„US Global Hegemony“

USA: Weltmacht der Militärbasen

Was für das Britische Empire die Kolonien waren, sind für die USA die weltweiten Militärbasen. Sie sichern die globale Kontrolle und die Möglichkeit, überall jederzeit eingreifen zu können.

Foto: US Army Africa/flickr.com/CC BY 2.0
Veröffentlicht: | Kategorien: Reportagen, Reportagen - Empfohlen | Schlagworte: China, Deutschland, Diego Garcia, Geotrategie, Großbritannien, Hegemonie, Japan, Militär, Militärbasen, Militärstützpunkte, NATO, Naher Osten, Ostasien, Pazifischer Ozean, Pentagon, Russland, Saudi-Arabien, Südkorea, Taiwan, Thalassokratie, USA, Weltmacht
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Das Britische Empire des späten 19. Jahrhunderts war hinsichtlich seiner Fläche und Einwohnerzahl die bis dato größte Weltmacht der Geschichte. Britische Schiffe segelten auf allen Weltmeeren. Auf jedem Kontinent waren die Briten präsent. Großbritannien dominierte den Handel und konnte dank der Flotte weltweit in die Affären anderer Länder eingreifen. Was in der Antike die Thalassokratie Athens innerhalb der Ägäis war und von den Römern auf das gesamte Mittelmeer (Mare Nostrum – Unser Meer) übertragen wurde, galt für das Britische Empire global.

Heute existiert das britische Kolonialreich nicht mehr. Doch die angelsächsische Vorherrschaft ist geblieben. Das politische Machtzentrum hat sich lediglich von London nach Washington verschoben. Statt Kolonien gibt es nun weltweit Militärstützpunkte und indirekte Einflusseinnahme auf die inneren Angelegenheiten der meisten Länder dieser Erde.

Globale US-Präsenz dank Militärbasen

Die Vereinigten Staaten von Amerika unterhalten global mehr als 700 Militärbasen. Im Jahr 2009 waren rund eine Viertelmillion US-Soldaten in insgesamt 38 Ländern stationiert. Doch das sind nur die offiziellen Militärbasen. Insgesamt sind die USA in mehr als hundert Staaten militärisch präsent. Hierzu gehören zahlreiche Stützpunkte, die nicht offiziell als Militärbasen gewertet werden, auf welche die USA jedoch jederzeit zugreifen können oder dort anderweitig präsent sind.

Der Unterhalt der Militärbasen und Stützpunkte trägt erheblich zu den hohen Kosten des Pentagons bei. Der US-Militärhaushalt ist seit Jahrzehnten der mit Abstand höchste der Welt und war zeitweise sogar höher als jener der restlichen Welt zusammen. Doch auch nach den neuen Rüstungsprogrammen der Chinesen und Russen stehen die US-Amerikaner hinsichtlich ihrer Rüstungsausgaben immer noch an einsamer Spitze. 2013 betrug der US-amerikanische Rüstungshaushalt etwa 640 Milliarden US-Dollar.

Geopolitische Schwerpunkte in Europa, Ostasien und im Mittleren Osten

Das Pentagon hat die Welt in Verantwortungsbereiche aufgeteilt. Für die Verteidigung Nordamerikas ist NORTHCOM zuständig. Die US-Interessen in Europa und gegen Russland vertritt ESEUCOM. USCENTCOM ist für die Sicherung der Ressourcen im Nahen und Mittleren Osten zuständig. USPACOM sichert für die USA Ostasien und den Pazifischen Ozean. Personell und finanziell am geringsten ausgestattet ist USAFRICOM, das für Afrika (ohne Ägypten) zuständig ist.

Die größten auswärtigen Militärbasen und Stützpunkte der USA befinden sich in Europa, in der Golfregion und in Fernost. Zu den zahlreichen US-Militärbasen in Deutschland gehören unter anderem Kaiserslautern und die Air Base in Ramstein sowie das United States European Command in Stuttgart. Mehrere Basen und Stützpunkte unterhalten die USA in Großbritannien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Griechenland, Italien, Spanien und im Kosovo.

Von aktueller geostrategischer Bedeutung sind zurzeit die Basen und Stützpunkte am Persischen Golf, dort insbesondere in Kuwait, Bahrain, Saudi Arabien, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Unterstützt werden Operationen in der Golfregion auch von dem sicheren US-Stützpunkt auf Diego Garcia, einem Archipel der Tschagos-Inseln inmitten des Indischen Ozeans.

