So schön war die DDR: Jugendwerkhof Gebesee in Thüringen

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Karin war vierzehn, als in ihrer Schule das Gerücht aufkam, ihr Vater sei bei der Staatssicherheit. Die Mitschüler wandten sich ab, sie wurde fortan gemieden, als hätte sie einen  ansteckenden Ausschlag.

Sie schloss sich einer Gruppe älterer Jugendlicher an, die sich in Karins Heimatstadt Saalfeld regelmäßig traf.

Man sang die Lieder von Wolf Biermann, las Rainer Kunze, Erich Loest und andere verbotene Schriftsteller, veranstaltete Partys und Diskussionsabende in der Kirche.

 

Als Karins Eltern den neuen Umgang ihrer Tochter bemerkten, versuchten sie, das Mädchen zu überzeugen, von ihren Freunden abzulassen. Vergebens.

Als treue Genossen und überzeugte Unterstützer der DDR, glaubten sie, sich an die Jugendhilfe wenden zu können, um ihre Tochter auf den rechten Weg zurück zu bringen.

Sie ahnten nicht, dass sie damit ihr Elternrecht verloren hatten und fortan die Behörden über ihre Tochter bestimmten.

Karin wurde erst in ein Kinderheim zur „Umerziehung“ gesteckt. Als sie sich dem dortigen Drill durch mehrere „Entweichungen“ zu entziehen suchte, kam sie in einen Jugendwerkhof.

Schon bei der Einlieferung musste sie feststellen, dass sie an einem Ort gelandet war, an dem sie keine Rechte mehr hatte. Hier saß sie hinter Mauern und Stacheldraht. Weglaufen war nicht mehr möglich.

Sie musste sich vollständig vor einem männlichen Erzieher entkleiden. Der nahm dann an dem Mädchen die Untersuchung  ihrer Körperöffnungen vor.

Dann kam Karin in die Aufnahmezelle zur „Eingewöhnung“. Eine wegklappbare hölzerne Pritsche, ein Toilettenkübel, ein vergittertes Oberlicht, ein Hocker, ein aufklappbares Wandtablett.

Wie viele Tage Karin dort zubrachte, weiß sie nicht. Sie bekam drei Becher Tee am Tag, klitschiges Brot, Margarine, Marmelade und Wurst von undefinierbarer Konsistenz. Das Mittagessen bestand aus Kraut, Kartoffeln und gelegentlich etwas Fleischartiges.

Als sie endlich in die Gemeinschaftszelle kam, besserten sich ihre Lebensumstände nur unwesentlich. Wenn sie die Arbeitsnorm nicht schaffte oder beim „Sport“ nicht mitkam, wurde die ganze Gruppe bestraft. Das hatte zur Folge, dass sie in der Nacht den Unmut ihrer Leidensgefährtinnen zu spüren bekam. Die blauen Flecken und Blutergüsse wurden von den „Erziehern“ übersehen. Ohnehin konnten die auch Resultat der schlagkräftigen Erziehungsmethoden sein.

Zum Waschen gab es nur kaltes Wasser. Hatten die Mädchen ihre Regel, gab es nur drei Binden am Tag. Solange sie auf der Arbeit waren, behalfen sie sich mit Toilettenpapier. Wenn die Unterhose Blut abbekam, gab es eine Strafe wegen „Beschädigung sozialistischen Eigentums“.

Geduscht wurde einmal die Woche, auch kalt, unter den Augen der männlichen Erzieher.

Die Frauen beaufsichtigten dagegen die Jungen.

Bei größeren Vergehen gab es Dunkelarrest bis zu vierzehn Tagen. Karin landete darin, als sie sich weigerte, das widerliche Essen, das man ihr reingezwungen und sie erbrochen hatte, noch mal zu sich zu nehmen.

Es konnte sein, dass sich ein Erzieher anbot, die Dunkelhaft zu verkürzen, wenn man ihm zu Willen war. Noch öfter nahmen sich die Erzieher einfach, wonach ihnen der Sinn stand.

Um dem Terror zu entrinnen, schluckte Karin auf der Arbeit einen Nagel. Sie hoffte, ins Krankenhaus gebracht zu werden. Vergeblich. Sie landete in der Dunkelzelle und bekam nichts als Sauerkraut zu essen.

Karin hatte noch Glück, weil sie an keiner chronischen Krankheit litt und von robuster Gesundheit war. Ein dreizehnjähriges Mädchen, das mit Asthma eingeliefert worden war, starb, weil ihr Asthmaspray im Schreibtisch des Erziehers eingeschlossen war und der nicht reagierte, als die Mädchen versuchten, ihn darauf aufmerksam zu machen, dass die Asthmatikerin einen Anfall hatte.

Karins Geschichte hat sich nicht in Gebesee zugetragen. Es hätte aber Gebesee sein können, denn das Regime war überall gleich. Wer durch eine solche Hölle gehen musste, ist für sein Leben gezeichnet.

Die Erzieher waren mehrheitlich Genossen der SED und sind, wenn sie nicht gestorben sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit Mitglied der Linken.

Aus Rücksicht auf die Gefühle dieser Leute darf die DDR nicht Unrechtsstaat genannt werden.

Mit der Partei dieser Leute schicken sich SPD und Bündnisgrüne an, in Thüringen eine Koalition einzugehen!

Diese Schande nicht mit allen Kräften zu verhindern, ist ein historisches Versagen der CDU!

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Gerd Müller

Doch, Frau Lengsfeld
ich sage laut, die DDR war ein Unrechtsstaat ...............
und ich sage es jedem ins Gesicht, egal ob er es hören will oder nicht !

Auch ich habe ähnliches in diesem "schönen Lade" durchgemacht und ich weiß, wovon ich spreche.

Gravatar: Klartexter

So ein Kwatsch "sie ahnten nicht, dass sie damit ihr Elternrecht verloren". Wenn die Eltern Teil des Systems waren und vieleicht noch ein Elternteil bei derr Stasi, dann wussten sie bescheid.
Jugendwerkhöfe waren in der DDR nicht nur zur politischen Erziehung da, sondern eröffneten auch die Möglichkeit den Schulabschluss und eine Lehre abzuschließen. Die erzieherischen Maßnahmen durch die Einweisung in einen Jugendwerkhof wurden auch bei Jugendlichen Kriminellen, Arbeitsunwilligen, Schulschwänzern vorgenommen, was bei den Meisten der Jugendlichen zum Umdenken über ihr bisheriges Leben führte und nach der Entlassung zur guten Eingliederung in die Gesellschaft und in die Arbeitswelt führte. Heute schlägt sich die Gesellschaft mit diesen Leuten rum und ändern tut sich nichts. Es gibt jugendliche Intensivtäter, Mehrfachtäter, Kleinkriminelle, Totschläger, Schulschwänzer, Sozialbetrüger etc., welche der Gesellschaft nur auf der Tasche liegen und weiter liegen werden, abgestraft mit milden Urteilen der deutschen Kuschelstrafjustiz. Man sollte mal das deutsche Volk fragen, ob es nicht die widereinführung von Jugendwerkhöfen oder Verleichbarem beführwortet, statt ein erfolgreiches Erziehungsmodell der DDR zu verteufeln, Frau Lengsfeld. So hart es auch Jugenwerhofinsassen empfunden haben mögen. Auch die harte Zeit bei der NVA het miemand geschadet, aber die Schlamperei und Nachsichtigkeit in diesem Saftladen BRD schon.

Gravatar: Klartexter

Ständig melden sich irgendwelche Opfer des "DDR Regimes" oder der "SED-Diktatur", weil es im Falle der Anerkennung, was wahrscheinlich ist, Geld oder zusatzrente etc. gibt. Herr rechthaber, dass schenen Sie nicht begriffen zu haben. Genau so wenig haben Sie begriffen, dass Erziehung seit tausenden von Jahren auch unangenehm bis schmerzhaft sein kann und eine strengere Erziehung mancher Zeitgenossen auch die gewünschte positive und für die Gesellschaft unschädliche Entwicklung hat, blos nicht in diesem absurd verkommenen Land BRD. Seht über den großen Teich zu Euren besten Freunden, wie da in Strafvollzugsanstalten gedrillt, bestraft und in Massenschlafsälen untergebracht, wie die Jugendwerkhofinsassen und die Sowjetsoldaten als Beispiel.

Gravatar: Gerd Müller

Lieber Schreiber "Klartext"
Wenn ich mich recht erinnere, sind Sie der DDR-Schöffe, der alles prima findet, was da in diesem System rechtlich so vor sich ging.

Ich wäre gerne bereit, mich mit Ihnen einmal zu treffen und Ihnen meine Erfahrungen mit diesem für mich, " widerlichen System" zu schildern.

Das würde bei der Verleumdung meines Vaters, mit Schauprozess wegen angeblicher Steuerhinterziehung, über dessen entschädigungslose Enteignung und Errichtung eines "VEB-Kraftverkehrs" mit seinen Fahrzeugen, bis zum Arbeitseinsatz im Steinbruch, meiner Schullaufbahn als "Kapitalistensohn und meiner späteren Inhaftierung im Alter von 16 Jahren in Bautzen führen.

Zudem kann ich Ihnen über den bis heute spurlosen Verbleib zweier Väter aus meinem Bekanntenkreis, nach Verhaftung durch die "DDR-Organe" berichten und vieles mehr.

Ich bin mir sicher, soviel sozialistisches recht wird sie aus der Bahn werfen.

Gravatar: Klartexter

Ja, Herr Müller, das sind genau so bedauerliche Einzelfälle, wie bei der Ausländergewalt gegen Deutsche. Um ein Staats-System objektiv zu beurteilen, kann man nicht von Einzelfällen ausgehen. Auch hie in diesem angeblichen Rechsstaat ist Menschen Unrecht zugefügt worden, nur weil sie sich finsanziell keinen Prozess leisten konnten. Hört endlich auf nur auf der DDR herum zu dreschen. Seht unter den "neuen, bunten Glazpapier-Teppichch" und die neuen Lügen von Politik und Medien.

Gravatar: Theofan

Die dunklen Seiten der DDR zu verdrängen ist zwecklos, dafür waren's dann doch zu viele. Die Unmöglichkeit, Missstände öffentlich zu machen, führt notwendig dazu, dass Menschen ihre systemgegebene Macht missbrauchen (nicht alle Menschen, es gibt in jedem System auch Idealisten).
Ich halte es aber für unzulässig, daraus nun für alle Zeiten der gesamten Linken den Strick zu drehen. Bestimmt ist auch noch die eine oder andere Ordensschwester aus der Zeit der "schwarzen Pädagogik" westlicher katholischer Kinderheime in der CDU zahlendes Mitglied.
Ich dachte immer, Demokratie ist deshalb besser, weil sie verschiedene Meinungen und Anschauungen kompromissfähig zusammenführen kann. In Thüringen finden offensichtlich viele Leute die Linke ok. Das muss ein Demokrat doch verdauen können, antstatt vom Einheitsparteibrei (nur unter umgekehrten Vorzeichen) zu träumen?

Gravatar: Frank

Vorwärts und schnell vergessen! Mich widern die Wendehälse und Mitläufer an, die mich damals, als Sechzehnjährigen, zu 30 Monaten Haft, politisch, im Namen des Volkes verurteilten! Diese sind heute auch Mitglieder der SPD und CDU! Die Wenigen die sich nach der Wende zu ihrem Sozialismustraum, also der Operation am offenen Herzen bekannten, könnten mir schon einiges an Achtung abringen.Eigentlich.... aber die Welt ist eben nicht schwarz-weiß! Gefährlich sind und waren die Mitläufer und Rückgratlosen und auch die Machtgeilen. Mit Besorgnis sehe ich die Bestrebungen der Ost-SPD (Mitbegründer Stasi-IM Ibrahim Böhme), auf die Linke zukünftige Wahlen betreffend zugehen! Droht wieder eine Einheitspartei? Wird die SPD ein weiteres mal zum Verräter? Warum lernt man nicht endlich aus der Geschichte? Der Kommunismus war und ist eine verbrecherische Idiologie die Millionen Menschenleben gefordert hatt. Nur ein Gleichgewicht der Kräfte erhält den sozialen Frieden. Traurig aber wahr, weil menschgerecht!

Gravatar: Frank

Weil Sie diese Bootcamps in Amerika ansprechen, muß ich Ihnen recht geben. Hunde ohne Maulkorb, Spießrutenlaufen im Kordon der mit Teleskoppeitschen bewaffneten kasernierten Volkspolizei, Schichtarbeit und dazwischen millitärischer Dauerdrill, sexuelle Übergriffe durch von Wächtern eingesetzten Kapos, Entwürdigung und Entmenschlichung. Ja vieleicht gibt es das auch in Amerika, und das wäre anzuprangern. Arbeit war die einzige Auszeit, wo man für sich war und nicht den sadistischen, rotlackierten Faschisten ausgesetzt war. Aber es ist ein Unterschied ob man einer Oma wegen 80 Mark Rente den Schädel eingeschlagen hatt, oder zu seinem Vater in den Westen wollte um einer Anwerbung der Stasi zu entgehen? Naja, ich würde Ihnen gerne meine Opferrente schenken, wenn Sie auch meine Albträume und Medikamentenkosten mit übernehmen.
Ein Staat ist immer danach zu beurteilen wie er zu seinen Schwächsten ist. Einige von uns waren erst 14, sie hatten im Ferienlager in ihrem ersten Bierrausch eine DDR-Fahne verbrannt. O ja ich habe das Böse gesehen...aber das waren nicht nur die schlimmen Kinder!
Das waren auch ganz normale Schließer die, nachdem diese uns eine Schicht lang quälten, Zuhause ihre Kinder streichelten. Das ist die Banalität des Bösen, keine scripted- Reality-Show. Das war staatlich gewollte Realität! Und der Schoß ist fruchtbar noch-aus dem das kroch! Gelle? Grüße aus dem roten Brandenburg!

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