In der Opferrolle

Dass jemand in eine Opferrolle hineinschlüpft, gehört zu den gängigen politischen Wendungen in diesem Land. Dabei wird unterstellt, das Opfer sei gar kein Opfer, es spiele sie nur, es trickse. Die Rede von der Opferrolle ist also in aller Regel im kritischen Tonfall gehalten.

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Hier sind es Moslems, die sich gerne zum Opfer der Mehrheitsgesellschaft erklären, um dann Forderungen nach weiteren Moscheebauten zu untermauern; dort sind es Frauen, die sich all überall ob ihres Geschlechts als benachteiligt sehen, um dann eine weitere feste Stelle einer Gleichstellungsbeauftragte durchzusetzen; an anderen Orten wird Juden unterstellt, sich im Gefolge von Auschwitz in die Opferrolle zu bringen, um beim deutschen Steuerzahler weitere Gelder ergattern zu können. Immer stilisiert sich eine Gruppe zum Opfer. Und immer bedeutet die Rede von der Opferrolle, dass die Betroffenen das Opfer nur spielen.

Die neueste Variante dieses rhetorischen Spiels wird vom politisch-medialen Komplex aufgeführt: Die Alternative für Deutschland würde sich in die Opferrolle bugsieren und diese politisch für sich möglichst umfassend nutzen. Erst gestern gab der Berliner Tagesspiegel unter der Überschrift: »Wie die AfD Kritik für sich zu nutzen versucht« ein Beispiel für diese Art von Rhetorik. »Wird die AfD in Berlin tatsächlich ausgegrenzt, wie sie es immer wieder behauptet?«, wird zunächst gefragt und dann: »Oder begibt sie sich gezielt in die Opferrolle?«

Was als Analyse daherkommt, erweist sich dann als Beispiel einer perfiden Rhetorik, wie man sie auch anderswo findet. Nach dem Zugeständnis, dass es Anschläge gegen Mitglieder und auf Veranstaltungen der AfD tatsächlich gibt, wird darauf verwiesen, dass die AfD diese Vorfälle bei jeder Gelegenheit der Öffentlichkeit präsentiere. Will sagen: Die Fälle werden von AfD-Sprechern durch stete Wiederholung größer gemacht als sie sind. Originalton Tagesspiegel über den Berliner Vorsitzenden der AfD und die von ihm genannten Vorfälle: »Mantra artig wiederholt er sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit.«

Damit ist deutlich gemacht, was ein Opfer zum Schauspieler einer Opferrolle degradiert: Es berichtet nichts Neues. Modern, wie man nun einmal ist, unterlegt der Tagesspiegel die angeblich wiederholten Fälle mit einem Link - bis auf einen. Der liegt erst eine Woche zurück. Nix da nur Wiederholung. Nur ist dem Tagesspiegel dieser Fall offenbar nicht bekannt. Aber mit der Wahrheit nimmt es der politisch-mediale Komplex bekanntlich nicht so genau.

Zur Opferrolle gehört aber nicht nur die Wiederholung des längst bekannten. Zu ihr gehört auch der empörte Gang vor den Kadi. Man fühlt sich durch Äußerungen beleidigt, beschimpft oder bedroht. Auch das zeichnet ein politisches Opferlamm aus: Es wird verbal attackiert. Im konkreten Fall hallte wurde die AfD als »rassistisch« bezeichnet. Für den Tagesspiegel ist dieser Vorwurf natürlich durch das Recht, die eigene Meinung frei äußern zu können, gedeckt. Wieder lautet der tiefere Vorwurf: Die AfD will sich in die Opferrolle bugsieren.

Nun weiß jeder mit einem gewissen Maß an Rechtsverständnis, dass die Freiheit der Meinung durchaus begrenzt ist. Und das Kriterium dafür ist der Charakter dessen, was jeweils gesagt worden ist. »Soldaten sind Mörder« ist wohl einer der bekanntesten Fälle gewesen. Man darf es sagen, wurde schließlich gerichtlich entschieden, aber nicht auf einen konkreten Soldaten verweisen. Zählt die Aussage, »AfD-Mitglieder sind Rassisten«, gleichfalls dazu? Ist es hier ähnlich? - Wohl nur dann, wenn der Vorwurf ähnlich schwer wiegt, wie der Vorwurf, ein Mörder zu sein.

