Die amerikanische Leimrute: Wilsons „Vierzehn Punkte“ im Spiegel des Heute

Der 8. Januar vor hundert Jahren war von schicksalhafter Bedeutung für Deutschland und Österreich-Ungarn. Es war jener Tag, an dem der amerikanische Präsident Wilson seine berüchtigten „Vierzehn Punkte“ für einen möglichen Frieden in Europa im amerikanischen Kongress verkündete. Die Folgen für die Weltgemeinschaft sind bis heute spürbar. Wurden wir – im wahrsten Sinne des Wortes – geleimt?

Veröffentlicht: | Kategorien: Blogs, Blogs - Empfohlen, Blogs - Politik | Schlagworte: Amerika, Erster Weltkrieg, Europa, Großbritannien, USA, Wilson
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Dass die „Vierzehn Punkte“ eine derart große Wirkung unter den europäischen Kriegsparteien entfalteten, vor allem in Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich, war schon verwunderlich. Selbst aus heutiger Distanz, denn die Vereinigten Staaten waren am 6. April 1917, also rund neun neun Monate zuvor, auf Seiten der Alliierten in den Krieg eingetreten – und das, obwohl sie sich bei Kriegsbeginn noch neutral erklärt hatten. Es ist historisch unbestritten, dass die Wahrscheinlichkeit seinerzeit hoch war, die Mittelmächte könnten in dem mörderischen Ringen den Sieg davontragen. Aus amerikanischer Sicht musste das unter allen Umständen verhindert werden.

Dafür gab es zwei gravierende Gründe, und der ehemalige Stratfor-Chef George Friedman hat vor wenigen Jahren einen ausschlaggebenden dritten Aspekt hinzugefügt: Der erste Aspekt war naheliegend, denn bei einem Sieg der Mittelmächte, und damit einer Niederlage Frankreichs und Großbritanniens, wären die gewaltigen Kriegskredite, welche die USA den beiden europäischen Staaten gewährt hatten, nicht zurückgezahlt worden. Das wiederum hätte einen Zusammenbruch der Vereinigten Staaten bedeuten können. Daneben waren die USA im Jahre 1917 „kriegsfähig“ gemacht worden gegenüber den kontinentalen Staaten Österreich-Ungarn sowie dem Deutschen Reich. Anders bei Kriegsausbruch 1914, als noch weite Teile der in den USA lebenden Juden auf der Seite der Mittelmächte standen. Das Sykes-Picot-Abkommen des Jahres 1916 und die darin in Aussicht gestellte Möglichkeit einer „jüdischen Heimstatt im osmanischen Palästina“ hatten das Stimmungsgefüge verändert. Das Deutsche Reich hielt zu seinem Bündnispartner und die jüdische Weltgemeinschaft wusste fortan, wofür es sich einzusetzen lohnte.

Wilsons Vierzehn Punkte sollten ihren Zweck erfüllen, doch anders als es diejenigen erwartet hatten, die keinen Sinn mehr in einer Fortsetzung des Krieges sahen

Erst nach dem Ukraine-Putsch 2014, und damit zeitgleich zum einhundertjährigen Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkrieges, fiel es vielen wie die berühmten Schuppen von den Augen: In Chicago, einem unheilvollen Platz für alle gegen Österreich-Ungarn und das Deutschen Reich geschmiedetem Konzepte seit gut 150 Jahren, machte oben erwähnter Friedman die Entwicklung unter globalstrategischen Aspekten nachvollziehbar. Ein Sieg der Mittelmächte während des Ersten Weltkrieges wäre der strategischen Absicht der Vereinigten Staaten zuwidergelaufen. Diese bestand darin, eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland auf Dauer zu verhindern. Dieses Ziel – und der damit verbundene amerikanische Einfluss auf dem europäischen Kontinent – sollte aufrecht erhalten werden, koste es, was es wolle.

So atmeten weite Teile Europas, die vom hohen Blutzoll eines endlos erscheinenden Krieges betroffen waren, förmlich auf, als der amerikanische Präsident Ziele für einen möglichen Friedensschluss in Europa formulierte. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker zählte ebenso dazu wie der Verzicht auf Gebietsabtretungen und die Handelsfreiheit, auch zur See. Wilsons Vierzehn Punkte sollten ihren Zweck erfüllen, doch anders als es diejenigen erwartet hatten, die keinen Sinn mehr in einer Fortsetzung des Krieges sahen ...

Man muss einen Blick auf das Gesamtbild der damaligen Entwicklung werfen, um ein Verständnis von den Kriegsgründen und -motiven zu erlangen, die zum Teil bis ins Heute wirken. Wer weiß denn noch, dass das kaiserliche Deutschland einen Berufsrevolutionär namens Lenin in Marsch setzte, um Russland als Kriegspartei von innen heraus in die Knie zu zwingen? Aus den Köpfen der meisten verschwand auch, dass aus den Vereinigten Staaten zeitgleich ein anderer russischer Berufsrevolutionär gen Russland in Marsch gesetzt worden war. Welches von den USA für Russland vorgesehene Ziel sollte Trotzki, um den es sich dabei handelte, eigentlich umsetzen? Oder diejenigen wenigen Aufwiegler unter den gut einhunderttausend auf den Frieden hoffenden Menschen, die eine öffentliche Kundgebung in München kurzerhand zum Umsturz nutzten, wenige Tage vor dem Waffenstillstand im November 1918?

