Lubo¨ Motl: Es gibt keine menschengemachte Klimabedrohung

29. März 2010, 01:56 | Kategorien: Lebenswelt, Politik | Schlagworte: , | von
Redaktion FreieWelt.Net

Nach den Worten des ehemaligen Harvard-Dozenten Luboš Motl kann der Mensch das Klima nicht in signifikantem Maße beeinflussen - schon gar nicht durch CO2.  In den Augen des theoretischen Physikers aus Tschechien ist daher das gesamte Geld, das in die Klimapolitik fließt, verschwendet.  Und nicht nur vom dem Klimawandel, auch vor den am CERN durchgeführten Experimenten müsse sich niemand fürchten - vielmehr können die am CERN tätigen Physiker seiner Ansicht nach auf großartige Entdeckungen hoffen.  Im Exklusiv-Interview mit FreieWelt.net spricht Motl über irrationale Ängste vor der Wissenschaft, die Probleme der Klimapolitik- und forschung und die Ursachen dafür.

FreieWelt.net: Was sind die wichtigsten Ziele der am CERN durchgeführten Forschungsarbeit?

Luboš Motl: Die wichtigsten Ziele sind jene, deren Erreichen ungewiss ist, weshalb Physiker sie in der Öffentlichkeit kaum bewerben möchten.  Sie fürchten sich vor Rückschlägen, sollten sich ihre Hoffnungen nicht erfüllen.

Faszinierende Ergebnisse wären beispielsweise die Entdeckung von Supersymmetrie, oder – sehr viel unwahrscheinlicher – von Extra- Dimensionen (und Mini Black Holes) oder sogar etwas vollkommen unerwartetes.  Solche Ergebnisse wären ein Vielfaches des Kostenaufwandes wert.  All diese Szenarien würden ein Feuerwerk an Aktivität entfachen, es gäbe neue Arten von Partikeln und neue Phänomene zu studieren, neue Anreize für Theoretiker und eine Explosion von damit verbundenen Aktivitäten. Dies wären die größten Entdeckungen innerhalb der experimentellen Teilchenphysik seit mindestens 35 Jahren.  Sie würden unser Konzept vom Charakter der Elementarteilchen verändern.  Natürlich würde dieser Effekt auf die Welt der Physik beschränkt bleiben:  Ich kann mir realistischerweise kein Ergebnis vorstellen, dass Leute ohne physikalisches Interesse in Aufregung versetzen würde. 

Anderseits wird die Existenz des Higgs-Bosons (Anmerkung der Redaktion: Hypothetisches Austauschteilchen, das im Standardmodell der Elementarteilchenphysik vorausgesagt wird) , obwohl nicht direkt experimentell nachgewiesen, aufgrund seiner theoretischen Grundlage als zu 99,9 % sicher angesehen.  In der Sprache der Wirtschaft ist es in die Zukunft des Large Hadron Collider (LHC) „einkalkuliert“.  Die erwartete Entdeckung des Higgs-Bosons würde zwar öffentlich beworben, um zu zeigen, dass das Geld für den LHC nicht verschwendet war, allerdings wäre es unter Physikern eine große Enttäuschung, wenn das LHC außer dem Higgs-Boson nichts entdecken sollte.

Sollte der LHC noch nicht einmal das Higgs-Boson entdecken wäre das ein Schock und niemand weiß, wie die Physik daran angepasst werden könnte, zumindest niemand, dessen Name zurzeit geläufig wäre.

FreieWelt.net: Es wurde an einigen Stellen die Befürchtung artikuliert, dass die Experimente am CERN ein schwarzes Loch erschaffen könnten.  Was ist die Grundlage dieser Befürchtungen und gibt es einen Grund, Angst zu haben?

Luboš Motl: Dies beruht auf einer Kombination realistischer Möglichkeiten dessen, was das LHC möglicherweise erzeugen kann, zum Beispiel Schwarze Löcher, mit unrealistischen Vorstellungen über die Größe und die Eigenschaften solcher Schwarzer Löcher oder verbundener Objekte. 

