Interview Andreas Marquart

Geld: »Ein Gut wie jedes andere«

Andreas Marquart, Vorstand des Ludwig von Mises Institut Deutschland, erklärt im Freiewelt-Interview das herrschende Geldsystem und zeigt eine Alternative dazu auf: den freien Geldmarkt.

Foto: Andreas Marquart
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FreieWelt.net: Sie haben zusammen mit Prof. Philipp Bagus ein Buch über das Geldsystem geschrieben. Was hat Sie beide dazu motiviert?

Andreas Marquart: Wir wollten ein Buch auf den Markt bringen, in dem die wahren Ursachen der Missstände in Wirtschaft und Gesellschaft auf so einfache Art und Weise beschrieben sind, dass es jeder, der es verstehen will, auch verstehen kann. Ich bin sicher, das ist uns gelungen.

FreieWelt.net: Der Titel lautet "Warum andere auf Ihre Kosten immer reicher werden". Können Sie diese Frage in einem einfachen Satz beantworten?

Andreas Marquart: Geld, das in unserem Geldsystem in Form von Kredit aus dem Nichts entsteht, lässt die Güterpreise ansteigen, erreicht die Marktteilnehmer aber nicht gleichzeitig - die Erstempfänger gewinnen zu Lasten derer, die das neue Geld erst später oder unter Umständen gar nichts davon erhalten.

FreieWelt.net: Wer sind denn die "anderen", die auf unsere Kosten reicher werden?

Andreas Marquart: Als Profiteure des herrschenden Geldsystems sind vor allem Staat und Banken zu nennen. Die Beziehung der an der Geldschöpfung Beteiligten - Zentralbanken, Banken und Staat - ist als symbiotisch zu bezeichnen.

FreieWelt.net: Wie würde ein gutes Geldsystem aussehen?

Andreas Marquart: Ein gutes Geldsystem wäre eines, in dem Geld ein Gut wäre wie jedes andere auch, unter Wettbewerbsbedingungen im freien Markt entstehend, völlig ohne Einmischung des Staates. Jeder könnte theoretisch Geld produzieren. Ich weiß, für viele mag das unrealistisch klingen und ich kenne auch die Argumente, beispielsweise dass das zu einem Währungschaos führen würde. Doch das ist ein großer Irrtum. Es gibt ja auf anderen Gütermärkten auch kein Chaos. Selbst wenn anfangs viele Geldproduzenten auftreten würden, im Laufe der Zeit würden - nach einem Marktfindungsprozess - sicher nur wenige Geldarten übrig bleiben, wahrscheinlich welche mit einer Edelmetalldeckung. Und wenn ich sage, "jeder könnte theoretisch Geld produzieren", dann dürfte natürlich klar sein, dass sich ein Zettel, auf den ich beispielsweise "Marquart-Dollar" schreiben würde, ganz sicher nicht als allgemein akzeptiertes Tauschmittel durchsetzen würde.

FreieWelt.net: Hat es so etwas überhaupt schon einmal gegeben?

Andreas Marquart: In der jüngeren Geschichte jedenfalls nicht. Staaten haben schon immer versucht, das Geldwesen an sich zu ziehen. So fällt es ihnen leichter, die stetig wachsenden Staatsausgaben zu finanzieren. Und "Sparen" ist nun einmal nicht die größte Stärke unserer Politiker, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Die Österreichische Schule der Nationalökonomie liefert uns aber hervorragende Theorien, um diese Frage zu beantworten. Carl Menger hat bereits 1871 geschrieben Das Geld ist keine staatliche Erfindung, nicht das Product eines legislativen Actes und die Sanction desselben Seitens der staatlichen Autorität ist demnach dem Begriffe des Geldes überhaupt fremd. Vor allem aber lässt sich mittels Ludwig von Mises' Regressionstheorem nachweisen, dass Geld aus einem Sachgut heraus entstanden sein muss.

FreieWelt.net: Gibt es einen realistischen Weg, das vorhandene Geldsystem zum Besseren zu ändern? Wie sähe der aus?

Andreas Marquart: Natürlich gibt es realistische Wege, sonst könnte man sich ja jegliches Theoretisieren darüber sparen. Ich stelle in Diskussionsrunden immer wieder fest, dass die Menschen bezüglich eines Übergangs zu besserem Geld sehr viele Fragen haben. Ich habe dafür auch vollstes Verständnis, schließlich sind wir alle mit einem staatlichen Geldsystem aufgewachsen. Diese Fragen müssen wir beantworten und dabei auch klar aussprechen, dass ein Übergang nicht schmerzfrei sein wird. Ein Weg, das bestehende Geldsystem zu reformieren, wäre beispielsweise, Bankeinlagen mit den vorhandenen Goldreserven der Notenbank zu unterlegen. Dann würde das ungedeckte Papiergeld bei einem anschließenden Zulassen von Währungswettbewerb nicht wertlos verfallen, was ansonsten passieren könnte. Der Vorschlag stammt übrigens von Murray Rothbard, ein Schüler von Ludwig von Mises. Ich kann zu diesem Thema das gerade neu aufgelegte Buch "Geldreform" von Thorsten Polleit und Michael von Prollius sehr empfehlen.

