Interview mit Marcel Kopper

Ghostwriting: Akademische Freelancer für verschiedene Dienstleistungen

Eine der führenden Agenturen in Europa, die sich auf Ghostwriting spezialisiert hat, ist das Unternehmen GWriters. Sie betreiben eine rasant wachsende Internet-Plattform, welche akademische Freelancer vermittelt. Marcel Kopper, Gründer & CEO stand der FreieWelt.net Rede und Antwort.

Foto: Marcel Kopper
Veröffentlicht:
von

FreieWelt.net: Seit wann gibt es Ihre Agentur und wie hat sich die Anzahl der Kunden entwickelt?

Marcel Kopper: Die Gründer von GWriters waren bereits während ihres eigenen Studiums als Ghostwriter tätig. Daraus entstand dann Anfang 2012 das Projekt GWriters. Mittlerweile hat sich die Plattform auch in Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Polen und der Türkei etabliert. Die Anzahl der monatlichen Kundenanfragen liegt im 4-stelligen Bereich.

FreieWelt.net: Auf welchen Personenkreis entfällt der Großteil der Kunden?

Marcel Kopper: Der überwiegenden Teil unsere Kunden sind Studenten. Darüber hinaus betreuen wir vom Großkonzern über Verlage, Lehrinstitute oder Betreiber von Webseiten mit wissenschaftlichem Fokus eine bunt gemischte Kundengruppe.

FreieWelt.net: Wie viele Autoren haben Sie aktuell in Ihrer Agentur?

Marcel Kopper: Momentan sind es allein für den deutschsprachigen Bereich etwas über 1200 aktive wissenschaftliche Ghostwriter, Autoren, Lektoren, Coaches usw., die mit GWriters kooperieren. Es handelt sich hier jedoch um eine Auswahl der besten Bewerber seit 2012, die Zahl der Bewerbungen ist etwa sechsmal höher.

FreieWelt.net: Welche Arten von Texten werden von Ihnen erstellt oder bearbeitet? Welche wissenschaftlichen Arbeiten werden überwiegend nachgefragt?

Marcel Kopper: GWriters bietet im Prinzip die Erstellung jeglicher Art von Texten an. Unser ausdrücklicher Fokus liegt jedoch auf Texten mit einem akademischen Bezug. Dies umfasst wissenschaftliche Arbeiten innerhalb des Studiums genauso wie Dissertationen, Essays, Exposees oder die Ausformulierung von Forschungsprojekten jeder Art. Darüber hinaus erstellen unsere Freelancer auch Studien für KMU oder Konzerne. Ein Großteil der nachgefragten Projekte sind naturgemäß Seminararbeiten und Hausarbeiten, einfach deshalb, weil diese auch den zahlenmäßig größten Teil der zu schreibenden wissenschaftlichen Arbeiten für die meisten Studiengänge darstellen. Unserer Erfahrung nach greifen Kunden, welche Hilfe beim Schreiben von Hausarbeiten in Anspruch genommen haben, spätestens bei der Erstellung ihrer Bachelorarbeit nochmals auf unsere Ghostwriter usw. zurück. Die Bachelor-Thesis ist nicht nur die meistgeschriebene Abschlussarbeit allgemein, sondern auch die durch uns am häufigsten erstellte Arbeitenart.

FreieWelt.net: Wie ist die Legalität der durch GWriters erbrachten Leistungen zu bewerten?

Marcel Kopper: Die Ghostwriting Tätigkeit als solche existiert seit der Erfindung der Schrift und ist natürlich vollkommen legal. Dies gilt auch für das Coaching, für Lektorat & Korrektorat und die Erstellung jeglicher Art von Texten. Entgegen aller im Internet oft kolportierter Meinungen sind sowohl das Angebot, als auch die Inanspruchnahme der akademischen Texterstellung („akademisches Ghostwriting“) strafrechtlich irrelevant. Entscheidend ist die Frage nach der Einreichung einer prüfungsrelevanten Arbeit. Sollte ein Student tatsächlich einen nicht selbst erstellten Text als seine eigenhändig gefertigte Arbeit einreichen und die von Studierenden oft geforderte eidesstattliche Erklärung darüber unterzeichnen, liegt eine sogenannte „schriftliche Lüge” vor. Auch diese ist an sich nicht strafbar, kann jedoch, nach dem Hochschulgesetz, zu Folgen wie dem disziplinarischen Verfahren oder einem Ausschluss vom Studium führen.

