Die Ukrainer sind ein Volk – Dank Putin!

Der Angriffskrieg, den Wladimir Putin im 90. Jahr nach dem ›Holodomor‹ führt, wird ein weiteres Beispiel für die Torheit der Mächtigen werden.

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Vielleicht waren ja etliche Ukrainer skeptisch, was ihre Regierung in Kiew betraf. Und vielleicht glaubten einige an das Märchen vom Kiewer Rus als Wiege Mütterchen Russlands. Vielleicht konnten sich sogar viele vorstellen, dann eben unter der Vorherrschaft Moskaus zu leben. Doch nach dem hinterhältigen Überfall russischer Truppen auf ihr Land, ist dieser Teil der Nähe zu Russland für die allermeisten Ukrainer vorbei.

Die Bevölkerung zwischen Lemberg, Odessa, Charkiv und Kiew steht zusammen. Ja, Frauen und Kinder werden außer Landes gebracht. Aber die meisten Männer kehren zurück, um für ihre Heimat zu kämpfen. Und das ist keine Metapher des deutschen Maulheldentums, der sich Anti-Faschismus nennt. Es ist so gemeint, wie es gesagt ist.

Und diese nationale Einheit des Landes haben die Ukrainer dem russischen Präsidenten Putin zu verdanken. Er hat sie gelehrt, dass man Despoten nicht trauen kann. Er lehrt sie gerade, was ihm die Leben seiner Soldaten wert sind und dass die Leben der Ukrainer für ihn nicht mehr zählen, als die Leben der 35.000 Zivilisten in Grozny, die in drei Wochen massakriert worden sind. Das Gerede des Kreml und seiner Lakaien vom einen Volk war Kriegspropaganda. Aber vor allem war es eine Lüge.

Kriegspropaganda ist eine zweckgebundene Verdrehung der Realität, die im Grunde jeder durchschaut. Die eigenen Leute hält sie bei der Stange und vom Gegner wird sie ohnehin nicht geglaubt. Doch eine Lüge ist mehr. Sie ist Betrug an den Leuten, für die man vorgibt zu kämpfen, während es in Wahrheit allein um die eigene Macht geht.

Putin will die Ukraine unterwerfen, damit er weiter seinen Traum vom Russischen Reich träumen kann. Da ist er nicht anders als Stalin. Und auch die Nachfolger im Kreml waren bis auf den einen nicht wesentlich besser. Sie träumten von einem Reich bis an die Elbe und wähnten es in Besitz. Dass es nur militärisch durchsetzbar war, wussten sie zwar, aber es war ihnen egal.

Da wird Putin nicht anders sein. Er wird in Kiew einen Quisling installieren, der nach Moskaus Pfeife tanzt. Man kennt das noch aus Warschau und Budapest, aus Prag und Ostberlin. Volksfremde Satrapenregime, die sich ohne russische Panzer 1989 keine drei Tage mehr an der Macht halten konnten.

Doch das Land wird Putin niemals beherrschen. Denn der Widerstandswille eines Volkes, einmal entfacht, lässt sich nicht töten. Dass Putin selber es war, der diesen Willen angefacht hat, werden einige als Ironie der Geschichte bezeichnen; ich nenne es die Rache der Götter. Vielleicht für den Krieg, den Putin seit über sechs Jahren in Syrien führt, ohne dass ein Ende in Sicht ist. Vielleicht für den seit Jahren geführten Krieg in der Ostukraine. Vielleicht für die Lügen im Vorfeld des Angriffs. Oder für die indirekte Drohung, den Einsatz von Atomwaffen in Erwägung zu ziehen.

Putin hat mit seinem Krieg, dessen erste Tage wir gerade erleben, die Front der skeptischen Nachbarländer weiter nach Osten geschoben. Seine Drohgebärden Richtung Finnland sind nicht besser. So gesehen hat Putin mit diesem Krieg die Westgrenze Russland deutlich weiter nach Osten verschoben. Lag sie vor etwas mehr als einer Woche noch irgendwo zwischen San und Dnjepr, dann liegt sie jetzt im Raum östlich von Charkiv. Und selbst wenn die russische Regierung das wiederholen sollte, was sie nach 1945 tat: Bevölkerungen von hier nach dort zu verschieben – selbst dann wird der Dnjepr zur zukünftigen Westgrenze Russlands.

