Wahn-Alarm

Warum die AfD-Wahlsieger das Feindbild sind.

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Karikatur: www.tomicek.deDas ist nicht neu: Wie schön und einfach könnte die Welt ohne all ihre Irren sein. Eine Aussage, die weder durch den Fortschritt noch durch die Aufklärung an Bedeutung verloren hat. Immerhin, eine Welt ohne Irre wäre auch ziemlich unterbevölkert und ein bisschen langweilig - und die Menschen haben immerhin gelernt, das Beste daraus zu machen. Zum Glück fiel auch nur sehr selten die Welt oder einer ihrer Kulturkreise einem Wahn kollektiv anheim, wobei der Nationalsozialismus und die Kreuzzüge schreckliche Beispiele für eine solche kollektive Potenzierung des täglichen Irrsinns sind. Wir kommen nun nicht umhin zu konstatieren, dass die Welt erneut eine solche Zuspitzung erlebt. Während in den kulturell und ökonomisch eher minderbemittelten Regionen der Islam an niedere Instinkte appellierend zunehmend Konflikte schürt, verliert, wie hier kürzlich schon in anderem Zusammenhang ausgeführt, der sogenannte entwickelte Westen den Kontakt zur Realität. Wenn aber Kooperation, friedlicher Wettbewerb und freies Denken sich als Grundpfeiler der sozialen Evolution und eines erfolgreichen Miteinanders erwiesen haben, kann der Wahn als virtuelle Gegenposition nicht nur Konflikte säen und Hass predigen, sondern wird er auch den Niedergang forcieren. Wie unter einem Mikroskop hat in Deutschland der Umgang mit der AfD diesen aggressiven, kontraproduktiven Realitätsverlust nachgewiesen.

Auch hier findet sich sowohl die Keule als auch die Pinzette als Offensivbewaffnung. Klassische Keulenattacken, und ich meine damit hier nicht die zahlreichen körperlichen Angriffe gegen AfD-Politiker und -Wahlkämpfer, sind eher die zielgerichteten Verleumdungen gegen Spitzenpolitiker der Partei in den Medien. Man denke nur an die elementar demokratische Aussage von Jörg Meuthen, man habe, wie jede andere Partei, den demokratischen Auftrag, in Sachfragen mit jeder Partei in den Parlamenten die Zusammenarbeit zu suchen, eben auch mit der Linken oder der NPD. Ein Aufschrei ging durch die Medienlandschaft, und nur höchst selten fand sich im Kleingedruckten der wahre Zusammenhang, dafür aber in den gierig gelogenen Schlagzeilen, dass die AfD eine Zusammenarbeit mit der NPD anstrebe.

Hier wuchs als Lüge zusammen, was der politisch motivierte Wahn schon immer unterstellt hatte. Nicht lange davor (und beinahe selbstverständlich im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft platziert) war Alexander Gauland zwei Journalisten der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in die Falle gegangen. Aus der (jedenfalls so aus handschriftlichen Notizen zitierten und auch keineswegs autorisierten) ungeschickten Aussage, es möge Deutsche geben, die mit einem farbigen Nachbarn Boateng Probleme hätten, wurde eine untolerierbare rassistische Beleidigung gezaubert. Nimmt man die vorangegangene suggestive Frage dazu, die die Journalisten hinterher einräumten, nämlich wie man denn am Beispiel Boateng das Thema „Fremdsein in Deutschland“ beschreiben könne, erkennt man, dass der einzige Vorwurf, den man Gauland wahnfrei machen könnte, ist, dass er diese Falle trotz all der vorangegangenen Hetze der Medien nicht geahnt hatte. Tatsächlich äußerte er sich aber keineswegs über die Person Boateng, sondern zu Alltagsrassismus in Deutschland, und dennoch heulte unter der Überschrift „Gauland beleidigt Boateng“ am Tag darauf jedes Mainstream-Medium der Republik auf, zitierte jeden gefragten und ungefragten Politiker, den DFB, Boatengs Nachbarn und wahrscheinlich auch das Sandmännchen und überschlug sich an Häme, Schleieranalysen und Verurteilung.