Das LHC kann selbstverständlich neue, exotische Formen von Materie produzieren.  Dafür ist es schließlich gebaut worden.  Als Beispiele wären Schwarze Löcher oder Seltsame Materie (Anmerkung der Redaktion: Seltsame Materie (engl. Strangelet) besteht aus Elementarteilchen, die das Strange-Quark enthalten und auf der Erde nicht in stabiler Form vorkommen.) zu nennen.  Schwarze Löcher werden häufiger erwähnt, weil sie mehr Aufmerksamkeit erregen, aber es gibt wirklich keinen objektiven Grund, sie als Bedrohung anzusehen.  Sie sind genauso unwahrscheinlich, wie die anderen denkbaren „Bedrohungen“.  Es ist einfach nur in Mode,  von einer “Bedrohung durch Schwarze Löcher“ zu reden.  
 
Wenn die Extra-Dimensionen gebogen sind, so wie Lisa Randall und Raman Sundom es 1999 vorausgesagt haben und wenn sie groß genug sind, um durch den LHC erreicht werden zu können – die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt noch nicht einmal 1 % – dann kann der LHC kleine Schwarze Löcher produzieren.  Solche Schwarzen Löcher wären jedoch 10.000 mal so schwer wie ein Proton.  Sie würden sich nur wenig von Atomkernen unterscheiden.  Ihre Gravitation wäre ähnlich wie die von großen Atomkernen.  Außerdem würden sie wegen der Hawking-Strahlung sofort zerfallen.

Schwarze Löcher wären ungefährlich

Es wären also immer noch winzige Objekte, die von Laien nicht von anderen Elementarteilchen unterschieden werden könnten.  Sie könnten einzig aufgrund bestimmter Eigenschaften als „Schwarze Löcher“ bezeichnet werden:  Die Arten ihrer Interaktionen und ihres Zerfalls würden die von großen Schwarzen Löchern (die stark verkleinert wurden) imitieren.  Zum Beispiel würden sich die Zerfallsprodukte in viele Richtungen verteilen.  Aber ihre Größe wäre immer noch winzig klein, ohne dass sie größer oder gar gefährlich werden könnten. 

Man mag darüber diskutieren, was passieren könnte, wenn verschiedene Annahmen der aktuellen Physik  falsch sein sollten.  Selbst wenn wir „Mutationen“ in das anerkannte physikalische Bild des Experiments aufnehmen, würden diese Objekte noch immer harmlos bleiben.  Der letzte Schritt wäre anzunehmen, dass sie im Ruhezustand erschaffen werden können und nicht zerfallen usw..  Dann wären sie gefährlich.  Doch gibt es da immer ein letztes Argument, das zeigt, dass diese Bedrohung nicht real ist:  Wenn die Erde in dieser Form zerstört oder verschluckt werden könnte, wäre es vor Millionen von Jahren passiert, im Rahmen der Kollisionen unserer Erde mit hoch-energetischen kosmischen Strahlen, die in der Natur permanent auftreten und den Energien des LHCs ähneln.  Die Energie der kosmischen Strahlen ist viele Milliarden mal größer als die Energie der Protonen am LHC. 

Dieses Argument lässt sich übrigens auf eine Vielzahl von Katastrophenszenarien anwenden:  Die Erde ist ziemlich alt und im Laufe der Zeit sind ihr schon viele Dinge zugestoßen, dennoch existiert das Leben auf ihr seit Milliarden von Jahren ohne Unterbrechung.

FreieWelt.net:  Sie haben die aktuelle Diskussion über eine globale Erwärmung und die geplanten Gegenmaßnahmen als „alarmistisch“ kritisiert.  Glauben Sie, dass eine anthropogen verursachte globale Erwärmung existiert?

Luboš Motl: Damit ich das beantworten könnte, müsste man zunächst präzisieren, was wir unter „globaler Erwärmung“ verstehen.  Es ist eine Änderung der Temperatur – aber wir müssen die Grenzpunkte des Intervalls und die Methode zum Glätten der „zufälligen Schwankungen“ spezifizieren.  Aber ich denke der Begriff deutet an, dass die durchschnittliche Temperatur auf der Erde steigen müsste – permanent oder die ganze Zeit.  Wenn das die Definition sein soll, ist meine Antwort Nein, ich glaube nicht, dass eine anthropogen verursachte globale Erwärmung existiert.  Bei diversen Intervallen sind globale Erwärmung und globale Abkühlung gleichermaßen wahrscheinlich. Die Temperatur schwankt aus einer Vielzahl von Gründen permanent.

