Porträt Elisabeth Tuider

Sachlich auseinandergesetzt

Eine Professorin aus Kassel wird von einem Publizisten übel geschmäht und ist schockiert. Doch warum eigentlich? Ihre Thesen zur »Sexualpädagogik der Vielfalt« sind selbst schockierend.

Foto: Stephan Roehl / boellstiftung / flickr.com / CC BY-SA 2.0 (Ausschnitt)
Veröffentlicht: | Kategorien: Reportagen | Schlagworte: Akif Pirinçci, Elisabeth Tuider, Familie, Gender, Jugendliche, Kinder, Kritik, Sexualpädagogik der Vielfalt
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»Eine Wissenschaftlerin der Universität Kassel ist in den Sozialen Medien gegenwärtig diffamierenden Schmähungen ausgesetzt«. So beschwert sich die hessische Hochschule in einer Pressemitteilung. Wer nicht weiß, um wen es geht, wird somit erst einmal zur Eigenrecherche ermutigt.

Dem, der dazu keine Lust hat, sei gesagt, dass die Geschmähte Elisabeth Tuider heißt und seit 2011 den Lehrstuhl »Soziologie der Diversität unter besonderer Berücksichtigung der Dimension Gender« besetzt. In dieser Funktion forscht die Professorin mit ihrem Team zu Geschlechterbeziehungen und »Vielfalt der Lebensweisen«. Tuider »arbeitet, lebt, engagiert sich und liebt in unterschiedlichen Städten Deutschlands sowie Europas und Lateinamerikas«, so ihre Selbstbeschreibung. Und in der Tat, die 1973 geborene Dozentin ist schon ziemlich weit rumgekommen: Studium in Wien, Promotion in Kiel, Habilitation in Münster, eine erste Professur in Hildesheim und nun der Job in Kassel.

Man würde nicht auf Anhieb darauf kommen, dass so der Lebenslauf einer »Berufsperversen« aussieht. Doch Katzenkrimi- und »Skandalbuchautor« Akif Pirinçci unterstellt genau dieses. Ferner spekuliert er, nicht an der ehrwürdigen Wilhelms-Universität, sondern »offenkundig in einem arabischen Puff« habe Frau Tuider ihre Lehrberechtigung erlangt. Deren heutige Wirkungsstätte, die Universität Kassel, sieht darin mit einigem Recht »persönliche Angriffe«, die den »Regeln des angemessenen Umgangs« widersprächen. Gleichwohl werde sich die Wissenschaftlerin natürlich »einer kontrovers geführten Auseinandersetzung mit Ergebnissen ihrer Forschungstätigkeit stellen, solange sie sachlich geführt wird«.

Vielleicht sollte man das Angebot einfach einmal aufgreifen. Und zwar jenseits einer bewusst auf Krawall gebürsteten Diskussion, bei der es vor allem um Aufmerksamkeit und um Auflage geht. Um dann am Ende zu schauen, ob und wenn ja wie weit Akif Pirinçci mit seinem Urteil neben der Wahrheit liegt.

Grau ist alle Theorie

Gegenstand der Debatte ist vor allem Tuiders Lehrbuch »Sexualpädagogik der Vielfalt. Praxismethoden zu Identitäten, Beziehungen, Körper und Prävention für Schule und Jugendarbeit«. Das Werk wurde bereits im Jahre 2008 herausgegeben und ist dann 2012 in zweiter, überarbeiteter Auflage neu erschienen. Tuider und ihre Koautoren verlangen darin, herkömmliche Methoden der Sexualkunde durch »praktische Übungen« zu ergänzen. Insgesamt siebzig Anregungen hierzu sind in ihrem Buch enthalten.

