Dresden, 13. Februar 2021 – Lassen wir die Opfer endlich ruhen

»Wer das Weinen verlernt hat«, sagte Gerhard Hauptmann, »der lernt es wieder beim Anblick Dresdens.« Diese Worte galten damals und sie gelten noch heute, gerade heute, am Jahrestag des Luftangriffs auf Dresden. Denn bis in diese Tage hinein wird der Angriff, oder genauer, werden die Opfer für politische Zwecke missbraucht.

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»Wer das Weinen verlernt hat«, sagte Gerhard Hauptmann, »der lernt es wieder beim Anblick Dresdens.« Diese Worte galten damals und sie gelten noch heute, gerade heute, am Jahrestag des Luftangriffs auf Dresden. Denn bis in diese Tage hinein wird der Angriff, oder genauer, werden die Opfer für politische Zwecke missbraucht.

Wie so oft gilt das Gedenken nicht den Opfern. Statt dessen werden sie zu einem Teil einer ideologischen Kampagne; was nicht wundert, denn eigentlich ist alles gesagt zu dem Angriff und seinen Hintergründen.

Die militärischen sind schnell und präzise genannt: Zusammen 768 Flugzeuge der 5, 1, 3 und 6 Bomber Group und der 8 Pfadfinder-Gruppe der Royal Air Force greifen in der Nacht vom 13. zum 14. Februar in zwei Wellen Dresden an; es folgen zwei weitere Tagesangriffe am 14. und 15. Februar, die von 527 schweren Bombern und 784 Jägern der US Army Air Force ausgeführt werden. Etwa 3.900 Tonnen Bomben aller Art werden abgeworfen und zerstören ungefähr 6,5 Quadratkilometer Stadtgebiet. Zwischen 20.000 und 25.000 Menschen werden am Boden getötet.

Doch der Angriff auf Dresden ist in doppelter Hinsicht niemals nur militärisch bedeutsam gewesen. Vom ersten Tag danach an wird er politisch genutzt. Zuerst wird die offizielle Zahl der Todesopfer in Zweifel gezogen. Aus den 25.000 der unmittelbaren Nachkriegszeit werden zeitweise 250.00 und dann sogar 350.000 gemacht. Sie werden zu persönlichen Opfern der angreifenden Bomber stilisiert. Ein Mythos entsteht, unterfüttert mit Geschichten über ? Angriffe tieffliegender Jäger, die Jagd auf Zivilisten gemacht haben sollen. Das Bild vom bösen und überdies feigen Bomberpiloten wird zum schauerlichen Gemälde, weit entfernt von den Realitäten.

Tatsächlich fallen nur die ersten beiden Angriffe aus dem Rahmen. Die 14 Staffeln der ersten Welle aus 244 Bombern der 5 Bomber Group erreicht einen Grad von tödlicher Präzision, die ihres Gleichen sucht und auch nicht von den 524 Bombern der 1, 3 und 6 Group erreicht wird. Sie entfachen durch den Doppelschlag einen Feuersturm, wie er zum Glück für viele Deutsche nur in einigen Fällen erreicht wird. Und sie treffen auf eine Stadt, deren Bewohner Luftangriffe nicht kennen. Die beiden folgenden Tagesangriffe gelten dem Bahnhof und einigen Industrieanlagen, können aber, wie so häufig, ihr Ziel nicht wirklich erreichen.

Dresden ist nicht Hamburg und auch nicht Pforzheim zehn Tage später gewesen und schon gar nicht Tokio knapp einen Monat danach – in Hamburg starben 55.000, in Pforzheim 17.000 Menschen, das sind 30 Prozent der Bevölkerung und in Tokio etwa 100.000 Menschen.

Wer versucht, diese Zahlen mit einer besonderen Schrecklichkeit zu belegen – eines der wenigen deutschen Worte, das Eingang ins Englische gefunden hat –, der sollte bedenken: Während der 6 Jahre Krieg wurden im Durchschnitt täglich etwa 36.000 Menschen getötet. Natürlich lässt sich daraus ein »Krieg ist schrecklich« drechseln, wie es die Friedensbewegung immer wieder gern tut – aber auch das ist nichts weiter als ein selbstgerechter politischer Missbrauch der Opfer; wenn auch längst nicht so perfide wie der Ruf, die Bomber mögen die Stadt noch einmal zerbomben.