Das, was existiert ist der Treibhauseffekt, einschließlich des durch Kohlendioxid verursachten Treibhauseffekts (der sehr viel kleiner ist als der Effekt von Wasserdampf).  Aber dieser Effekt ist nur einer von Dutzenden oder Hunderten ähnlich bedeutender Faktoren, die das sich wandelnde Klima beeinflussen und es ist leicht zu erkennen, dass er keine signifikante Korrelation zu allumfassenden Temperaturänderungen besteht.  Natürlich beeinflusst die Menschheit das Klima – und die Erde – in vielerlei Hinsicht, aber sie kann mit Sicherheit nicht das Ausmaß der Temperaturänderungen der nächsten zehn Jahre oder so bestimmen oder garantieren.

Selbst für die nachweisbaren menschlichen Einflüsse auf das Klima benötigt man eine systematische industrielle Aktivität und CO2-Produktion von mehr als 50 Jahren.  Doch diese nachweisbaren Einflüsse sind immer noch zu klein, um relevant zu sein.

FreieWelt.net:  Das IPCC besteht aus etablierten Wissenschaftlern. Liegen sie alle falsch? 

Luboš Motl: Nein, sie liegen nicht alle falsch.  Zunächst einmal stimmt es nicht, dass alle Mitglieder des IPCCs der Ansicht sind, es gäbe eine menschengemachte Klimabedrohung.  Es ist die Ansicht eines großen Teils des IPCCs, insbesondere der Politiker, Bürokraten, Eisenbahningenieure und NGOs, die den ganzen Prozess tatsächlich kontrollieren, aber es ist nicht die Meinung aller Mitglieder des IPCC.  Es stimmt, dass eine Mehrheit von ihnen an die Bedrohung glaubt.  Und ja, diese Leute, die starke Bindungen an die Umweltbewegung und die grüne Industrielobby haben, liegen alle falsch.

Ihre große Zahl ist aber nicht weiter spektakulär.  In den letzten ein oder zwei Jahrzehnten haben sich die finanziellen Mittel der Klimawissenschaft aufgrund einer möglichen Klimabedrohung verzehnfacht.  Das heißt in anderen Worten, dass 90 % der heute in diesem Bereich beschäftigten Menschen in den letzten zehn bis 20 Jahren eingestellt worden sind, um eine vorher festgelegte Schlussfolgerung nachzuweisen.   Und sie wissen, wofür sie bezahlt werden.

Klimawissenschaft müsste 90 % der Mitarbeiter loswerden

Es ist also nicht weiter erstaunlich, dass sie für das Geld etwas vorweisen.  Damit die Klimawissenschaft ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnt, müsste sie 90 % der Leute loswerden, die sich nicht für die Wissenschaft selbst, sondern nur für die in der Politik anwendbaren Aspekte interessieren.  Je mehr Leute sich mit ihr befassen, umso unglaubwürdiger wird diese Disziplin.
Darüber hinaus war die Klimawissenschaft selbst vor der Expansion ihrer „katastrophen- orientierten“ Unterabteilung die am wenigsten prestigeträchtige aller physikalischen Wissenschaften. 

An so ziemlich jeder Universität mit physikalischen Wissenschaften entschieden sich stets die schlechtesten Studenten für die Wissenschaften von Atmosphäre/Wetter/Klima, weil sie nichts anderes gut konnten.  So war es schon immer und vernünftige Klimatologen wie Professor Richard Lindzen vom MIT sehen das genauso wie ich.  Aber die Qualität des Faches verschlechterte sich noch drastisch, nachdem man begann Leute zu beschäftigen, die sich mehr für mögliche negative Auswirkungen auf den Menschen als für das Klimasystem interessierten.

