Die Ukraine zwischen EU und Russischem Reich

Wo in Europa liegt die Ukraine? Diese Frage sollte beantworten können, wer Kiew unterstützt.

Veröffentlicht:
von

Dass Frau von der Leyen und Herr Putin bei ihrem Kampf gegen unbotmäßige Nationen den gleichen Schlachtruf verwenden, scheint keinen zu stören. ›Entnazifizierung!‹, lautet die Losung. Wüst werden ›die Nationalisten‹ in Kiew von Moskau bekämpft wie die ›die Nationalisten‹ in Warschau von Brüssel. Virtuos spielen die beiden Zentren der Bürokratie auf der Propaganda-Klaviatur der Antifa und es wundert eigentlich nur, dass niemand auf diesen Umstand, der schwerlich bestreitbar ist, verweist.

Statt dessen ergreifen jene, die bisher völlig zu recht die EU für ihren diktatorischen Zentralismus anprangern und in der EU eine neue Sowjetunion aufsteigen sehen, Partei für die neue Zentrale im Kreml. Andere, denen der Zentralismus der EU nicht weit genug ging, werfen sich den Verteidigern der ukrainischen Freiheit im Interesse des Kreml entgegen, um sie de facto wehrlos zu machen. So sind sie, die Wirrnisse der Zeit.

Dabei ist es nicht so schwer zu erkennen, dass die Ukraine gegen Moskau einen Krieg führt, wie ihn Polen und Balten, Ungarn, Slowenen und Tschechen gegen Brüssel ausfechten. Der Unterschied ist eher graduell. Moskau setzt auf brutalstmögliche militärische Gewalt, um die Ukrainer am besten aus der Ostukraine zu vertreiben und das Gebiet für sich zu reklamieren, früher Vertreibung genannt. Die EU macht es auf ihre Weise nicht viel anders, wenn sie aufs ökonomische Aushungern setzt und fordert, die Mitteleuropäer hätten Migranten aus Afrika und Nahost aufzunehmen.

Das alles könnte sehen, wer sehen will. Aber vielleicht zählt der kulturell eng verbundene, ansonsten aber eher lose Staatenbund in Mitteleuropa noch immer, wie in Zeiten der Teilung Europas, so gering, dass sich niemand anderes für ihn ernsthaft einsetzen will als die Angelsachsen des Brexit und die Vereinigten Staaten. Die Aufnahme der Ukraine in EU oder Nato wurde von Brüssel und Berlin bekanntlich ebenso raffiniert hintertrieben wie die Unterstützung Kiews mit ausreichend Waffen. Mag ja sein, dass da eigentlich die hasenfüßige SPD hinter steckt. Aber Angela Merkel war bekanntlich nicht besser. Und ein aufrechter Mitteleuropäer gönnte ihr die Unterstützung für ihre Russlandpolitik, die sie zur Zeit von von vielen erhält, die erst noch neulich ›Merkel muss weg‹ auf jedem Marktplatz zwischen Angermünde und Zittau brüllten.

Daher bleibt den mitteuropäischen Staaten nur ein Bündnis mit Mächten, die gegen EU und Russland standen und immer noch stehen: Die Vereinigten Staaten mit Großbritannien als Juniorpartner. Die andere Gegenmacht in Mitteleuropa existiert ja nicht mehr als Macht. Habsburg wurde schrittweise 1918, 1938 und schließlich 1945 zerstückelt und buchstäblich neutralisiert, und sie wäre auch heutzutage schwerlich ein Ersatz für einen Bund in der Mitte Europas. Österreichs Kettenfahrzeuge planieren Pisten und laufen nicht als Waffenexport.

Wer genau hinschaut, erkennt einen alten Konflikt in neuem Gewand. Alt und bekannt ist der äußerste Osten, das, in den Worten Milan Kunderas, des großen tschechischen Dichters, »einförmige, auf Verbreitung dieser Einförmigkeit bedachte zentralistische Russland«. Aus diesem Osten wehte immer auch asiatische Luft nach Europa hinein, die wieder und wieder zum Sturm werden konnte und nur zu oft auch wurde. So wie in diesen Tagen in der Ukraine.

Auf der anderen Seite ist der Alte Westen, früher vertreten durchs Deutsche Reich, dabei, kulturell zu zerfallen. Was als Ausdruck christlich-humanistischen Denkens einmal die Welt in eine neue Zeit transformierte, hat irgendwann im Zeitraum zwischen 1789 und heute eine Wende zum ideologisch fundiertem Dekadenten vollführt. Heute, 33 Jahre nach 1989, steht dieser Alte Westen als Neuer Westen waffenlos auf tönernen Füßen und droht, von einer vergnügungs- und sensationssüchtigen Jugend in den Abgrund gezogen zu werden.