Wirklich schrecklich ist, dass Kriege mitunter notwendig sind. Damit aber werden die zivilen Opfer zum Teil eines Geschehens, das tragisch genannt werden sollte. Denn auch der Hinweis, der Krieg wäre im Februar 1945 praktisch zu Ende gewesen, ist so falsch, wie der ähnlich Hinweis, auch Japan habe im März oder August 1945 auf verlorenem Posten gestanden. Das mag im Rückblick so scheinen – aber im Krieg ist ein Krieg erst verloren, wenn einer der beiden Kontrahenten die Waffen gestreckt hat. Keinen Tag vorher und keinen Tag später.

Und der Krieg wurde in Europa bekanntlich erst am 8. Mai mit der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht beendet – und nicht schon Anfang des Jahres oder ein Jahr zuvor.

Ich bin versucht, auch das tragisch zu nennen. Doch das ist falsch. Dass nicht einen Tag früher kapituliert worden ist, ist eine Entscheidung gewesen, die maßgeblich in Berlin und Tokio gefällt worden ist.

Tragisch bleibt allein der Tod der Fünfundzwanzigtausend, die in den Kellern und Straßen von Dresden verbrannten oder ersticken, von Trümmern erschlagen wurden oder die ein Bombentreffer zerriss. Sie haben bessres verdient, als zum Kleingeld in politischen Kämpfen zu werden. Erst wer das wirklich versteht, wird Gerhard Hauptmann wirklich verstehen: »Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Anblick Dresdens.«

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Walter

Der Autor sollte sich mal hinterfragen, was er mit so einem Artikel hier erreichen will. Seine Relativierung dieses Kriegsverbrechens an Zivilisten betrachte ich als einen Missbrauch der Opfer. Dafür kann ich ihm nur meine Missbilligung aussprechen. Da könnte man ja auf den Gedanken kommen, dass er sich vermutlich bei irgend wem andienen möchte. Die Reaktionen auf seinem Artikel zeigen doch, dass er hier mit seinen Aussagen vollkommen falsch liegt.

Gravatar: Gretchen

Sorry, aber Ihre Bemäntelung der Todeszahlen in angloamerikanischer Manier ist unangebracht,und für die Toten und Überlebenden ein Schlag ins Gesicht.Wie so oft wennn es um Deutsche im ". Weltkrieg" geht.
Von Berufs wegen hatte ich oft schon die Gelegenheit mit Überlebenden zu reden.
Ich habe mich da auf das Zuhören beschränkt.Das reichte vollkommen.
Nach den Zeugenaussagen gab es 25000 Tote.In jeder grösseren Strasse!Viele Tage nach dem Terrorschlag noch hat man die Toten, oder besser den Rest davon aufgeschichtet und verbrannt. Beerdigen ging wegen der unfassbaren Masse nicht.
Hiroshima hatte deutlich weniger Tote!
Egal, Die Städtebombardements waren in Japan und Deutschland gleichsam ausschliesslich Terrorakte gegen Alte , Frauen und Kinder.Die wehrtauglichen Männer standen an der Front.Ihr Kampfgeist sollte gebrochen werden, NUR DARUM ging es den TÄTERN.Hat aber nicht funktioniert.
Wenn man die Überlebenden auf die "offizielle" Darstellung in Dunkeldeuschland anspricht, spielen sich emotionale Szenen ab, die ich hier nicht ausführen möchte.
Es gibt auf beiden Seiten Dinge , die man weder Vergessen, noch verzeihen noch bemänteln kann. Auf beiden Seiten!

Gravatar: Gerhard G.

Aus den 25.000 der unmittelbaren Nachkriegszeit werden zeitweise 250.00 und dann sogar 350.000 gemacht. Sie werden zu persönlichen Opfern der angreifenden Bomber stilisiert. Ein Mythos entsteht, unterfüttert mit Geschichten über ? Angriffe tieffliegender Jäger, die Jagd auf Zivilisten gemacht haben sollen.

S.g.Hr. Hebold
Meine Angehörigen mit Pferdefuhrwerk aus Schlesien kommend, wurden kurz vor Dresden abgewiesen...die Stadt sei überfüllt mit Flüchtlingen. Also zog man weiter und besah den Feuerschein aus der Ferne. Es gab im TV eine Dokumentation in welchr Zeitzeugen das Erlebte schilderten. Bei der Zahl 25.000 sagten sie das sei glatt gelogen...die im Feuerstum umkamen konnte man nicht zählen (zu Asche). Ein damals 14jähriger sagte aus das nach diesen Angriffen am nächsten Tag Tieffliger kamen und die Flüchtlinge auf den Elbwiesen niedermähten ...laut Historikerkommission sollen zu angegebener Zeit keine Flugzeuge in der Luft gewesen sein. Na so was aber auch. Auch die Leichen die elbabwärts schwammen hat man nicht gezählt. Ich habe mir die Doku etwas später nochmal angesehen...wie es scheint wurden unbequeme Sachen herausgeschnitten. Und ich lasse mir von keinem West-Bürger die Geschichte der DDR erklären..die meinen eh alles besser zu wissen. Vielleicht kannte ich zu viele Dredener. Ich habe 45 Jahre in der Nähe Dresdens gelebt bevor ich in den Westen kam