Die eigentliche Frage, die sich stellt, ist vielmehr, wie wir es schaffen, die Steine aus dem Weg zu räumen, die uns die Profiteure des herrschenden Geldsystems in den Weg legen.

FreieWelt.net: Was sind das für Steine? Was meinen Sie?

Andreas Marquart: Ich denke, das größte Hindernis sind die ökonomischen Irrlehren, die seit Jahrzehnten verbreitet werden. So kommt es zum Beispiel, dass die Menschen es für selbstverständlich halten, dass das Geldwesen in der Verantwortung des Staates liegen müsse, dass es eine Notenbank geben muss. Die Volkswirtschaft ist seit vielen Jahrzehnten so sehr mathematisiert und verkompliziert worden, dass der Normalbürger resigniert und das Feld am Ende den vermeintlichen Experten überlässt, nach dem Motto: "Das verstehe ich sowieso nicht." So gelingt es auch, dass jede Krise in der Volkswirtschaft fälschlicherweise den "Märkten" in die Schuhe geschoben wird. Die Menschen glauben das, akzeptieren und fordern sogar staatliche Eingriffe, weil sie glauben, dass es sonst noch schlimmer kommt. Letztlich liegt es aber auch daran, dass es Zahlkraftgesetze gibt, die das staatliche Geld zum alleinigen gesetzlichen Zahlungsmittel machen und so Währungswettbewerb verhindern.

FreieWelt.net: Und wie lassen sich diese Hindernisse aus dem Weg räumen?

Andreas Marquart: Aufklärung, Aufklärung und nochmals Aufklärung. Das Ludwig von Mises Institut Deutschland beispielsweise hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Theorien der Österreichischen Schule der Nationalökonomie in die Breite der Bevölkerung hineinzutragen, ganz nach Ludwig von Mises' Motto: Das Ziel der Verbreitung ökonomischer Studien in größeren Bevölkerungskreisen ist nicht, aus jedem Menschen einen Nationalökonom zu machen. Die Idee ist, den Bürger für seine staatsbürgerlichen Funktionen im Gemeinschaftsleben zu wappnen. Nur durch Druck aus der Bevölkerung heraus werden letztlich Veränderungen erreicht werden können. Von der Politik, generell von (Geld-)Systemprofiteuren, kann man da nichts erwarten.

FreieWelt.net: Vielen Dank für das Interview.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Bolko Sena

Ich habe das Buch (und auch gelesen), ebenso "Die Plünderung der Welt" von Michael Maier, muß aber gestehen, daß ich immer weniger in der Lage bin, solcherart Lektüre bis zum Ende durchzustehen. Mein Blutdruck steigt dabei in meiner Familie gegenüber unverantwortliche Höhen. Die Chuzpe, mit der die sog. Finanzeliten im Verbund mit der Politik samt allzeit willfähriger Systemmedien sich gegenüber den fleißigen Menschen in unserem Land versündigen, müßte inzwischen doch hochgradig justiziabel sein. Wie lange noch lassen wir sie gewähren? Bis die Leistungsverweigerer in der Überzahl sind, und mit ihrer Stimmenmehrheit das System betoniert haben?

Gravatar: Turnus Gleich

Marquart sagt: "Geld, das in unserem Geldsystem in Form von Kredit aus dem Nichts entsteht, lässt die Güterpreise ansteigen, erreicht die Marktteilnehmer aber nicht gleichzeitig – die Erstempfänger gewinnen zu Lasten derer, die das neue Geld erst später oder unter Umständen gar nichts davon erhalten." - Das heißt, er hat eine extrem nebulöse Vorstellung davon, was Geld überhaupt ist. Kredit ist immer auch Guthaben, nämlich dasjenige des Gläubigers (= Kreditgebers) und insofern zunächst einmal überhaupt kein Geld, sondern eben Guthaben. Und Guthaben ist nichts anderes als der "Anspruch auf Wirtschaftsleistung am Markt". Da ist immer noch kein Geld. Nirgends! Denn nur Bargeld ist Geld. Und als solches kann Geld niemals "ein Gut wie jedes andere" sein! Geld entsteht auch nicht aus dem Nichts (so entstehen heute Kredite!), denn es muß ja wohl immer erst "gemacht", d.h. geprägt oder gedruckt werden... Entsteht Metall oder Papier "aus dem Nichts"???--
Machen Sie doch mal die Probe, liebe Leser: Angenommen Sie haben weder Geld noch Guthaben auf Ihrem Konto, wollen aber eine Immobilie erwerben. Dann brauchen Sie Kredit! Wenn Sie für kreditwürdig gehalten werden, erhalten Sie ein Bankdarlehen. Die Bank bzw. Sie übertragen per Überweisung dem Verkäufer des Hauses das ihm zustehende Guthaben. Sie, aber, beginnen im Hamsterrad zu rennen und jeden Monat Zins und Tilgung an die Darlehensgeberbank abzustottern. Nirgends ist Geld geflossen! Es handelte sich immer nur um die Verschiebung von Guthaben! Das gilt sogar für Ihre monatlichen Abzahlungen: Ihr Arbeitgeber überweist Ihnen den monatlichen Betrag Ihres Nettoverdienstes, die Bank bucht Ihre Darlehensrate Monat für Monat ab.... Der Geld-"Aufklärer" Marquart scheint es gut zu meinen--- Das ist aber auch schon alles. Er treibt nur die Verwirrung um das Geld - dieses nebulöse Etwas - in die nächste Umrundung der Irrtumsspirale...
Mit freundlichen Grüßen,
TG.