Würde der Tagesspiegel und seinesgleichen ihre politische Agenda wirklich vertreten und Anti-Rassismus und Anti-Faschismus nicht nur als Mittel verwenden, den politischen Gegner moralisch zu diskreditieren, dann stünde »Rassist« oder auch »Nazi« moralisch auf einer ähnlichen Stufe mit »Mörder«. Nur stammen die Begriffe eben aus unterschiedlichen Sphären: Hier die Welt der Moral, dort die der Gerichte. Aber gemeint ist das Gleiche. Moralisch verurteilt werden soll hier. Die Frage ist dann allenfalls noch, ob »Rassist« oder gar »Nazi« nicht sogar schlimmer ist, als die Bezeichnung als »Mörder«. Gegen letztere kann man sich bekanntlich wenigstens wehren.

Aber der Tagesspiegel nimmt diese Begriffe ja auch nicht ernst. Begriffe wie »Rassist« oder »Nazi« sind für ihn zum Kleingeld des journalistischen Alltags einer Journaille geworden, die um ihren Machterhalt kämpft. Wie sollte das dann eine Beleidigung sein?

Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum jene, die der Alternative für Deutschland den Vorwurf machen, sich in die Opferrolle zu bringen, nicht merken, in welcher Ecke sie selber in diesem Punkt stehen.

Noch einmal zurück: Ob jemand Opfer ist oder das Opfer nur spielt lässt sich leicht prüfen. Man nimmt die Fakten und wertet sie aus.

Sind Moslems Opfer? - Offenbar nicht. Denn niemand wird in Deutschland derart gepampert wie diese in jeder Hinsicht minderbemittelte Gruppe. Sogar nach dutzenden Anschlägen mit Hunderten Toten werden Moslems zumindest noch nach Deutschland geholt. Die Rede vom Opfer ist bloßes Geschwätz.

Sind Frauen Opfer? - In vielen Gebieten sind sie es nicht mehr, in einigen immer noch und seit einiger Zeit in einigen wieder.

Und die Juden? Sind sie Opfer oder wurde die Opferrolle von ihnen genutzt? - Juden wurde der Trick mit der Opferrolle nach 1945 als Masche, um zum Beispiel an Geld zu kommen, mehr als einmal unterstellt. Dabei ließen sich die Kritiker auch durch die Fakten nicht stören. Auschwitz nicht mal geleugnet. Und trotzdem: Der Vorwurf, Juden spielten das Opfer als Rolle im Interesse des eigenen Fortkommens, blieb immer im Raum.

Und genau in dieser Ecke befinden sich jene, die der Alternative für Deutschland unterstellen, sie brächte sich in die Opferrolle, um diese dann politisch zu nutzen. Denn die Anschläge gegen Politiker, Stände und Versammlungen der AfD sind dokumentiert. Die Partei, obwohl demokratisch legitimiert, wird wieder und wieder bedroht. Neuerdings muss man bei einer Neuvermietung sogar von sich aus angeben, man sei in der AfD. Und das im Land der Nicht-Diskriminierung.

Nein, die AfD muss sich nicht die Opferrolle bugsieren. Ihre Mitglieder sind das Opfer des völlig außer Rand und Band geratenen politisch-medial Komplexes. Die Wände der Wirte sind wirklich beschmiert, die Verletzungen schmerzen tatsächlich, der Ausschluss aus der vermeintlich guten Gesellschaft trägt Züge einer anderen Zeit. Im Kampf gegen alles, was deutsch sein könnte, treibt der politisch-mediale Komplex alle schlechten Eigenschaften Deutschlands wieder nach oben. Und das in dem Glauben, eben das nicht zu sein: typisch deutsch. Und am Ende, wenn alles Deutsche durch das Deutsche ausgemerzt ist, kann die Willkommenskultur sagen, sie wäre das Opfer ihrer eigenen Rolle geworden.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Unmensch

Die echten Opfer, die inszenierten Opfer, die uminszenierten echten Opfer, ...
Solange kein Gerichtsurteil vorliegt, gilt die Unschuldsvermutung. Oder ist das auch schon verfallen?

Gravatar: Mark Anton

"Opfer" hat im Schach die Bedeutung:

".....die freiwillige Hergabe eines Bauern oder einer Figur
in der Erwartung, dadurch einen andersartigen (eventuell größeren) Vorteil zu erreichen ...."

Ich empfehle einen Hinweis an jeder ehrenwerten Moschee "Powered by Compensation"

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