-Truppen dringen nun unter dem Kommando der USA umgekehrt in den Norden vor und werden nach einem weiten Vormarsch nun ihrerseits von chinesischen Verbänden wieder nach Süden gedrängt. Noch einmal wandert die Front nach Südkorea hinein, um sich im Frühjahr 1951 am 38.Breitengrad einzupendeln – dort wo sie noch heute verläuft. Beendet wird der Krieg etwa drei Jahre nachdem er begann: Am 27.Juli 1953.

Dann geraten die Details des Koreakriegs in Vergessenheit, auch wenn der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel regelmäßig in den Nachrichten ist. Nur eines bleibt, wenn überhaupt, bis heute präsent: Das Bild eines Krieges, den vor allem die Vereinigten Staaten betrieben. Denn in dieser Hinsicht ist der Koreakrieg der erste der Nachkriegskriege: Er wurde von linken Medien und Gruppen für ihre Machtinteressen missbraucht. Ein Ergebnis ist, dass heute manche denken, den Koreakrieg hätten die Amerikaner begonnen.

Wie gesagt, tatsächlich überfiel Nordkorea den Süden. Vorausgegangen waren umfassende Absprachen mit dem sozialistischen Russland unter Stalin, der seine Zustimmung zu dem Angriff in dem Moment gab, als die Sowjetunion über eigene Atomwaffen verfügte. Die USA würden, so das Kalkül des roten Diktators, das Regime in Seoul vielleicht unterstützen, aber sicher keine eigenen Soldaten ins Feld ziehen lassen. Griffen aber die Amerikaner nicht ein, dann war Südkorea verloren. Weit über 150 Panzer russischer Bauart garantierten die militärische Überlegenheit gegen einen überwiegend mit leichten Waffen ausgerüsteten Gegner. Außerdem wusste Moskau ziemlich genau, dass Washington seinen Bestand an Kriegsmaterial dramatisch reduzierte.

Schon das widerspricht dem gängigen Bild, einer kriegsbereiten, ja kriegslüsternen USA. Das Umgekehrte ist richtig. 1950 hatte das Land seinen Rüstungshaushalt auf einen Stand heruntergefahren, der das Führen konventioneller Kriege kaum mehr erlaubte. Die Flotte war auf dem technischen Stand von 1945 verblieben, die Luftwaffe kaum auf der Höhe der Zeit. Das alles machte der Koreakrieg deutlich. Schnell war daher der Punkt erreicht, an dem diskutiert werden musste, ob Atomwaffen eingesetzt werden sollten.

Nachdem Washington sich entschlossen hatte, um Südkorea zu kämpfen, begann tatsächlich eine Aufrüstung in großem Maßstab. Was denn sonst ? – Dass davon ganz zuerst das junge Westdeutschland profitierte, auch das wird heute verschwiegen. Das Wirtschaftswunder war ein Ergebnis des Kriegs in Korea und der schnell steigenden Kriegskosten für die Amerikaner. Zum ersten Mal war Deutschland in der Lage, zu wirtschaften ohne sich in vollem Umfang um seine Verteidigungsbereitschaft kümmern zu müssen. 1950 war das den Folgen des Zweiten Weltkriegs geschuldet. Später diente diese Schuld dazu, die Kosten immer weiter zu drücken. Im Schutz einer Großmacht lässt sichs gut leben.

Den falschen Rückblick, also das Bild einer 1950 kriegsbereiten, hochgerüsteten USA, verdanken wir in Deutschland den Medien, die schon in den 1950er Jahren langsam in links-liberale Gewässer gerieten. Sie fixierten den Blick auf den möglichen Einsatz von Atomwaffen gegen das kommunistische China, erfolgreich darauf spekulierend, dass allein das Wort 'Atombombe' eine moralische Verurteilung versprach. Wem das nicht genügt, der betonte die Bedeutung konventioneller Bombenangriffe und ihren angeblichen Anteil an der Zerstörung des Landes. Ein Beispiel: Seoul wechselte viermal den Besitzer. Bei diesen Kämpfen wurde die Stadt zu großen Teilen zerstört. Daran waren die Langstreckenbomber der US-Air-Force jedoch kaum beteiligt. Die Verantwortung lag bei der Artillerie. Trotzdem erscheint der Koreakrieg vor allem als Luftkrieg – was er zwar auch war, aber eben nicht nur.

Die Medien schafften es über die Bilder ein Zerrbild zu schaffen. Und weil Bilder vor allem im Bereich der amerikanischen Truppen entstanden, sind die Bilder amerikanischer Kriegsteilnehmer und amerikanischen Kriegsmaterials prägend geworden. Anders gesagt: In einem Medienkrieg ist der im Nachteil, der Bilder ermöglicht.

Diese Asymmetrie pflanzt sich fort in den Verbrechen, wie sie jeder Krieg mit sich bringt - auch in Korea. Vom ersten Tag an wurden von beiden Seiten Kriegsverbrechen begangen. Doch wiederum sind es die Untaten des Südens und der Truppen der Vereinigten Staaten, die sich im Gedächtnis erhalten. Sie sind es, die bis heute die Beiträge etwa bei Wiki beherrschen. Dass die kommunistischen Machthaber die Zivilbevölkerung von Seoul zweimal deportierten, wird selten erzählt. Statt dessen wird der südkoreanische Machthaber Syngman Rhee zum Monster stilisiert. Vergeblich sucht man Wiki-Einträgen zu den Massakern der Kommunisten. Was man findet, sind die heute üblichen Floskel, der Süden sei einer antikommunistischen Hysterie erlegen und daher läge die Zahl der schuldlosen Opfer besonders hoch. Was wohl im Umkehrschluss heißt: Kommunisten töten nur schuldige Opfer. Ein Mythos, den linke Deuter der Geschichte häufig verbreiten.

