Trennung von Religion und Politik – Interview mit Dr. Azmayesh

12. August 2010, 08:40 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte: | von
Redaktion

In den letzten Jahren standen die Nematollah Gonabadi Sufis häufiger im Fokus der Öffentlichkeit. Auf Grund der Repressalien und des Unrechts von Seiten des Regimes im Iran ihnen gegenüber, sind sie häufiger als sonst in der Presse erwähnt worden. Dabei sind die Gonabadi Sufis davon überzeugt, dass Sufismus nichts mit Politik zu tun haben sollte.  FreieWelt.net veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von "mehriran.de" dieses Interview der Webseite Jaras vom 15.07.2010 mit Dr. Seyed Mostafa Azmayesh in einer Übersetzung von Helmut N. Gabel.

Mehdi Karroubi, der letztes Jahr Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen im Iran war, gehört zu den wenigen politischen Akteuren, die sich für die Rechte der Sufis im Iran eingesetzt haben. Dafür haben ihn die Sufis bei der Wahl unterstützt und haben ihm ihre Stimme gegeben.Vergangene Woche sind wieder vierzehn Sufis des Gonabadi Ordens durch ein Staatsgericht zu Gefängnisstrafen und Peitschenhieben verurteilt worden. Letztes Jahr wurden Verwandte eines verstorbenen Sufi daran gehindert ihn in einem privaten Grab zu bestatten, woraufhin seine Familie auch noch in Haft kam. Dagegen protestierten Sufis vor dem Rathaus bis sie gewaltsam von Sicherheitskräften vertrieben wurden.

Im Mai 2010 versammelten sich einige Dutzend zivilgekleidete Agenten vor dem Ordenshaus der Sufis in Karadsch und skandierten Parolen und Beleidigungen gegen die Sufis.

Dr. Mostafa Azmayesh ist einer der bekanntesten Exiliraner und Sprecher des Gonabadi Sufi Ordens außerhalb Irans. Er selbst sieht sich einfach nur als Schüler des Sufi Pfades. Seine persönliche Webseite wird neben vielen anderen Blogs und Webseiten der Gonabadi Sufis gefiltert oder gehackt. Er lebt schon viele Jahre außerhalb Irans, um die Weltöffentlichkeit auf die Unterdrückung der Sufis im Iran hinzuweisen.
Dr. Azmayesh ist Jurist, Islamwissenschaftler und Experte in Menschenrechtsfragen. Er ist Mitglied des “Internationalen Komitees für die Rechte von Studenten und Derwischen im Iran”, das sehr aktiv die Rechte dieser Gruppierungen gegen die Tyrannei des regierenden Systems verteidigt. Vor 34 Jahren ging er nach Frankreich, um sein Studium abzuschließen.
Nachdem die Revolution die Verhältnisse im Iran umgestürzt hatte, zog er es vor im Ausland zu bleiben, um der Situation seiner Sufi Freunde bei Bedarf seine Stimme zu verleihen.

Wir haben ein Interview mit ihm durchgeführt, um die Weltanschauung der Sufis zu verstehen und den Grund für die schon länger andauernden Auseinandersetzungen des herrschenden Systems im Iran mit den Sufis, zu erfahren. Da nicht viele die Weltanschauung und den Glauben der Sufis kennen und nichts darüber wissen, was sie in den vergangenen Jahren durchgemacht haben, kann dieses Interview für Klarheit sorgen und ein deutlicheres Bild von den Einschränkungen, die im Iran herrschen, zeichnen.

Jaras: „Wir entnehmen den Nachrichten, dass 24 Sufis des Gonabadi Ordens zu Gefängnisstrafen, Peitschenhieben und Verbannung verurteilt wurden. Diese Verurteilungen folgen zahlreichen Etappen schwerster Zerstörungen von Versammlungshäusern des Nematollah Gonabadi Sufi Ordens. Welche Beschränkungen sind den Sufis im Allgemeinen auferlegt worden? Haben solche Einschränkungen zur Auswanderung von Sufis aus dem Iran geführt?“

Dr. Azmayesh: „Um ein genaueres Bild von den Ereignissen zu bekommen, sollten wir auf die allgemeine Politik der Islamischen Republik gegenüber den Sufis seit Beginn der Revolution bis jetzt werfen. Da stechen sofort die andauernden Repressionen und der Druck gegen die Sufis ins Auge. Das hat dazu geführt, dass sich viele Sufi Orden aus dem Iran geflüchtet haben. Doch der Nematollah Gonabadi Sufi Orden ist trotz der Gewalt gegen seine Mitglieder und seine Versammlungshäuser immer noch sehr verbreitet im Iran. Dieser Sufi Orden ist ein schiitischer Orden, der die 12 Imame anerkennt.

