„Bleibt mutig, kritisch und hoffnungsvoll“

Über die aktuelle Aufbruchstimmung gegen das Hygiene-Regime, Linke und Rechte, Wünsche, Hoffnungen und die eindrucksvollen Demonstrationen in Berlin. In was für verrückten Zeiten leben wir eigentlich? Ein Gespräch mit Gerda, aufgezeichnet am "Montag danach".

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Sina: Als wir gestern den Interview-Termin vereinbart haben, schienst Du noch ziemlich überwältigt von den Demos am Wochenende. Wie würdest Du Deine Eindrücke nach einer Nacht darüber schlafen schildern?

Gerda: Der Widerstand gegen das Regime ist erstmal gut. Ich finde den Ballweg nicht mehr überzeugend, da er Redner wie Thorsten Schulte und Dr. Spaniel ohne Begründung ausgeladen hat, dafür aber einem CDUler und einem Grünen die Möglichkeit gegeben hat. Ich habe das Gefühl, es wird noch eine Front eröffnet. Ob das das Ziel ist? Die unberechtigte Gewalt der Polizei, insbesondere beim Reichstag -- nur noch unterirdisch. Trotzdem denke ich, dass die Demo auch viel Positives bewirkt hat.

Sina: Was meinst Du mit "noch eine Front"?

Gerda: Links, rechts, ist klar. Querdenker hat für mich viele linke Strömungen, die ich nicht gut finde. Wir sehen ganz besonders in der letzten Zeit, dass das Leben immer beschwerlicher wird, gerade durch diese Aufsplitterungen. In meinem Umfeld sind alle Corona-"gläubig" und lassen auch keine andere Meinung zu.

Sina: Die Kundgebungen aus dem Umfeld von Querdenken sehen tatsächlich eher "links" aus, viele Teilnehmer würde man optisch vielleicht auf einer Anti-Kriegs-Demo oder dergleichen erwarten. Glaubt man den Altmedien, protestierten in Berlin aber fast nur Nazis, Reichsbürger, Spinner und Corona-"Leugner". Was ist da los?

Gerda: Für mich Mainstream-Lügen und Übertreibungen, die in keinster Weise stimmen. Ein paar Spinner gibt es immer, die für mich harmlos sind. Habe zwei Kommentare von wirklichen Patrioten gelesen, die sich fürs Land einsetzen. Ihr Fazit war: Nehmt eure Familie und verlasst das Land -- es ist sinnlos.

Sina: Und dennoch haben sie die Mühe auf sich genommen, gemeinsam mit Menschen zu demonstrieren, denen sie bei anderer Gelegenheit möglicherweise durch eine Polizeikette getrennt gegenüber gestanden hätten. Du hast Dir diese Mühe auch gemacht. Warum?

Gerda: Ich war nicht da; gehe wenn es sich ergibt, hier im Raum Stuttgart. Ja warum tut man sich das an? Weil die Hoffnung nicht aufgegeben werden darf. Wenn ich drüber nachdenke, was meine Eltern und Grosseltern, überhaupt alle dieser Generation, geleistet haben, um dieses schöne Land wieder herzustellen, kann man nicht aufgeben. Habe aber Verständnis für alle, die gehen.

Sina: Ich nehme an, dass bei den Demos in Stuttgart ein ähnlich gemischtes Klientel unterwegs ist?

Gerda: Ja, dieselben Leute -- Regenbogenfahnen, Deutschland-Fahnen, Verkleidete mit Aluhüten und viele Transparente mit verschiedenen Forderungen.

Sina: Das wäre vor einem Jahr noch, ungeachtet einiger Ansätze bei den "Gelbwesten", in Deutschland eher unüblich gewesen. Einerseits ist die Gesellschaft gespalten, wie Du schon sagtest, andererseits scheint es bei den Protesten kaum Berührungsängste zu geben. Kommt man da ins Gespräch oder ist das eher ein Nebeneinander?

Gerda: Wenn man das möchte, kann man sich schon austauschen. Ich war aber immer mit Bekannten dort und somit hatte ich meine Gesprächspartner dabei. Wir sind auch immer gemeinsam gefahren.