Das Medienmagazin Meedia rettete die verbliebene Journalistenehre, belegte den wahren Sachverhalt und schrieb: „Das AfD-Selbstentlarvungszitat ist mittlerweile so etwas wie ein gelerntes Narrativ in den Medien.“ In der Tat hat das Methode: Aus der Erwähnung der absoluten Selbstverständlichkeit und gesetzlich festgelegten Tatsache, dass Grenztruppen sich gegen einen ungesetzlichen und gewalttätigen Übertrittsversuch im äußersten Notfall mit dem Gebrauch der Schusswaffe wehren müssten, zauberten die Medien eine grausame Frauke Petry, die auf Kinder schießen lasse.

Die TAZ schrieb unter das Foto eines winkenden Björn Höcke, dem damit ein Hitler-Gruß unterstellt werden sollte: „Zur Begrüßung zeigt der junge Mann mit Kapuze den Hitlergruß und sagt: ‚Heil Hitler‘. Bereits der Beginn des Videos lässt wenig politischen Interpretationsspielraum. Darauf folgen sieben Minuten unsägliche Schimpftiraden gegen Muslime und Moscheen.“ Es handelt sich aber dabei um ein Nazi-YouTube-Video, das bewusst in einen nicht existierenden Zusammenhang mit der AfD gerückt wird.

Soweit die Keulenschläge, aber damit die Vernichtung nachhaltig wird, gibt es auch die Splitterbomben, die man vielleicht angesichts der sonstigen Sprachregelung als geradezu subtil bezeichnen müsste. Wenn beispielsweise der Berliner AfD-Chef auf zahlreiche und bewiesene Wahlmanipulation hinweist und darüber überhaupt berichtet wird, heißt es in der Überschrift kurzerhand, er „unterstelle“ eine bewusste Fälschung. Wenn zur Berliner Wahl die Positionen der Parteien in getrennten Erklärtexten vorgestellt werden, ist der Beitrag zur AfD der einzige, in dem diese Positionen -natürlich negativ- kommentiert werden. Als Petry von einem britischen Journalisten in der Deutschen Welle angegangen wird, vermeldet die dpa keinen einzigen Fakt, sondern nur die Wertung, dass Petry sich in Widersprüche verstrickt und oft keine Antworten gewusst habe. Wenn Beatrix von Storch sich in einem Tweet wünscht, die deutsche Fußballnationalmannschaft möge künftig wieder unter dieser Bezeichnung statt unter dem vom DFB verordneten Terminus „Die Mannschaft“ antreten, dürfen Politiker „deutliche Worte finden“ und sie gar als Rassistin beschimpfen.

Das ist alles so offensichtlicher Blödsinn, dass man sich immer wieder fragt, mit welcher Chuzpe die Medien und ihr Milieu sich trauen, damit überhaupt an die Öffentlichkeit zu gehen (und damit durchzukommen). Das lässt sich in der Tat nur mit einem kollektiven Wahn erklären. Wahn heißt in diesem Zusammenhang nicht, dass alle Betroffenen tatsächlich wahnsinnig sind. Sie sind nur Opfer eines sich selbst am Leben erhaltenen Wahnsystems. Deformierte Meme steuern hier die Gesellschaft wie Gene eine Multiple Sklerose. Dabei werden ganze Schaltkreise des Bewusstseins, etwa die des Hinterfragens und des kritischen Einordnens, einfach aus dem Denken genommen. Auch wir Nichtinfizierten kennen das, wenn wir vergessen, dass dieses „letzte“ Glas das berühmte zu viel ist oder wenn der Allergiker glaubt, die eine Walnuss werde ihn schon nicht umwerfen. Wir aber lernen über das anschließende Leiden, unser Verhalten zu korrigieren, während die Wahngesellschaft sich gegenseitig die entsprechende Erkenntnis ausredet.

Normalerweise werden die Menschen beim Älterwerden weiser, sie lernen, Zusammenhänge zu sehen. In einem stabilen Milieu des Wahns fehlen jedoch diese Lernimpulse und werden durch gegenseitige Bestätigung ersetzt. Dieses Phänomen immer wieder in diesem Blog zu thematisieren ist also nicht etwa der Versuch, mit derben Phrasen zu arbeiten, sondern tatsächlich eine notwendige Anamnese unserer kranken Gesellschaft.

Der Wahn findet den besten Nährboden bei sogenannten Intellektuellen, die im naiven Glauben, die massiven Veränderungen der Welt intellektuell beherrschen zu können, die Probleme kleinreden, nein, kleindenken wollen. Dabei kommt ihnen „zugute“, dass ihre soziale Existenz meist zu weit von realen Vorgängen und Problemen entfernt ist. Gleichzeitig spüren sie die besondere Lehre ihrer im Apparat entfremdeten Existenz, weshalb sie versuchen, sie mit abstrakten Welterklärungsmodellen und dem zwanghaften Bekunden von beliebiger Menschenfreundlichkeit zu füllen. Und es gibt natürlich als Furunkel am Hals noch die Vorteilsnehmer, die das Wahnsystem stützen, weil es ihnen nützt.