Zuletzt sind in Städten wie Qom, Boroudscherd, Isfahan und Charmahin die Versammlungshäuser dieses Ordens von Agenten im Dienste des Regimes mit schwerem Gerät dem Erdboden gleich gemacht worden.  Sufis sind gezwungen worden Dokumente zu unterzeichnen, in denen sie sich verpflichten mussten keine Sufis zu gemeinsamen Veranstaltungen in ihrem Haus zu empfangen. Häuser, die zum Zweck von Versammlungen des Gonabadi Ordens angemietet waren, dürfen nicht mehr benutzt werden und sind für alle Zeiten geschlossen worden. Ebenso wurden viele Meister und regionale Leiter dieses Ordens gezwungen ihre Heimatstädte auf Lebenszeit oder für eine begrenzte Zeit zu verlassen. Jetzt wurden vor kurzem Familien von Sufis daran gehindert ihre Nächsten zu bestatten. Es wird nicht berücksichtigt, was im Testament der Verstorbenen steht – auch nicht ob der Grabplatz bezahlt ist. Wenn die Bestattung trotzdem statt findet, wird die Durchführung zum Verbrechen stilisiert, die Familie des Verstorbenen bestraft und jeder, der gegen diese Diskriminierung und Rechtlosigkeit protestiert, wird gleich mit kriminalisiert. Dies ist die Situation der Gonabadi Derwische.“

Jaras: “Sie haben die Versammlungen der Sufis erwähnt und darüber gesprochen, dass das Regime im Iran alles daran setzt diese Versammlungen zu verhindern. Die Islamische Republik hat jahrelang behauptet, dass die Sufis nicht den religiösen Praktiken und Vorschriften folgen. Was halten sie von diesen Behauptungen?“

Dr. Azmayesh: „Die Verantwortlichen innerhalb des Justizapparates Irans haben ganz klar menschliche Werte über Bord geworfen und jeglicher Gerechtigkeit und Wahrheit den Sinn entzogen. Die Nematollah Gonabadi Sufis sind Schiitische Muslime und eine von den gläubigsten Gruppierungen innerhalb der Bevölkerung Irans. Sie handeln gemäß den Verpflichtungen und Verantwortungen des islamischen Glaubens und jeder, der mit Sufis in Kontakt kommt, wird dies innerhalb kurzer Zeit feststellen. Es ist sogar so, dass die Gegner von Islam und Religion die Gonabadi Sufis immer kritisiert haben und ihnen vorwarfen: „Ihr verfolgt zu sehr die religiösen Verpflichtungen.“

Aber wir sollten die Vorwürfe des Regimes nicht als Lügen betrachten, sondern verstehen wie diese Leute den Islam interpretieren. Die Definition dieser Leute von Islam gleicht keiner anderen Interpretation von Islam in den letzten 1400 Jahren seit dem Aufkommen dieser Religion und ihre Interpretation hat keinerlei Bezug zum heiligen Koran. Sie betrachten den obersten Führer als absoluten Herrscher der Regierung. Herr Karroubi führte folgendes Beispiel an: „Der Islam, den das jetzige System hegt, gleicht einem winzigen Boot. Alle die nicht in dieses Boot passen, werden als Nicht-Muslim betrachtet.“ Das ist der Grund dafür, dass sie behaupten die Sufis würden die religiösen Gesetze nicht befolgen. Das stimmt gar nicht. Sufis verbringen während ihren Versammlungen ihre Zeit mit Beten und Meditieren. Jeder ist willkommen diese Versammlungen zu besuchen und mit eigenen Augen zu sehen.