Sina: Es hat den Anschein, als würden die üblichen Fronten im Angesicht der Krise an Bedeutung verlieren. Wenn in Berlin beispielsweise ein Robert F. Kennedy Jr. eine Rede hält, die man eher von Donald Trump erwartet hätte, und zugleich die (Anti)fa für mehr staatliche Repression mobilisiert -- kommt mir das nur so vor, oder ist das ernsthaft verwirrend?

Gerda: Das ist verwirrend, es gibt hier sicherlich viele Überschneidungen von Rechts und Links. Alle wollen aber die Beendigung dieser Maßnahmen.

Sina: Man könnte also sagen, dass die Regierung mit ihren Abstandsregeln versehentlich die Menschen im Land einander näher gebracht hat?

Gerda: In gewisser Weise und bestimmten Punkten schon.

Sina: Am Ende der DDR war der Überdruss bezüglich des amtierenden Regimes auch stärker als alle Unterschiede bei den Unzufriedenen. Denkst Du, die aktuellen Demonstrationen könnten eine ähnliche Eigendynamik entwickeln, oder verpufft das wieder?

Gerda: Das System der DDR war ein enger Raum und wir hatten immer das Vorbild der BRD vor Augen. Die Leute wussten, wenn das vereint wird, das es besser wird. War auch so. Heute ist das anders. Das wird, glaube ich, nicht von der korrupten EU aufgefangen. Es wird verpuffen... aber wissen kann es keiner.

Sina: Das stimmt, die Alternative war zum Greifen nah (und doch so fern, hätte ich fast gesagt). Wer "raus" wollte, kam irgendwie raus, wenn auch unter Einsatz (oder Verlust) des eigenen Lebens. Aber diesmal gibt es kein zweites Deutschland, in das man fliehen könnte. Was sollte idealerweise bei den Protesten herauskommen? Reicht ein Ende der Corona-Maßnahmen?

Gerda: Das wird ein Teil der hoffentlichen Wiederherstellung von Deutschland sein. Der Dominoeffekt, der nach den Maßnahmen einsetzte, ist verheerend. Ob der wieder rückgängig gemacht werden kann? Ich denke, dass die Proteste sich entschleunigen werden.

Sina: Das fände ich schade. Was würdest Du den Menschen sagen, die sich mit der "neuen Normalität", mit dem Verlust von Grundrechten und Selbstverständlichkeiten, abgefunden haben, denen es egal ist, oder die das sogar gut finden (warum auch immer) -- wenn sie Dir zuhören würden?

Gerda: Ich finde es auch schlimm, auf all das zu verzichten, was einstmals mühevoll aufgebaut wurde. Wenn die ängstliche Menschheit den Regierenden freiwillig ihre Grundrechte opfert, dann werden sie es irgendwann bereuen. Ich würde ihnen sagen, dass es der falsche Weg ist.

Sina: Angst war schon immer die Freundin der Macht. Ich würde hier langsam den Sack zumachen. Möchtest Du den Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?

Gerda: Bleibt weiterhin mutig, kritisch und hoffnungsvoll, und lasst euch nicht unterkriegen.

Sina: Ein schönes Schlusswort, dem ich mich gerne anschließe! Danke für das Gespräch.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Sam Lowry

Ich sags ungern, aber meine Hoffnung auf irgendetwas ist gleich, kleiner Null. Da kommt nichts mehr Positives.

Sicher.

Selig sind die, die nichts erwarten. Denn genau das werden sie erhalten...

Gravatar: Popo Club Berlin

Was sollte es, sowieso unter Mutti, der GröGaZ, der größten Gesetzesübertreterin und Vertragsbrecherin aller Zeiten ...

https://www.youtube.com/watch?v=oHQc3tltKkU

... und dem Spahnferkel ...

https://www.youtube.com/watch?v=CT8NegEYwKI ,

... auf die Dauer schon anderes geben, als eine kollektive Regression in die anale Phase ...

https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schuld_(Ethik)&oldid=132603218#Lebensf.C3.BChrungsschuld_und_moralische_Bewertung .

Die Deutschen bitten inzwischen doch darum, in den A. gef. zu werden. Es ist alles Sch., und das System ist auf gut Deutsch buchstäblich am Arsch ...

https://www.youtube.com/watch?v=CHCEDv6XCO8&feature=youtu.be&t=106 .

Gravatar: karlheinz gampe

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