Hausfrau und Mutter - ein ganz normaler Beruf?!

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Ist von der hauptberuflichen Hausfrau und Mutter die Rede, so darf ein kleines Wörtchen zumeist nicht fehlen: Nur. In Zeiten von Krippenoffensive und Vereinbarkeitshysterie ist eine Frau, die sich für die ganztägige Betreuung ihrer Kinder und ihres Heimes entschieden hat, eben häufig „nur Hausfrau und Mutter“. Denn obwohl ihr die Politik und die Gesellschaft alle Türen zu öffnen versuchen, kann und will sie Beruf und Mutterdasein nicht vereinbaren.

15 Millionen Frauen in Deutschland versorgen Heim und Kinder hauptberuflich. 15 Millionen also, die, folgt man verschiedensten Äußerungen in Politik und Presse, ihren Kindern die Möglichkeit verwehren, sich früh umfassend zu bilden und zu sozialisieren. 15 Millionen, die sich Familienleistungen erst erschleichen und dann zweckentfremdet verkonsumieren. 15 Millionen, die, statt ihre Kraft dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen, Tennis spielen und Schönheitspflege betreiben, wenn sie nicht gerade ihren Mann betrügen. Der Blick in die aktuelle Medien- und Presselandschaft offenbart ein unheimliches Bild der „Nichtberufstätigen“ Mutter.

Hauptberufliche Mütter sind Unterschlagerinnen, Konsumhedonistinnen, Alkoholikerinnen, Kontrolleurinnen, nymphomanisch, eitel und selbstverliebt, so faßt Stefanie Selhorst Verlautbarungen über den Berufsstand Hausfrau und Mutter in ihrem aktuellen Buch „Nur. Essay zum Beruf“ zusammen. Dieses Bild zu korrigieren und „augenscheinlich bestehende Informationslücken zu schließen“ hat Selhorst ihr „Mut-Macher-Essay“ verfaßt. Sich ganz für seine Familie zu entscheiden, darauf könne und müsse man stolz sein. Selhorsts Essay ist eine Verteidigung des klassischen Familienlebens. Dabei geht es ihr keineswegs darum, andere Lebensentwürfe schlecht zu reden – jeder nach seiner Façon. Es geht ihr auch nicht um Bekehrung. Ihr Buch versteht sie vielmehr als „Coach (…) für die, die sich vorher aus eigener Überzeugung entschieden haben“, Hausfrau und Mutter zu sein und „auch (für) alle die, die es gerne wären…“. Zugleich ist ihr Buch auch ein Ausbruch aus ihrer eigenen Defensive und Rechfertigungshaltung des schlechtgeredeten „Nur-Mutterdaseins“, eine Einladung an alle Mütter (nur) Hausfrau und Mutter zu sein, ein Plädoyer für einen wunderschönen, erfüllenden, sinnvollen Beruf.

Nach der Geburt ihres ersten Kindes hat sich die heute dreifache Mutter und Hausfrau Stefanie Selhorst ganz selbstverständlich aus ihrem Beruf als Redakteurin zurückgezogen, um voll für ihre Kinder dasein zu können. Den sich daran anschließenden Umzug nach Ostdeutschland beschreibt sie als Kulturschock. Die Mentalität und der Umgang der ostdeutschen Familien mit dem Thema Kinderbetreuung war ein ganz anderer als sie ihn aus ihrem rheinländischen Heimatort gewohnt war. Familienpolitik verstand sich zudem zunehmend als Vereinbarkeitspolitik von Beruf und Familie. „Nur“ Hausfrau und Mutter zu sein, dafür hatte sie sich fortan zu rechtfertigen: vor der Vollzeit beschäftigten Zahnärztin (und Mutter); vor den Eltern der Schulkameraden ihrer Kinder, vor Freunden und Nachbarn und irgendwie auch vor sich selbst. Dabei wollte sie doch „nur“ ihren Beruf voll und ganz ausüben, ohne Abstriche, ohne nebenberufliche Einschränkungen.

In essayistischem Plauderton, ergänzt um verschiedene Briefe an Politiker und Journalisten, Zeitungsausschnitte und viele persönliche Erlebnisse geht Stefanie Selhorst in ihrem Buch zumeist sachlich, oft auch anrührend und amüsant der Frage nach, welchen Sinn und Nutzen – welchen Segen – die Ganztagsfamilie für die Gesellschaft, für die Kinder und schließlich für die Eltern hat.