Genaugenommen wiederholt sich in der Ukraine, was die US-Amerikaner im Irak erleben durften. Der schlecht begründete Krieg gegen Saddam, der zwar erheblich besser durchgeführt wurde als der Krieg der Russen gegen die Ukraine, geriet nach dem Sieg schnell zum Desaster. Sieges-Krankheit nennen die Angelsachsen solches Gebaren der Mächtigen. Und nach dem Rückzug stand der Iran bereit, um eine Art späten Sieg im Ersten Golfkrieg zu feiern: Der Irak dient nun als Sprungbrett für den Vormarsch nach Westen Richtung israelische Grenze. Und im Irak entdeckten seine Bewohner plötzlich den Irak als den ihren, den die Iraner immer deutlicher zu spüren bekommen.

Es heißt, Geschichte wiederhole sich nicht. – Mag sein. Aber die Torheit der Mächtigen, von der Barbara Tuchmann sprach, findet immer wieder Gebiete, auf denen sie sich austoben kann. Gestern wars der Irak für die Vereinigten Staaten, heute ist es die Ukraine für Russland.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Angermann

Sehr geehrter Herr Hebold,
zu meinem Vergleich mit Jugoslawien: so ganz falsch war er nicht:

Lt Wikipedia setzte sich Jugoslawien multiethnisch wie folgt zusammen, auch hier mit vielen Minderheiten (auch wenn ich Wikipedia sonst nicht so vertraue). Jugoslawen bilden eine MINDERHEIT mit 5,44% Anteil. Trotzdem hieß dieser Vielvölkerstaat Jugoslawien.

Serben 36,30
Kroaten 19,75
Slawische Muslime 8,92
Slowenen 8,78
Albaner 4,45
Mazedonier 5,97
Jugoslawen 5,44
Montenegriner 2,58
Magyaren 2,97
Roma 0,66
Türken 1,53
Slowaken 0,36
Rumänen 0,36
Bulgaren 0,16
Walachen 0,14
Russen 0,22
Tschechen 0,20
Italiener 0,21
Deutsche 4,22

Gravatar: Wolfgang Hebold

Werter Herr Angermann,

auf der Basis Ihrer Zahlen, leben auf dem Staatsgebiet der Ukraine im wesentlichen zwei Volksgruppen: Ukrainer und Russen. Denn die anderen bilden Minderheiten von maximal 1 Prozent der Bevölkerung. Die Russen leben vor allem in den Grenzregionen zu Russland und in den östlichen Landesteilen. Daher gibt es in den verbleibenden Landesteilen eine ganz deutlich Mehrheit von Ukrainern. Der Vergleich mit Jugoslawien passt daher nicht. 1918 war das deutlich anders. Aber nicht mehr heute.

Die Ukrainer sind ein Volk und nach dem Angriffskrieg Russlands verstehen sie sich allerspätestens jetzt als Volk. Die haben nicht zufällig noch bis 1950 gegen die Russen gekämpft und kämpfen auch in den vergangenen Tagen um ihre Freiheit. Und der Holodomor sagt eigentlich alles.

Grüße,

Wolfgang Hebold

Gravatar: Angermann

Sehr geehrter Herr Hebold, die "Ukrainer" sind genauso wenig "ein Volk" wie es die Jugoslawen waren.

Ethnische Zusammensetzung

Die Bevölkerung besteht zwar in der Mehrheit (ca. 73%) aus Ukrainern. Aber 11,36 Mio. sind Russen, was ca. 22% der Bevölkerung entspricht.

Weitere Minderheiten sind:

Juden: ca. 486.000
Weißrussen: ca. 440.000
Moldawaner: ca. 325.000
Krimtataren: ca. 300.000
Bulgaren: ca. 233.000
Polen: ca. 219.000
Ungarn: ca. 163.000
Rumänen: ca. 135.000
Deutsche: ca. 40.000

Gravatar: Wolfgang Hebold

Werter Wutbürger,

da ich rubicon schätze, habe ich einen Blick auf den angeblich so informativen Artikel über die Ukraine geworfen. Aufgehört zu lesen habe ich nach dem Satz:

"Die bürokratische und repressive Politik des Stalinismus führte gerade in der Ukraine immer wieder zu Hungersnöten."