Doch gerade diese Entkultivierung macht den Neuen Westen im Gewand der EU zur westlichen Grenze Mitteleuropas. Und während das Deutsche Kaiserreich noch leidlich zum kultivierten Westen gehörte, steht die EU für den Neuen Westen ohne Kultur. Es sei denn, jemand hält eine soziale Absicherung auf Kosten späterer Generationen, Umweltauflagen, radikale Sekularisierung bei gleichzeitiger Islamisierung und systematisches Gendergeschredder für kultiviert.

Zwischen dieser EU und jenem Russland liegt das Zentrum Europas. »Was ist das, Zentraleuropa?«, fragte Kundera und gab eine geographische Antwort: »Die unsichere Zone kleiner Nationen zwischen Russland und Deutschland.« Was kleine Nationen sind beschreibt Kundera mit fatalistischen Worten: »Eine kleine Nation ist jene, deren Existenz in jedem beliebigen Moment in Frage gestellt werden kann, die untergehen und verschwinden kann – und die darum weiß.«

Wo in Europa liegt die Ukraine?

Als Kundera seinen Essay »Die Tragödie Mitteleuropas« schreibt, liegen die staatlichen Grenzen des Russischen Reichs als Sowjetunion an der Westgrenze der heutigen Ukraine. Damals, 1983, stellte sich die Frage nach Mitteleuropa noch nicht. Sie wurde weder im Osten noch im Westen und schon gar nicht in der Mitte gestellt. Zu sehr hatte man sich an den Zustand der Teilung gewöhnt, der im Osten den Russen und ihren Satrapen Großmachtsgefühle offerierte, im Westen Wohlstand und eigene Freiheit versprach und in der Mitte waren die gescheiterten Aufstände gegen die Moskauer Machthaber und ihre Satrapen noch zu gut in Erinnerung. Man fand sich zähneknirschend mit dem Weniger ab: Deutlich weniger Freiheit und deutlich weniger Wohlstand.

Bis das Russische Reich 1989 unter dem inneren ökonomischen Druck der Bevölkerung Mitteuropas und nicht zuletzt dem äußeren der USA zerborst. Balten, Polen, Tschechen und Ungarn holten sich mit Hilfe der USA ihre Unabhängigkeit von Russland zurück. Die Ukraine folgte einige Jahre darauf. Dass Linke und Rechte im Osten und im Westen die USA dafür hassen, kann man verstehen. Ihre Träumereien von Großen Reichen und Riesigen Räumen waren geplatzt.

War die Ukraine von nun an eine kleine Nation? Ist sie es heute? – Falls ja, dann gehört sie zu Mitteleuropa. Sie gehört zu jener Gruppe von kleinen Nationen zwischen Russland und - - nicht mehr Deutschland. Sondern einer EU, die sich wie eine westeuropäische Großmacht aufführt und auf die Kunderas Worte von der »einförmigen, auf Verbreitung dieser Einförmigkeit bedachten zentralistischen« Macht ebenfalls passen.

Der Freiheitskampf der Ukraine ist der Kampf um die Freiheit Mitteleuropas. Sowohl Richtung Osten als auch Richtung Westen. Gegen kulturellen und ökonomischen Anmaßungen Russlands und der EU.

Denn wer es noch immer nicht verstanden haben sollte: Die EU unterstützt die Ukraine gegen Russland nicht, um den selbstverständlichen christlichen Glauben im Land zu unterstützen. Es geht der EU nicht um Muttersprache und Vaterlandsliebe. Es geht der EU einfach darum, gegen die anderen mitteleuropäischen Nationen einen Gegenpart im Osten zu finden. Wohl wissend, dass nach einem Sieg der Ukraine die anderen renitenten Länder um Polen, Prag und Budapest einen weiteren Verbündeten haben. Dass ukrainischen Flüchtlinge es vorziehen, in Polen und Ungarn zu bleiben, lässt in Brüssel nichts gutes ahnen.

Die Regierung in Warschau kann von dieser totalitären EU ein Lied singen. Und von Russland sowieso. Warschau braucht keinen Präsident Wladimir Putin und keine Präsidentin Ursula von der Leyen. Warschau hält sich daher an die Großmacht, die weit entfernt liegt. In Polen weiß man: Großmächte hält man sich besser auf Abstand.

