Beatrix von Storch (AfD), MdEP

»Im Wahlkampf brauchen wir jede Hand«

Beatrix von Storch, Mitglied des EU-Parlaments, hat ihre Kandidatur für den Landesvorstand der AfD Berlin angekündigt. Dem Landesverband stehen im Jahr 2016 Wahlen ins Haus. Am 18. September wird das neue Abgeordnetenhaus gewählt.

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FW: Sehr geehrte Frau von Storch, warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschlossen?

Beatrix von Storch: Die AfD ist in einer entscheidenden Situation. Das Jahr 2016 ist das Jahr vor der Bundestagswahl und das Jahr der Abgeordnetenhauswahl in Berlin. Wahlerfolge sind angesichts der Umfrageergebnisse Pflicht, aber keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Ich möchte helfen, dass wir hier nun die Schritte in der richtigen Richtung und in der richtigen Geschwindigkeit setzen.

FW: Was sind denn die richtige Richtung und Geschwindigkeit?

BvS: Die AfD ist eine liberal-konservative Partei. Wir haben sicher Strömungen. Man kann sagen auch mehr als zwei oder drei. Nachdem sich im Juli eine kleine Splittergruppe abgespalten hat, sieht man das auch ganz deutlich. Wir haben also einen innerparteilichen Pluralismus, der auch im Kurs der Partei zur Geltung kommen muss. Liberale, Konservative, Patrioten, Christen, Libertäre – bunt, könnte man sagen. Anders bunt als  alle anderen aber.

FW: Für welche Strömung stehen Sie?

BvS: Das Motte meines diesjährigen Kalenders heißt: „Mit Mut zur Freiheit und mit Herz für Deutschland“. Ich bekenne mich dazu, Christ zu sein und sonntags sogar in die Kirche zu gehen. Ich will weniger Staat und das Geldsystem überdenken. Die traditionelle Familie will ich klar stärken. Und das alles, weil es das Beste für Deutschland ist. Oder anders gesagt: Ich will garantieren, dass alle Strömungen im Gleichgewicht bleiben und keiner den anderen dominiert. Es gibt niemanden in der Partei, mit dem ich nicht reden kann, den ich nicht in seiner Art der Politik verstehe. Diese Ausgewogenheit wünsche ich mir auch für unseren Landesverband Berlin.

FW: Fehlt denn diese Ausgewogenheit bisher?

BvS: Der aktuelle Landesvorstand hat gute Arbeit gemacht in einer schwierigen Situation. Eine Partei, die nicht links ist, ist mit besonderem Fingerspitzengefühl zu führen und das hat der Vorstand gezeigt.

Ich habe mit dem alten Landesvorsitzenden Günter Brinker oder Götz Frömming und anderen schon gut zusammengearbeitet und kann mir vorstellen das auch in Zukunft zu tun, was keinesfalls heißt, dass es nicht auch andere Kandidaten gibt, die gut in das Team passen würden. 

Die Arbeit unter dem alten Bundesvorstand war auch nicht immer einfach. Und auch der Sommer mit dem Bundesparteitag war für alle Gliederungen eine Belastung. Manches vormals gute persönliche Verhältnis hat darunter gelitten. Das und sonstige persönliche Differenzen, die es überall gibt, wo Menschen aufeinander treffen, müssen wir hinter uns lassen. Ich glaube, es ist nun an der Zeit, über die Vergangenheit hinwegzugehen und nach vorne zu schauen. Das erfordert zugegebenermaßen gelegentlich Größe. Wir haben aber eine Verantwortung für dieses Land, das die Bundeskanzlerin Merkel in die schwerste Krise seit dem Krieg geführt hat. Man kann sagen: sie ruiniert es. Und da muss eben jeder, dessen Herz für seine Heimat schlägt, seinen Teil beitragen und einen Schritt auf die Parteifreunde zugehen. Für mich ist klar, wenn jemand alte Animositäten oder seine Eitelkeiten und Ambitionen pflegt, sich einen faulen Lenz machen will, den Ton verschärfen will oder nicht teamfähig ist, dann ist er eine Belastung für die Partei. Egal ob als Chef einer Landtagsfraktion oder stets nur störendes Mitglied eines Kreisverbands. Wir müssen uns alle in den Dienst der Sache stellen. Das ist eine Kardinaltugend, die ist definierend für die AfD. Nur als Team sind wir stark. Wir brauchen ein Team mit einem Kapitän, oder gerne auch zwei, die dennoch Mannschaftsspieler sind. Für die nun geforderte klarere, unmißverständliche Profilierung des Berliner Landesverbandes nach außen werde ich mich stark machen. Das fehlt dem Landesverband vielleicht noch. Aber dafür ist der Verband in den letzten Jahren kontinuierlich aufgebaut worden. Nun ist er soweit und wir gehen raus, in die Wahl. Ich fühle mich dafür gut gerüstet.