Wer den Holodomor, also den von Moskau in Gang gesetzten Völkermord an den ukrainischen Bauern, mit einem solchen Satz zusammenfasst, hat nicht einmal den Hauch einer Ahnung der ukrainischen Geschichte.

Mit freundlichen Grüßen,

Wolfgang Hebold

Gravatar: werner S.

@ Wolgang Hebold

Ihre Unwissenheit ist eine Kriegserklärung an jeden vernünftig denkenden Menschen. Unglaublich.

Gravatar: karlheinz gampe

Die Ukrainer werden nun Russen, dank ungebildeter , nutzloser Politiker. Statt einer neutralen Ukraine gibt es nun eine russische! Nur ein absoluter Idiott konnte nicht auf die berechtigten Forderungen Putins eingehen! Die ungebildeten dummen westlichen Politiker sind eine Gefahr für die Menschheit! Sperrt die rotgrünen Idioten weg. Es droht Atomschlag. Der Krieg wird nun länger dauern. Die Städte eingekreist und ausgehungert werden. Wenn aggressive Natopolitiker einen Clown für ihre Zwecke installieren kann dies nur bös enden. Die Natokriegsverbrecher haben aus ihrem sinn- und nutzlosen Krieg in Afghanistan nix gelernt. Sich in ferne Konflikte einzumischen und einzulassen ist oft bös geendet. Klagt Scholz , von der Leyen und Merkel an!

Gravatar: Wutbürger

Die ukrainische Vorgeschichte

Rubikon

https://www.rubikon.news/artikel/die-ukrainische-vorgeschichte.

Da die meisten Leute grottenschlecht über die Geschichte der Ukraine und den Betrug des Westens an Russland informirt sind, kann man mal den ganzen Hintergrund über den obigen Link lesen. Dazu gehört allerdings, dass man nicht an kognitiver Dissonanz leidet wie bei dem ganzen Corona Betrug der Geldsäcke.

Fakt ist, dass der korrupte Westen seine Globalen boshaften und wiederlichen interessen vertritt und die Drahtzieher der Kriege des letzten Jahrhunderts und auch heute die Gleichen sind. Wird Zeit das Jemand dieses widerwärtige satanische Lügen- und Kriegstreiberpack mal richtig in den Hintern tritt.
Wenn ich höre und sehe wie hier Russland verteufelt wird und zusätzlich zur Corona-Panik, Kriegspanik verbreitet wird, kann ich nur sagen diesen feigen ARD/ZDF Hirngewaschenen Idioten geschieht das völlig zu Recht. Sollen sie doch vor Angst in ihren Klamotten schlottern wenn die sich um die Wahrheit einen Dreck scheren.

Gravatar: Hans-Peter Klein

Mich würde schon mal interessieren, wie Sie zu Ihrer deutlich anti-russischen Haltung gekommen sind.
Ich meine zumindest eine sehr selektive Wahrnehmung bei Ihnen zu erkennen.
Versucht man hingegen die russische Sichtweise zu verstehen, dann kommt man nicht umhin anzuerkennen, dass Russland eigene Sicherheitsinteressen hat, die in den vergangenen 15 Jahren vom Westen sträflich missachtet wurden, oder um noch deutlicher zu werden, der Westen hat Russland ständig provoziert, angeführt durch die USA.

Die Situation die wir jetzt haben, ist die "folgerichtige" Konsequenz. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, auch ich verurteile Krieg als politisches Mittel zur Durchsetzung eigener Ziele, gar keine Frage.
Aber die Realität zwingt uns zur banalen Logik:
Sowas kommt von Sowas, traurig aber wahr.

MfG, HPK

Gravatar: Alter Schaukelstuhl

Habe irgendwo gelesen und es ist meine Überzeugung:
Die West-Diplomatie hat restlos versagt und man hat die Ukraine ins Messer laufen lassen bzw. ins Messer gejagt.

So eine Situation wird seit Jahrzehnten versucht, mit Nachdruck herbei zu führen - nun hat es endlich geklappt.
Dafür kann die Ukraine dem Ami, der Nato und der EU danken - sie haben sich dies Milliarden kosten lassen.
Das Geschäftsmodell der Ukrainischen - Regierung ist ein Rohrkrepierer.

