Forscher, Konzerne, Geheimdienste und Militärs arbeiten an der Welt der Zukunft

Gefährliche Tendenzen: Transhumanismus und Auflösung der sozialen Gefüge

Wenn der Mensch seiner sozialen Gefüge entrissen und vollkommen individualisiert ist und wenn die Technik die Komplettierung des individuellen Menschen vorangebracht hat, dann werden neue Machtgefüge die Menschheit zusammenhalten. Die Ideen sind eher Dystopien als Utopien. Doch sie können schneller Wirklichkeit werden, als einem lieb ist.

Foto: Pixabay
Veröffentlicht: | Kategorien: Reportagen, Reportagen - Empfohlen, Sidebar - Empfohlene Beiräge, Startseite - Empfohlen | Schlagworte: Arbeitswelt, Biotechnologie, Geheimdienste, Informationstechnologie, Nanotechnologie, Transhumanismus
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Es gibt Bereiche in der Technologie, die seit Jahren stagnieren. Flugzeuge sind mit besserer Elektronik ausgestattet. Doch deutlich schneller und komfortabler als in den 1970er Jahren reisen wir trotzdem nicht. Dabei hieß es damals, im Jahre 2000 würden wir alle mit Überschallgeschwindigkeit reisen.


Auch in der Weltraumfahrt prägt Stagnation das Bild. Nach den sechs erfolgreichen Mondlandungen in den Jahren 1969 bis 1972 hat es keine großen Erfolge der bemannten Raumfahrt mehr gegeben. Auch damals hatte man geglaubt, dass bis zum Jahre 2000 die ersten Menschen auf dem Mars landen würden. Wieder war es eine Fehleinschätzung.


Umso erstaunlicher sind dagegen die Fortschritte in der Mikrotechnologie und in der Nanotechnologie. Die Vernetzung des Wissens und der Zuwachs an gesammelten und zugänglichen Informationen entwickelt sich expotentiell. Heute kann jeder das gesammelte Wissen der Menschheit via Smartphone oder Uhr abfragen. Vorbei sind die Zeiten, als man einen behäbigen Computer mit sich schleppen musste. Die Digitalisierung ist omnipräsent. Unser ganzer Haushalt, unser Verkehr, unser Berufsleben soll digital kontrolliert und gesteuert werden. Hinzu kommt die Virtualisierung der Wirklichkeit.


Der Schritt zur Implementierung des technologischen Fortschritts, um die Menschen selbst in ihren Fähigkeiten perfekter zu machen, ist nicht weit. Für Otto Normalverbraucher und Max Mustermann ist dies noch Utopie. Doch für die Wissenschaftler in den technologischen Instituten und den Entwicklungsingenieuren in den Technologiekonzernen ist die Arbeit daran längst Alltag. Viele Menschen haben bereits Mechanik und Elektronik am und im Körper, und sei es nur der Herzschrittmacher oder das Hörgerät, das künstliche Gelenk oder Kontaktlinse im Auge. Der Schritt zum implantierten Mikrochip ist nicht groß.


Die Mischung aus Forschung und Philosophie, die an der künstlichen Erweiterung unserselbst arbeitet, wird unter dem Regenschirmbegriff Transhumanismus kategorisiert. Über die Idee des Humanismus hinaus wird es in Zukunft um Wesen gehen, die durch Wunderwerke der Technik ergänzt sind. Wir werden zu Cyborgs. Die Grenzen der Biologie werden eingerissen. Dank des medizinisch-genetischen und biotechnologischen Fortschritts und der Robotik werden wir intelligenter und fähiger als jemals erahnt. In der Süddeutschen wurde die Idee des verbesserten Menschen als „Die vielleicht gefährlichste Idee der Welt“ bezeichnet. Diese Befürchtung wird von vielen Wissenschaftlern geteilt. Doch viele andere sehen darin eine Chance. Im Science-Fiction-Genre der Literatur und des Films ist die Gedankewelt des Transhumanismus schon weit gediehen.


Machen wir uns über die Geschwindigkeit der Entwicklung keine Illusionen. Es fängt ja schon mit der Brille von Google an, die uns die Welt des Internets auf die Brillengläser projiziert und uns hilft, unsere Umwelt quasi via Augenblick zu filmen und via Internet der Welt mitzuteilen. Der nächste Schritt ist die intelligente Kontaktlinse. Noch sind viele Produkte in den Anfangsstadien. Aber Hand aufs Herz: Wer hätte in den 1990er Jahren geglaubt, dass sich die klobigen Mobiltelefone zu Smartphones entwickeln würden?


Die Nanotechnologie ist dabei die Tür zur Zukunft. Mit ihr kann man sogar eines Tages direkt in die Funktionen des Gehirns eingreifen, Emotionen erzeugen, Denkfähigkeiten erweitern und so weiter.