Für die Gesellschaft mag die Autorin die Frage nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Entscheidend sei vielmehr, welches Weltbild zugrunde läge. Selhorst unterscheidet hier zwischen der sogenannten Raum- und der Platz-Gesellschaft. In der Platz-Gesellschaft hat jeder seinen für ihn angemessenen und zugewiesenen Platz – das kleine Kind einen Krippenplatz, das große einen Kindergartenplatz, Mama und Papa den Arbeitsplatz und Opa einen Platz im Altersheim. Platzwächter verteilen, verwalten und beobachten die Plätze. Eine strenge Hierarchie und Ordnung sichert das Funktionieren dieser Gesellschaft. Eine Familie, die sich davon unabhängig organisiert, sich den ihnen zugedachten Plätzen entzieht, kann demnach kein Segen für diese Gesellschaft sein, konstatiert Selhorst. Für die Raum-Gesellschaft, der es um die Entfaltung einzigartiger, gottgewollter Individuen geht, ist die sich selbstorganisierende Familie dagegen ein Segen.

Im zweiten und stärksten Teil ihres Buches fragt Selhorst nach dem Segen der Ganztagsfamilie für die Kinder. Das JA fällt hier eindeutig und deutlich vernehmbar aus. In zahlreichen Anekdoten und Erlebnissen mit ihren Kindern breitet Selhorst eine ganze Partitur an Vorzügen und Vorteilen der Vollzeit verfügbaren Mutter aus. Nur ganz viel Melodie, Individualität, Zuständigkeit, Resonanz, Wurzelwerk, Begreifen, Sinn und Leichtigkeit gäbe es für das Kind und, so ergänzt sie, zumeist auch für die restliche Familie. Dem dunklen Bild des bindungslosen angetrunkenen Jugendlichen an märkischen Haltestellen setzt sie das neugierige, entdeckungsfreudige, in der Familie fest verwurzelte Kind entgegen, das den Bus am Ende seiner Adoleszenz hinaus in die weite Welt nimmt, statt dessen Wartehäuschen zu zerstören. Entbinden kann sich das Kind nur, wenn es in seiner Familie die Bindung verspürte und bekam, die es für seine Entwicklung brauchte. Bindungsersatz, wie ihn die Kita bietet, kann dies nicht leisten. Genausowenig wie die Erzieherinnen in der Kita jedem einzelnen Kind die Zuwendung, die individuelle Betreuung geben können, wie dies die Mutter kann. „Das liebend erkennende Mutterauge“, so Selhorst, „macht alle Frühpädagogik überflüssig und liefert dem Kind ganz gezielt das Wohlwollen, das es zur entspannten und ungestörten Entdeckung seiner Einmaligkeit braucht.“ So weiß die Mutter auch, wann sie einmal nicht so genau hinschauen und wann sie besser ganz genau hinhören sollte.

Auch für Eltern kann die Ganztagsfamilie ein Segen bedeuten, sofern sie Anhänger der Raum- und nicht der Platz-Gesellschaft sind. Selhorsts mathematische Veranschaulichung der Antwort auf diese Frage kommt mittels Montessori-Materials zwar etwas gewöhnungsbedürftig und umständlich daher, ist aber im Kern wesentlich. Eltern, die sich für die klassische Rollenverteilung und gegen die Vereinbarkeitsidee entscheiden, die in ihrem So-sein eine Form finden, verspricht Selhorst Glück und Zufriedenheit, gerade wegen ihrer Klarheit in ihrer Entscheidung für das „nur“. Das Alleinverdienermodell bedeutet finanzielle Einbußen, das Hausfrauendasein wird gern belächelt, kritisiert, geschmäht. Dennoch: „in seiner schöpferischen Kreativität, seiner Unabhängigkeit und Verantwortlichkeit der Zukunft gegenüber“ birgt das Unternehmen Ganztagsfamilie unermeßlichen Reichtum, der richtig glücklich macht.


