Gastbeitrag von Adalbert Tenkitten

Kardinal Meisner war gegen den Umbau der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale

Man könnte ihn durchaus auch so verstehen, dass er gemeint hat, seinen Nach-Nachfolgern auf dem Bischofsstuhl von Berlin, Woelki und Koch, fehle das „Berliner Herz“.

Foto: Schlaier [Public domain], via Wikimedia Commons
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„Ich kann Ihnen nur versichern, dass ich ganz und gar auf ihrer Seite stehe“, hatte der Kardinal und frühere Bischof von Berlin (1980-1989) in einem Brief an den Vorsitzenden der Initiative „Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale“ wenige Monate vor seinem Tod geschrieben. Das Schreiben ist auf der Internetseite der Initiative abrufbar.

 

www.freunde-hedwigskathedrale.de/dokumente/kirchliche-dokumente/briefe-kardinal-meisners/

 

Die Initiative kämpft mit durchaus auch schrillen Tönen für den Erhalt der gegenwärtigen Innengestaltung der Kathedrale, die auf den Architekten Hans Schwippert (1899-1973) zurückgeht.

 

Diese Innengestaltung wird allerdings von vielen als missglückt angesehen. Besonders kritisiert werden das gewaltige Loch in der Mitte des Bodens, das der ohnehin relativ kleinen Kathedrale viel Platz raubt und die Liturgie erschwert. Darüber hinaus wirkt das derzeitige Interieur klobig und erinnert eher an eine heidnische Kultstätte als an eine christliche Kirche.

 

Aber auch der neue Entwurf der Architekten Sichau & Walter wird heftig kritisiert. Viele erinnert die kreisförmige Anordnung der Bänke um einen in der Mitte stehenden Rundaltar eher an einen Plenarsaal, als an eine Kirche. Dies und das Fehlen jeder Erhöhung für den Altar werden teilweise als modernistische Gleichmacherei empfunden. Und tatsächlich entbehrt der Entwurf nicht einer gewissen Plakativität und Einfallslosigkeit.

 

Interessanter als die Stellungnahme im Umbaustreit ist aber die Bewertung, die seine Nach-Nachfolger auf dem Berliner Bischofsstuhl durch den Kardinal erfahren. Im Hinblick auf diese schreibt er: „In den vielen Reaktionen auf den Hirtenbrief des Erzbischofs am Allerheiligenfest 2016 war zu lesen: ‚Die Tragik ist, dass die beiden letzten Berliner Bischöfe Woelki und Koch kein Berliner Herz haben‘.“ Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Meisner zitiert, um nicht selbst kritisieren zu müssen.

 

Tatsächlich war die Unzufriedenheit über die Amtsführung Kardinal Woelkis im Erzbistum weit verbreitet. Und auch hinsichtlich seines Nachfolgers, Erzbischof Koch, verbleiben bei nicht wenigen Zweifel, ob er so recht in seiner Diözese angekommen ist. Solche Zweifel werden von Bildern eines zu Karneval in die rheinische Heimat gereisten Oberhirten mit Narrenkappe nicht gerade zerstreut, besonders, wenn diese von der offiziellen Facebook-Seite des Erzbischofs verbreitet werden.

 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Marietta M.

Ich empfinde den neuen Entwurf für den Umbau der St. Hedwigskathedrale modernistisch protestantisiert und unkatholisch. Ich kann mich der oben genannten Kritik nur anschließen. Historische Aufnahmen zeigen einen Raum, der zu Andacht und Gebet einlädt. Das entspricht auch dem äußeren Erscheinungsbild einer Barockkirche. Nicht wenige Touristen halten den Berliner Dom für die katholische Kathedralkirche und die Hedwigskirche für eine protestantische Kirche. Dieser Eindruck dürfte sich nach dem geplanten Umbau noch verstärken. Eine Kathedrale, in der der Mensch und allzu Menschliches im Mittelpunkt steht und nicht mehr Gott und seine Anbetung und Verherrlichung, braucht niemand.

Gravatar: Thomas Waibel

In der modernistischen Sekte muß alles "modernisiert" werden.

Gleichmacherei paßt sehr gut zu der modernistischen Liturgie.

Das hat der Konservative Meisner eben nicht verstanden.

Gravatar: P.Feldmann

Nachdem ich mir die Situation als Bilder im web angesehen habe, sehe ich nicht, wo ein Fortschritt oder eine Verbesserung in der Modernisierungsmaßnahme zu sehen wäre.
Das eigentliche Problem scheint mir als Katholik zu sein, daß in Zeiten der Glaubensverdunstung und der Unterwerfung die Kirche sich hier nicht in die Glaubensverkündigung und -festigung investiert, sondern tut als befinde man sich noch in den 1990-ern und als könne man mit ein wenig postmodernistischem Geschnusel irgendwie den Anstrich modernisieren... .

Wir müssen aber nichts "modernisieren", sondern wir müssen überhaupt wieder Glaubensstrukturen für suchende Menschen und für Glauben-Praktizierende stärken!

Gravatar: P.Feldmann

PS.:
Die Frage, die man Woelki, Koch, Marx etc. (also der ganzen Nomenklatura) stellen muß, ist doch die: Was wollt Ihr tun, daß sich ein Umbau überhaupt lohnt und ihr nicht den Raum für eine zukünftige Entweihung der Kirche als Moschee bereitet?!

Gravatar: Thomas Waibel

P.Feldmann 21.02.2018 - 15:59

Die Gefahr, daß diese ehemalige katholische Kirche irgendwann in eine Moschee umgewandelt werden wird, ist sehr hoch.

Das wird aber keine Entweihung sein, weil diese schon stattgefunden hat als die Modernisten unmittelbar nach dem Vatikanum 2 widerrechtlich in Besitz genommen haben.

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