In den USA, Ostasien und auch in Europa sind die Weichen längst gestellt. Selbst die EU fördert Projekte, die in die Richtung des Transhumanismus gehen. Die Geheimdienste und Militärs in aller Welt sind ebenso daran interessiert wie die Banken und Konzerne. Dabei ist weniger die Idee des Transhumanismus der motivierende Faktor als vielmehr die Sorge, den technologischen Anschluss zu verlieren oder die Hoffnung, bei einer entscheidenden Entwicklung die Vorreiterrolle ergreifen zu können. Investoren lieben so etwas.


Neue Menschen und neue Machtgefüge werden die Welt bestimmen


Parallel erleben wir noch eine andere Entwicklung. Wir sehen im Zeitraffer den Zusammenbruch aller sozialen Gefüge. Religionen, Traditionen, Familien, Regionen, Nationen, Tugenden, Werte und Normen zerbrechen. Menschliche Kontaktnetze werden kurzlebiger, instabiler, flexibler. Anstatt wie früher im festen Gefüge der Familie und lokalen Gemeinschaft durch dick und dünn zu gehen, wechseln die jüngeren ihre sozialen Verankerungen immer häufiger. Die moderne „identity politics“ mit ihren immer neuen Solidaritätsforderungen führt zu einer Beliebigkeit der Vergemeinschaftung, die am Ende nur in Einsamkeit und Haltlosigkeit in einer sich schneller wandelnden Gesellschaft endet. Es gibt keinen roten Faden mehr.


Stattdessen werden wir gelenkt, geleitet, überwacht, mit Propaganda und Werbung von früh bis spät überschüttet. Unsere Daten sind digital überall abrufbar. Wir sind längst gläserne Menschen geworden. Durch die Beliebigkeit der Zugehörigkeit entsteht Austauschbarkeit. Massenhafte Migrationsbewegungen tragen zur Destabilisierung alter Bindungen bei. Nationale oder regionale Identifikationen werden behandelt als seien sie schwere Sünden. Geschichte und Gemeinschaft wird aufgelöst in einer Salzsäure aus Relativierungen.


Wir erleben schon jetzt einen Wandel in unserem Denken. Dies zeigt sich in unserer Sprache. Man spricht vom „Arbeitskräftepotenzial“, „Erwerbspersonenpotenzial“, von „human ressources“, von „low performers“ und „high performers“. Arbeitgeber, Banken, Krankenversicherungen werden die Menschen anhand von Skalen bewerten – sie tun es jetzt bereits schon, aber Steigerungen sind keine Grenzen gesetzt.


Geschlechterrollen, Familienrollen, Gemeinderollen entfallen zugunsten einer bunten Vielzahl von Identifizierungen, die am Ende noch mehr Beliebigkeit herbeiführen. Der Mensch verliert seinen festen Wert in der Gemeinschaft und wird zur Verfügungsmasse, die nach ihrer Nutzbarkeit bewertet wird.


Wenn dieses Denken mit den Ideen des Transhumanismus zusammenfällt, dann haben unsere Kinder und Kindeskinder nicht mehr viel zu lachen. Die Optimierung des Menschen als völlig kontrollierte Arbeits- und Kampfmaschine im Dienste einer Minderheit kann schneller Wirklichkeit werden, als wir ahnen wollen.


Hinzu kommt die totale Überwachung. Noch spielen Regierungen, Banken, Konzerne, Forscher, Militärs und Geheimdienste mit all diesen Gedanken. Das kann sich schnell ändern. Wenn die nächste Krise oder der nächste Krieg droht und die Regierung (beispielsweise der USA) den Notstand ausruft, weil man sich einer Bedrohung ausgesetzt sieht, dann wird sich bereits zeigen, wie schnell die gesammelten Informationen von Google, Twitter, Facebook, Microsoft, der Versicherungen, der Banken mit jenen der CIA und NSA abgeglichen und missbraucht werden können.


Die heutige Welt gleicht einem großen Versuchslabor. In dieser Zeit dürfen wir nicht das Wissen darüber verlieren, was uns einst über Generationen hinweg Stabilität und Richtung gegeben hat.


Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Lord

Was ist denn "expotentiell"? Früher potentiell und jetzt faktisch?

Gravatar: Hans-Peter Klein

Gut das hier früh genug auf diese Tendenzen aufmerksam gemacht wird.

Von vorne herein verdammen und wie das Kaninchen vor der Schlange in Schockstarre geraten angesichts dieser neuen Medizintechnik 4.0, das wäre die falsche Reaktion.

Auch bei dieser muss unbedingt der Grundatz gelten:

Der Mensch steht im Mittelpunkt, mit seinen ureigenen, natürlichen Bedürfnissen.
Eben nicht die manipulierbare, ferngesteuerte Marionette.

Ein weites Feld für jede Menge Grundsatzdiskussion.