Wir möchten nicht in eine Position der Rechtfertigung geraten. Diese Leute sind es ja, die die Unterweisungen und Lehren des Islams nicht begriffen haben und ihren totalitären Weg Islam genannt haben. Die Art der Sufis passt ihnen nicht, weil Sufis wahrhaftige Muslime sind und sie nicht.“

Jaras: “Es heißt die Mullahs betrachten die Sufis als Rivalen und fürchten ihren Einfluss auf die Gesellschaft. Welchen Standpunkt vertreten Sufis gegenüber Politik und befürworten sie die Kopplung zwischen Politik und Religion oder nicht?“

Dr. Azmayesh: „Sufis sind eindeutig davon überzeugt, dass es notwendig ist, Religion von Politik zu trennen. Sufis halten nichts von einer Vermischung von Religion und Politik. Dadurch werden keine weltlichen Probleme gelöst werden und auch die Glaubwürdigkeit und der Ruf der Religion wird ausgelöscht werden. Dies trifft umso mehr zu, wenn die Autoritätspersonen in Religion und Politik sich auf Grund ihrer Position Vorteile verschaffen. Sie begehen ihre schrecklichen Taten im Namen des Islams und nehmen es sich heraus schwerwiegende Strafen im Namen des Islams gegen die Kritiker ihres Vorgehens auszusprechen.

Doch damit fügen sie dem Ruf des Islams bei den Menschen und in der Geschichte der Menschheit größten Schaden zu. Die Welt hält den Islam wirklich für eine Ideologie, die Gewalt propagiert und die Leute glauben Islam stütze sich auf Terror. All dies entsteht durch solche üblen Verhaltensweisen. Und das ist der Grund warum die Sufis wie alle anderen wahrhaftigen schiitischen Muslime von der unbedingten Trennung von Politik und Religion überzeugt sind. Insbesondere ist jede Regierung im Namen einer Religion oder im Namen von Spiritualität bis zum Erscheinen des Messias eine Täuschung und Verfälschung. Schiitische Muslime glauben, dass es im Laufe der Menschheitsgeschichte 14 Personen ohne Sünde gibt und dass der letzte von ihnen der in der Verborgenheit lebende Messias ist. Das ist der Grund warum Sufis sich nicht im Namen von Religion in die Politik einmischen.
Andererseits werden die religiösen und politischen Autoritäten im Iran nicht anerkannt, worauf diese mit Gewalt und Unterdrückung reagieren. Der echte Grund für die Versuche der Regierung die Sufis im Iran auszulöschen – vor allem den Gonabadi Orden – sollte auf diesem Gebiet gesucht werden: Kopplung von Politik und Religion oder Trennung der beiden.“

Jaras: “Es heißt, dass die Regierung unter Ahmadinedschad die Repressionen und den Druck auf die Sufis erhöht hat. Welche Probleme hat die Regierung mit der Mystik und gegen welche Praktiken der Sufis opponiert sie? Sind die Sufis nach deren Lesart vom Islam abgefallen? Wie schätzen Sie diese ganzen Repressalien ein?”

Dr. Azmayesh: “Zu Beginn der Präsidentschaft von Ahmadinedschad und der neunten Administration wurde eine Kommission eingerichtet, deren Mitglieder Freitagsprediger aus verschiedenen Städten waren. Der Vorsitzende dieser Kommission wurde Scheich Mohammad Yazdi, der auch Vizepräsident des Expertenrats ist. In dieser Kommission geht es um verschiedene religiöse Strömungen im Iran, um religiöse Minderheiten und um unterschiedliche Interpretationen des Islams. Daraufhin werden die Judikative und die Exekutive angewiesen sich nach den Beschlüssen und politischen Leitlinien dieser Kommission zu richten. In der letzten Zusammenkunft dieser Kommission wurde beschlossen, dass die Hauptaufgabe der Regierung darin bestehe, die Grenzen der Religion iranischer Bürger zu verteidigen. Mit dieser Bestimmung haben sie einen Grund dafür geschaffen jede Weltanschauung, die nicht mit der offiziellen Lesart des Glaubens der Regierung übereinstimmt, zu vernichten, was sie eben als “die Grenzen des muslimischen Glaubens verteidigen” bezeichneten.

In dieser Sitzung wurden nochmals vier Unterkommissionen gebildet, die sich dem endgültigen Ziel der Vernichtung von vier „Abweichungen“ verpflichteten:

1.     Sunnitische Muslime unter dem Vorwand von „Wahabismus“.
2.     Sufismus unter dem Vorwand, dass Sufis nicht die richtige Auffassung von dem „obersten religiösen Führer“ haben.
3.     Bahai’ismus unter dem Vorwand, dass ihr Heiligtum in Haifa, Israel liegt und die Bahais durchweg Spione seien.
4.     Neue mystische Bewegungen unter dem Vorwand von Teufelsanbetung.