Kritiker der Professorin stören sich vor allem an ihrem „Sex-Quiz«, das die Schüler mit Begriffen wie »Vakuumpumpe« und »Gangbang« vertraut machen will (ab zwölf Jahren). Besonders umstritten ist auch die Übung »Das erste Mal«, die Jugendliche anhält, Analsex »als Theaterstück« darzustellen (ab dreizehn Jahren). Im Rahmen des Rollenspiels »3 – 2 – 1 – Deins« werden Vierzehnjährige ermutigt, Häkeldeckchen und Vaginalkugeln für ein Mietshaus zu ersteigern. Dieses beherbergt »eine alleinerziehende Mutter, ein heterosexuelles kinderloses Paar, ein schwules Paar, ein lesbisches Paar mit zwei Kindern, ein Seniorenpaar, eine Wohngemeinschaft mit drei Behinderten und eine Spätaussiedlerin aus Kasachstan«. Ab Fünfzehn schließlich darf man sich dem Projekt »Ein Puff für alle« widmen. Dabei sollen die Präferenzen weißer, heterosexueller Männer ebenso berücksichtigt werden wie jene von muslimischen und katholischen Frauen sowie von transsexuellen Lesben (was immer man sich darunter vorstellen mag).

Was wären darob die Themen einer »kontrovers geführten Auseinandersetzung«, die »sachlich geführt wird«?

Pirinçci unterstellt Tuider und ihren Mitstreitern, sie würden sich »beim Gedanken an Lolita- und Knabensex aufgeilen«. Nun gibt es tatsächlich keinen konkreten Anhaltspunkt, die eine derart ehrenrührige Unterstellung rechtfertigen würde. Doch sollten sich die Professorin und ihr Team schon einmal fragen, welche Klientel sie denn auf den Plan rufen, wenn Sexualpädagogik dergestalt erteilt wird. Wem wird ein Anreiz geboten, diese Art von Unterweisung erbringen zu wollen? Wer wird versuchen, seine Neigungen auf diesem Wege zu kanalisieren? Und wer werden die Leidtragen sein, falls der Versuch misslingt? Die vorgeschlagenen »praktischen Übungen« überschreiten definitiv Grenzen, an deren Einhaltung gerade der Sexualpädagogik gelegen sein muss.

Noch schwerer wiegt der Gedanke, wie wohl jugendliche Teilnehmer solcher Lehreinheiten den so gestalteten Unterricht empfinden werden. Tatsache ist, dass zumindest im schulischen Rahmen ein Antrag auf Befreiung seitens der Eltern kaum Erfolg haben dürfte. Und auch die Schüler können sich nicht selbst befreien, zumindest nicht auf regulärem Wege. Der einzelne Minderjährige befindet sich also faktisch in einer Situation, in der er einer Lehrkraft ausgeliefert ist. Einer Lehrkraft, die ihn dazu nötigt, szenisch Analverkehr darzustellen. Wie groß ist da noch der Unterschied zum Besuch beim netten Onkel, der mit freundlichen Worten dazu einlädt, doch mal gemeinsam einen Film zu gucken? Missbrauchserfahrungen umfassen objektive, aber auch subjektive Elemente, wie Prof. Tuider sehr wohl weiß. Wie kann es sein, dass dieselben Leute, die einen »Aufschrei« veranstalten, wenn zwei Erwachsene weit nach Mitternacht an einer Hotelbar über Dirndl plaudern, überhaupt nichts dabei finden, wenn sie ihrerseits halbe Kinder mit Vaginalkugeln bedrängen?

Realität, die keine ist

Elisabeth Tuider argumentiert, sie würde die genannten Themen ja gar nicht selbst aufs Tapet bringen, sondern lediglich aufgreifen, was auf den Schulhöfen heutzutage eh diskutiert werde. Damit folgt sie derselben Logik wie der bambibepreiste Bundestagspraktikant Bushido, wenn er über die »Realität der Straße« schwadroniert. Doch natürlich erzeugt man so auch Wechselwirkungen, und es macht einen riesigen Unterschied, ob etwas auf der Ebene von Jugendlichen verbleibt oder ob es von Erwachsenen übernommen und damit in der Wahrnehmung Heranwachsender mit einem »OK« versehen wird.

Hinzu kommt, dass das Tuider-Buch wie so viele Publikationen aus der Genderforschung von einer Realität ausgeht, die die Wirklichkeit der Allermeisten überhaupt nicht abbildet. Drei Viertel der Mädchen und Jungen wachsen auch im Deutschland des Jahres 2014 bei ihren Eltern auf, ein weiteres Fünftel bei einem alleinerziehenden Elternteil. »Regenbogenfamilien« oder polyamore Gruppenbeziehungen mögen an ein paar Lehrstühlen unter dem Mikroskop seziert werden; im alltäglichen Leben sind sie so gut wie inexistent.