Bei einer vernünftigen Wissenschaft geht es nicht darum, die Zahl der mittelmäßigen oder unfähigen Wissenschaftler, die einen bestimmten Standpunkt unterstützen, zu zählen oder zu addieren.  Ein Wissenschaftler der weiß, wie man richtig forscht – und, was noch wichtiger ist, dies auch umsetzt, ist mehr Wert als tausende von Durchschnittstypen, die sich gegenseitig wiederholen ohne  irgendwelche hochwertige Arbeit zu leisten.  Der ClimateGate-Skandal hat zudem gezeigt, dass die grundlegenden Behauptungen bezüglich der Existenz einer globalen Erwärmung stark von ca. einem Dutzend stark untereinander verbundenen Individuen abhingen, die die wissenschaftliche Integrität ihres Fachbereichs vernachlässigt haben. Es ist daher Unsinn von Hunderten von Wissenschaftlern zu sprechen, die diese Theorie stützen würden.

FreieWelt.net: Wie würden Sie den aktuellen Wissensstand über das globale Klima und mögliche Einflüsse des Menschen beschreiben?

Luboš Motl: Das Klima ist ein komplexes System mit vielen relevanten Auswirkungen – und die wissenschaftliche Disziplin, die es untersucht ist ziemlich interdisziplinär.  Einige der Auswirkungen haben wir sehr gut verstanden, andere haben wir sehr wenig verstanden, eine weitere Gruppe bleibt bisher im Unbekannten.  Kurz gesagt:  Die Dynamik der Atmosphäre wird von relativ befriedigenden meteorologischen Modellen beschrieben, die das Wetter für ungefähr eine Woche im Voraus vorhersagen können.

Für längere Zeiträume müssen völlig neue Methoden angewendet werden.  Geologische, glaziologische und andere Methoden stehen derzeit zur Rekonstruktion des Klimas in lange vergangenen Zeiten zur Verfügung.  Die Veränderungen des Klimas der Vergangenheit treten in Zusammenhang mit einer Kombination von orbitalen Schwankungen der Erde (sehr gut erforscht, aber ohne deutliche Übereinstimmung mit den Temperaturen); zyklischen Veränderungen der Meeresströmung und weiteren Effekten, die war vom Prinzip, jedoch nicht in ihren genauen Auswirkungen verstanden worden sind.

Die  zukünftige Temperatur ist ungewiss

Auf einer nach Jahrhunderten aufgeteilten Zeitskala bewegt sich die Änderungen der globalen Durchschnittstemperatur normalerweise im Bereich von ca. 0.5 °C.  Das 20. Jahrhundert bildet da keine Ausnahme.  Es ist auch bekannt, dass durch den Treibhauseffekt bei einer Verdoppelung der CO2 Konzentration 1.2 ° C hinzukommen.  Dieser ungefähre Wert scheint mit der Erwärmung während des 20. Jahrhunderts, die etwa 0,6 ° C beträgt, kompatibel zu sein.  Diese Erwärmung hätte also vollständig durch CO2 verursacht werden können.  Selbst wenn das so wäre, würde die Erwärmung innerhalb des folgenden Jahrhunderts nur weitere 0.6 °C betragen, denn die Abhängigkeit der Erwärmung von der CO2-Konzentration nimmt ab, wenn die Konzentration zunimmt – ähnlich wie bei einer logarithmischen Funktion.

Es existiert jedoch eine Vielzahl von Effekten, die die Temperatur innerhalb eines Jahrhunderts um mindestens 0.5 °C verändern.  Das entspricht zum Beispiel dem Effekt eines einzigen Vulkanausbruchs (der mindestens fünf Jahre andauern würde und sogar dauerhaft sein kann) und das wäre immer noch ein geringerer Effekt als der des El-Niño-Zyklus und der von vielen anderen Dingen.  Niemand kann sicher sein, dass das Jahr 2100 wärmer oder kälter sein wird als die Gegenwart.  Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es wärmer sein wird ist lediglich ein bisschen höher als die, dass es kälter sein wird.