Schließlich wird die Wirkung der vor allem amerikanischen Intervention schlicht verleugnet. Sie, die Amerikaner, trugen die Hauptlast der UN-Intervention. Ohne sie wäre Korea heute als ganzes das, was Nordkorea seit 70 Jahren ist: Ein kommunistisches Reich mit Hungersnöten, Armut und Lagern. Südkorea hat sich dagegen in den letzten Jahrzehnten zu einem der erfolgreichsten Länder nicht nur Ostasiens entwickelt. Dafür haben die USA gegen alle Widrigkeiten die Basis gelegt.

Die Südkoreaner wissen darum. Nach einer anti-amerikanischen Phase erlebt das Land seit vielen Jahren einen tiefgreifenden Wandel hin zu einer Freundschaft mit der entfernten Großmacht, die sie zuerst gegen die japanischen Besatzer und später und bis heute vor Nordkorea und China beschützte und noch immer beschützt. Auch wenn das heute nicht mehr gesagt werden darf, weil der Heldentod nach linker Lesart nur noch im Bürgerkrieg zählt: Aber die 36.914 gefallenen US-Soldaten sind für eine gute Sache gestorben. Daran gilt es am 70. Jahrestag des Kriegsbeginns in Korea zu erinnern. 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Mareva

"Schließlich wird die Wirkung der vor allem amerikanischen Intervention schlicht verleugnet."

Sie verleugnen allerdings die Wirkung der amerikanischen Intervention: "450.000 Tonnen Bomben wurden vor allem von der US Air Force abgeworfen, dabei kamen 32.357 Tonnen Napalm zum Einsatz.[17] Dies war zum Teil verheerender als im Vietnamkrieg, weil in Nordkorea mehr Ballungszentren mit größerer Bevölkerungsdichte und mehr Industrie existierten als später in Vietnam.(...) General William Dean, der ab Juli 1950 nach der Schlacht von Daejeon nordkoreanischer Kriegsgefangener gewesen war, erinnerte sich an die meisten nordkoreanischen Städte und Dörfer später als „Ruinen oder verschneite, leere Flächen“; fast jeder, der ihm begegnet sei, habe Angehörige im Bombenkrieg verloren." (Wikipedia)
"Ein dokumentiertes Kriegsverbrechen der US-Armee war am 26. Juli 1950 das Massaker von Nogeun-ri. Dort hatten sich amerikanische Soldaten in Erwartung der nordkoreanischen Armee eingegraben. Bevor jedoch die kommunistischen Kämpfer das Dorf erreichten, ergoss sich ein Strom von Flüchtlingen, die vor den Kämpfen flüchteten, über den Flecken. Die US-Soldaten, die auch infiltrierende Guerilleros unter den Flüchtlingen befürchteten, eröffneten das Feuer und töteten rund 400 Zivilisten. Bis ins Jahr 2001 wies die Regierung der USA jeglichen Vorwurf eines Kriegsverbrechens zurück.[20][21]" (Wikipedia)

Weder die im völligen Gegensatz zur Haager Landkriegsordnung stehende Bombardierung von Zivilisten mit Napalm, noch bewiesen und belegte Kriegsverbrechen der Amis wurden je geahndet. Daran ändern auch Kriegsverbrechen der Nordkoreaner nichts.

Herr "lutz" stimme ich uneingeschränkt zu: "Die US-Liebe teile ich wirklich nicht.(...) Wenn ich AfD wähle, wähle ich bestimmt nicht die USA. " Ein guter Teil der USA-Feindlichkeit ist auf die verlogene Doppel-Moral der USA zurückzuführen. Wenn der Gegner Kriegsverbrechen begeht ist das ein Skandal. Wenn die USA Kriegsverbrechen begehen sind das ganz einfach keine gewesen.

Gravatar: lutz

Das Schwarz-Weiß-Denken paßt nun ausnahmsgut ins Links-Rechts-Schema. Obwohl das Schema total unpassend ist und man damit rechnen muß, mit dieser Großvater-Strategie sich eine verheerende Niederlage zuzuziehen, hält man dran fest.

Die US-Liebe teile ich wirklich nicht. Korea stand noch unter dem Eindruck brutaler japanischer Kolonialherrschaft, und die war mit dem II. WK beendet.
Die USA hatten schon immer eine Vorliebe für rechte Diktatoren wie Syngman Rhee. Und sie spielen seit ihrem Entstehen Wildwest.
Denkt man an Laos, da hat der US-Geheimdienst unter dem Radar der Öffentlichkeit ein harmloses und unbewaffnetes Land heimtückisch überfallen und Tag und Nacht 9 Jahren lang bombardiert und völlig zerstört. Im Namen des Guten.

Wenn ich AfD wähle, wähle ich bestimmt nicht die USA.

Die bösen Norkoreaner sind ein Propagandatrick. Das beweist die Arte Dokumentation "Have Fun in Pjöngjang". Daß Kim Jong un Raketen abfeuert, kann man leicht damit erklären, zu zeigen, daß man in Ruhe gelassen werden will.

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