Bonum Iter (II)

14. Juli 2009, 03:14 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte: | von
Redaktion

Bonum Iter, Latein für «Gute Reise», ist ein Blog- und Reiseexperiment von Arlesheim Reloaded  und der Weltwoche. Es handelt von einer nicht ganz alltäglichen Reise, von der noch nicht  feststeht, wohin sie führen wird. Klar ist die Dauer: Vier Wochen, sowie das Transportmittel:  Bahn, 1. Klasse.  Manfred Messmer, der Betreiber von Arlesheim Reloaded, hat die Beiträge  aus Bonum Iter freundlicherweise auch Der Freien Welt zur Verfügung gestellt, die sie hier als  Reportageserie veröffentlicht.

Freitag, Juni 19, 2009

In Gedanken beim Buena Vista Social Club

Mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Peking mit einem Abstecher nach Lhasa, die Offerte,  kam per E-Mail und weil es sich um einen schweizerischen Anbieter aus Lausanne handelt, auf  Englisch geschrieben.

Sauber aufgelistet hatten wir all die Tage, die in der Summe vier Wochen ergeben, als  pdf-Ausdruck auf dem Küchentisch liegen. Von Tag 1 „Arrival in Moscow, Transfer at Hotel  Sovietsky , depending on arrival time, Night show, Theatre, Opera or Ballet“, bis Tag 24, „Peking, End of trip“.

4.750 Euro (Schweizer Reisebüro!) pro Person, dazu noch die Flüge Zürich – Moskau, oder  eben die Bahnfahrt von Arlesheim nach Moskau und Peking – Zürich, dazu noch ein paar Visas  für lumpige 280 Franken, auch pro Person.

Ich meine, die Offerte war schon okay, das Programm inklusive Grosser Mauer und Ming-Gräber in Ordnung, der Preis etwas grenzwertig. Der Abstecher in eine mongolische Jurte zu gegorener Stutenmilch und gekochtem Hammelkopf gehört halt dazu.

Doch das war nicht einfach ein Reiseprogramm, das waren 24 Tage bis ins Detail geplant, die  da schriftlich auf dem Tisch lagen. Das war der Hammer.

Das ist, wie diese Jours fixes, die man in der ersten Sitzung im Januar vereinbart und fünf  Minuten später ist schon wieder Dezember. Das hier waren 24 Jours fixes hintereinander, welch  ein geballter Ereignismarathon.

Während eines längeren Spaziergangs der Birs entlang, diskutierten meine Reisegefährtin und  ich (wir sind seit über dreissig Jahren verheiratet); was wir tun sollen. D.h. eigentlich ging es  darum, mal zu formulieren, um was es bei diesen vier Wochen überhaupt geht. Where is the  beef?

Eine möglichst grosse Distanz zurückzulegen, ist eigentlich kein Ziel. „Das  Alleinstellungsmerkmal“ dieser vier Wochen ist: Über Zeit zu verfügen.

Sollten wir uns also für zehntausend und ein paar zerquetschte Euros unsere Frei-Tage stehlen lassen, ist Herrn Cornuz, unser E-Mail-Partner in Lausanne, etwa einer dieser “Zigarren  rauchenden grauen Herren“?

Transsibirische, China und Tibet waren vom Tisch. Obwohl ich mein bescheidenes Mandarin, das ich während zwei Jahren Privatunterricht abgespeichert habe, schon mal gerne zur Sprache  gebracht hätte. Seis drum.

Der Vorschlag eines Bekannten, wir sollten doch nach Kuba fliegen, „wer weiss, wie lange es  das so noch gibt“, brachte unseren theoretischen Ansatz ein paar Tage später im Arlesheimer Bädli, bei sommerlichen Hitzewerten notabene, ins Wanken.

Zumal ein anderer, der daneben stand, einwarf, ihn reue es noch heute, dass er vor dem Mauerfall nie in die DDR gereist sei. Mich eigentlich auch. Vier Wochen Buena Vista Social  Club – das wäre doch was.