Daher weisen wir unsere Kunden ausdrücklich darauf hin, sich an die jeweiligen Prüfungsordnungen der Hochschulen und das Hochschulgesetz zu halten und die von uns geschriebenen Texte als Manuskripte bzw. Lösungsvorschläge anzusehen. Die Kontrolle der Einhaltung der vorgenannten Regelungen & Gesetze gehört allerdings nicht zu unseren Aufgaben, sehr wohl jedoch die Lieferung von hochwertigen und plagiatsfreien Arbeiten. Detaillierte Informationen dazu und eine ausführliche juristische Bewertung finden Sie auf unserer Webseite  .

FreieWelt.net: Aktuell ist die Rede davon, dass sich viele „schwarze Schafe“ in der Ghostwriter-Branche herumtreiben. Können Sie dies bestätigen?

Marcel Kopper: Ja, das können wir definitiv bestätigen. Wie bei jedem Produkt & Dienstleistungsangebot ist es auch in unserer Branche so, dass Qualität ihren Preis hat. Ein Akademiker, der eine individuelle und hochwertige Arbeit erstellt, die dazu noch einen wissenschaftlichen Mehrwert bietet, kann naturgemäß nicht nach Discounter-Preisen bezahlt werden. Seit der Gründung von GWriters ist es unser Anspruch, die durchaus etwas unübersichtliche Branche zu reformieren und unsere Kunden durch einen hohen Professionalisierungsgrad und einheitliche Qualitätsstandards abzusichern. Der Beweis, dass wir damit erfolgreich sind ist die Tatsache, dass inzwischen über 40% unserer Neukunden durch persönliche Empfehlungen zu uns gelangen und viele wiederkehrende Kunden unsere Services nutzen.

Leider drängen gerade in den letzten beiden Jahren auch international tätige Betrügerbanden in den deutschsprachigen Ghostwriting-Markt. Es handelt sich um Personen, welche auch mit Spam-Emails, Online-Shops für gefälschte Markenware bzw. Medikamente und ähnlichem auf „Dummenfang” gehen. Besucher dieser Webseiten werden hauptsächlich mit auffällig niedrigen Preisen dazu gebracht, die komplette Dienstleistung im Voraus zu bezahlen. Eine entsprechende Leistung wird dann jedoch nie erbracht und natürlich erhalten Kunden auch keine Zahlungen zurück. Wir versuchen natürlich unsere (potentiellen) Kunden so gut es geht vor diesen Aktivitäten zu warnen und zu informieren. Auf unserer Webseite finden Sie eine Übersicht über die uns bekannten betrügerischen Webseiten.

FreieWelt.net: Welche Rolle spielen die politischen Plagiatsaffären für Ihre Branche?

Marcel Kopper: Durch die bekannten politischen Plagiatsaffären und die anschließenden Debatten wurde die Öffentlichkeit, merkwürdigerweise, muss man sagen, erst auf das Phänomen „akademisches Ghostwriting” aufmerksam. Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass es sich bei den Fällen Guttenberg, Schavan, etc. um die Aufdeckung umfangreicher Plagiierung, also die Verletzung fremden geistigen Eigentums, handelte und nicht um die Erstellung dieser Doktorarbeiten durch Dritte! Zugegebenermaßen wurde GWriters aber aufgrund glücklichen Timings durch verschiedene Beiträge in den Medien während dieser Zeit schnell als Anbieter von seriösem Ghostwriting bekannt und hat damit von diesen Fällen profitiert.

FreieWelt.net: Was sind die Hauptgründe, weswegen die Kunden Ihre Services in Anspruch nehmen?

Marcel Kopper: Die Hauptprobleme unserer Kunden sind die mangelnde Betreuung an Universitäten und das Fehlen der Erfahrung im wissenschaftlichen Schreiben. Oft bekommen Studenten utopische Mengen an Arbeit aufgehalst, die fast unmöglich ohne Hilfe zu schaffen sind.