FreieWelt.net: Warum glauben Sie, gibt es so eine scharfe Debatte unter Wissenschaftlern?  Sind die Skeptiker wirklich  verrückte Extremisten?

Luboš Motl: Ich bin überzeugt, dass der tschechische Präsident Václav Klaus mit seiner Meinung richtig liegt, dass der wahre Hintergrund dieser Debatte eher ein politischer als ein wissenschaftlicher ist.  Die Debatte ist daher so scharf wie bei vielen anderen, entscheidenden politischen Fragen.  Den Leuten geht es um die politischen Konsequenzen der möglichen Ergebnisse.  Schließlich stehen laut den extremen Vorhersagen der jeweiligen Seiten entweder Billionen von Dollar oder die Zukunft der Erde auf dem Spiel.

„Die Befürworter einer CO2-Regulierung interessiert es nicht, ob ihre Theorie stimmt“

In einigen Fällen unterscheiden sich die Meinungen über die wissenschaftlichen Zusammenhänge kaum bei „Skeptikern“ und „Gläubigen“.  Glauben Sie mir, ich habe hunderte von Wissenschaftlern getroffen und  ich weiß einiges über ihre typischen Vorurteile und Argumentationsschemata.  Die Befürworter einer CO2-Regulierung interessiert es nicht, ob ihre Theorie stimmt und vor allem glauben sie auch nicht, dass es zuverlässige Beweise dafür gibt, dass sie stimmt:  Ihnen gefallen einfach die Konsequenzen, die sich aus dem Glauben an ihre Richtigkeit ergeben.

Oft hört man den Satz „Selbst wenn sie nicht stimmen, sind die Ergebnisse nicht dennoch wünschenswert?“  Nun, wenn sie wünschenswert sind, ist es nicht weiter erstaunlich, dass viele es bevorzugen zu glauben (und andere dazu bringen, es ebenfalls zu glauben); dass die ursprünglichen Annahmen wahr sind, weil der Glaube an sie zu „wünschenswerten“ Ergebnissen führt.  

Durch den politischen Charakter der Frage wird die wissenschaftliche Gemeinde unausweichlich in die Richtung ihrer politischen Einstellung gedrängt.  Die Tatsache, dass die Mehrheit der Wissenschaftler die Annahme einer menschengemachten Klimabedrohung unterstützt ist letzten Endes nichts als die Konsequenz der politisch linken Einstellung vieler Wissenschaftler.  Sie bevorzugen mächtigere Regierungen, mehr Umverteilung und erhöhte Ausgaben für Forschung und Bildung, so wie andere Dinge, die ihren Standpunkt in dieser hoch-politisierten Angelegenheit beeinflussen.

„Politische Erwartungen sind der Antrieb des Ganzen“

Wenn all diese Empfindungen verschwinden würden, würde niemand sagen, dass eine menschengemachte Bedrohung des Klimas existiert.  Politische Erwartungen sind der Antrieb des Ganzen.  Für eine Klimabedrohung innerhalb der vorhersehbaren Zukunft gibt es kein einziges überzeugendes wissenschaftliches Argument.

Die Skeptiker oder -  zumindest einige von ihnen  -  sind die einzig vernünftige Gruppe innerhalb der Diskussion.   Die Extremisten kann man auf der anderen Seite finden – Leute wie James Hansen, der aus völlig irrationalen Gründen daran glaubt, dass der Meeresspiegel um Dutzende von Metern ansteigen wird und jederzeit bereit ist, sich gemeinsam mit den radikalsten Aktivisten verhaften zu lassen.  Das einzige Problem ist, dass diese Gruppe von extremen Wissenschaftlern seit vielen Jahren insbesondere in der Klimawissenschaft große Bedeutung erlangt hat.

Solche außergewöhnlichen Entwicklungen geschehen manchmal zwangsläufig (Klimaaktivisten sagen oft, dass „2 Sigma“-Ergebnisse ausreichend sind – während in der Physik „5 Sigma“-Ergebnisse als goldener Standard gelten – diese bedeuten ein sehr viel größeres Vertrauen in die Richtigkeit einer Theorie).  Es ist wichtig, dass solche außergewöhnlichen Entwicklungen nicht den Rest der Wissenschaftsgemeinde oder den Rest der Zivilisation infizieren.