Sonntag, Juni 21, 2009

Eine erzürnte E-Mail aus Südafrika

Der Vorschlag von Leserin “su”, mit dem Camper kreuz und quer zu fahren, hat was. Wir haben  das Mitte der 80er-Jahre getan (man schreibt dazu jetzt immer “des letzten Jahrhunderts”, was  den zeitlichen Abstand noch mehr vergrössert) – also im Sommer 86 war das, als wir für zwei  Monate losgefahren sind, mit drei Kindern, von Basel nach Italien und einmal rundherum, plus  Abstecher nach Sizilien. Das war eine sehr intensive Familienauszeit.

Wir führten Tagebuch, haben Fotos, Eintrittstickets, Kassenbons und anderes rein geklebt und  die Kinder steuerten Zeichnungen bei. Wenn wir gelegentlich sonntags beisammensitzen und  nach einem ausufernden Essen mit allem Drum und Dran in unserem “Italienischen Tagebuch”  blättern, dann tauchen überaus angenehme Erinnerungen auf. Und Begebenheiten und Worte  des Tages (Rubrik); an die man sich inzwischen nicht mehr erinnern kann.Und der Jüngste wird  sich bewusst: Es gab ein Leben vor seiner Ankunft auf diesem Planten.

Wir haben ungefähr die Hälfte der zwei Monate auf wechselnden Campingplätzen verbracht, von wegen Duschen, Kleider waschen und so, den Rest der Zeit übernachteten wir irgendwo, oftmals mitten in einer Stadt. Das war zu der Zeit noch problemlos möglich.

Einzig am letzten Tag unserer Tour, in Sils Maria, mussten wir frühmorgens um sechs 50  Franken Busse bezahlen, weil wir unseren Camper auf einem öffentlichen Parkplatz hingestellt  hatten. Da wussten wir: Jetzt sind wir wieder zuhause.

Mit dem Auto vier Wochen unterwegs zu sein, war deshalb durchaus eine Option. Doch davon  später.

Denn zunächst muss ich kurz auf meinen Beitrag über das Aus für Südafrika zurückkommen. Mein Schulfreund aus alten Tagen, wir nannten ihn “Petz”, dabei heisst er Peter, hat mir eine ziemlich verärgerte E-Mail geschickt. Er liest über Facebook mit.

Er habe kürzlich im Fernsehen eine Reportage über die Suisse Romande gesehen, über die  dortige Kriminalität. Das sei ja erschreckend. „Warum habt ihr überhaupt noch eine Armee – ihr  braucht mehr Polizisten!

Eine Reise nach Südafrika sei schliesslich mehr als das, was die Glotze biete. „Da entgehen dir  all die vielfältigen Düfte des Landes, du spürst weder die morgendliche Frische noch die Wärme  an Nachmittag. Du bekommst nichts mit von den „Vibes“ der Menschen, kurz – ich denke du hast einfach Schiss.

Unterschrieben hat er seine Mail mit „Bafana Bafana, Petz“. Erst seit gestern weiss ich, dass er  damit die Südafrikanische Fussballnationalmannschaft gemeint hat. Man lernt nie aus.

Montag, Juni 22, 2009

Nur kurz

Ein Bekannter sagte mir heute beim Mittagessen, es sei ja durchaus interessant, was er hier lese. Aber ich solle mich doch bitte etwas kürzer fassen. Also halten wir uns dran.

Die Autotour nach Lettland, Estland und Litauen haben wir auch gestrichen. Obwohl der  Reiseführer, den wir vorsorglich gekauft hatten, Interessantes versprach.

Das Problem ist die Distanz. Von Basel nach Vilnius, der Hauptstadt von Litauen, sinds immerhin 1904 Kilometer. Und zurück gerade nochmals. Gut, dann war da noch die  Reisewarnung des EDA: “Taschen- und Autodiebstahl sind relativ häufig.” Wir fahren eine  besonders im Osten beliebte deutsche Automarke.

Da fliegen wir mal hin. Über ein verlängertes Wochenende. Oder nach Tallinn, dort soll es auch  schön sein.

War das jetzt kurz genug?

zum 1. Teil

(Foto: mad max/pixelio.de)

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