Und schließlich: Wer sagt eigentlich, dass die vielen hunderttausend Kinder und Jugendlichen, die in ganz herkömmlichen Familienstrukturen aufwachsen, die wenigen ihrer Altersgenossen, bei denen das nicht so ist, deshalb beschimpfen und beleidigen? Vielleicht bedarf es ja gar nicht ihrer Umerziehung durch die Sexualpädagogik, weil gerade die traditionelle Familie Anstand und Respekt vermittelt, gerade auch gegenüber jenen, die ganz anders leben. Tuider dagegen macht so ziemlich jeder Lebensspielart ihre Aufwartung – außer Müttern und Vätern, die selbstverständlich vom Prinzip der Heteronormativität in den Geschlechterbeziehungen ausgehen und dies ihren Kindern auch so weitergeben. Pirincci meint, es gehe der Professorin um die »Zerstörung der Familie«. Liegt er da völlig falsch?

Zu einer »einer kontrovers geführten Auseinandersetzung«, die »sachlich geführt wird«, ist Elisabeth Tuider nach dem Bekunden ihrer Hochschule bereit. Bedauerlich, dass ihre Kollegin Paula-Irene Villa Kritiker von vornherein als »Modernisierungsverängstigte« brandmarkt, »die sich gegen eine Pluralisierung wehren«. Schade, dass der Vorstand der »Fachgesellschaft Gender« potentiellen Diskussionspartnern pauschal ein »autoritäres, hierarchisches und doktrinäres Verständnis von Wissenschaft und Gesellschaft« unterstellt, das »gezielt rassistische und nationalistische Ressentiments« schüren wolle. So kann ein ehrlicher Dialog leider kaum gelingen.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Karin Weber

Gender ist KEINE Wissenschaft, sondern purer Stuss.

Hochschulen und Universitäten, die so was beherbergen und fördern, die gehören auf einen Index. Jungen Menschen sollte öffentlich vom Studium an solch einer Einrichtung abgeraten werden. Diese "Bildungsabschlüsse" werden sich eines Tages als vollkommen wertlos erweisen. Erinnert sei an die Nicht-Anerkennung von DDR-Bildungsabschlüssen ehemals systemstabilisierender Fächer.

Liebe junge Leute, studiert etwas in einer technischen oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung, auch genderfreie Medizin wäre möglich, aber Finger weg von allem was Gender-Ideologie-behaftet ist.

Gravatar: Lena

Diesen Zoff gönne ich der illustren Dame ohne Bedenken. Der Widerspruch zu ihren perversen Thesen und ihrem gefährlichem Rumwursteln in der Erziehung der Kinder kann gar nicht groß genug sein.

Gravatar: P.Feldmann

Genau bis da: "Übung »Das erste Mal«, die Jugendliche anhält, Analsex »als Theaterstück« darzustellen (ab dreizehn Jahren)" habe ich gelesen und dann beschlossen, dass diese Gender-"Frau" ihren Kram allein auslöffeln muss (ebenso wie eine "Universität"-ja wohl ehr ein Eulogismus für eine Anstalt öffentl.Indoktrination- , die so blödsinnige "Lehr"stühle auf Steuerkosten auslobt!).
Ob das mit dem arabischen Puff stimmt, kann ich nicht beurteilen, aber die Richtung dürfte stimmen.

Die Rot-Grün LBTSI Lobby begradigt nicht nur gerade kanalmäßig das öffentliche Denken, sondern planiert auch den akademischen Status in einem Maße wie das nur Banausen können: einen derartigen Schaden richtet kein Plagiator der Welt an!

Gravatar: Dr. Gerd Brosowski

Zwar können Eltern ihre Kinder nicht einfach vom Sexualkundeunterricht abmelden, wie es im Fall des Religionsunterrichts möglich ist, aber die Elternvertretung hat sehr wohl Mitwirkungsrechte bei der Gestaltung dieses Unterrichts. Wie weit diese Rechte gehen, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden, aber ein entschlossener Widerstand gegen die beschriebenen Einfälle der Gendersekte ist sicher überall möglich. Falls ein Schultmitgestimmungsgesetz nur schwache Möglichkeiten zur Mitwirkung hergibt, sind die Parlamentarier gefragt. Statt Reden gegen die Genderei zu halten die Rechte der Eltern stärken! Die werden sich zu wehren wissen.