Gravatar: Norbert Kardell

Sehr geehrter Turnus Gleich,
vermutlich wird die Verwirrung durch die unterschiedliche Betrachtung der Begriffe hervorgerufen, auch Ihre Betrachtung der Guthaben ist eher verwirrend. Es ist durchaus hilfreich sich die Ein-Dollar-Note anzuschauen dort steht: „THIS NOTE IS LEGAL TENDER FOR ALL DEBT, PUBLIC AND PRIVATE“ also „Diese Note ist ein legales Tauschmittel für alle Schulden, öffentlich und privat.“ Man müßte also eher von Schuldscheinen reden! Die goldgedeckte Währung wurde 1971 von Nixon einseitig aufgekündigt, damals wollten die Franzosen ihre Dollarreserven gegen das hinterlegte Gold eintauchen und ihnen viel auf, daß sie gar nicht so viel Gold hatten. -In dem Zusammenhang sei auch das Video vom „Goldschmied Fabian“ erwähnt, auch für Kinder gut verständlich-. Herr Marquart hat insofern also Recht, mit der Aussage, am Anfang steht der Kredit aus dem Nichts (neben anderen Wertschöpfungsmöglichkeiten der Banken), erst dann wird es für den Verkäufer Guthaben, für den Handwerker Lohn und für den Bauunternehmer Gewinn etc. Herr Marquart erwähnt auch die Theorien der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, auch hier ist Prof. Franz Hörmann und seine Videos erwähnenswert. Kopfzerbrechen bereitet mir nur das erwähnte staatliche Geldsystem, den mit dem Begriff „staatlich“ wird sehr inflationär umgegangen, bei genauerer Betrachtung sind die Übergänge recht verschwommen zwischen „PUBLIC AND PRIVATE“. Ein Schelm der Böses dabei denkt!
Herzliche Grüße
Norbert Kardell

Gravatar: Heinz Göd

Ob Geld ein 'Gut' ist, darüber kann mensch streiten.
Geld wurde vor ca. 4000 Jahren erfunden.
in dieser Zeit wurden mehrere Geldsysteme durchgespielt, auch 'Privatgeld'.
Die Wirtschaft ist mit jedem derzeit bekannten Geldsystem immer wieder regelmäßig zusammengebrochen, meist mit einem Krieg zuvor - um dem Zusammenbruch vorzubeugen - oder danach - als Folge des WirtschaftsZusammenbruchs. Der 'Reset' des Systems war also meistens Krieg.
Einen 3.Weltkrieg kann sich die Menschheit aber nicht mehr leisten, denn der wird unausweichlich ein Atomkrieg, weil man atomgetriebene Flugzeugträger nur mit Atombomben bekämpfen kann - mit Konventionellen Sprengkörpern verursacht man sich selbst einen Reaktorunfall vor der eigenen Küste.
Die Zeit ist reif für ein grundsätzlich neues Geldsystem, z.B.
<a href="http://www.franzhoermann.com/downloads/informationsgeld.pdf" rel="nofollow">Wirtschaftsuniversität Wien, Franz Hörmann:informationsgeld</a>
Es ist dort etwas abstrakt erklärt.
Wenn ich 'Informationsgeld' richtig verstanden habe, ist es genau das
<a href="http://www.members.aon.at/goedheinz/GOD_Deutsch/Zukunft/2069Buch/2069D_02.html" rel="nofollow">2069-imEinklang mit der Natur eine gerechtere Welt</a>
(Suchbegriff: Industriegegenstände )

Gravatar: H.von Bugenhagen

Na ist denn das...
Auf Ehrliche weise und Start bei Null ohne Background ist noch keiner zu Reichtum gekommen ohne es jemanden der dafür gearbeitet hat weg zu nehmen.

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