Medienkoffer: Ideologische Indoktrination der perfidesten Art

30. August 2011, 08:46 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte: , | von Redaktion
Foto: Boecker
Redaktion FreieWelt.net

Im Interview mit FreieWelt.net kritisiert der Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken AEK in der CDU, Martin Lohmann, den Berliner Medienkoffer „Sexuelle Vielfalt, Familien und Lebensweisen“ und die Zurückhaltung seiner Parteikollegen hierzu Stellung zu beziehen. Die betroffenen Familien fordert er auf, „ihr Recht, das eigene Kind vor falschen und schädlichen Einflüssen bewahren zu wollen“ einzufordern.

FreieWelt.net: „Schulfach schwul“ titelte die Berliner Zeitung, „Sex-Koffer für Berliner Grundschüler“ schrieb die Tagespost – die Rede ist vom Berliner Medienkoffer „Familien, Lebensweisen und Sexuelle Vielfalt“, mit dem die Berliner Grundschüler das Thema „Sexuelle Vielfalt“ fächerübergreifend erlernen sollen. Gehört so etwas Ihrer Meinung nach in die Grundschule?

Martin Lohmann: Aufklärung gehört zum Leben, aber hier handelt es sich offenbar nicht um maßstabsgerechte Aufklärung. Und so etwas gehört nicht in eine Grundschule. Wer sensibel ist und aufmerksam, wird längst gemerkt haben, dass den Menschen, erst recht den kleineren und jüngeren, eine natürliche Scham eingepflanzt ist. Ich halte es für ein Vergehen an kleinen unschuldigen Kindern, wenn verklemmte Erwachsene meinen, ihnen ihre eigenen Verirrungen aufzwängen zu müssen. Das ist – sagen wir es offen und ehrlich – eine Form des Missbrauchs. Und zwar des Missbrauchs von Vertrauen, Zärtlichkeit und Respekt. Jeder und jede hat die Fähigkeit in sich schlummern, zum Mann oder zur Frau zu reifen. Und dabei sind Ehrfurcht und Vorsicht von jenen zu fordern, die sich der verantwortungsvollen Begleitung junger Seelen gerade in diesen kostbaren Fragen der Reifung stellen. Der Sex-Koffer hingegen ist ein billiger Tribut an eine sexualisierte Diktatur des Relativismus, der sich nur verantwortungslose Menschen willenlos ergeben. Hier wird das Geschenk einer erfüllten Sexualität banalisiert und seiner Kostbarkeit beraubt. Sexualität umfasst nämlich den ganzen Menschen und ist mehr als das Erlernen von Techniken. Dem Menschen wird so ein Schulfach nicht gerecht. Das ist nur primitiv.

FreieWelt.net: Aus der Berliner CDU sind dazu bislang keine kritischen Stimmen zu vernehmen gewesen. Ganz im Gegenteil: Der bildungspolitische Sprecher der CDU in Berlin, Sascha Steuer, findet die Materialien “kindgerecht und sinnvoll”. Ist staatlich verordnete Erziehung „weg von der klassischen Vater-Mutter-Kind-Familie“ mit dem christlichen Menschenbild, dem „C“ in CDU überhaupt vereinbar?

Martin Lohmann: Die erste Erziehungspflicht und das erste Erziehungsrecht haben die Eltern, nicht der Staat. Wenn so etwas wie die Berliner Schlichtheiten beim Versuch staatlicher Aufklärung herauskommen, dann ist das ein Skandal. Und es ist geradezu sträflich, wenn dann staatlicherseits auch noch versucht wird, die Familie und das christliche Menschenbild zu diskriminieren. Aber genau das geschieht, wenn andere und der Familie nicht gleichwertige Lebensformen faktisch gleichgestellt werden sollen. Das, was hier geschieht, ist ideologische Indoktrination der perfidesten Art. Eine Familie besteht nach wie vor – und das ist übrigens für die meisten in Deutschland lebenden Kinder auch noch der Normalfall – aus Mann und Frau, die als Erst- und Originaleltern gemeinsam Kinder haben. Eine kleine Anti-Lobby aber will genau das nicht mehr und macht geschickt viel Krach. Wir sollten darauf nicht reinfallen. Das, was Sie aus Berlin beschreiben, ist mit dem C in der Union nicht vereinbar.

FreieWelt.net: Als eine der ganz wenigen CDU-Politiker hat sich die Bundestagsabgeordnete Monika Grütters gegen die Initiative ausgesprochen. Sie sieht hier „Übereifer am Werk“. Warum stellt sich die CDU nicht stärker gegen solche Tendenzen?

Martin Lohmann: Keine Ahnung. Aber der Mut zur Wahrheit ist ja generell nicht überall selbstverständlich und selbstverständlich verteilt. Insofern ist meine Partei da ganz in der Mitte der Gesellschaft. Aber Sie haben natürlich Recht: Eigentlich sollten in der CDU mehr Mutige sein. Eigentlich. Ich lebe auch hier nach dem Prinzip Hoffnung: Sperare contra spem – Hoffen wider alle Hoffnung. Aber vielleicht müssen einige nur wachgerüttelt werden …

FreieWelt.net: Laut Richtlinien zur Sexualerziehung haben die Eltern keine Möglichkeit, ihr Kind von der Sexualerziehung im Unterricht befreien zu lassen. Was sollten betroffene Eltern tun, die das nicht wollen?

Martin Lohmann: Sich zusammenschließen und klagen, und zwar auf ihr Recht, das eigene Kind vor falschen und schädlichen Einflüssen bewahren zu wollen. Ich kann nur sagen: Meldet Euch laut zu Wort und lasst Euch nichts gefallen! Es geht um Eure Kinder und um Euer Sorgerecht, das ein Erziehungsrecht ist und eine Pflicht zum Schutze der Kinder!

FreieWelt.net: Es geht Ihnen ja nicht darum, Aufklärung aus der Schule zu verbannen. Wie sähe ihrer Meinung nach eine adäquate Sexualkunde in der Schule aus?

Martin Lohmann: Respektvoll. Würdevoll. Ganzheitlich und vor allem dem Alter  und Entwicklungsstand der Kinder und Jugendlichen entsprechend.  Sexualkunde in den Schulen sollte umfassend sein, das heißt: den ganzen Menschen mit Körper, Geist und Seele im Blick haben. Dazu gehören Themen wie Mann und Frau sein, biologische Fragen, Gesundheit, die Bedeutung des Jugendalters, Freundschaft, Verliebtheit-Liebe, Empfängnisverhütung und Empfängnisregelung, Nein-Sagen-Lernen, um die wichtigsten Themen zu nennen. Und diese sollten in angemessener und sensibler Sprache behandelt werden. Das wäre dann eine wirkungsvolle Sexualpädagogik, die  junge Menschen zur positiven Entfaltung der eigenen Persönlichkeit führen möchte.  So, wie es die unabhängige und überkonfessionelle Initiative von TeenStar seit Jahren in vielen Ländern macht und als Verein inzwischen auch in Deutschland. Ich empfehle Ihnen gerne die Internetseite  www.teen-star.de. Da kann man was lernen. Von der Berliner Koffern hingegen nicht.  

FreieWelt.net: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Kerstin Schneider

Zur Internetseite des AEK

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