FW: Sie sagten, dass die Arbeit des alten Landesvorstands gut war. Gibt es dennoch etwas, was Sie anders oder besser machen wollen, wenn Sie gewählt werden?

BvS: Ich will meine politische Kompetenz zur Verstärkung der bisherigen Arbeit einbringen. Wir haben einen Wahlkampf zu bestreiten und da müssen wir in kurzer Zeit unseren eigenen Verband kampagnenfähig machen. Kampagnen sind mir sehr vertraut, von meiner langjährigen Erfahrung soll die AfD Berlin profitieren. Die Grundlage dafür aber ist besserer Zusammenhalt, indem wir unsere interne Koordination und Kommunikation verbessern. Da gibt es z.B. die Baustelle mit dem Stammtisch und wir müssen die Einbeziehung der Bezirke verbessern. Als Bezirksvorsitzende weiß ich, dass unser Informationsfluss besser organisiert werden kann. Und wir müssen ein Forum schaffen, auf dem sich unsere Berliner Mitglieder austauschen können. Am besten online und offline. Wenn wir das schaffen, entwickeln wir das erforderliche Teamgefühl, das Grundlage für einen erfolgreichen Wahlkampf ist. Denn im Wahlkampf brauchen wir jede Hand.

FW: Was ist ihr Ziel für den September?

BvS: Wir müssen davon ausgehen, dass die Bundeskanzlerin auf uns hört – und daher ganz plötzlich weg sein kann. Unsere derzeit guten Umfrageergebnisse sind nicht in Stein gemeißelt. Wer sich heute zu sicher ist, der tut weder sich noch der Partei einen Gefallen. Deshalb sagte ich eingangs ja, ein Schritt vor den anderen - in der richtigen Geschwindigkeit. Wir dürfen uns nicht übernehmen und zu viel auf einmal wollen. Berlin ist ein schwieriges Pflaster, für eine Partei, die nicht links ist.

FW: Sehr geehrte Frau von Storch, herzlichen Dank für dieses Interview. 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Egon D.

Das war sehr nötig, viel Erfolg und Danke

Gravatar: Aspasia

Ich kann diesen Schritt von Beatrix von Storch nur begrüßen.
Sie ist ein klarer Gewinn für die Partei und verfügt nicht nur über eine souveräne Haltung sondern auch über hervorragendes Fachwissen.

Ein Gewinn für die AfD!

Gravatar: Bartholomay

Noch ist Deutschland nicht verloren !
Um wieder vorwärts zu kommen und das Land in Politik und Gesellschaft zu einen,ist es notwendig zurück zur Wahrheit und damit Destabilisierung und Chaos zu beenden.Die Spaltung Deutschlands kann nur überwunden werden,wenn Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit wieder hergestellt werden,im Sinne des Grundgesetzes.Willkür und Amtsmißbrauch sind Ursachen für den Zustand in dem sich befindet dieses Land.
Die AfD,ihre Mitglieder und ihre Wähler sind die Basis.
Dem Volk muß anschaulich vermittelt werden,was das Ziel der AfD ist und welche Schritte (Weg) dazu notwendig sind und auch konsequent als Parteiprogramm,Schritt für Schritt umgesetzt werden sollen.Das Volk braucht Orientierung ,die es durch die Politik der Altlastparteien nicht mehr hat.Somit wurde auch das Prinzip der Demokratie unwirksam gemacht,und nur noch ca.50% beteiligen sich an Meinungsumfragen - was Wahlen genannt wird.Ich persönlich wünsche der AfD, Zusammenhalt in der Partei um Deutschland u. Europa wieder zu einen,statt zu diktieren und Chaos schaffen ohne Waffen.

"Das wollen wir abschaffen !!"