Gravatar: Unmensch

Die Instrumentalisierung von Militär zur Tötung von Zivilisten könnte man auch hinterfragen. Oder besser doch nicht, weil, nun ja, maches soll anscheinend im Dunkel der Geschichte ruhen bis es vergessen ist.

Gravatar: Herta Hürkey

Wie bitte? Es waren nur 25.000 Tote?? Dresden war
ÜBERFÜLLT mit Flüchtlingen, also müssen wir von
500.000 Toten ausgehen, vielleicht noch mehr, eher
1.000.000!!! Unsere Flüchtlingswaggons mussten
umgeleitet werden, weil Dresden LICHTERLOH
brannte!!!

Gravatar: Elmar Oberdörffer

Und noch eins, Herr Hebold: Sie schreiben: "Denn auch der Hinweis, der Krieg wäre im Februar 1945 praktisch zu Ende gewesen, ist so falsch, wie der ähnlich Hinweis, auch Japan habe im März oder August 1945 auf verlorenem Posten gestanden. Das mag im Rückblick so scheinen – aber im Krieg ist ein Krieg erst verloren, wenn einer der beiden Kontrahenten die Waffen gestreckt hat. Keinen Tag vorher und keinen Tag später." Der Krieg war Ende 1944 für Deutschland militärisch verloren. Es war auch den Alliierten klar, daß Deutschland die Besetzung durch die alliierten Truppen nicht mehr verhindern konnte. Luftangriffe auf die zivilen Wohngebiete deutscher Städte waren nicht nur nach dem internationalen Kriegsrecht verboten, sondern auch militärisch völlig sinnlos. Die Kapitulation Deutschlands wurde nicht durch die verbrecherischen Bombardierungen der deutschen Zivilbevölkerung erzwungen, sondern durch die materielle und zahlenmäßige Überlegenheit der alliierten Truppen. Aber Churchill ging es ja nicht um einen Krieg gegen den Verbrecher Hitler, sondern um die Vernichtung Deutschlands. "Deutsche braten" war nach seinen eigenen Worten sein Ziel. Hätte er damit nicht auch vor das Nünberger Kriegsverberechertribunal gehört?

Gravatar: Alfred

"...– Lassen wir die Opfern endlich ruhen..."
Warum, in Deutschland werden doch auch jedes Jahr der Juden gedacht, warum sollte man nicht der deutschen Opfer gedenken. Sind sie Menschen 2. Klasse?
Den Alliierten war bekannt, das riesige deutsche Flüchtlingsströme aus dem Osten in Dresden ihren Unterschlupf gefunden hatten. Dresden war mit Menschen bis zum Rand gefüllt und trotzdem flogen Bombenangriffe. Das war vorsätzlicher Völkermord!
Ich vermisse Gedenktage zur Erinnerung an den Völkermord an den Indianer in den USA durch europäische Migranten!
Was halten Indianer eigentlich von Migration? Sollte uns das nicht zu denken geben?

Gravatar: die Vernunft

Dresden ist ein Symbol, ein Symbol für eine feige Kriegsführung, ein Symbol für einen feigen Massenmord an schutzlosen Zivilisten.
Woher nimmt der Verfasser seine Opferzahlen? War Dresden eine Kleinstadt? Nein, Dresden war unzerstört, aufgehoben für Atombombenabwürfe. Dumm, das die Dresdner dachten, wir haben keine Rüstungsindustrie, aber sehr viele einzigartige Kulturstätten. Sie wollen uns verschonen. So dachten auch zehntausende von Vertriebenen, die in Dresden Schutz gesucht hatten, ...

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https://www.anonymousnews.ru/2017/10/31/alliierte-geschichtsluegen-entlarvt-britische-phosphorbomben-bei-augsburg-gefunden/

https://www.anonymousnews.ru/2016/10/03/gruenen-politiker-fordert-bombardierung-von-dresden/

https://www.anonymousnews.ru/2018/03/12/putin-ueber-den-nationalsozialismus-der-schuldkult-und-die-gaengelung-der-deutschen-muss-aufhoeren/

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