MfG, HPK

Gravatar: H.Roth

"Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
ins Dunkel zu treiben, und ewig zu binden." (R.Tollkien)

Das sind recht düstere Zukunftsaussichten. Der Mensch arbeitet intensiv an der eigenen Entwertung und nennt das auch noch "intelligent" und "fortschrittlich". Doch gibt es zum Glück auch die Grenzen des Machbaren...und einen Gott der mächtiger ist als alles, was der Mensch zu tun vermag.

Gravatar: H.von Bugenhagen

,,Neue Menschen und neue Machtgefüge,,

Tatsächlich und die Meisten sind schon auf dem Weg aus Afrika zu uns.
PS:
Werde eine Bordell GmbH für Nekrophilie gründen dass ist auch Neu,denn ein
Tierbordell in Niedermohr haben wir schon und:Im Islam wurden Perversionen zum Gesetz erhoben...“Ein Mann kann Geschlechtsverkehr mit Tieren wie Schafen, Kühen, Kamelen haben. Jedoch sollte er das Tier töten, nachdem er seinen Orgasmus hatte. Er sollte nicht das Fleisch an die Leute in seinem eigenen Dorf verkaufen; jedoch das Fleisch ins nächste Dorf zu verkaufen ist erlaubt.”
Ethikrat will Inzest erlauben Im Vatikan ist Sex mit 12-Jährigen erlaubt.
Da freut sich jeder auf die neue Welt ..ODER ???

Gravatar: Johannes Klinkmüller

Wichtiger Artikel!

Früher mangelte es Menschen des Öfteren an Bewusstsein. Heute suggerieren eine Schwemme von Bewusstseinsfragmenten, es mangele an nichts mehr.

Ich beobachte auch die von Ihnen angesprochene Entwicklung und schreibe gerade einen Post, der diese Entwicklung auf einem Feld zeigt, auf dem ich es bis vor nicht allzu langer Zeit nicht erwartet hätte.

Danke jedenfalls für Ihre lohnenswerte Mühe!

Gravatar: Freigeist

Schon der alte Marx hat den Kapitalismus richtig beschrieben. Kapitalismus ist in erster Linien rasanter technischer Fortschritt. Kapitalismus wird weiter auf der Siegergeraden bleiben, ein Aufhalten ist sinnlos. Menschen werden technische Implantate lieben, wenn sie nützlich sein werden und es wird eine Menge Geld damit verdient werden. So flick-schusert sich die Evolution dahin.

Gravatar: Günter Schlag

Und was hat uns Stabilität und Richtung gegeben? Ich meine: christl. Glaube und Familie. Wenn das zerstört ist, wird der Mensch mit den heutigen technischen Möglichkeiten zum verfügbaren, haltlosen und richtungslosen Individuum. Von einigen wenigen manipuliert. Nach jeder Katastrophe der Vergangenheit sprosste aus der Halt und Schutz gebenden Familie die neue Glaubenspflanze. Mehr oder weniger. Damit wurden unter anderem Verhaltensmaßstäbe gesetzt. Wo das im großen Maße wegfällt, macht sich der Mensch diese Maßstäbe selbst. das kann nur Verderben bedeuten. Was hilft? Christlichen Glaube und Familie erhalten oder neu wecken.

Gravatar: Sarah

@H.Roth

Sie sprechen mir aus dem Herzen!

Gravatar: Heinz-Gerd Schlagregen

"Mit dem Smartphone oder der Smartwatch das Wissen dieser Welt abrufen". Da fängt doch schon die Manipulation an. Es gibt ja kein wissenschaftlich kontrolliertes Nachschlagewerk mehr, dass auf aktuellem Stande gehalten würde. Statt dessen müssen wir mit Wickipedia vorlieb nehmen. Es gibt in Berlin eine Regierungseinrichtung mit ca. 200 Personen, die nichts anderes tun als dieses Nachschlagewerk auf Systemverträglichkeit zu überprüfen. Das ist doch toll. Wenn das Eichnormal des Wissens eine Knetmasse ist. Es fehlt jetzt noch der Chip, den wir alle im Gehirn haben und der uns mit der wohlmeinenden Truppe in Berlin vernetzt. Dann denken wir an irgendetwas, das wir früher nachschlagen mußten und wie ein Wunder fällt es uns Wort für Wort ein, als hätten wir es auswendig gelernt. Ist das nicht etwas heiliges? Oder wollen wir es lieber "unheilig" nennen. Die Fehlbarkeit des Menschen bildet nämlich etwas wertvolles in uns - Toleranz auch dem Andersdenkenden gegenüber.

Gravatar: P.Feldmann

Artikel wie dieser sind wichtig, um die Zeit und ihre Entwicklungspotenzen zu reflektieren.

Von Kant stammt ein Gedanke, der in diesem Zusammenhang zunehmender Verzweckung /Instrumentalisierung des Menschen und seiner Beziehungen vllt. das Denken etwas zentriert:
(frei zitiert) Alles hat entweder einen Zweck oder eine Würde.

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