FreieWelt.net: Wie ist die gesellschaftliche Grundhaltung gegenüber Ghostwriting-Agenturen?

Marcel Kopper: Wir verstehen uns eigentlich nicht als „Ghostwriting Agentur”. Wir vermitteln akademische Freelancer für verschiedene Dienstleistungen, u.a. für die umfassende Unterstützung bei der Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Unsere Aufgaben dabei sind insbesondere die Betrauung der richtigen Experten mit den passenden Projekten, die Sicherstellung der effizienten Kommunikation zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer, die Überwachung der Qualität der gelieferten Arbeit und Gewährleistung der sauberen Abrechnung & Zahlung für beide Seiten. Dazu kommt noch die Garantie der Anonymität aller Parteien.

Aber zu Ihrer eigentlichen Frage: Studien des Bundesbildungsministeriums zeigen, dass 79% aller Studenten im Studium schon geschummelt haben, jeder fünfte hat bereits mindestens ein Plagiat abgegeben. Trotz dieser weit verbreiteten „Schummelkultur” wird gerade das akademische Ghostwriting und seine Inanspruchnahme oft als moralisch zweifelhaft dargestellt. Unsere Erfahrung zeigt allerdings, dass die öffentlich vertretene Meinung sich zumeist nicht mit dem tatsächlichen persönlichen Handeln deckt. Weder unsere Kunden, noch die für uns arbeitenden Akademiker, zumeist selbst Mitarbeiter von Hochschulen, empfinden die von GWriters betreuten Projekte als moralisch verwerflich. Weiterhin muss man feststellen, dass viele „hochrangige” Wissenschaftler und Professoren nicht über die Expertise in der Vermittlung von Wissen verfügen, die sie vorgeben zu haben und ihre eigene Karriere auf den Leistungen Dritter, z.B. ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiter oder Doktoranden aufgebaut haben. Abschließend kann man sagen, dass uns die gesellschaftliche Grundhaltung nicht wirklich tangiert, wichtig ist die Zufriedenheit unserer Kunden, wer immer diese auch sein mögen.

 

 

Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte
unterstützen Sie mit einer Spende unsere
unabhängige Berichterstattung.

Abonnieren Sie jetzt hier unseren Newsletter: Newsletter

Kommentare zum Artikel

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars die Regeln höflicher Kommunikation.

Gravatar: Karin Weber

Der junge Mann sieht sich in Sachen "Abschlussarbeiten" irgendwie nicht in der Verantwortung. Vorschreiben ja, aber die Verantwortung liegt dann beim Einreicher einer solchen Abschlussarbeit. Ich glaube, da macht er es sich sehr einfach. Man denke mal an den Vater dieses Tim ??? (Amokschütze vom Erfurter Gymnasium). Dort hat die Justiz dem Mann eine Mitschuld unterstellt, weil er die Waffe nicht ausreichend vor Fremdzugriff gesichert hatte. Der Argumentation kann man ganz sicher folgen und genauso sehe ich das mit dem Thema Fremdschreiben von Abschlussarbeiten. Wer so eine Arbeit einreicht, muss sie auch selber entwickelt und geschrieben haben. Andernfalls ist das nicht ehrlich und er hat den Abschluss/Titel nicht verdient.

Das Fremdschreiben für die anderen Kundenkreise halte ich für unproblematisch.

Gravatar: Adorján Kovács

"Daher weisen wir unsere Kunden ausdrücklich darauf hin, sich an die jeweiligen Prüfungsordnungen der Hochschulen und das Hochschulgesetz zu halten und die von uns geschriebenen Texte als Manuskripte bzw. Lösungsvorschläge anzusehen."

Ein schöner Trick. Natürlich werden die Arbeiten unter eigenem Namen abgegeben - hier stellt sich der clevere Herr Kopper dumm und schiebt die Verantwortung ab. Hauptsache, die Kasse stimmt.