Gravatar: Sabine Fazius

Gutes Interview! Aber wer hat das Interview geführt?
Berlin braucht einen Neuanfang, lese ich heraus
Doppelspitze Georg Pazderski - v. Storch könnte man sich vorstellen, sodie verbreitete Meinung der Berliner AfD Basis.
Die derzeitigen Kommunikationsdefizite durch den bisherigen Landesvorstand, wohl insbesondere wie ich gehört und mitbekommen habe, durch den Pressesprecher und Landessprecher Brinker, sollte in der Tat neu entschieden werden.
Eine interne Berliner AfD Zeitung gibt sich selbstkritisch, mutig und offen, mithin auch konstruktiv und positiv in die Zukunft gesehen, was die Vorschläge eines unbedingt "Besser werdens" betrifft.

Die in der Zeitung vorgebrachten 4 % Umfragewerte für Berlin im Vergleich zum Bundestrend, schockieren und irritieren auf den ersten Blick, aber in Bezug auf die Unberechenbarheit der s.g. repräsentativen Meinungsumfrageinstitute, ein klares Signal an noch größere Anstrengungen als bisher, wo doch selbst bei den aktuellen Umfragewerten von 9-11 % Bundesweit, gerade für Berlin als Bundeshauptstadt jenseits der 15% noch viel Luft zu erwarten ist.

Dass solche Ergebnisse nicht, wie ironischerweise im Artikel der Berliner Polifakt AfD Zeitung im "Schlafwagen"-Abteil erzielt werden können, erschließt auch mich als außenstehende Beobachterin, weil es meiner Meinung nach, mehrere ICE-Zugmaschinen braucht um den am Bundestrend aufzuschließen und insbesondere die 20 % Marke ansteuern, damit auch hier im Berliner Abgeordnetenhaus endlich frischer Wind in die verfilzten Strukturen reinkommt.

Wieso sollte da nicht auch im Berliner Landesverband eine "Wachablösung" erfolgen.
Zweifel allerings seien mir allerdings erlaubt zu erwähnen, in der Frage der vielen Ämter, die Frau von Storch zusätzlich in der AfD bekleidet ( EU-Abgeordnete in Brüsel, Bundesvorstandsmitglied, AfD-Bezirksvorstandvorsitzende im Berliner Bezirk Mitte, Vorstand zivile Koalition usw.), ob sie wirklich an oberster Spitze, den großen zusätzlichen Anstrengungen und Zeitpensum für ein Fulltime ausfüllenden Landessprecher Posten gewachsen ist. Der Tag hat nur 24 Stunden, die Woche 7 Tage. Wie in der freien Wirtschaft, braucht es die absolute Konzentration auf ein Projekt, um dieses erfolgreich am Markt positionieren zu können. Wenn man den aufkommenden Gegenwind und die Angriffe der Konkurrenzparteien noch berücksichtigt, so könnten da Zweifel aufkommen.

Allein mit Delegieren von Oben nach Unten, ohne mit der Basisbelegschaft direkt in Kontakt zu stehen, werden Projekte naturgemäß scheitern.
Ob dieses Risiko bedacht wurde und ob dann auch die besten und fähigsten Leute in den Vorstand gewählt werden, wird letzlich die Mitgliedschaft auf den Parteitag entscheiden, so sie denn auch wirklich für die Sache der AfD und die ernsten Sorgen der Bürger einstehen, und nicht nur ihr eigenes Fortkommen innerhalb der zu vergebenden oder in Aussicht gestellten Posten in den Vordergrund rücken.
Ein "Weiter so " oder "Wir schaffen das" scheint wohl ein eindeutiges Signal an den jetztigen Vorstand zu sein.
Bin gespannt.

Hier der Link zur Berliner AfD Sonderausgabe:

http://issuu.com/alternativ9/docs/polifakt_sonderausgabe_berlin

Gravatar: E.L.

Bravo, hier muss eine klare Linie her in all dem unendlichen Chaos. Eine starke Persönlichkeit ist gefragt, die es auch wagt die alten Strukturen aufzubrechen. Wir sind kein Volk, welches ohne Führung auskommt.
Frau von Storch- Sie schaffen das viel besser als Frau Merkel. Unterschreiben Sie nur ja nicht den Vertrag/Treueeid zu/für die Alliierten sonst hat die Afd keine Zukunft und die Bevölkerung wird weiterhin Stück für Stück enteignet!

Gravatar: Alfred

Vorsicht vor Wahlbetrug!
Gerade in SPD-Wahlbezirken ist besondere Vorsicht geboten!
Wenn jemand glaubt, in Deutschland geht alles mit rechten Dingen zu, der irrt gewaltig!

