Ehre wem Ehre gebührt

Allgemein wird es in der litauischen Kultur als wichtig angesehen, Höhergestellten Respekt zu erweisen. In den Schulen begegnet einem dieser Geist häufig, und die Lehrer ringen nun mit der in ihren Augen oft respektlosen Jugend.

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Auch in den Kirchen ist die Achtung vor den Amtsträgern groß, oft zu groß. Betritt ein katholischer Bischof den Raum, erheben sich alle augenblicklich von ihren Stühlen. Auf dem Hintergrund des hierarchischen Leitungsverständnisses in der Kirche Roms überrascht dies wenig. Aber nun lässt sich seit einer Weile auch der lutherische Bischof mit „seine Exzellenz“ anreden.

Tatsächlich fordert das Neue Testament zur Achtung von Amtsinhabern in Staat, Kirche, Wirtschaft und Familie auf. Im Hinblick auf das öffentliche Leben ermahnt Paulus: Gebt „Ehre, dem die Ehre gebührt“ (Röm 13,7; in Goethes Faust: „So ehre denn, wem Ehre gebührt“). In den Gemeinden sollen die Ältesten besonders geachtet werden (1 Tim 5,17). Und in Eph 6,2 zitiert der Apostel das Gebot, die Eltern zu ehren.

Wie für alle ethischen Anweisungen, so gilt auch hier, dass mit solchen guten Geboten Schindluder getrieben werden kann. Hier ist natürlich an Machtmissbrauch zu denken. Gerade in den litauischen Kirchen ist dies kein seltenes Problem, denn viele Pastoren sind kulturell auf das bloße Durchdrücken von Autorität getrimmt.

Viel zu oft wird vergessen, dass nicht nur Amtsinhabern, sondern jedem Menschen Achtung und Respekt entgegen gebracht werden soll. Denn jeder Mensch ist zum Ebenbild Gottes geschaffen und besitzt eine Würde, die grundsätzlich unabhängig von Glaube und Weltanschauung ist. Konkret in der Familie oder der Gemeinde bedeutet dies praktisch, dass man aufeinander hört und den Worten des anderen mit Achtung begegnet – und nicht gleich den Mund stopft, wenn einem etwas nicht gefällt.

Das in der Kultur stark verwurzelte hierarchische Denken hatte auch auf die Studentenmission abgefärbt. Im Zentrum der Arbeit standen lange die angestellten Mitarbeiter und an deren Spitze der Generalsekretär der Bewegung. In den vergangenen knapp zehn Jahren haben wir hier nun einen Kurswechsel geschafft: An der Front der evangelistischen Arbeit in den Hochschulen stehen die Studenten selbst, die studentischen Mitglieder von LKSB. Die Mitarbeiter sowie der Vorstand unterstützen sie bei ihrem Dienst. Entsprechend sind diese Studenten, die es mitunter als Christen an der Uni nicht leicht haben, zu achten.

Bei der jährlichen „Konferenz“ oder Mitgliederversammlung von LKSB am 12. März in Kaunas unterstrich Holger als Leiter des LKSB-Vorstands die Wichtigkeit der Mitgliedschaft. Um dies sichtbar zu machen, überreichten Vorstandskollegin Miglė und er den Mitgliedern eine Mitgliedskarte im Scheckkartenformat. Auf der einen Seite ist neben dem LKSB-Logo der jeweilige Name eingedruckt, auf der anderen Seite steht die Mission der Organisation („Studenten, die anderen Studenten das Evangelium bezeugen“, s.u.). Neben der Mitgliedskarte erhielt jedes Mitglied eine Ausgabe des litauischen „New City Catechism“. Bei der Konferenz wurden die Ausweise auch gleich als Stimmkarten benutzt.

Nach der „Mitgliederehrung“ folgte der Jahresbericht von LKSB-Generalsekretärin Sigita, die seit einem Jahr im Amt ist. Sie macht ihren Job hervorragend und gab einen Abriss aller Aktivitäten des vergangenen Jahres. Erfreulich ist, dass es den Studierenden nicht an evangelistischem Geist mangelt. Anfang April wird in Kaunas wieder eine Hochschulwoche „Unerwartete Studententage“ durchgeführt. Sehr positiv ist auch das Echo auf  das „Markus-Drama“, bei dem ein gutes Dutzend Laien das komplette Evangelium aufführen. Das junge Ehepaar Mantas und Aistė, beide nicht mehr Studenten, leiten diesen Bereich und berichteten anschaulich. Studenten wie Aurimas erzählten vom Gruppenleben.

Im Namen des Vorstands berichtete Holger aus der Arbeit des Leitungsgremiums. Er konzentrierte sich auf drei Herausforderungen wie die Arbeit in der „Provinz“, d.h. im Hochschulkontext Klaipėda und Šiauliai. Dort gibt es z.Z. keine Gruppen an den Universitäten. Außerdem ist es nicht leicht, ja besonders schwierig, geeignete Mitglieder für den Vorstand zu gewinnen. Akvilė, bisher studentisches Mitglied im Vorstand, wurde im Herbst Mitarbeiterin und schied damit aus. Damit verbleiben drei Vorstandmitglieder –zu wenig. Auch für Vilnius wird noch ein Mitarbeiter gesucht, was sich als nicht einfach herausstellt. Allgemein in der christlichen Arbeitswelt Litauens ist die Personaldecke sehr dünn, d.h. vielfach fehlt es an geeigneten Mitarbeitern. Außerdem arbeitet der Vorstand an einem Konzept für Freunde von LKSB, alle ehemaligen Studenten und sonstige Förderer. In einem ersten wichtigen Schritt wird eine Datenbank aller LKSB-Freunde aufgebaut.

Petras Čerka, Inhaber einer Anwaltskanzlei und Mitglied der Pfingstgemeinde in Kaunas, sprach sehr gut zum Thema der Konferenz „Worüber ich an der Uni nicht zu reden wage“. Am Nachmittag wurde dies in einem offenen Seminar unter der Leitung von Miglė vertieft. Auch hier kam in den Gruppen dann jeder zu Wort, wurde auf alle Redebeiträge geachtet.

Beitrag zuerst erschienen auf lahayne.lt

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Gravatar: Thomas Rießler

Üblicherweise picken sich die Calvinisten halt diejenigen Bibelverse heraus, die ihrem Machterhalt dienlich sind und wenden sie auf ihre Sekte an, gerade so, als ob es sich dabei um die Kirche handeln würde. Andere Bibelverse, die die Freiheit der Gläubigen betonen, werden dagegen ignoriert oder weginterpretiert, so z.B. dass man sich als Christ von keinem „Giganten in der Theologie“ belehren lassen muss: „Für euch aber gilt: Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch und ihr braucht euch von niemand belehren zu lassen. Alles, was seine Salbung euch lehrt, ist wahr und keine Lüge. Bleibt in ihm, wie es euch seine Salbung gelehrt hat.“ Die Salbung ist den Sekten verlustig gegangen und durch Vernünfteleien ersetzt worden.

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