"Unsere Erfahrung zeigt allerdings, dass die öffentlich vertretene Meinung sich zumeist nicht mit dem tatsächlichen persönlichen Handeln deckt. Weder unsere Kunden, noch die für uns arbeitenden Akademiker, zumeist selbst Mitarbeiter von Hochschulen, empfinden die von GWriters betreuten Projekte als moralisch verwerflich. "

Was der alerte Herr Kopper da sagt, ist nichts Anderes als: Weil alle es machen, ist es okay; ist die Gesellschaft korrupt, darf es der Einzelne erst recht sein. Auch so kann man sein Gewissen (so vorhanden) beruhigen. Die Einstellung kennen wir z. B. aus dem Dritten Reich. Die Folgen heute sind Gottseidank geringer, das sei zugestanden.

Gravatar: Efee

79% hört sich ja schon nach einer stolzen Zahl an. Mich würde interessieren wie viele Arbeiten in Deutschland überhaupt von denjenigen geschrieben wurden, der auch auf dem Deckblatt zu lesen waren.

Gravatar: Hans Meier

Die akademischen Titel, die eine Person sich erarbeitet oder zulegt, sagen doch nichts über seine wirkliche Kompetenz aus, wie sich sehr oft zeigt.
Da stehen z.B. Prof. Dr. Dr. und weitere Titel-Träger und Wichtigtuer wie z.B. hier http://www.agora-energiewende.de/rat-der-agora/
und die verlassen sich seit Jahren oder aus Gewohnheit offensichtlich auf Ghostwriter. Anders ist die Inkompetenz nicht zu erklären, mit der angeblich hochgebildete Zeitzeugen Blödsinn verzapfen.

Gravatar: Adeline

Wer sagt denn, dass Ghostwriter inkompetent sind? Sie würden sich wundern welche Leuchttürme der Wissenschaft eigentlich aus Federn von Ghostwritern stammen.

Gravatar: Anna

Mit Gwriters würde ich mich auf keinen Fall einlassen. Machen Angaben welche nicht überprüfbar sind und wenns dann doch klar wird dass diese nicht stimmen ziehen sie sich aus der Affäre durch Schweigen.

Gravatar: bachelorarbeit-schreiben

79% hört sich ja schon nach einer stolzen Zahl an. Mich würde interessieren wie viele Arbeiten in Deutschland überhaupt von denjenigen geschrieben wurden, der auch auf dem Deckblatt zu lesen waren.

Gravatar: Hugin

Auf JEDER Arbeit sollte der Name desjenigen stehen, der sie verfaßt hat. Ehre, wem Ehre gebührt. Ich weiß, dass wir unter steigender Akademikerarbeitslosigkeit leiden und viele in die Freiberuflichkeit gedrängt werden. Trotzdem sehe ich ihre Dienstleistung als verwerflich, ja als Beihilfe zu Betrug und Urkundenfälschung an. Entsprechende Angebote an Schwarzen Brettern der Unis, an denen ich studiert habe, habe ich in den Sekretariaten angezeigt und abhängen lassen. Wenn es strafrechtlich nicht relevant ist, werde ich dafür arbeiten, dass es das wird. Und darauf hoffen, dass wir nicht noch mehr falsche Doktoren in der Politik haben, die das hintertreiben. Wenn die nicht mal wissen, wo sie abgeschrieben haben, war da wohl auch ein Ghostwriter am Werk. Ihre Kunden gehören für mich an einen öffentlichen Pranger und mit faulem Gemüse beworfen. Eine akademische Karriere (oder Titel) haben sie nicht verdient.

Gravatar: Paul

Ich würde solche Unternehmen als Nutznießer der akademischen Schlaraffen-Landschaft sehen. Klar, was die machen ist verwerflich, aber wie der Herr schon sagt: "..die Hauptprobleme unserer Kunden sind die mangelnde Betreuung an Universitäten".

Gravatar: Paul

Ich würde solche Unternehmen als Nutznießer der akademischen Schlaraffen-Landschaft sehen. Klar, was die machen ist verwerflich, aber wie der Herr schon sagt: "..die Hauptprobleme unserer Kunden sind die mangelnde Betreuung an Universitäten..."

Schreiben Sie einen Kommentar


(erforderlich)

Zum Anfang