Stefanie Selhorst: Nur. Essay zum Beruf. Kißlegg: FE-Medienverlag 2010, S. 176, Euro 6.95.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Cornelia

Ich habe mich für Familie und Haushalt entschieden. Ich habe es bis heut nicht bereut. Ich empfinde den Beruf als Mutter ( von 3 Kindern ) und Hausfrau als einen der schwierigsten, vielfältigsten und arbeitsreichsten. Schade nur, dass es die ganze Zeit über keine Anerkennung gibt: keine Qualifikation, nichts, egal wie gut und kompetetent man seine Arbeit verrichtet. Ich bin überzeugt, dass meine drei Kinder ohne die Betreuung zu Hause nicht das erreicht hätten, was sie mit Unterstützung und Einfühlungsvermögen meinerseits erreicht haben. Sind sie noch klein, kommen sie mit den Alltagsproblemen noch nicht zurecht und brauchen eine liebevolle Betreuung und den vollen Einsatz der Eltern, vor allem, wenn nicht alles nach Plan läuft. Jetzt nach 20 Jahren Familienarbeit ist die Zeit füe einen Laufbahnwechsel und ein neues Studium gekommen. Ich freue mich darauf, weiss ich doch, dass mich zu Hause keine kleinen Kinder mehr vermissen.

Gravatar: Egoismus

"Aha, ich hab bisher noch keine Frau getroffen, die damit wirklich zufrieden war. Die meisten haben das Gefühl ihr eigenes Leben erst mal auf Eis gelegt zu haben. [...] Es ist eine Art Opfer das sie für ihre Familie bringen."
(Ulrike Wehrstein, 20.04.2010 09:53)

Auf die eigenen Karrierechancen im Berufsleben zum Wohle der Kinder zu verzichten ist tatsächlich ein Opfer!

Ich kenne jedoch mehrere Frauen (meine Mutter ist eine davon), die sich darüber völlig bewusst waren - und die trotzdem um nichts in der Welt, die Karriere dem Kinderglück vorgezogen hätten!

Es geht hierbei um Prioritäten und die setzt man nach seinen Wertevorstellungen. Wenn Egoismus und Geld alles ist, sollten man sich gegen das Kinderkriegen entscheiden...

Und ja, ich kenne auch Mütter, die nach 20 Jahren zuhause noch ein Studium gemacht haben. Eine davon leitet nun eine soziale Einrichtung.

Danke Frau Schneider für diesen Artikel (und ihre weiteren)!

Gravatar: Glaurung

@Wehrstein
In gewissen Kreisen sind normale Frauen freilich rar gesät - das glaube ich Ihnen aufs Wort.

Tatsächlich ist es so, daß erwerbstätige Frauen voller Ressentiment auf ihre nichterwerbstätigen Geschlechtsgenossen reagieren. Es muß nicht einmal ein schlechtes Gewissen sein, oftmals ist es der schiere Neid auf Frauen, die eben nicht anschaffen gehen müssen, die ein erfülltes Leben, ein schönes Heim und wohlgeratenen Kinder haben, während frau selbst irgendwie herumwurschtelt und viele faule Kompromisse machen muß.

In diesem Punkt herrscht zwischen der oftbemühten AldikassiererIn und der Karrierefrau Einigkeit.

Man sieht an diesem als Pseudomitleid verkappten Geschwätz sehr gut, wie weit es mit dem gelebten Pluralismus faktisch her ist: nichts haßt das Herdentierchen mehr als Abweichler - vor allem, wenn es diesen Abweichlern auch noch besser geht als der eigenen Jämmerlichkeit.

Gravatar: Klimax

WAs Mutti macht, ob daheim für die Kindchen sorgen oder halb oder ganz arbeiten muß mit Papa verhandelt werden. Es ist nicht einzusehen, daß dies Frauen stets allein entscheiden.

Mit mir ginge das nicht. Eine Hausfrau und Mutter allein auf meine Kosten kommt mir nicht ins Haus. Deswegen müssen Kinder nicht in Krippen. Mir ist viel lieber, daß Mama und Papa sich die Erwerbsarbeit teilen. Ich möchte mich nämlich auch nicht durch die typisch deutsche Gluckenmutter von einer gelebten Beziehung zu meinen Kindern weg in irgendeinen Beruf abdrängen lassen. Kinder, die ihre Väter kaum zu Gesicht bekommen, tun mir leid.

