Bonum Iter (I)

06. Juli 2009, 10:13 | Kategorien: Lebenswelt | Schlagworte: | von
Redaktion

Bonum Iter, Latein für «Gute Reise», ist ein Blog- und Reiseexperiment von Arlesheim Reloaded und der Weltwoche. Es handelt von einer nicht ganz alltäglichen Reise, von der noch nicht feststeht, wohin sie führen wird. Klar ist die Dauer: Vier Wochen, sowie das Transportmittel: Bahn, 1. Klasse.  Manfred Messmer, der Betreiber von Arlesheim Reloaded, hat die Beiträge aus Bonum Iter freundlicherweise auch Der Freien Welt zur Verfügung gestellt, die sie hier als Reportageserie veröffentlicht.

Dienstag, Juni 16, 2009

Vier Wochen Zeit

Der Entscheid reifte über Wochen. Obwohl man durchaus fragen kann, was denn schon Spezielles dabei sei, sich mal vier Wochen am Stück aus dem Alltag auszuklinken.

Aber: Wenn man sich seit Jahren nie mehr soviel Zeit einräumte, vierzehn Tage also das oberste Limit für eine Pause waren, weil das Tagesgeschäft einfach nicht mehr zuliess, dann muss man zuerst mal auf eine solche Idee kommen.

Und wenn dann der Entschluss gefasst ist, gilt es das laufende Geschäft so zu planen und zu ordnen, dass das mit den vier Wochen tatsächlich auch klappt. Im April war das geregelt.

Kurz danach meldete sich diese mit der Zeit wirklich nervende Frage – und jetzt?

Mittwoch, Juni 17, 2009

Südafrika für eine Woche

Wenn man über vier Wochen freie Zeit verfügt, dann stellt sich, wie gesagt, die Frage – was tun damit?

Fest steht, man wird irgendwohin reisen. Zum Beispiel könnten wir endlich mal meinen Schulkameraden in Südafrika besuchen und dann noch eine Rundreise in einem Mietauto dranhängen, Nationalpark inklusive und vielleicht noch hoch nach Namibia. Ist ja auch nicht so heiss im Juli dort unten.

Diese Idee war gut für eine Woche.

Denn was weiss ich aus welchem Grund, plötzlich waren alle (gefühlt) Medien voll von Berichten, wie unsicher die Lage im Land sei.

Ach Blödsinn schrieb mir mein Schulfreund aus alten Tagen als Antwort auf eine etwas besorgte E-Mail.

Gut, Johannesburg solle man meiden. Und gewisse Gegenden in Kapstadt auch. Und die Townships sowieso. Überhaupt empfiehlt es sich, die Autotüren immer geschlossen zu halten und wenn es brenzlig wird, auch mal bei Rot über die Kreuzung zu fahren.

Er allerdings wohne in einem Viertel, das noch immer von Weissen dominiert werde, die Sicherheitslage sei völlig unbedenklich.

Gut, er habe alle Türen und Fenster, letztere sowieso vergittert, mit Signalgebern ausgestattet, die alles Verdächtige an die Security der Siedlung melden. Und während er noch ein paar andere Sicherheitsmassnahmen beschrieb, die Teil seines Lebens sind und dabei an seinen kürzlichen Besuch in der Schweiz zurückdachte, „dann wohnen wir schon irgendwie in einer Festung.“ Rund ums Haus habe es nämlich noch eine hohe Mauer.

Was ihm letzten Winter in der Schweiz aufgefallen sei: Wir würden unsere vollgepackten Einkaufstaschen über die Strasse zum Auto tragen – also das mache man in Südafrika besser nicht.

Eben. Dachte ich. Ein Auto mieten und einfach aufs Gradwohl herumzufahren für vier Wochen? Da schaue ich mir die Sicherheitsprobleme der weissen Südafrikaner lieber in der Tagesschau an. In einem dieser Einsfünzigberichte vor dem Wetter. Wenn schon.

Südafrika war vom Tisch.

Donnerstag, Juni 18, 2009

Die Glotze – der grosse Bilderdieb

Nein, Kollega Müller, der Entscheid, Südafrika zu streichen, hat weniger mit Schiss zu tun, eher mit Unbehagen.

Aber mein eigentliches Problem ist, dass es im Grunde genommen nichts mehr zu entdecken gibt. Wo man auch hinfährt, ein Kamerateam der BBC war schon dort.

Die Glotze, der grosse Bilderdieb, hat uns gleich noch die Erlebniswelt geklaut: Chinesische Mauer – tausende Male schon gesehen. Die Wüste Gobi – glotzenmässig dutzende Male per Jeep, zu Fuss, mit dem Kamel, joggend durchquert. Taj Mahal, da war ich schon selbst. Grand Canyon dito. Diese weissen Strände mit den Palmen bis ans Meer – dieses Bild ist nun wirklich ausgelutscht, also lasst mich in Ruhe. Und wenn ich mal Elefanten, Löwen und Giraffen sehen will, dann gehe ich in den Zoo.

Denn kurz zu Elefanten, Löwen und anderem afrikanischem Getier: Ich gehöre zur Grzimek-Generation. Serengeti darf nicht sterben, in schwarz-weiss, war der Strassenfeger, als es nur zwei TV-Programme gab.

Löwengebrüll vom Tonband

Jahre später war ich mit einer Journalistengruppe auf Kosten von British Airways in Simbabwe. Arthur K. Vogel, der es bis zum Chefredaktor des Bund gebracht hat, war auch dabei. Auch er ein Grzimek-Geschädigter, weshalb er mit mir gezweifelt hat, ob das, was wir in diesem Nationalpark an Elefanten, Giraffen und Antilopen sahen, auch wirklich echt sei. Die Glotze dreidimensional – super.

Da muss doch demnächst eine anständige Autobahn kommen“, machten wir uns hinten auf diesem Besucherjeep über die Landschaft lustig und was sage ich, es vergingen keine zehn Minuten, da fuhren wir einer autobahnbreiten Schneise entlang – und mitten drin die Überlandleitung vom Cabora-Bassa-Staudamm Richtung Hauptstadt, die damals noch Salisbury hiess. Was soll ich sagen, das Brüllen dieses Löwen spät in der Nacht kam selbstverständlich vom Tonband!

Nein, es bleibt uns nicht viel mehr, als das zu Wiederholen, was in Endlosschleifen 7/24 über den Bildschirm läuft. Abwechslung bringen nicht mal eine Entführung in der Sahara, die Schüsse in der Nacht auf das Kreuzfahrtschiff, das schlechte Essen in der Hotelanlage, die Algen im Meer.

Dornach-Arlesheim Peking einfach

Nichtsdestotrotz: Dann tauchte diese Idee auf, mit dem Zug nach Peking zu fahren. Und gleich noch die Zugsreise nach Lhasa dranhängen. Von dieser Bahnstrecke hatte ich ein paar spektakuläre Bilder gesehen.

Und mit dem tibetanischen Buddhismus hatte ich mich seinerzeit, als ich in Indien in höhere Sphären abtauchte, intensiv beschäftigt (für Kenner Bardo Thödol, all die anderen können hier klicken).

Dank Internet war ein spezialisierter Reiseanbieter rasch gefunden. Drei Tage später kam der genaue Reiseplan und ein Kostenvoranschlag per E-Mail. Die Pointe, wir werden im Bahnhof Dornach-Arlesheim einsteigen. Mit dem Zug Arlesheim – Peking einfach – das hat selbst die BBC noch nicht gemacht.

(Foto: Dieter Schütz/pixelio.de)

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