Griff zur Atomwaffe? - Taiwan macht vor, was die Ukraine machen sollte

Nach vielen Drohungen aus Peking hat Taipeh die passende Antwort für die roten Despoten: Massenvernichtungswaffen. Direkt oder indirekt.

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Dass Atomwaffen zwischen 1945 und 1989 den Frieden gesichert haben, gilt mittlerweile als Gemeinplatz. Ohne die ultimativen Totschläger, die, in welcher Variante auch immer, das Ende des Angreifers garantierten, wäre das Säbelrasseln der beiden Großmächte USA und Sowjetunion in einen Krieg übergegangen. Gelegenheiten gab es ja genug. Doch so galt: »Wer zuerst schießt, stirbt als zweiter« – und am Ende hat keiner geschossen.

Seit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und Präsident Putins unverhohlener und durch keinerlei linguistische Spitzfindigkeiten aus der Welt zu schaffenden Drohung, bei einem Eingreifen der Nato auf Seiten der Ukraine, Atomwaffen einsetzen zu wollen, rückt die Perspektive eines Einsatzes dieser Waffe in den Alltag der Machtpolitik. Europa zeigte sich einige Momente geschockt über diesen Akt purer Gewaltlust im Kreml, aber eine Mehrheit kriegte sich bald wieder ein und machte deutlich, dass auch die Nato über atomare Waffen verfügt, die sie im Notfall gegen Russland einsetzen kann.

Was dagegen nicht deutlich genug gesagt worden ist: Hätte die Ukraine 1994 nicht im Gegenzug für die Anerkennung seiner territorialen Integrität durch Moskau auf ihr Atomwaffenarsenal verzichtet und wären die Sprengköpfe samt Trägersystemen noch immer im Besitz der Regierung in Kiew, hätte es schon 2014 keinen völkerrechtswidrigen russischen Überfall auf die Krim gegeben. Denn man kann Putin einiges zutrauen – aber ein Selbstmörder ist er nicht, egal wie viele junge russische Soldaten er für seine Reichsträume auch noch in den Tod schickt.

Nun wurde auf der anderen Seite der Welt genau diese Trumpfkarte gegen die andere Möchte-Gern-Großmacht gezogen. Nicht explizit mit Atomwaffen. Und auch nicht wörtlich. Sondern in chinesische Höflichkeiten verpackt, also maximal indirekt. In einem Wortgefecht:

Von Peking provoziert, führte die Regierung Taiwans bzw. der Republik China in einer Mitteilung aus, dass sie weder in China einmarschieren würde; was eine militärische Selbstverständlichkeit ist. Nur um dann zu ergänzen: »Noch würde sie von sich aus Peking angreifen oder den Drei-Schluchten-Staudamm.«

Mit dieser Stellungnahme reagierte Taipeh auf den spöttischen Kommentar in »Peoples Daily«, dem englischsprachigen Propaganda-Blatt Rot-Chinas, in dem es neben einer infantilen maoistischen Karikatur unter der Überschrift: »Aufbau einer ›asymmetrischen Fähigkeit‹ durch die USA für die Insel Taiwan reine ›Träumerei‹« unter anderem geheißen hatte: »Es sei für Taiwan unmöglich, eine ›asymmetrische Fähigkei‹ zu entwickeln, ganz gleich, welche Art von Waffen es von den USA kaufe, da die Kluft zwischen den militärischen Kapazitäten beider Seiten ›zu groß‹ sei.«

Vor dem Hintergrund der Versenkung mehrerer russischer Kriegsschiffe auf dem Schwarzen Meer durch ukrainische Raketen erläuterte ein Militärexperte der Volksarmee: »Diese Raketen würden keine Bedrohung für die Volksmarine darstellen, da die Volksmarine die vollständige Kontrolle über den Luftraum hätte, bevor es zu einem amphibischen Krieg zwischen den beiden Seiten über die Straße von Taiwan käme«.

Natürlich kann man sich fragen, wer hier gerade seine feuchten Tagträume auslebt. Aber in Taipeh spürte man offenbar keine Neigung, den großmäuligen Pekinger Sprecher daran zu erinnern, mit wem die Volksluftwaffe es in der 180 Kilometer breiten Straße von Formosa zu tun bekäme. Sie erinnerte nur an eines: Dass sich sehr verletzliche Ziele in der Reichweite taiwanesischer Vergeltungswaffen befinden. Über die Folgen der Zerstörung des ›Drei-Schluchten-Staudamms‹ macht man sich auch in Rot-China wohl kaum Illusionen.

Auch, was die Trägersysteme betrifft, war Taipeh deutlich: »Bevor China Taiwan angreift«, lautete die Antwort, »muss es Taiwans vorhandene Fähigkeit berücksichtigen, Peking anzugreifen«. »China sollte es sich zweimal überlegen.«

Darauf retournierte das Büro für Taiwan-Angelegenheit in Peking mit einem der vielen poetischen chinesischen Bilder, die in westlichen Psychogruppen und bei Hobbyhistorikern so beliebt sind: »Wer es wagt, einen Stein mit einem Ei zu zerschlagen, geht nur schneller unter.«

Vielleicht verweist der Übergang in die Welt der Metaphern ja, dass die Kriegstreiber in Peking, die bei jeder Gelegenheit mit einem Angriff auf Taiwan drohen, verstanden haben, was ihnen blüht, wenn sie es wagen. Und dabei verfügt Taiwan nicht einmal über die tödlichste aller Waffen: Über Nuklearsysteme, d.h. Sprengköpfe und Trägersysteme.

Für die Zukunft sollte Taiwan genau diese Aufrüstung planen. Denn gegen die roten Kriegstreiber hilft nichts anderes mehr. Sie sind, ebenso wie der Russische Präsident Putin, wild entschlossen, endlich nicht nur mit ihren Säbeln zu rasseln, sondern auch zuzustechen. Einen dritten Flugzeugträger hat sich China aus den Warenverkäufen ins westliche Ausland erst kürzlich gegönnt. Da möchte man doch auch einmal schießen.

Hoffen wir, dass in Peking die Furcht überwiegt. Die Furcht einer unerprobten Marine, im Ernstfall in den Gewässern Ostasiens ein militärisches Desaster erster Ordnung erleben zu müssen. Der Hinweis aus Peking, Taipeh würden Unterseeboote nichts nützen, deutet in diese Richtung. Denn gerade U-Boote als Abschusssysteme für atomare Mehrfachsprengköpfe gäben Taiwan die Möglichkeit, von überall auf einen Überfall durch die Rot-Chinesen mit Massenvernichtungswaffen zu reagieren. Es ist also vielleicht das Pfeifen im Walde.

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