Gravatar: RisingEuropeAgain

Sehr geehrte Frau von Storch,
vielen Dank für ihr Engagement!

Ich finde auch gut, dass CivilPetition zur richtigen Zeit die richtigen Petitionsentwürfe als E-mails verschickt, damit die patriotischen Bürger schnell und einfach (und in größerer Zahl) den verantwortlichen Politikern ihre Meinung zu deren miserablen Politik kundtun können! (...und so evtl. ein Umdenken bewirken können!)

Hier fehlt mir zum JETZIGEN Zeitpunkt noch eine Petition/Aufforderung an alle CDU/CSU-Bundestagsabgeordnete, dass diese sich JETZT (wo das Petitionspapier bei denen intern die Runde macht) gegen Merkels kopflose "Politik der offenen Grenzen" stellen mögen! (bzw. für Merkels Rücktritt...)

Ich wäre ihnen sehr dankbar, wenn sie da vllt. noch eine Aktion in dieser Richtung mitinitiieren würden! Danke! LG

Gravatar: Hayadale

Ermutigend, Frau v. Storch!

Ich stimme mit jeder Faser für die AfD. Auch in meinem Umfeld ist die Stimmung so.

Einen Wackelposten allerdings hat die AfD trotz aller Hoffnung vieler Bürger.

Wenn die AfD wieder den Fehler macht, und dann noch vor den Wahlen die vor uns liegen, einen Parteiinternen Streit um die richtige Richtung oder um Personen auszutragen, gar öffentlich auszutragen, hat sie ein- für allemal verspielt.
Die letzte, einzige Hoffnung, die Deutschland für einen Neuanfang zu bieten hat, wäre dann wie eine Seifenblase zerplatzt.
Sie sagen es: "Jede Hand wird im Wahlkampf benötigt." Aber dabei darf es nicht bleiben. Der richtig geführte Wahlkampf ist auch nur ein kleiner, wenn auch wesentlicher Schritt zum Erfolg der AfD.

Viel wichtiger ist, das die AfD den Wählern eine eindeutige Richtung, fernab der verrotteten Altparteien aufzeigt und wirklich kompetente Leute gewinnen kann und diese in der Öffentlichkeit entsprechend bewirbt. Es ist wichtig, das Deutschland sehen kann, WIE sich die AfD die Zukunft Deutschlands mit der AfD vorstellt. Die potentiellen AfD-Wähler wollen ihre Identität und Ihr (Deutsch)Land nicht in Frage stellen müssen, sondern wollen es sicher wähnen.
Machen Sie Ihre (eindeutigen) Parteiprogramme öffentlich und das so oft es geht.

Die AfD hat aus meiner Einschätzung für die nächste Bundestagswahl ein Potential von 22%+, wenn, ja wenn, sie sich nicht wieder selbst in die Suppe pinkelt.

Ach ja - Berlin.
Berlin ist unberechenbar, in der Tat. Leider kann diese jahrelange, eingewachsene Linkslastigkeit in Berlin nur durch ein alle Bürger durchdringendes Ereignis gedämpft werde, welches der AfD mehr Wähler bringt. Sonst hat die AfD zur Abgeordneten wahl in Berlin eher schlechte Karten, leider.

Gravatar: andrea

afd parteiprogramm sachsen anhalt habe ich gelesen. ich kann nichts rechtsextremes darin finden, ehrlich gesagt. so ist die panik gegen die afd wohl im moment voellig deplaziert und der angst der sogenannten "eliten" um verdraengung zu verdanken. soviel hysterie in einem wahlkampf hat deutschland noch nie zuvor gesehen. anschlaege auf die afd - es ist wie in pakistan.
was ich allerdings total albern am programm finde, ist der angriff auf anglizismen. wie will denn das geplante select-committee da genau vorgehen im computerzeitalter ? manchmal passen die englischen woerter eben einfach besser auf den sachverhalt. - und bei deutschen schlagern von helene fischer, andrea berg oder den wildecker herzbuben, da fallen ja manch einem wirklich die ohren ab. insgesamt sollte man aber mal die deutschen volkslieder und ganz besonders die einheimischen dialekte ueber die schulen zu pflegen suchen. in hessen z.b. da hat fast jeder ort seinen eigenen dialekt mit eigenen woertern. das geht alles verloren, wenn man das nicht pflegt und dann eines tages ist es weg und keiner weiss es mehr.

Gravatar: schuri2

Ich und meine Familie sind voll bei euch AfD , auch nach Wahlen

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