Interview mit Beatrix von Storch

»Entweder die Griechen gehen oder wir«

Die Griechen möchten den Euro behalten, weil er ihnen den Wohlstand sichert, den sie nicht selbst erarbeiten. Beatrix von Storch (MdEP) berichtet im Interview von ihrer Reise nach Athen.

Foto: blu-news.org / flickr.com / CC BY-SA 2.0 (Ausschnitt)
Veröffentlicht: | Kategorien: Interviews - Empfohlen, Interviews, Teaser - Interviews, Teaser - Startseite | Schlagworte: Beatrix von Stoch, Frauke Petry, Bernd Lucke, Griechenland, Grexit, Europäisches Parlament, Athen, Wirtschaft, Medikamente, Energie, Janis Varoufakis, Referendum, Reise, Euro, Abwertung
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FreieWelt.net: Sie waren am letzten Wochenende in Griechenland. Wie kam es zu der Reise und wer war alles dabei?

Beatrix von Storch: Im Bundesvorstand der AfD ist sie schon vor längerer Zeit geplant worden, und auch Bernd Lucke wollte zunächst mitkommen. Aber man hat das Vorhaben irgendwie nicht mehr umgesetzt. Dann hat Frauke Petry die Sache übernommen, und eine Reisegruppe zusammengestellt, zu der sich Bernd Lucke nicht hinzugesellen wollte. Ich war also mit Frauke Petry, Markus Pretzell und Alexander Gauland in Griechenland.

FreieWelt.net: Vor kurzem waren Sie schon einmal unterwegs, und zwar in Spanien …

Beatrix von Storch: Ich war mit dem Ausschuss für Währung und Wirtschaft des Europäischen Parlaments in Madrid, wo wir – vom Parlament organisiert – mit dem EU-Minister, dem Wirtschafts- und Wettbewerbsminister, dem Chef der Zentralbank und mit Vertretern der großen Ratingagenturen gesprochen haben.

Was wir dort erfahren haben, war allerdings sehr viel weniger interessant als das, was wir in der Woche darauf in Griechenland erfahren haben. Es war bloß das, was wir in den Zeitungen lesen können, also die offiziellen spanischen Positionen. Die Minister sagen, dass sie ein vereinigtes Europa und eine einheitliche Regierung möchten. Und von der Zentralbank war zu hören, dass die Situation insgesamt positiv sei, wenn auch noch nicht ganz ausgestanden, und dass die Politik eigentlich so weitergehen solle wie bisher. Auf die Frage, was passiert, wenn die Zinsen auch nur ein kleines bisschen angehoben werden, lächelte man lediglich.

FreieWelt.net: Das heißt, dass Ihre Gesprächspartner in Griechenland nicht so hochrangig, aber die Gespräche mit ihnen umso aufschlussreicher waren.

Beatrix von Storch: Richtig. In Griechenland haben wir nicht mit den Ministern gesprochen und nicht mit den Staatssekretären, sondern wir hatten zum Beispiel ein Gespräch mit der Leiterin der Asylbehörde, die uns über die Flüchtlingspolitik informiert hat. Sie hat berichtet, dass die Asylabschiebepraxis in Griechenland sehr erfolgreich sei, man würde wesentliche Teile der abgelehnten Asylbewerber tatsächlich abschieben. Sie hat außerdem erklärt, dass die durchschnittliche Verfahrensdauer nur drei Monate beträgt, und sie hat gleichzeitig Deutschland für die lange Verfahrensdauer in Deutschland gelobt. Das war natürlich nicht ganz stringent.

FreieWelt.net: Man hört immer wieder von strukturellen Problemen in der griechischen Wirtschaft. Was haben Sie darüber erfahren?

Beatrix von Storch: Ein Unternehmensberater, der kleine und mittlere Gewerbetreibende an den Start verhilft, hat uns Interessantes berichtet. Die Unternehmen haben weiterhin mit einer überbordenden Bürokratie zu kämpfen: Wer auch nur einen kleinen Kiosk eröffnen will oder ein Stehcafé, hat es mit 25 bis 30 verschiedenen Anträgen bei den verschiedensten Behörden zu tun. Das überfordert einen kleinen Gewerbetreibenden, der eigentlich nur Kaffee verkaufen will – und auch dieser Berater kostet ein paar Tausend Euro. So kommt die Wirtschaft natürlich nicht in Schwung. Es werden im Moment sowieso nur noch Cafés, Bars und Restaurants eröffnet, sonst nichts. Außerdem hat der Unternehmensberater bestätigt, was man uns zuvor berichtet hatte: in Griechenland hat man aufgehört Steuern zu zahlen – weil die meisten einfach nichts mehr haben. Die staatlichen Steuereinnahmen brechen gerade weg, wie ein Flugzeug im Sturzflug.