FreieWelt.net: Selbst wenn die globale Erwärmung nicht menschengemacht ist, sollten wir nicht trotzdem auf sie reagieren?

Luboš Motl: Eigentlich nicht.  Unabhängig von den genauen Ursachen der Temperaturveränderungen (die mit Sicherheit sehr viele Gründe umfassen); ist es irrational zu versuchen, diese Veränderungen „abzumildern“.  Wir können sie heute schlicht und einfach nicht beeinflussen.  Zu stalinistischen Zeiten gab es in der Tschechoslowakei den beliebten Slogan „Wir beherrschen den Wind und den Regen“.  Es hat nicht funktioniert.  Vielleicht werden der Menschheit im Jahr 2300 die Instrumente zur Verfügung stehen, um die Temperatur auf der Erde signifikant zu verändern, aber heute stehen sie nicht zur Verfügung.  Und ich bin sicher, dass falls Leute in der Zukunft effiziente Methoden zur Manipulation des Klimas entdecken, diese Methoden nichts mit CO2 zu tun haben werden.

Aber selbst wenn wir das Klima manipulieren könnten, wäre es immer noch schwer zu sagen, ob wir es tun sollten und in welche Richtung man dabei gehen sollte.  Meiner Ansicht nach ist es zum Beispiel offensichtlich, dass ein um mehrere Grad wärmerer Planet für das Leben und damit für uns sehr viel besser wäre.

Temperaturveränderung ist vernachlässigbar

Darüber hinaus wird oft missverstanden, wie komplett vernachlässigbar die Temperaturveränderung ist.  Selbst wenn wir die relativ schnelle Erwärmung der letzten 30 Jahre hochrechnen würden, die laut Satelliten-Messungen 0.13 ° C pro Jahrzehnt beträgt, würden wir nur auf 1.3 ° C pro Jahrhundert kommen (Und es gibt gute Gründe anzunehmen, dass so eine naive Hochrechnung eine Überschätzung darstellt).  Eine Erwärmung um 1.3 ° C würde eine Gesellschaft selbst dann kaum beeinflussen, wenn sie innerhalb eines Jahres auftreten würde.  Die selbe Veränderung innerhalb von 100 Jahren kann de facto überhaupt nur entdeckt werden, wenn sehr anspruchsvolle Instrumente und exakte statistische Verfahren verwendet werden: Der „Lärm der Natur“ verbirgt solche eine systematische Veränderung und macht sie damit unsichtbar.  Die Veränderungen der Temperatur um bis zu 10 ° C, die wir oft innerhalb eines Tages erleben, sind kein Zufall.  Sie zeigen, dass es wenig Sinn ergibt, die Temperatur zu genau zu messen.

Geld für Klimaaktivismus ist verschwendet

Die angestrebten Abmilderungen können daher rational nicht gerechtfertigt werden:  Die Kosten würden den Nutzen um ein Vielfaches übersteigen .  Das gesamte Geld, das dort investiert wird, ist komplett verschwendet.

Eine andere Geschichte ist die Anpassung.  Natürlich werden sich Leute an jeden Wandel des Klimas und der Umwelt anpassen müssen.  Nichtsdestotrotz ist der Klimawandel im Vergleich zu anderen Faktoren, die das Leben von Menschen beeinflussen, vernachlässigbar.  So entsteht zum Beispiel praktisch die gesamte Migration aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen.   Menschen sind bereit, an Orte auszuwandern, deren Durchschnittstemperatur um mehr als 10 °C von der ihrer Heimat abweicht, wenn Wirtschaft und Politik ihnen dort mehr entgegen kommen.  Wenn sogar 10 ° C im Vergleich zur Wirtschaft vernachlässigbar sind wird deutlich, dass 1.3 °C – ober selbst die vom IPCC übertrieben erweise geschätzten 3 ° C kein entscheidender Faktor sein können.

 FreieWelt.net: Welche Art von Umweltpolitik unterstützen Sie?