Deswegen soll Mutti ruhig mal arbeiten. Die lieben Damen haben es nun wirklich lange genug sehr bequem gehabt. Die Bedingengen aber haben sich gewandelt: eine Hausfrau und Mutter wie im 19. Jahrhundert? Sicher gern, aber dann auch mit mindestens 8 Kindern, ohne Wasch- und Spülmaschine und all die anderen Dinge, die ein solches Dasein heutzutage recht bequem machen.

Gravatar: Gockeline

Ich bedanke mich für diesen Artikel,der deutlich aufzeigt was zur Zeit mit den Frauen und Familien passiert.
Bekommt eine Frau ein Kind und möchte naturgemäß dies in der ersten Zeit auch betreuen, um die Entwicklung selber in die Hand zu nehmen,dann wird sie angeprangert sie würde sich aushalten lassen oder sei zu dumm um wieder arbeiten zu gehen.
Oder es sagen Frauen,es sei viel zu langweilig zu Hause zu bleiben beim Kind.
Anderen ist der Beruf wichtiger als ihr neugeborenes Kind.
Sie haben Angst ihre Zeit zu vergeuten und in der Karierre einen Knick zu erleiden.
Dass ihr Kind einen Knick erleiden könnte ,ist Unwissenheit.
Man lernt alles für den Beruf sonst ist man draussen.
Man lernt nichts über die Entwicklung eines Menschen,eines Kindes.
Ein Kind zu bekommen ist nur Nebensache.
Es sollte nicht darum gehen ,den Frauen ihren beruf zu vermiesen,sondern sie sollen sich fragen,tue ich alles für mein neugeborenes Kind?
Frauen haben sich selber in diesen Zwiespalt gebracht wo sie sich heute aufreiben.
Alles gleichzeitig tun zu müßen.
Ständig nach Anerkennung zu lechzen.
Haben Frauen so wenig Selbstwert,den sie nur über den Beruf bekommen können?
Wer heute zu Hause bleibt wird überall angefeindet.
Männer haben sich umgestellt und freuen sich über Frauen die das geld nach hause bringen.
So können sie gut konsumieren.
Heute verlangt ein Mann sogar die Frauen sollen gefälligst ihr Geld verdienen.
So haben sie heute keine Wahl mehr ihr Kind zu versorgen.
Alle verlangen der Staat sorgt für die Kinder.
Der Staat kann niemals so gut sorgen für die Kinder,als jede Mutter die noch Liebe in sich verspürt.
Leider geht auch das zurück.
Zu viele Frauen haben wir die keine Kinder mehr aufziehen können.
Zu viele Familie im Gewalt + Kriegszustand.Dort wird unsere kommende Generation geschaffen.
Und wie sieht die aus?
Grauenvoll!!!!
Wer kümmert sich darum???
Keine Politik.
Keine Medien.
Es können nur gute Eltern schaffen.
Gute Eltern werden nur geschaffen durch gute Erziehung in der Kindheit.
Gute Kindheit,gute Eltern!
Eltern haben aber keine Zeit mehr für Kinder!
Sie haben nur noch Zeit für den Beruf!
Die Zeit die übrig bleibt wird gebraucht für Urlaub,nicht für die Kinder.
Im Land läuft was falsch und niemand merkt es.
Wir brauchen immer mehr Psychologen um aufzufangen was Eltern unterlassen haben.
Zuneigung und Wärme bekommt ein Kind nicht in einer KITA,sondern nur alleine von den Eltern.
Kitas sind nur Unterbringungen damit Eltern arbeiten können.
Sie können Kinder nicht das geben was sie wirklich brauchen.

Gravatar: Ulrike Wehrstein

Aha, ich hab bisher noch keine Frau getroffen, die damit wirklich zufrieden war. Die meisten haben das Gefühl ihr eigenes Leben erst mal auf Eis gelegt zu haben. "Es sind ja nur die ersten Jahre", später hab ich wieder mehr Zeit für mich, kann mein Studium abschließen oder meinen Beruf wieder aufnehmen. Sie fühlen sich isoliert und gelangweilt. Es ist eine Art Opfer das sie für ihre Familie bringen.

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