Die Hoffnung, die Präsident Wilson wie eine Leimrute ausgelegt hatte, brachte für Deutschland millionenfache Opfer, als man die Waffen schon gestreckt hatte, davon eine gute Million Toter und Millionen Kinder, die auf den Straßen zu Greisen mutierten. Hinter den Vierzehn Punkten des amerikanischen Präsidenten versteckte sich die englische Hungerblockade, die bis in den Sommer 1919 mit dem Ziel über das wehrlose Deutschland verhängt worden war, der „deutschen Rasse“ den Garaus zu machen. So ließ sich jedenfalls nach den vorliegenden Quellen der Gründer der internationalen Pfadfinder-Bewegung, Baden-Powell, öffentlich vernehmen. Es war der aus der Geschichte bekannte Ruf, nach dem „Karthago“ zerstört werden muss. Heute ist dieser Ruf wieder gegenwärtig, diesmal Richtung Moskau. Seinerzeit war es an Perfidie nicht zu überbieten, und auch heute ist das nicht viel anders. Der Commonwealth-Bürger und begnadete Historiker Christopher Clark hat es in seinem wegweisenden Buch über die europäischen Schlafwandler versucht aufzudröseln: Die Verantwortung für die Urkatastrophe des vergangenen Jahrhunderts wurde so geschickt auf alle möglichen Schultern verteilt, dass niemand versucht war, sie dort zu verorten, wo angelsächsische „Hütchen-Spieler“ sie festgemacht hatten: auf den britischen Inseln. Für den Verlauf der europäischen Geschichte seit dem Wiener Kongress des Jahres 1814 musste man den britischen Drahtziehern des Ersten Weltkrieges schon zugestehen, dass sie mit dem diplomatischen Konstrukt, welches zum Ersten Weltkrieg führte, die britische Politik gegen eine beim Wiener Kongress vorgeschlagene europäische Friedensordnung in Form der „Heiligen Allianz“ konsequent zu Ende gedacht hatten.

Sollte uns der klägliche Rest an politischem Anstand hierzulande nicht gebieten, die Staatsräson auch einmal gegenüber unserem großen östlichen Nachbarn zu bemühen anstatt sich erneut vor dessen Grenze in Stellung zu bringen?

Solange musste der amerikanische Militärattaché in Berlin Anfang der Zwanziger-Jahre nicht warten, als er dem seinerzeit in Deutschland fast völlig unbekannten „Herrn Hitler“ finanziell so unter die Arme griff, dass sich der Bekanntheitsgrad mit schrecklichen Folgen für Deutschland und die Welt steigern konnte. Unter anderem mit der Katastrophe von„Stalingrad“ wurde in diesem zielgerichteten Denken der Sinn der ursprünglichen Aufbaufinanzierung Hitlers final deutlich, weil dadurch die Beziehungen zwischen Deutschen und Russen nachhaltig zerstört wurden. Daran muss alleine schon deshalb erinnert werden, weil nicht nur die „sechste Armee“ in dieser Stadt vor 75 Jahren ihr Ende fand. Unsere Nachbarvölker im Osten, die von uns bereits gut 130 Jahre unter dem französischen Kaiser Napoleon verheert worden waren, mussten für die Abwehr des vom nationalsozialistischen Deutschen Reich ausgehenden Angriffs einen unvorstellbaren Blutzoll erbringen. Sie forderten dafür nichts ein. Im Gegenteil, es war die Sowjetunion, welche die Grundlage für die deutsche Wiedervereinigung geschaffen und das Ende des Kalten Krieges ermöglicht hatte. Seither verfolgt der Kreml uns gegenüber eine Politik der erhofften guten Nachbarschaft. Und was tun wir? Es mag die Weisung aus Washington sein, den Russen die kalte Schulter zu zeigen. Aber es ist unsere Regierung, und es sind spezielle Teile der deutschen Gesellschaft, die gegenüber Moskau noch nicht einmal eine Grundlage der europäischen Kulturgeschichte gelten lassen wollen. Danach ist es das mindeste, auch die andere Seite zu hören. Stattdessen wird Russland weisungsgemäß mit persönlichem Boykott und Sanktionen ohne Ende überzogen, selbst ohne Rücksicht darauf, ob die eigene Wirtschaft nachhaltigen Schaden nimmt. Sollte uns der klägliche Rest an politischem Anstand hierzulande nicht vielmehr gebieten, nach der Leidensgeschichte des vergangenen Jahrhunderts die Staatsräson auch einmal gegenüber unserem großen östlichen Nachbarn zu bemühen anstatt sich erneut vor dessen Grenze in Stellung zu bringen?