Gravatar: Cantacuzene

Aus meiner Sicht ist völlig klar, daß das NATO-Selenski-Regime in der Ukraine in einigen Tagen Geschichte ist. Aber was dann? Teilung der Ukraine, Neutralisierung der Ukraine wie vor 2014? Formalrechtlich ist ja immer noch Viktor Janukowitsch Präsident der Ukraine. Ich denke, daß Thema wird uns so schnell nicht los lassen und wer weiss, was in Washington hinter dem Rücken des greisen Biden die radikalen und Neokons planen?

Gravatar: Ulrich Müller

Ist schon toll, was für ein Militärexperte Sie sind: schon nach drei Tagen wissen Sie, dass der Krieg von Russland schlecht durchgeführt wurde und am Ende die unglaublich tapferen, in der Abscheu gegen Putin vereinigten Ukrainer ihre Freiheit verteidigen werden gegen den vom Russischen Reich träumenden (halbwahnsinnigen) Putin. Klingt wirklich nach absolut serösem, ausgeglichenem und objektiven Journalismus....Ich glaube, ich setze Sie mal ganz vorsichtig auf meine Liste derjenigen Autoren, die man nicht mehr so ganz Ernst nehmen sollte!

Gravatar: Serbastian Steer

Sehr geehrter Hr. Hebold,

ja es ist ein kriegerischer Akt.

Aber: Hier geht es um geopolitische Machtverhältnisse. In den letzten Jahren hat der 'Westen' seine Spielregeln allen Völkern aufgezwungen nach der Devise 'und bist du nicht willig so brauch ich Gewalt'. Also lassen wir mal das Geschwafel von Despoten.

Wir sehen gerade den Versuch die Welt wieder 'bipolar' zu machen.

Und ja es wird immer auf den Rücken der Völker ausgetragen. Wieso haben wir auf die russsischen Vorschläge 'regelrecht geschissen'.? Europa wird den Preis zahlen.

Gravatar: U. von Valais

Welche Rolle spielt der WEF mit seinem Great Reset?

Wieso kann eine inkompetente Hochstaplerin deutsche Außenministerin werden und mit Stahlhelm herumlaufen anstatt das fordernde multilaterale diplomatische Gespräch zu suchen?

Auf diesem Planeten regieren leider mehrheitlich Idioten.

Gravatar: Hajo

Rußland hat seine legitimen Interessen, wie die andere Seite und da hilft das ganze herumlamentieren nichts und auch die einseitige Berichterstattung der Höflinge des US-Hegemons.

Allein schon die Bemerkungen und die Wortwahl des Weltjournalisten in Moskau ist doch Beweis genug wie hier Einfluß auf die eigene Bevölkerung ausgeübt werden soll, wenn man davon spricht, daß die russische Armee ein Krankenhaus angegriffen haben soll im Osten der Ukraine und deswegen sind die Russen sicherlich nicht einmarschiert, was dann in der Berichterstattung an Impertinenz nicht mehr zu überbieten ist.

Die Durchhalteparolen der Ukrainischen Regierung werden auch nichts mehr nützen, denn die sehen nun ihre Felle davon schwimmen und wollen damit noch ihre gesamte Bevölkerung mit in den Tod reißen und wären sie Kerle, würden sie sich in offener Schlacht den Russen außerhalb der Städte gegenüberstellen um die eigene Bevölkerung zu schützen, aber das machen sie nicht, weil sie diese sogar noch als Schutzschild verwenden, wie das alle machen, die nichts anderes entgegen setzen können.

So wird den Russen nichts anderes übrig bleiben, als Kiew mit hohem Blutzoll einzunehmen und das wird niemand verhindern und ist nur eine Frage von Zeit, bis sie Fakten geschaffen haben, sehr zum Leidwesen der Ukrainer, die wie immer die Rechnung begleichen müssen, weil sie auch der westlichen Propaganda unterliegen und glauben, hier gebe es die Freiheit ohne Ende, was man ja bei uns sehen kann, wie wir schon seit Jahren reglementiert werden.

Hier geht es nicht um Parteinahme, sondern einfach um eine realistische Betrachtung der Sachlage und auch die kann äußerst unangenehm sein und man sollte das beste daraus machen um die Spannung möglichst schnell heraus zu bekommen, damit nicht weiteres Übel geschehen kann.

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