Gravatar: Michael Klein

Frau Tuider ist ein gutes Beispiel für Personen, die der Staatsfeminismus in Positionen an Univeristäten gehievt hat. Sie scheint eine Welt für sich selbst zu bewohnen, die mit der Realität keinerlei Verbindung hat und Sie zeichnet sich als jemand aus, der von Soziologie nun wirklich ÜBERHAUPT keine Ahnung hat. Hätte Sie Ahnung, Sie wüsste von einem Klassiker der Soziologie (H. Garfinkel), dass man tief sitzende moralische Überzeugungen nicht ungetraft verletzt. Wäre Sie Soziologin, Sie hätte nicht Ihre ideologische Überzeugung im Blick, sondern z.B. Fragen wie: Welchen Effekt hat es auf die Kinder, wenn man Ihnen im Alter von 13 Jahren Analverkehr nahebringt., kurz: SIe hätte Verantwortungsbewusstsein. Aber Frau Tuider ist über die Fahrkarte des Genderismus an die Universität gelangt und hat entsprechend von Wissenschaft keine Ahnung, dafür umso mehr von Ideologie. Sie ist Teil eines Versuches, die Soziologie und mit ihr alle Sozialwissenschaften zu diskreditieren, eines sehr erfolgreichen Versuches, der vermutlich nicht zufällig die Soziologie als die Sozialwissenschaft trifft, die vor dem Einfall des Genderismus methodisch und methodologisch am weitesten entwickelt war und aus der fundierte Forschungsergebnisse gekommen sind, die die Herrschaftsverhältnisse in Frage gestellt haben.

Nachdem wir zu den ersten gehört haben, die über Pirinccis Take von Frau Tuider berichtet haben, haben wir die zwischenzeitlich erfolgte Stellungnahme des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie zum Anlass genommen, um die Situation der Deutschen Sozialwissenschaften grundlegend aufzuarbeiten:

http://sciencefiles.org/2014/07/28/die-zerstorung-der-soziologie-als-wissenschaft-oder-warum-machen-soziologen-nicht-den-mund-auf/

Gravatar: pit

Guter Rat! Auf jeden Fall alle Möglichkeiten des Widrstandes susnutzen!

Gravatar: mestro

"Sie scheint eine Welt für sich selbst zu bewohnen, die mit der Realität keinerlei Verbindung hat."
Dummer Weise knüpfen die Politiker aus solchem Irrsinn dann aber doch eine Verbindung zur Realität. Kein Quatsch ist zu groß, um mit ihrer Hilfe nicht doch wahr zu werden. Darum wehre man allen Anfängen, auch wenn sie erst nur eine spinnerte Idee sind.

Gravatar: Wolle Pelz

Ich bin selbst alleinerziehender Vater und weiß, wie sehr mein Sohn sich in seiner eigenen Sphäre verletzt fühlt, wenn man ihm sexuelle Dinge aufzwingt.

Ich befürchte, Eltern werden einen solchen ideologischen Unterricht abwarten müssen, um dann Anzeige wegen sexueller Belästigung ihrer Kinder stellen zu müssen.

Dann allerdings mussten die Kinder schon durch diese Belästigung leider durch - Staatsfeminismus sei Dank.

Gravatar: Andreas Sommer

Diese "proffessorin" macht aus ihrer Sicht genau das Richtige. Um in der Gesellschaft nicht als sexuell pervertiert oder krank angesehen zu werden muss man nur dieselbige auf die eigene Ebene herabziehen. Das gelingt am besten bei wehrlosen Menschen....sprich Kindern.
Abstossend und unmoralisch. Wahrscheinlich grün.

Gravatar: Peter Schaefer

Es hilft sicherlich in Diskussionen weiter, wenn Frau Tuider die Spiele alle mal vorspielt. Schließlich können wir da alles was lernen und Heute mit youtube und so ist das doch alles kein Ding und schnell gemacht ...
Wenn sie Spielpartner für den Analverkehr sucht, kann sie sicherlich Akif nach der Adresse von dem arabischen Puff fragen.

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