FreieWelt.net: Was denken die Unternehmer?

Beatrix von Storch: Das Gespräch mit den Vertretern des größten griechischen Unternehmerverbandes war auf eine gewisse Weise wirklich eindrucksvoll – also entlarvend. Die haben uns offen gesagt, dass das Problem von Griechenland immer die Inflation und die Abwertung der Währung gewesen sei, weshalb niemals jemand in Griechenland investiert habe. Das sei glücklicherweise mit der Einführung des Euro beendet worden, weshalb man den Euro behalten wolle. Dass Inflation und Währungsabwertung Ausdruck von Risiken und Marktreaktionen sind, die im Verhältnis von Währungen abgebildet werden, hat die nicht interessiert.

Diese Vertreter haben uns ins Gesicht gesagt, dass sie im Euro bleiben wollen und die Deutschen weiter zahlen sollen. Sie meinten, dass die Deutschen bei der Wiedervereinigung ja auch Solidarität geleistet hätten und nun dasselbe für andere europäische Staaten tun müssten. Sie behaupten, dass die Deutschen am meisten von der Einführung des Euro profitiert hätten. Als wir geantwortet haben, dass man die Rechnung erst aufmachen kann, wenn die Rettungspakete bezahlt sind, über die Deutschland mit 80 Milliarden Euro in Griechenland »investiert« ist, und wenn die Summe an Target-Forderungen berücksichtigt sind, haben sie so reagiert, als hätten sie noch nie etwas davon gehört. Es war ihnen nicht bekannt – oder wahrscheinlich doch eher gleichgültig.

FreieWelt.net: Was denken denn die ganz normalen Griechen über die Krise?

Beatrix von Storch: Klugerweise hat Tsipras beschlossen, das Volk zu fragen, was es will. Interessant war zu hören, dass die Stimmung wechselt: Es werden immer mehr, die den Euro-Ausstieg wollen. Ein Taxifahrer sagte: Früher hatten wir die griechische Mafia, jetzt haben wir die griechische und die europäische Mafia, lasst uns eine davon loswerden – die europäische. Wir haben nicht statistisch erheben können, dass sich die Stimmung dreht. Aber viele haben uns erzählt, dass die Anzahl derer, die den Euro-Austritt will, größer wird. Wir schätzen die Zahl auf 30 bis 40 Prozent.

Wir sind abends auch auf die Straße gegangen und haben Menschen angesprochen – alle sind sich einig, dass die Maßnahmen der Troika falsch sind. Aber keiner kann sagen, was die richtigen sind. Nur die, die zugeben, dass Griechenland die Eurozone verlassen muss, die neue Währung abwerten und so den Haushalt ausgleichen, können eine Lösung anbieten.

FreieWelt.net: Was ist Ihre Bilanz dieser Reise?

Beatrix von Storch: Es ist wichtig, solche Reisen zu tun. Man bekommt einen direkten Eindruck von der Stimmung vor Ort, kann unmittelbar mit Leuten sprechen, deren Meinung man sonst nicht so von Medien vermittelt bekommt. Bei Verlautbarungen von Ministern ist das egal. Aber auf der unteren und mittleren Ebene, mit der wir unsere Gespräche hatten, ist das sehr aufschlussreich, weil man über deren Auffassungen und Einsichten nicht ständig informiert wird.

FreieWelt.net: Welche Perspektiven haben die Griechen in dieser Krise?