So kommt es zu dem nur scheinbaren Paradox, dass ausgerechnet Wissenschaftler oft besonders unsachlich und ideologisch auftreten. Natürlich kommt bei ihnen noch hinzu, dass sie die Erkenntnisse aus ihren Studien gewinnen, für die der wahnbefallene Mainstream sie mit Posten, Drittmitteln und Medienaufmerksamkeit belohnt. Einer dieser Freaks ist der FU-Parteienforscher Carsten Koschmieder. In einem Focus-Interview macht er AfD-Sympathisanten, ohne dabei irgendein Argument zu bemühen, praktisch zu Primaten.

Im Osten hätten die Männer „dort noch stärker mit Minderwertigkeitskomplexen zu kämpfen, weil ihre alte Geschlechter-Stammrolle weiter zurückgestutzt wird. Und auf diese Verunsicherung finden einige Leute autoritäre, fremdenfeindliche und antisemitische Antworten. Das Männlichkeitsproblem im Osten ist also ein Grund für den Erfolg der AfD.“ Küchenpsychologie? Nicht einmal das. FU-Wissenschaftler? Tatsächlich.

Eine komplexe Debatte um die Integrationsfähigkeit eines Landes schnurrt bei ihm zusammen zu: „Es geht der AfD nicht um Kritik am Islam, sondern schlicht um anti-muslimischen Rassismus. Sie wollen letztlich keine ‚Fremden‘ in ‚ihrem‘ Land.“ So definiert sich also für Wissenschaftler Koschmieder der Begriff Rassismus. Für ihn ist dann auch das Wort „fremd“ ein Fremdwort, und er muss es deshalb in Anführungsstriche setzen wie auch das „ihrem“, weil der Deutsche kein Land mehr haben darf und niemand mehr fremd sein kann.

Natürlich konstatiert der „Experte“ (so vertrauensheischend vom Fokus in der Dachzeile tituliert), dass die AfD sich gegenüber rechtsextremen Strömungen nicht ausreichend abgrenze. „Im Gegenteil.“ Die Partei lebe „Wohlstandschauvinismus“ und zeige mit dem Bekenntnis zum Sozialstaat nur, dass sie auf Stimmenfang sei. Eine Argumentation, die es nicht nötig hat zu bedenken, dass sie auf praktisch das gesamte deutsche Parteienspektrum ebenfalls zutreffen könnte.

Wenn solche Leute an staatlichen Bildungseinrichtungen bezahlt und auf junge Menschen losgelassen werden, ist das Elend schon weit fortgeschritten. Koschmieder entblödet sich nicht einmal, den für die Einwanderungsfrage so alten wie unzutreffenden Hugenottenvergleich zu bringen. Er begreift nicht oder verschweigt es einfach seinen Lesern, dass hochqualifizierte und wohlhabende Hugenotten im rückständigen Preußen eine andere Bedeutung hatten als heute Hunderttausende muslimischer Analphabeten.

Immerhin hat er recht, wenn er, wenn auch sprachlich ausgesprochen unbeholfen, sagt: „Die Leute suchen einfache Antworten auf eine neue, komplexere, wirrer erscheinende Welt.“ Nun, wir verstehen ja dennoch, was er mit „Antworten … auf eine Welt“ meint, wir verstehen aber nicht, warum er das den AfD-Wählern vorwirft und es nicht auf sich und seinesgleichen bezieht. Auch hier spricht aus seinen Worten der ganze Hass des Milieus auf jeden, der sich eben diesem seinem Wahn verweigert.

Dieser Hass geht flächendeckend durch das Milieu der gut beschulten und gutsituierten Jasager und Profiteure. Und da man weiß, dass unsichere Menschen gerne spiegeln, also ihre eigenen Schwächen anderen unterstellen, erklärt sich auch, warum es immer wieder heißt „Die AFD spaltet Deutschland“. Nein, der tiefe Riss der schon längst durch das Land geht, ist vom neuen Milieu verursacht, das die Welt in sich selbst und den bösen Rest spaltet. Das Milieu lebt zum Schutz der eigenen geistigen (Rest-)stabilität in einem mühsam geschnitzten Wolkenkuckucksheim und hasst jeden, der es als solches entlarvt. Umgekehrt ist jede noch so absurde Konstruktion für sie glaubhaft, solange sie nur erstens ihre Lebenslüge und zweitens die nötigen Feindbilder aufrechterhält.