Die Grenzen ideologischer Bürger im Iran zu verteidigen schafft große Ungerechtigkeit und Korruption, so dass der Justizapparat eingespannt wird, um solche Ziele zu erreichen, während Anwälten die Approbation entzogen wird, wenn sie gesetzlich festgelegte Rechte der Sufis verteidigen.

Sogar die Gouverneure und die Regionalverwaltungen sind verpflichtet das notwendige schwere Gerät zur Verfügung zu stellen, wenn die Entscheidung gefallen ist die Versammlungshäuser der Sufis zu zerstören.
Man hat sogar im Parlament eine neue Kommission geschaffen, die man „Nationale Sicherheitskommission“ nannte. Der Vizepräsident dieser Kommission heißt Mohammad Ismail Kowsari, der früher Chef der Teheraner Pasdaran Militärbasis Sarollah war.
Sie gehen gegen die Sufis vor, weil sie der Meinung sind, dass Sufis eine falsche Interpretation des „spirituellen Führers“ haben und diese Interpretation im Kontrast zu ihrer eigenen Ideologie steht.“

Jaras: “Sie  erwähnen die Unterstützung der Kandidatur von Mehdi Karroubi durch die Gonabadi Sufis. Hatte das irgendwelche Auswirkungen auf die Verhaftungen der Nematollah Gonabadi Sufis nach den Wahlen?”

Dr. Azmayesh: “Nein, keineswegs. Die Verhaftungen, Beschlagnahmungen und Repressionen gegenüber Sufis, der Entzug von Genehmigungen für die Anwälte, die Sufis vor Gericht vertreten haben, die Schließungen ihrer Versammlungshäuser und deren Zerstörungen haben kontinuierlich stattgefunden und schon Jahre davor begonnen. Doch der Hauptgrund für die Unterstützung von Herrn Karroubi durch die Sufis liegt darin, dass Herr Karroubi der einzige war, der gegen die Zerstörungen der  Kultur- und Versammlungshäuser der Sufis protestiert hat, als alle anderen offiziellen Stellen schwiegen. Es war zu der Zeit als Herr Ahmadinedschad mit seiner Mannschaft die Regierungsgeschäfte übernommen hatte und als Ausführender der Kommissionsentscheidungen damit begann gegen die Sufis, ihre Häuser und ihre Kultur vorzugehen.

Karroubi protestierte in einem Brief an den damaligen Innenminister Mostafa Pour-Mohammadi und einem weiteren Brief an Mohsen Ejei, Kopf des Geheimdienstes, gegen diese Gewalt. Jedes Mal wenn die Versammlungshäuser der Sufis angegriffen wurden, war es einzig Herr Karroubi, der protestierte und klar stellte, dass solche Handlungen sowohl weit weg von den Prinzipien des Islams sind, als auch den Gesetzen des Landes zufolge illegal. Gleichzeitig forderte er andere dazu auf sich dazu zu äußern.

So kam es, dass die Sufis ein Prinzip des Islams zur Anwendung brachten und „Gutes mit Gutem vergalten“ als sie ihm ihre Stimmen bei der Wahl gaben. Laut unseren eigenen Statistiken gibt es mehr als 4 Millionen Gonabadi Sufis, die alle Herrn Karroubi gewählt haben, was wiederum darauf hindeutet, dass die letzte Wahl wirklich eine große Täuschung war, denn offiziell hieß es Karroubi hätte nicht mehr als 350.000 Stimmen bekommen. Offensichtlich war dies ein große Lüge, denn schon die Sufis alleine gaben Herrn Karroubi mehr als  4 Millionen Stimmen.

Jaras: “Sie sprachen von 4 Millionen Sufis, die für Herrn Karroubi gestimmt haben sollen. Als der Isfahaner Versammlungsplatz der Gonabadi Sufis 2009 zerstört wurde, versammelten sich laut Medienberichten 60.000 Sufis vor dem Parlament in Teheran, wo man 800 von ihnen verhaftete. Haben Sie eine Medienanstalt oder wie konnte eine so große Menschenmenge nur wenige Tage nach der Zerstörung in Teheran versammelt werden? Sagen Sie uns etwas darüber wie sich Sufis auf dem Laufenden halten.“

Dr. Azmayesh: “Unglücklicherweise werden wir boykotiert. Meine persönliche Webseite ist gehackt worden und gerade wurde sogar mein E-Mail Konto gesperrt. Auch andere Webseiten oder Blogs, die den Sufis gehören sind gehackt oder gefiltert worden. Sogar in der freien Welt haben wir es schwer unsere Nachrichten und Informationen zu veröffentlichen.