Beatrix von Storch: Die Griechen wissen, dass die Situation dramatisch ist. Es gibt keine Panik, man ist allerdings ratlos. Viele wollen nicht raus aus dem Euro und die neue Drachme sogleich abwerten, um die eigene Wirtschaft wieder auf die eigenen Beine stellen. Sie wissen, dass die Abwertung ungefähr 25 Prozent betragen würde, was bedeuten würde, dass der Import von Gütern plötzlich sehr teuer wird: Griechenland würde in zentralen Bereichen – zum Beispiel Medikamente und Energie – abhängig werden von humanitärer Hilfe. Denn außer Landwirtschaft gibt es ja so gut wie keine Produktion, weshalb der jetzige Lebensstandard der Griechen weit oberhalb dessen ist, was sie aus eigener Kraft erwirtschaften.

FreieWelt.net: Sie sagen, dass die Griechen ratlos sind. Wie ist das mit Ihnen: Sind Sie ratlos?

Beatrix von Storch: Nein, denn ich habe schon immer gefordert, dass die Griechen aus dem Euro austreten und abwerten müssen. Vor allem die Elite will das nicht, und es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass man sie nicht ausschließen kann. Varoufakis will sogar klagen. Aber er hat Recht in meinen Augen. Wir können die Griechen nicht gegen ihren Willen aus dem Euro verbannen. Wenn aber die Griechen nicht gehen, müssen wir den Euro verlassen. Das gegenwärtige Spiel, bei dem die griechische Regierung Dinge verspricht, die sie nur halten kann, wenn andere dafür zahlen, muss ein Ende haben.

FreieWelt.net: Vielen Dank für das Gespräch.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: FDominicus

Ja klar - wir gehen. Sicher. Ich weiß auch genau wann.Wenn die EU in Schutt und Asche liegt und als Grieche würde ich den Euro nicht gegen eine Neu -Drachme eintauschen. Eins ist sicher sollte dies Drachme kommen ist das ersparte am nächsten Tag nur noch die Hälfte wert.

AfD hat schon seine korrekt Bedeutung, eine Alternative ist sie aber nicht.

Gravatar: Jogi

....wir müssen aus dem Euro ausscheiden! Unsere Politiker gehören für den Eintritt wegen Volksverrat hinter Gitter!

Gravatar: S.Hader

Hmm, entweder die Griechen gehen oder wir? Na gut, finde es eigentlich schade, aber wenn man so vor die Wahl gestellt wird, sage ich mal bye bye AfD. ;)

Gravatar: A Riesener

Über den Eurobeitritt hätte es eine Volksabstimmung geben müssen. Aber wie immer wurde über unsere Köpfe hinweg entschieden. Ob Hartz 4 PKW, Maut,Euro etc. Das wird die AfD auch nicht anders machen . Direkte Demokratie auf Bundesebene werden sie nie (keiner ) zulassen .Das Deutsche Volk + Migranten der 4&5 Generation sind Ja zu Dumm .

Gravatar: Charlysfinger

Nachdenken!...
Wurde -wissentlich- das nichteurofähige Griechenland in den Euroverbund genommen um ein TESTLAND zu haben? Ein Euromanöverland für: Wie weit können wir ein Volk ausmerkeln? Wielange hält der "Pöbel" still?

Griechenland ist schon durch die vorgänger Regierungen in den Abstieg getrieben worden!

Vor Griechenland liegen enorme Gas- und Olvorkommen. Eigentlich gute Sicherheiten für die Banken?!
Die Optionen hat sich die nimmersatte USA eingeheimscht und wo bleibt deren solitarische Hilfe?

Die USA nimmt auch keine Flüchtlinge auf. Sie bombt aber die Bevölkerung aus fremden Ländern zu Flüchtlinge. Ursache und Wirkung!

...und das kleine Griechenland bringt ganz Europa ins wanken, während die NATO unter USA-Führung an der Russischen Grenze aufmarschiert!

AUGEN AUF LEUTE! WIR BRAUCHEN KEINEN KRIEG! DIE GANZE WELT BRAUCHT KEINEN. NUR DER AMI WILL IHN!

Gravatar: Germanicus

Wovon träumt Frau von Storch Nachts? Die BRD wird nie aus dem Euro aussteigen. Es sei denn das Eurosystem insgesamt bricht zusammen.

Gravatar: et es wie et es

An Germanicus…… Wovon träumt Frau von Storch Nachts ?

Deutschland wird es so ergehen wie Hans im Glück, welcher, der klar überlegen kann, und im Leben erfahren ist, Glaubt den etwas anderes.