Für diejenigen, die noch weiter in der Realität zu leben beabsichtigen, ist der tägliche Hass, die Anfeindung und die immer währende Konfrontation mit der Absurdität dieses Weltbildes ein schmerzhafter Prozess. Jede Wahl, die zeigt, dass noch nicht alle deutschen Bürger von diesem Wahn infiziert sind, sondern ihren eigenen Verstand gebrauchen, ist pure Medizin in einem geistig kranken Land.

Mehr von Konrad Kustos gibt es hier: http://chaosmitsystem.blogspot.de

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Klaus Kolbe

Sehr geehrter Herr Kustos,

da ist Ihnen fürwahr wieder eine treffliche Analyse gelungen.

In folgendem Satz jedoch ist Ihnen möglicherweise ein, als Schriftsetzer sagt man Setz-Fehler, sonst Schreib-Fehler unterlaufen:

»Gleichzeitig spüren sie die besondere Lehre ihrer im Apparat entfremdeten Existenz, weshalb sie versuchen, sie mit abstrakten Welterklärungsmodellen und dem zwanghaften Bekunden von beliebiger Menschenfreundlichkeit zu füllen.«

Müßte es da nicht „die besondere Leere“ statt „Lehre“ heißen?

Gravatar: Thomas Rießler

Ossi mit Minderwertigkeitskomplex trifft auf Wissenschaftler mit Multikulti-Wahn. Die beiden Lager nehmen sich also gegenseitig als krankhaft wahr und in der Tat sieht es so aus, als ob sich die Gesellschaft kulturell so weit auseinandergelebt hat, dass es auch innerhalb der „Biodeutschen“ zum Kampf der Kulturen kommt. Jahrzehntelang sind die Spinnereien der Kulturmarxisten belächelt worden, aber wie heißt es doch in der Bibel so treffend: Wenn die Sünde vollendet ist, gebiert sie den Tod. In diesem Zusammenhang fällt mir auch die „Skandalpredigt“ von Olaf Latzel ein: An Gideon die Reinigung von den fremden Göttern lernen.

Gravatar: Hans Dampf

Die Beschreibung der Bewohner von Wahnhalla ist sehr treffend.
Vielleicht aber sollten wir uns gar nicht so viele Gedanken um diese Kranken machen. Denn wenn sie sich täglich mehr in ihrem Hass radikalisieren, da sie AfD und Co. als Schuldige an ihrem Autoritätsverlust betrachten, dann stoßen sie auch täglich mehr Zuschauer und Leser durch ihren Hass-Stil und ihre Realitätsverleugnung ab.

Es kostet sehr viel Mühe, einen Volkshasser zu bekehren. Schließlich wehrt sich sein eingewurzeltes Gedankengebäude und möchte sein Opfer nicht aufgeben bzw. derjenige klammert sich an sein bisheriges verirrtes Weltbild, weil er sein Ich damit ein Leben lang identifiziert hat und das Eingeständnis, sich getäuscht zu haben, scheut. (Leichter wird es, wenn man es schafft, im deutlich zu machen, dass er selbst getäuscht wurde und die Wut gegen den Verursache lenkt statt zur Verteidigung des Falschen Postens einsetzt.)

Viel effektiver ist es, die schweigenden, nun aber teils schon grummelnden Massen anzusprechen. Große Teile der Bürgerschaft wollen andere Politik, fühlen sich aber ohnmächtig, bedroht oder resigniert - man wird die Wende leichter erreichen, wenn man eben diese Menschen aktiviert als wenn man die gleiche Energie auf die Aufklärung der gegnerischen Aktivisten verwendet.

Gravatar: Flechtner

Sehr geehrter Herr Kustos,

wie immer ,wenn ich Ihre Artikel lese, schreiben Sie mir aus der Seele.
Manchmal kommt man sich einsam vor, in dieser Gehirn-
amputierten ,politischen Welt.
Ich hoffe, dass sich die Mehrheit des deutschen Bürgers ,
frei macht ,von diesem psychologischen, politischen Wahn.
Die Wahrheit wird eines Tages siegen.

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