Ist Minsk der Schlußstein im NATO-Limes gen Osten?

Außenminister Pompeo schafft jene Fakten im Nahen Osten und in Europa, die darauf abzielen, Russland aus Europa hinauszudrängen und als weltpolitischen Akteur bedeutungslos werden zu lassen. Wenige Tage vor dem Gedenken an den deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 sind das üble Perspektiven für Europa.

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Nach dem Besuch des wenig gewinnenden amerikanischen Außenministers Pompeo letzte Woche in Wien, verfiel der österreichische Außenminister Alexander Schallenberg bei seinem Interview mit ZIB 2 geradezu in den Plauderton. Natürlich habe die Politik der Europäischen Union in den letzten Jahren dem Ziel gedient, Weißrußland von Russland zu entfremden und aus der engen Zusammenarbeit mit Moskau herauszubrechen. Es mag ein Zufall gewesen sein, diese klare Zielvorgabe in Wien zu vernehmen. Von Wien aus sind es gerade mal sechzig Kilometer nach Bratislawa, der slowakischen Hauptstadt. Dort hatten hochrangige Vertreter des amerikanischen Außenministeriums Ende April 2000 der versammelten Führungsspitze aus Mittel-und Osteuropa die amerikanische Zielvorgabe für diesen Raum verkündet. Danach sollte ein „roter Strich“ quer über den Kontinent zwischen Riga und Odessa gezogen werden. Westlich davon herrsche amerikanisches Sagen bis hin zu den Veränderungen in der römisch geprägten Rechtsordnung. Östlich davon befinde sich Russland oder das, was sich aus Russland entwickeln würde.
 
Ist das die Zielvorgabe, die die Europäische Union von einer gedeihlichen Entwicklung in Europa als dem gemeinsamen Kontinent hat? Die Fragen sind heute mehr als berechtigt, denn verantwortliche Sprecher aus dem Deutschen Bundestag lassen sich offen darüber aus, mit welchem politischen Werkzeugkasten sie sich daran machen werden, die letzte Lücke in dem NATO-Limes gegen Russland zu machen. Offen wird vom „Maidan-Modell“ nach dem Putsch-Modell aus der Ukraine gesprochen oder das Beispiel „runder Tische“ zum Machtübergang  in Minsk favorisiert. Jede Zurückhaltung wird abgelegt, weil nach den klaren und unmißverständlichen Aussagen des österreichischen Außenministers in Minsk jetzt die Ernte
jahrelangen Tuns eingefahren werden muß.
 
Es wird kein Zufall gewesen sein, daß derzeit der amerikanische Außenminister Pompeo durch Europa tourt, um „Gefolgschaftstreue im NATO-Zusammenhang“ herbeizuführen. Über Minsk soll Moskau getroffen und an die amerikanische Leine gelegt werden. Das amerikanische Vorgehen gegen „Nord-Stream 2“ ist ein Musterbeispiel für die „Politik der begrenzten Souveränität“ westeuropäischer Staaten nach dem Bratislawa-Modell aus dem Jahr 2000.

Präsident Trump erweckt seit seiner Wahl vor fast vier Jahren den Eindruck, eine dem Frieden und der Zusammenarbeit dienende Abstimmung mit Moskau herbeiführen zu wollen. Derweil schafft Außenminister Pompeo jene Fakten im Nahen Osten und in Europa, die darauf abzielen, Russland aus Europa hinauszudrängen und als weltpolitischen Akteur bedeutungslos werden zu lassen. Wenige Tage vor dem Gedenken an den deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 als Vollendung des Rache-Diktates von Versailles 1919 sind das üble Perspektiven für Europa.
 
Willy Wimmer, 18. August 2020

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: karlheinz gampe

@ Gerhard Fenner

Wohin soll sich denn Russland wenden, wenn vom Westen isoliert und sanktioniert ? Russland + China impliziert, dass vermutlich andere asiatische Staaten anschließen. Sind denn die grünen Ökosektierer keine Roten ? Ist er blind ? Die Grünen wurden vor langer Zeit schon von den Roten und vielen kleinen Splittergrupen (GAL; Phädos,Schwulen, Lesben usw.) übernommen. Strategisch können sie meiner Meinung nach nicht denken !

Gravatar: Gerhard Fenner

Nicht nur die US-Air Force und die polnische Luftwaffe haben im Rahmen der NATO ihre Überwachungs-Aktivitäten über der Ostsee massiv erhöht, sondern auch Luftwaffe und Marine des neutralen Schweden erhöhen die militärische Bereitschaft, wegen der politischen Entwicklung in Belarus.

Um so wichtiger ist es auch, dass sich das Schweizer Volk bei der Volksabstimmung vom 27. September 2020 für die Aufrechterhaltung einer funktionsfähigen Luftwaffe einsetzt und dem beantragten Kredit über 6 Mia CHF von Regierung und Parlaments-Mehrheit zustimmt.

https://www.facebook.com/tagesschau/photos/a.10151270623184407/10158959413229407/?type=3&theater

Gravatar: Gerhard Fenner

@ karlheinz gampe

Mit Verlaub, ich glaube Ihr politischer Kompass hat ziemlich stark die Orientierung verloren.