Es gibt auch vieles was man im Eurowahn nicht für möglich gehalten hätte .Es zeigt sich aber doch…..

Im Übrigen, wird Griechenland keine Euroscheine auf Dauer von der EZB erhalten, dann muss ein Zahlungsmittel her, Schuldscheine akzeptiert keiner auf Dauer.

Und womit bezahlt man die Gehälter der Beamten und vieles mehr…… Ist dach klar, mit der neu geschaffenen Drachme, die man, wie früher, abwerten konnte.

Die Lösung kommt, genau so, wie das Wasser den Berg herunter läuft.

Gravatar: Lector

Da hat Frau von Storch aber sicherlich ganz Recht, dass es so nicht weitergehen kann wie bisher. Ein Rettungspaket nach dem anderen, immer neues frisches Geld hinterherschießen, wo doch klar ist, dass ein schwachproduktives Land mit einer zu harten Währung niemals auf einen grünen Zweig kommt.

Für Deutschland ist das Geld aber zu weich. Wir exportieren auf Teufel komm raus, aber erhalten keine Werte dafür, über die Target-Regelung nur schöne griechische Schuldscheine, von denen man sich niemals was wird kaufen können. Auf der anderen Seite gibt es von verschiedenen Seiten noch Druck wegen der hohen Exportüberschüsse.

Lieber eine harte Währung, die Importe verbilligt, die das Produktionsniveau hoch hält und auch gern die Exporte etwas drosselt, das war früher doch auch kein Problem vor dem Euro!

Die Exportfirmen profitieren vom ungebremsten Export und erhalten reales Geld dafür, der gemeine Bürger und Sparer verliert ohne Ende, weil die Zinsen künstlich niedrig gehalten werden - verkehrte Welt, um nicht zu sagen perverse wirtschaftliche und politische Zustände!

Wie lange soll das so weitergehen? Es ist längst klar, dass die Bürgschaften werden fällig gestellt werden, dass die volkswirtschaftlichen Außenstände uneinbringlich sind, dass man hier nicht für andere in Haftung genommen, dort nicht durch Haushaltskontrollen in seinem ganz unberechtigtem "Stolz" eingeschränkt werden will.

Die bestehende CDU-Regierung, die das Desaster gemeinsam mit der vereinigten Sozialistenbande angerichtet hat, welche linkspopulistisch noch mehr verschleudern will, um sich bei aller Welt lieb Kind zu machen, diese CDU will mit verdeckten Karten weiterspielen, solange es nur geht, weil sie ihre sinnentleerte Macht nicht gefährden will.
Sie will die Macht um der Macht willen, auch wenn sie das Land in den Abgrund treibt.

Sogar ein Schäuble scheint neuerdings eine Ahnung davon zu haben, dass es mal ein Ende geben muss mit der Hütchenspielerei, die Kanzlette aber traut sich nicht. Wer nicht sagt, was er will, wird getrieben: Die vielen Schwachen überstimmen die wenigen Starken und schwächen sie damit auch - Gleichmacherei auf Europäisch, bravo!

Jeder weitere Tag der Verschleppung macht die Rechnung teurer. Mit der frech-verrückten griechischen "Regierung" war eine Chance gegeben, Europa gegen die Abzocker zu vereinen und der Sache ein Ende zu machen. Wenn erst die Schwesterparteien der jetzt hier Regierenden wieder dran sind, die auch nichts tun, aber so tun, als täten sie was, ist es wieder vorbei mit der einzigen Lösung, die eine genannt werden kann, dem Grexit.

Die Griechen und andere Kostgänger wollen die Honigtöpfe nicht verlassen? Lassen wir sie weiterschmausen, aber wenden wir uns wieder seriösen Partnern zu; sonst wird man am Ende gräzisiert, das Recht wird aufgeweicht, und böses Blut entsteht. Weg von DIESEM Europa, aber gerne weiter mit solchen, die uns ähnlich sind.
Ich denke, Frau von Storch hat völlig Recht, wenn sie fordert: einen Nord-Euro oder halt die DM - wenn es keine europäische Einigung gibt.

Frau von Storch, halten Sie Kurs mit Ihrem ruhigen, klaren, konservativen Kurs, wir werden Sie noch brauchen!
Es ist stürmisch, aber die Zeit arbeitet für die AfD.

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