[Vollständiger Artikel]

Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.

Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte
unterstützen Sie mit einer Spende unsere
unabhängige Berichterstattung.

Abonnieren Sie jetzt hier unseren Newsletter: Newsletter

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Gravatar: Wolfram

In einem Krieg bleibt die Wahrheit zuerst auf der Strecke: da wird getäuscht, gelogen, verraten usw. , was das Zeug nur so hält - und FAKE-NEWS bzw. Fehlurteile massenhaft ausgesprochen - ist ja fast wie im Fußball !!!

Eigentlich sind Ukrainer und Russen im Prinzip alles Slaven - da ist nicht nur die Gorbatschow hoch und heilig zugesagte "NICHT-NATO-OSTERWEITERUNG" Schuld daran - EIN KLARER WORTBRUCH !!!

Und was sollten diese saudämlichen westlichen Aktionen während der Maidan-Aufstände ??? Oder die noch überflüssigeren NATO-Militär-Manöver in der Ukraine ??? Leider völlig überflüssige und naive Provokationen Russlands !!!

Und nun kommt noch die Hetze der Presse hinzu - quasi als 4. Gewalt im Stadt, als manipulative "Richterin".

Viele Tausend User regen sich jedes Wochenende über die vielen Schiri-Fehlentscheidungen in der Liga auf !!!
Natürlich ist das Verpfeifen der Spiele Absicht (aufgrund von "FALSCHEN TATSACHEN-ENTSCHEIDUNGEN") - und wenn sich dann die hoch bezahlte Schiri-Mafia (?) auch noch in die wahre Tabelle einlinkt, so lässt sich der ganze Mist hervorragend vertuschen. Der einen Mannschaft wird die Championsligue regelrecht "geklaut" zugunsten eines namhafteren Vereins. Eine andere Mannschaft wird kollektiv konspirativ in den Abstieg gedrängt - mit Helfershelfern von allen Seiten, obwohl sie bei fairen Entscheidung nie so tief gefallen wäre (Punkteklau schon über die ganze Saison bis zum Schluss - manchmal doch nur ein kl. Pünktchen - doch das summiert sich) - mit katastrophalen finanziellen und psychologischen Folgen) !!!

In der Politik ist es ähnlich. Man kann ein Land sehr gut und schnell ins Abseits reden und predigen !!! Die ausgestreckte Hand Russland haben die NATO, die EU, die USA und auch unsere Land zurückgewiesen - stattdessen diese dämlichen Sanktionen !!! Und jetzt Krieg. Und wer am längeren Hebel sitzt, der gewinnt. Im Sport sind es die Schiedsrichter, in der Politik die Powerkraft und Masse des Militärs. Russland wird natürlich den Krieg gewinnen und sich am Westen für die hohen Verluste rächen...

Und nun kommt der Casus Knacktus: alle Welt hat sich aufgeregt, dass die Russen trotz anfänglicher Leugnung nun doch einen Krieg angefangen haben und dass die Kriegsverbrechen in Butscha usw. als inszenierte Fakes verleugnet wurden.

Nun posaunt Selenskij im TV hinaus, er bzw. seine Männer hätten(n) seine eingeschlossenen Kämpfer in Mariupol befreit. Wow !!! Nun kommt heraus, dass sich die Kämpfer selbst ergeben hätten und nun (nach medizin. Versorgung) alle in russ.Gefangenschaft kommen und ihnen die Todesstrafe drohe !!! - Eine perfide ukrain.Lüge, die die eigenen Leute ans Messer liefert !!! Nix Gefangenenaustausch !!! Und massenhafte Fehlbeurteilungen der Presse !!! - Wie peinlich ist das denn !!!

Und gefoltert und gemordet wird mittlerweile auf beiden Seiten - nicht nur aus der russischen !!!

Im Fußball geht es nur ums Geld - doch im Ukraine-Krieg um Leben oder Tod !!!

Im Sport da kochen die Emotionen hoch, doch wenn unschuldige Menschen (auf beiden Seiten) abgeballert werden, da schalten wir wenig gerührt einfach um oder holen uns gelangweilt die nächste Tüte Chip und die nächste Flasche Bier ???

Auch die jungen russ. Soldaten sind Menschen und wurden unter dem Vorwand eine Militärübung in den Krieg gelockt oder gezwungen - viele wollten das gar nicht - hatten nichts mehr zu essen, Tank leer usw., baten die ukrain. Landbevölkerung um Hilfe und telefonierten mit daheim : "Mama, hol mich hier raus!" - Vergessen wir das nicht !!!