Putin hat seine rote, sowjetische Vergangenheit durch den Schredder der Geschichte gelassen. Die tschekistischen Methoden seines Lehrmeisters KGB hat er jedoch immer noch sehr stark verinnerlicht.

In China herrscht immer noch eine rote KP, die jedoch immer mehr Ihre Farbe in Richtung braun verfärbt.

Ob der Westen von "roten Idioten" regiert wird. Nun ja, ich möchte mich nicht über Ihre Farbenblindheit äussern. Ich sehe jedoch vor allem grüne Öko-Sektierer und skrupellose Finanzjongleure und Börsenspekulanten ohne Werte und Moral am Werk!

Gravatar: Jürgen kurt wenzel

Stellt sich doch zu nehmend die Frage , warum wir uns hier die Finger wund schreiben ! Hier sind Kräfte am Werk , denen die Masse Mensch nur mit Aufruhr begegnen kann !Erst wenn das Babeln im Feuersturm zu einem gemeinsamen Schrei mutiert , werden die 5. Kollonnen nicht mehr den Herrschenden dienen !!
Kein Retter in Sicht !Das nimmt ein schlimmes Ende !!!

Gravatar: karlheinz gampe

Russland bleibt nur die Wahl sich China anzuschließen und einen gemeinsamen Block gegen den dekadenten, geistig verkommenen Westen zu bilden. Das heißt dieser Block wird der neue Hegemon auf dem Globus. Geistig dumme, zurückgebliebene Strategen haben ausgespielt ! Sich schachmatt (chess mate) gesetzt. Wahrlich, im Westen regieren rote Idioten. Ex oriente lux.

Gravatar: Cantacuzene

Herr Wimmern, ich kann Sie beruhigen: Die Weißrussen sind nicht so dämlich wie die Ukrainer und glauben das Märchen von den "westlichen Werten", wo Milch und Honig fließen. Der Westen hat als Vorbild dort längst ausgedient, da er seine eigenen Probleme wie illegale Zuwanderung, Währungsverfall, Abbau von Demokratie und Grundrechten im Zuge der sog. Coronapandemie nicht in den Griff bekommt.

Gravatar: Gerhard Fenner

Vor 100 Jahren rettete die polnische Armee im "Wunder von Warschau" Europa vor den bolschewistischen Sowjethorden!

Leider hat der damalige polnische Oberkommandierende Marshall Józef Piłsudski das französische Ziel eines "Cordon sanitaire" zwischen der neu entstandenen Sowjetunion und Zentralmitteleuropa von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer nicht erreicht. So sollte Europa und speziell Deutschland vor der Hegemonie der kommunistischen Weltrevolution bewahrt werden. Stattdessen geriet die wieder erlangte staatliche Unabhängigkeit Polens ins Visier der Einfluss-Sphären des Sowjet- und des Deutschen Reiches.

Als "Dank" dafür verrieten Hitlerdeutschland zusammen mit Sowjetdiktator Stalin das polnische Volk 1939 mit der polnischen Teilung bei der Curzon-Linie an Ethnische Säuberung, Unterdrückung und Tod. Und in Potsdam "verkauften" Briten und Amerikaner mit der Westverschiebung Polen nochmals für 40 Jahre an die stalinistische Knechtschaft.

Gravatar: Gerhard Fenner

"Russland rettet keine stürzenden Regimes mit Streitkräften." Diese Fehleinschätzung verbreiten westeuropäische Mainstream-Medien. Die "Freie Welt" hat dieses Thema erst über eine Woche nach dem mehr als seltsammen Wahlergebnis von Misk überhaupt zur Kenntnis genommen.

Tatsache ist, dass der russische Autokrat Putin in Belarus eine westliche Einflussnahme nie dulden wird.
Er wird in Belarus intervenieren. Eine militärische Aktion Russlands steht kurz bevor. Dabei wird die Achse Minsk-Kaliningrad zur Disposition gestellt.

Strategisches Ziel dürfte eine territoriale Verbindung von Belarus mit Oblast Kaliningrad sein. Die NATO muss mit grosser Dringlichkeit die Suwalki-Gap (Grenzgebiet zwischen Polen und Litauen) sichern.

Rufen die Regierungen von Polen und Litauen den Artikel 5 des NATO-Vertrages aus?

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

... „Nach dem Besuch des wenig gewinnenden amerikanischen Außenministers Pompeo letzte Woche in Wien, verfiel der österreichische Außenminister Alexander Schallenberg bei seinem Interview mit ZIB 2 geradezu in den Plauderton. Natürlich habe die Politik der Europäischen Union in den letzten Jahren dem Ziel gedient, Weißrußland von Russland zu entfremden und aus der engen Zusammenarbeit mit Moskau herauszubrechen.“ ...

Ist es deshalb völlig abwegig zu vermuten, dass der Westen in Weißrussland nun ähnlich agiert wie in der Ukraine???
https://www.freitag.de/autoren/hans-springstein/obama-bestaetigt-us-gefuehrten-putsch-in-kiew

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