Luboš Motl: Ich unterstütze eine Politik, die die Luft, die Seen, die Wasserreservoire usw. sauber hält und sich dabei an Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit sowie auf bekannte und wichtige Tiere und Pflanzen orientiert.  Die Verursacher von Verschmutzungen müssen finanziell dafür verantwortlich sein, einen Zustand der Umwelt herzustellen, in dem zu leben angenehm ist.
Wenn ich das sage wird deutlich, dass die Frage wie angenehm es sein sollte von den Leuten abhängt, die dort leben, ökonomische Überlegungen müssen deshalb immer eine Rolle spielen.  Eine sehr saubere Umwelt ist ein Luxus, den sich nur sehr reiche Gesellschaften leisten können.  Man kann nicht von anderen einfordern, einen größeren Luxus zu kaufen als sie tatsächlich wollen.  Wenn ein reicheres Land von einem ärmeren Land verlangt etwas zu tun, das über die Vorstellungen des ärmeren Landes von einer sauberen Umwelt hinausgeht, muss das reiche Land dies bezahlen, denn es handelt eigennützig.

Man kann kein Fundamentalist sein.  Ein Wald ohne Bierflaschen ist schöner als einer mit Dutzenden von Bierflaschen – aber der Unterschied in ihrem Wert ist nicht unendlich.  Letzten Endes muss jede Gesellschaft eine realistische Einschätzung davon haben, welche Schäden durch bestimmte Umweltverschmutzer Handlungen verursacht werden.

CO2 ist keine Umweltverschmutzung

Und allgemeiner zu dem beliebten Thema:  CO2 ist keine Umweltverschmutzung:  Es ist ein unschuldiges Gas und eine Pflanzennahrung (die notwendig ist, damit die Natur grün sein kann); dessen Konzentration um den Faktor 25 steigen müsste, um gesundheitliche Probleme bei Menschen und einigen Tieren hervorzurufen.  Es ist eine unwissenschaftliche und falsche Annahme, dass CO2 reguliert werden müsste, um die Umwelt zu schützen.  Der Temperatureffekt dieses Spurengases ist wie gesagt sehr gering und dasselbe gilt auch für seinen Beitrag zur Versauerung.  Der pH-Wert des Ozeans kann sich innerhalb mehrerer Jahrhunderte maximal um 0.2 ändern – und er wird innerhalb der nächsten 300 Jahre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit oberhalb von 7.0 bleiben.  Die im Ozean lebenden Organismen können sehr viel größere pH-Veränderungen aushalten.  Wer ein Aquarium besitzt, weiß, dass Fische in pH-Werten zwischen 5.0 und 9.0 leben können.  Im Vergleich dazu ist unser möglicher Einfluss auf die Ozeane zu vernachlässigen.

FreieWelt.net: Noch etwas anderes zum Abschluss:  Sie haben sich selbst als einen „christlichen Atheisten“ bezeichnet.  Könnten Sie für unsere Leser erklären, was das ist.
 
Luboš Motl: Ich habe mir den Begriff von Oriana Fallaci ausgeliehen, die sich so bezeichnet hat.  Er beschreibt eine Person, die üblicherweise nicht in die Kirche geht und nicht in einem konventionellen Sinn an Gott glaubt (denn das würde sich meiner Meinung nach mit einem wissenschaftlichen Verständnis der Welt schwer zusammenbringen lassen – außerdem gehört meine tschechische Heimat zu den säkularsten Nationen der Welt); die Werte, Traditionen, Geschichte und Moral des Christentums aber dennoch als eine wichtige Stütze der zivilisierten Welt ansieht, die geschützt werden muss. Auch weil sie dafür sorgt, dass sich unsere Gesellschaft nicht so schnell auf den falschen Weg begibt.

Das Interview führten Fabian Heinzel und Steffen Hentrich

zum Blog von Luboš Motl: http://motls.blogspot.com/

Luboš Motl in der Wikipedia (englisch)

(Foto: Mormegil/Wikipedia)

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10 Kommentare auf "Lubo¨ Motl: Es gibt keine menschengemachte Klimabedrohung"

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