In Ostasien ist die US-Präsenz besonders in Japan, Südkorea und Singapur zu spüren. In Südkorea sind rund 25.000 und in Japan etwa 35.000 US-Soldaten stationiert. Die japanische Insel Okinawa ist der wichtigste US-Stützpunkt in Ostasien und ein zentraler Dreh- und Angelpunkt für die Kontrolle des Meeres zwischen China, Korea, Japan und Taiwan. Ein anderer wichtiger Stützpunkt ist die Insel Guam im Westpazifik.

Zu den eigentlichen US-Stützpunkten kommen noch die Militärbasen der verbündeten Staaten, die oftmals unter US-Beratung stehen. Dabei handelt es sich nicht nur um NATO-Staaten, sondern auch um zahlreiche andere Länder, mit denen die USA bilaterale Abkommen geschlossen haben. Somit haben die Vereinigten Staaten immer einen Fuß in der Tür, falls in der Region US-Interessen durchgesetzt werden müssen.

Russland und China zum Vergleich

Russlands auswärtige Militärbasen beschränken sich lediglich auf die Länder der ehemaligen Sowjetunion und auf den syrischen Hafen Tartus, der mittelfristig durch Anlaufstellen auf Zypern ersetzt werden soll. Zurzeit soll die Russische Föderation insgesamt 25 Militärbasen und Stützpunkte außerhalb ihres Hoheitsgebietes unterhalten. Die meisten davon waren vormals innersowjetische Militärbasen zur Landesverteidigung. Die russischen Militärbasen in den Ländern des Warschauer Paktes sind allesamt verlassen. Doch selbst wenn man die Stützpunkte in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion als ausländische Militärbasen definiert, hat Russland an Stützpunkten nicht einmal ein Dreißigstel dessen, was die USA unterhalten.

Noch weniger auswärtige Militärstützpunkte hat China – nämlich gar keine. Das chinesische Militär ist lediglich im eigenen Lande oder auf Inseln im eigenen Hoheitsgewässer stationiert. Dennoch sorgt man sich in den USA über die chinesische Aufrüstung. Chinesische Bomber könnten in der Lage sein, US-Stützpunkte zu erreichen.

Eine sinnvolle Frage ist, wie die Welt aus der Perspektive Russlands und Chinas aussieht. Sie müssen die US-Militärpräsenz vor der eigenen Haustür akzeptieren. Die Chinesen wissen sehr wohl, dass die mächtige US-Präsenz in Südkorea und Japan nicht gegen Nordkorea gerichtet ist, sondern geostrategisch gegen die Volksrepublik China.

Scherzfrage: Ob die USA im Gegenzug bereit wären, chinesische und russische Militärbasen in Mexiko und Kanada zu akzeptieren?

Kommentare zum Artikel

Gravatar: Jens

Danke für den interessanten Beitrag der gleichzeitig die Scheinheiligkeit und Gefährlichkeit der USA aufzeigt!

Gravatar: MAX

Die USA/UK betreiben das weltweit grösste Spionagenetz
und bauen die Überwachung weiter aus.
Damit sichern sie ihre Macht durch Informationsvorsprung
gegenüber anderen Staaten.
Dieses Überwachungssystem bedeutet wirtschaftliche und militärische
Überlegenheit und wird gnadenlos ausgenutzt.

Gravatar: Reiner Schöne

Alles richtig, nur was wäre wenn Russland mehr Geld hätte? Eine Grobalisierung militärisch gesehen, geben sich die zwei bzw. drei Weltmächte nicht viel. Jeder von den dreien hat einen Expansionszwang und jeder von den dreien hat seinen Stil. Wie geschrieben, es macht keinen Unterschied.

Gravatar: Andreas Sommer

In der Überschrift heisst es " überall jederzeit eingreifen ". Angreifen müsste es richtigerweise heissen.

Gravatar: Kowalski

Interessante Zahlen. Aber sie machen mir keine Angst. Oder haben die USA seit Ende des 2.Weltkrieges jemals andere Staaten besetzt und die Menschen dort unterdrückt? Waren sie nicht, im Gegenteil, gerade bei uns und in den Zeiten des kalten Krieges der Garant für unsere Freiheit?

Gravatar: Anton Aman

Auf Grund der Destabilisierung von Libyen und nun von
Syrien zeigt sich die Fratze der "US-Demokratisierung"
die im Grunde die Destabilisierung (Asylantenstrom) Europas nach sich zieht! Es ist unverständlich, dass die USA seit dem I.Weltkrieg Europa in Griff genommen hat und unsere nationalen und auch EU-Politiker sich in eine
beängstigende Abhängigkeit manövrieren liessen!!
Das weltweite Netzwerk von US-Stützpunkten muss
unterbunden werden!

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