Sufis haben jedoch eine besondere Weise sich zu verbinden, die gänzlich anders ist als die Verbindung mit technischen Apparaten. Es handelt sich nicht um ein institutionalisiertes System, das beeinflusst oder unterbrochen werden kann. Sufis haben eine Herzverbindung. Dies ist auch der grundsätzliche Unterschied zwischen politischen Organisationen und der Welt der Sufis, die keine strukturelle Form hat, welche durchdrungen werden kann. Als der Druck auf die Sufis hoch war und ein Massenprotest von Nöten war, haben die Sufis das gespürt. Wir konnten beobachten, dass aus allen Landesteilen Sufis nach Teheran kamen. Wohlgemerkt, wir hatten keine Möglichkeit Informationen zu veröffentlichen! Auf gleiche Weise wurden in der Zeit vor den Wahlen mehr als 300 Zentren eröffnet, die Wahlkampagnen für Karroubi durchführten. Ich nenne dies „ein kollektives Bewusstsein der Sufis“, eine ganz andere Art der Verbindung. Hieran beißen sich die Geheimdienstagenten schon lange die Zähne aus. Sie haben erfolglos versucht die Verständigung der Sufis untereinander zu durchdringen.“

Jaras: “Lassen Sie uns  zum Thema der verhafteten Sufis zurückkehren. Sie wurden für eine nicht genehmigte Bestattung auf dem Friedhof von Gonabad in Beidokht verhaftet. Dies ist ein Friedhof auf dem viele Sufis ihre Verstorbenen bestatten. Solche Versammlungen gleichen denen der Türken in Täbris oder der Juden in einer Synagoge. Man warf ihnen “Störung der öffentlichen Ordnung vor”, was halten Sie als Jurist von solchen Vorwürfen?”

Dr. Azmayesh: “Beidokht ist ein Dorf nahe bei Gonabad. Gonabad ist an eine größere Stadt angeschlossen. Dort wohnen etwas mehr Leute als in einem Dorf. In Beidokht gibt es ein großes Grabmal, in dem zahlreiche Meister des Gonabadi Ordens bestattet sind. An dieses Grabmal ist noch ein Friedhof angeschlossen. Das Grabmal heißt “Mazare Soltani” und wird oft von Sufis auf ihren Pilgerreisen besucht. Das bedeutet, dass der Friedhof neben Mazare Soltani kein gewöhnlicher ist. Das Grabmal gleicht in seiner Bedeutung dem von Schah Nematollah Vali in Kerman oder anderen Grabmälern von Sufi-Meistern wie das von Rumi in Konya, welches als historisch bedeutsam betrachtet wird und auf das man eine große Moschee und einen Schrein gebaut hat. Unglücklicherweise hat der Kulturrevolutionsrat beschlossen den Namen Gonabad aus allen geographischen Karten in Schulbüchern auszulöschen.

Sie versuchen nicht nur Sufismus und Sufis auszulöschen, sondern machen auch Anstalten jede Spur unserer Vergangenheit auszulöschen. Als das beschlossen wurde, haben wir auch dagegen protestiert.
Letztes Jahr wurde aus heiterem Himmel angekündigt, dass der Friedhof von Mazare Soltani geschlossen sei und die Bestattung von Toten darauf illegal sei. Ein Sufi, der den Friedhof pflegte, wurde vom lokalen Geheimdienstbüro einbestellt, wo ihm eröffnet wurde es sei ein Verbrechen jemanden auf diesem Friedhof zu bestatten und jede Zuwiderhandlung würde geahndet werden.

Dieser Beschluss stammt nicht vom Parlament sondern war eine Vorgabe des Geheimdienstes. Von da an galt es plötzlich als Verbrechen jemanden auf diesem Friedhof zu bestatten. Was im Iran Gesetz genannt wird ist in jeder Stadt und jeder Gemeinde der Agent des Geheimdienstes, der sich als Gesetz betrachtet. Die Definition von Gesetz ist heutzutage außerhalb des Rahmens, wie wir ihn kennen und völlig anders als unsere klassische Definition von Gesetz und Ordnung. Im Iran ist Gesetz, was einige wenige Leute wollen, von denen die meisten dazu noch geisteskrank sind.“

mehriran.de

(Foto: Dr. Seyed Mostafa Azmayesh, Internatonales Komitee für die Rechte von Studenten und Derwischen im Iran

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