Thilo Sarrazin: Buchvorstellung in Potsdam

24. Mai 2012, 11:57 | Kategorien: Politik, Wirtschaft | Schlagworte: , , , | von Redaktion
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Redaktion FreieWelt.net

Am Dienstag stellte Thilo Sarrazin sein neues Buch „Europa braucht den Euro nicht“ im Nikolaisaal in Potsdam vor. Trotz des für eine Buchvorstellung hohen Preises war der Saal gut gefüllt und in der letzten Reihe hatten sich zahlreiche Kamerateams positioniert.  Vor dem Gebäude warteten Mannschaftswagen auf Gegendemonstranten. Es blieb aber ruhig. FreieWelt.net war vor Ort, um sich ein Bild von seinen Thesen zu machen.

Sarrazin begann den Abend und seinen Einführungsvortrag mit historischen Betrachtungen über den geistigen Vater des Euro, Helmut Kohl. Er stellte fest: Kohl hatte nicht die geringste Ahnung von Wirtschaft. Seine Entscheidungen wären ausschließlich politisch motiviert gewesen. Doch selbst Kohl habe gesagt, eine gemeinsame Währung könne nur in einer politischen Union funktionieren. Da es diese nicht gab, hoffte man, die gemeinsame Währung würde dieselbe erzwingen.

Doch wie ist es zu erklären, dass Politiker sich auf den unvernünftigen Euro eingelassen haben, fragte Sarrazin und gab sogleich die Antwort. Leider sei es so, dass die meisten Menschen in Bildern denken. Das Bild eines geeinten Europas hatte einen starken Reiz auf die Menschen und auch auf Spitzenpolitiker wie Kohl. So wurden praktische Bedenken einfach ausgeblendet.

Auch Merkel würde sich wenig für die Argumente interessieren. Sie sage nie, „der Euro hat Vorteile.“ Stattdessen mache sie den Menschen Angst indem sie ihr Mantra herunterbetet: „Scheitert der Euro scheitert Europa.“ Dies ist laut Sarrazin schlicht falsch. Keiner der vielbeschworenen Vorteile, wie etwa Frieden, Wohlstand und Arbeit, sei vom Euro abhängig. Nichts davon gerate in Gefahr, wenn ein oder mehrere Länder aus der Einheitswährung  austreten.

Die Forderung nach einem Marschall-Plan für Griechenland entlarvte Sarrazin als absurd. Gemessen am BIP hätten die Hellenen bereits das Fünfzehnfache dessen erhalten, was Deutschland von Amerika ausgezahlt wurde. Diese Gelder seinen im korrupten griechischen System versickert.

Desweiteren sorgte Sarrazin für Erstaunen als er sich zu dem Traget-2-System äußerte. Durch dieses interne Verrechnungssystem zwischen den europäischen Notenbanken würden sich jedes Jahr für die die Bundesbank Forderungen in Höhe von 200 Milliarden anhäufen. Dies sei mehr als der derzeitige Wert aller deutschen Goldreserven und könne höchstens noch ein oder zwei Jahre gut gehen.

Auch seine in den allermeisten Medien verrissene These, nach der die Deutschen den Euro als Sühne für den Holocaust betrachten, gab Sarrazin zum Besten.  Bezeichnenderweise war dies die einzige für die er keinen Applaus erntete. Nicht ein einziges Paar Hände wurde zusammengeschlagen. Große, teilweise euphorische Zustimmung erhielte er aber immer dann, wenn er objektiv und mit Sachkompetenz den Irrsinn der „Eurorettung“ aufzeigte.

(O.S)

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