Man muss immer fair und gerecht bleiben.

Gravatar: Wutbuerger

Neuerdings lässt sich dieser Rauchgiftsüchtige Selenskyj sogar wie ein Heiliger auf Gebetskerzen verehren. Was lernen wir daraus? Alle Diktatoren und Despoten hielten sich für Götter oder auserwählte Messiasse. Der vorerst Letzte davon war Anton Schicklgruber alias Adolf Hitler, dessen Reich in einem Fiasko endete. Momentan will man das Fiasko an uns wiederholen indem man uns wieder in einen Krieg hetzt, der uns nichts angeht. Diesmal durch die USA, EU und eine neues mieses Regime.

Gravatar: Walter

Die Russen sollten die korrupte ukrainische Führung platt machen, Damit könnten weitere zivile Opfer verhindert werden. Eine Regierung die ihre eigene Bevölkerung für die Interessen einer fremden Macht opfert, hat ihre Daseinsberechtigung nicht verdient.

Gravatar: Ulrich Müller

Ob die Polen wirklich gut beraten sind mit ihren neuen US-Freunden, darf bezweifelt werden. Zu oft haben die Amerikaner ihre "Freunde" wie schmutzige Unterhosen fallen lassen!

Gravatar: Karl

Der „Diener des Volkes der Ukraine“ – Präsident Wolodimir Selenski, versprach während seines Israel-Besuches, Anfang April 2022: „…Die Ukraine wird zum Groß-Israel werden…“. Aber Selenski versprach auch, dass die neue Israel-Ukraine definitiv nicht liberal-europäisch sein wird. Im Klartext, die EU-Werte wird es im künftigen Ukraine-Israel nicht geben. Selenski wörtlich: „Die Ukraine wird definitiv nicht das sein, was wir von Anfang an wollten. Das ist unmöglich. Absolut liberal, europäisch – so wird sie nicht sein. Die Ukraine wird definitiv aus der Kraft eines jeden Hauses, eines jeden Gebäudes, einer jeden Person entstehen.“ Komisch. Wer bei uns die „EU-Werte“ ablehnt, wird regelmäßig als „Rechter oder gar gleich als Nazi“ beschimpft. Hallo, es ist Selenski, der die „EU-Werte“ offen ablehnt. Sind er und seine Clique in der ukrainischen Führung also doch die „Nazis“, von denen Präsident Putin spricht, wenn er als Kriegsziel die „Entnazifizierung“ der Ukraine nennt?

und sowas unterstützen wir ???

Gravatar: Karl

>> Selenskij sorgte kürzlich wieder in einer Rede für Aufsehen, in der er ausdrücklich sagte, die Ukraine plane, sich nach Kriegsende in Fragen der nationalen Sicherheit nach Israel, zu richten.Wenn Selenskij nun vom “großen Israel” auf europäischem Boden spricht, übernimmt er unkritisch israelische Narrative und macht die Palästinenser beziehungsweise die Russen automatisch zu einer Metapher des Bösen. <<
sollte man mal darüber nachdenken

Gravatar: Vasco da Gama

"Der Freiheitskampf der Ukraine ist der Kampf um die Freiheit Mitteleuropas. Sowohl Richtung Osten als auch Richtung Westen. Gegen kulturellen und ökonomischen Anmaßungen Russlands und der EU."

Welche kulturelle und ökonomische Anmaßungen sollen das sein?
Deutschland hat von Russland Gas bekommen weit unter dem Weltmarktpreis.
Russland hat den Osteuropäern nichts aufgezwungen.
Nach dem 2 WK. bekamen die ukr. Kollaborateure teilweise sogar Generalamnestie.
Und Russland kämpft zusammen mit Serbien in Europa gegen eine Islamisierung Europas. Das hatten auch serbische Politiker der Regierung schon mehrfach gesagt. Serbien betrachtet sich als das Bollwerk gegen die Islamisierung Europas und das völlig zu Recht!
Die NATO dagegen fördert die Islamisierung des Balkans: Siehe Kosovo oder Bosnien!

"Dass ukrainischen Flüchtlinge es vorziehen, in Polen und Ungarn zu bleiben, lässt in Brüssel nichts gutes ahnen."

Stimmt nicht!
Laut Umfragen wollen 80% aller ukr. Flüchtlinge , die jetzt in Polen udn Ungarn leben, nach dem Krieg wieder zurück in die Ukraine gehen.

Schreiben Sie einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang