Enteignung der Sparer: Dieser Chart zeigt, dass nicht der Euro das Problem ist

Die Deutschen haben ein neues Feindbild: Mario Draghi.

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Er soll für die „Enteignung der Sparer“ verantwortlich sein. Draghi steht für den Euro und eine ultralockere Geldpolitik. Kritik gegen ihn kommt nicht nur von der AfD, sondern hauptsächlich auch aus den Reihen der Merkelparteien.

 

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https://pinksliberal.files.wordpress.com/2016/10/chart_all_umlaufrenditedec3b6ffentlichehand.pngDie EZB reagiert mit dem Nullzins auf die schwache wirtschaftliche Lage. Kapitalerträge hängen von guten wirtschaftlichen Entwicklungen ab und für die sind andere verantwortlich. Beim Thema Null- und Negativzins wird immer wieder eines vergessen: Die Zinsen fallen nicht erst seit Mario Draghi. Der durchschnittliche Zins von risikoarmen Anleihen wird in der sog. Umlaufrendite gemessen und seit Jahrzehnten von der Bundesbank veröffentlicht. Im Zeitraum zwischen November 1964 und November 2014 betrug die Durchschnittsrendite 6,1 %. Der Höchststand war mit 11,2 % im August 1981. Seit Seit Juni 2016 ist die Umlaufrendite negativ.

Wie man im Verlauf gut sehen kann, fällt die Umlaufrendite nicht erst seit dem Euro oder seit Mario Draghi. Es gab zwar immer wieder Aufs und Abs, doch ein Trend ist eindeutig erkennbar. Der Zins fällt seit den 1970er Jahren. Die Ursachen sind nicht kurzsichtig im Euro zu suchen. Wir sollten aufhören Personen wie Draghi dafür verantwortlich zu machen. Draghi ist nur eine Schachfigur; mehr nicht. Was man hier sieht ist eine Form von Inflation. Man kann sie nicht mit den Verbraucherpreisen messen. Diese Inflation nennt man in Fachkreisen „Anleihenblase“.

Ich sehe hierbei 2 Probleme: Die fehlende Zinszahlung macht Anleihen unattraktiv und die Kursgewinne der letzten 40 Jahre können nicht nochmal kommen, außer die Renditen würden stark negativ. Im Anleihenmarkt wurde das Pulver für mehr als eine Generation verschossen. Für die Medien ist dies (noch) uninteressant, denn viele verstehen den Anleihemarkt schlicht fachlich nicht. Allein der mathematische Mechanismus, der negativen Korrelation von Rendite und Kurs, ist vielen nicht klar. Daher hetzt man lieber gegen den Euro oder schafft künstliche Feindbilder wie Mario Draghi. Das Problem ist unser Geldsystem, nicht unsere Währung.

Wenn das aktuelle System kollabiert, dann waren nicht freie Märkte daran schuld, sondern ein zentral geplanter Geldsozialismus. Auch Neosozialismus genannt.

Zuerst erschienen auf https://pinksliberal.wordpress.com/

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Freigeist

Nehmen wir mal an, ihre oben genannten 11,2% entsprechen den Tatsachen. Dann ist daraus klar zu erkennen, dass unsere damaligen Bundesbanker die größten Pfeiffen im Nachkriegsdeutschland waren. Mit diesen hohen Zinsen hat man Deutschland in die hohe Verschuldung getrieben. Solch hohe Zinsen kann kein Staat zahlen, ohne sich zu ruinieren. Nach dem Zinseszins-Effekt sind die Schulden dann schon nach gut 4 Jahren verdoppelt. So hat sich Deutschland hoch verschuldet. Aufgrund von altem dummem Denken von Bundesbankern mit ihren Zins-Theorien.

Gravatar: FDominicus

@Freigeist, was Sie schreiben stimmt so nicht. Erst einmal wäre es Deutschland möglich gewesen keine Schulden zu machen. Für neue Schulden braucht es immer zwei einen
Schuldner und Gläubiger. Keine Schulden keine Zinsen.

Und auch stimmt es nicht, daß Deutschland in eine große Verschuldung getrieben wurde, das haben die Politiker ganz allein seit 2008 auf die Reihe bekommen.

Wie sich diese entwickelt haben kann man hier nachschauen:
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/154798/umfrage/deutsche-staatsverschuldung-seit-2003/

Gravatar: K Becker

Meine Altersvorsorge = Absurdistan.
Es werden alle zu spüren bekommen, die versuchten, Vorsorge auf normalem Weg zu tätigen.
Grund dafür ist Draghi und unsere Provi9teure und Unterstützer.
Deutschland kann sinch das leisten, nur die Bürger mit Arbeitnehmereinkommen nicht.

Gravatar: Sepp Kneip

Liebe Frau Ger,
und ob der Euro schuld ist an der ganzen Misere in Europa. Der Zins ist ein Korrektiv, genau so wie der Wechselkurs ein Korrektiv ist. Beides wurde mit Einführung des Euro, der Wechselkurs direkt und der Zins nach und nach, eliminiert. Es gab für die Akteure am Markt, vor allem die Problemländer, nichts mehr, was sie davon abgehalten hat, Schulden zu machen. Schulden zu machen bis über alle Ohren, statt die Gelegenheit zu nutzen und Strukturreformen durchzuführen, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Dass beides geht, sparen und Reformen durchführen, hat Deutschland gezeigt. Da die EZB aber nur eine - nicht greifende - Geldpolitik für die
Problemländer macht und sie mit ungedeckter und billiger Liquidität versorgt, fehlt ihnen der Anreiz für Reformen. Die Leidtragenden sind, vor allem in Deutschland, das mit im Euro-Boot sitzt, die Sparer, Rentner und Arbeitnehmer, die regelrecht enteignet werden.

Ihre Charts, Frau Ger können Sie sich an den Hut stecken. Ein Auf und Ab der Zinsen hat es schon immer gegeben. Aber nicht ein Niedergang, der durch eine derart desolate Geldpolitik wie die von Draghi hervorgerufen und verstärkt wurde. Es mag ja sein, dass Draghi mit seiner Geldschwemme vorübergehend die Märkte beruhigt. Aber warum hat er sich die Märkte nicht mal austoben lassen? Das hätte die Spreu vom Weizen getrennt und es hätte zu einer nachhaltigen Konsolidierung kommen können. Das hätte natürlich die Zocker und Spekulanten schwer getroffen. Die hätten es verdient. Aber nein, diese dürfen mit dem aus dem Nichts geschöpften Geld ihre Milliardenvermögen weiter vergrößern, während der "Kleine Mann" bluten darf. Ist das Ihre Vorstellung von einer angemessenen und nachhaltigen Geldpolitik, Frau Ger?

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