Die Erinnerung an die Geschehnisse zwischen dem 8. Januar 1918, dem Waffenstillstand am 9. November 1918, der deutschen Unterschrift unter dem Diktat von Versailles am 28. Juni 1919 und den sogenannten „Pariser Vorortverträgen“ für die Hinterlassenschaft der Habsburger Monarchie ab dem 10. September 1918 mit Deutschösterreich, werden die vor uns liegende Zeit bestimmen. Medienproduktionen sind angekündigt und nach allen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte wird versucht werden, dem deutschen Volk die alliierte Siegersicht der Geschichte auch für die Zukunft überzustülpen. Die Vorboten sind schon auszumachen. Dafür garantieren eigentlich schon das politisch-publizistische Umfeld der Produktionsstandorte oder die Sender, die derartige Werke anschließend senden. Wenn man ein Jahresprogramm aller deutschen Rundfunk- und Fernsehanstalten betrachtet, muss es spätestens am 8. Mai 1945 eine geheime Kapitulationsbedingung gegeben haben. Anders ist nicht zu verstehen, wenn tagaus und tagein das Haus Windsor in allen Facetten rauf und runtergenudelt wird. Wer sich in Deutschland ein Bild von Monarchie und Militarismus machen will, muss beim NDR dauerabonniert sein, was die Endlosschleife über das britische Könighaus anbetrifft. Vergeblich hofft man darauf, deutsche Geschichte und Gegenwart mit einem vergleichbaren Sendeplatz ausgestattet zu sehen. Von vergleichbar wohlwollender Berichterstattung mag man noch nicht einmal träumen.

Deutsche Stiftungen fördern jene, die sich der angelsächsischen Weltsicht unterwerfen und damit uns alle als Staatsbürger mit Anrecht auf eine eigene, wahrhaftig erzählte Geschichte in Schach halten

Unter diesen Vorzeichen verwundert es nicht, dass britische Historiker in Deutschland die Deutungshoheit über die jüngere Geschichte unseres Landes und Europas erlangt haben. Man schmückt sich in Deutschland geradezu mit denen, deren wichtige Aufgabe darin zu bestehen scheint, die Sicht der Geschichte derjenigen zu perpetuieren, welche den Rahmen für die Katastrophen des vergangenen Jahrhunderts wesentlich gezimmert hatten. Allerdings haben die weltpolitischen Auseinandersetzungen in den letzten Jahren eine gravierende Folge für diese Historiendominanz von der Insel: In dem Maße, wie die Spannungen in Europa wieder zunehmen, werden die Archive geöffnet, um größeren Aufschluss über die geschichtlichen Geschehnisse und zeitgleich die aktuelle Einflussnahme zu gewinnen. Vieles spricht dafür, dass eine neue Offenheit für die historischen Abläufe gerade uns Deutschen im Visier hat.

Gibt es auch deutsche Historiker mit jener Wirkung, die angelsächsische Zunftgenossen zweifellos haben? Fehlanzeige wäre das falsche Wort und nicht angebracht. Aber als Zeitzeuge hat man nicht den Eindruck, dass sich prominente Mitglieder der hiesigen historischen Zunft in die Bresche schlagen, wenn es um eine umfassende Beurteilung jener Zeitepoche handelt, die heute noch die Politik bestimmt. Deutsche Stiftungen fördern jene, die sich der angelsächsischen Weltsicht unterwerfen und damit uns alle als Staatsbürger mit Anrecht auf eine eigene, wahrhaftig erzählte Geschichte in Schach halten. Dazu haben deutsche Historiker, die sich konform zu Fritz Fischers These von der deutschen Alleinschuld mit dem Ersten Weltkrieg, seiner Vorgeschichte und den Konsequenzen beschäftigt haben, maßgeblich beigetragen. Bis heute herrscht der Eindruck vor, dass ihre Deutung der jüngeren Geschichte davon bestimmt gewesen ist, zwischen ihrer jeweiligen Rolle in der Herrschaftszeit der NSDAP und den erwartbaren Konsequenzen eine möglichst große Distanz zu legen. Das ist ein Phänomen, das generell in der deutschen Publizistik der Nachkriegsjahre festzustellen ist. Die alliierte Weltsicht fand bei denen die größte publizistische Unterstützung, die hohe und höchste Positionen im NS-Unterdrückungsapparat hatten oder ihre Väter ehedem in solchen Rängen wussten.

Sind der 8. Januar 1918 und die Folgedaten eine Angelegenheit der Vergangenheit, aus dem „politischen Gestern“? Weit gefehlt, wie der Besuch des amerikanischen Präsidenten Trump auf Einladung seines französischen Präsidialkollegen zum 14. Juli 2017 in Paris zeigen sollte. Denn dieser Staatsbesuch fiel aus dem gewohnten Rahmen. Er galt dem Kriegsbeitritt der USA an der Seite Frankreichs und Großbritanniens, um einen damals sich abzeichnenden Sieg Österreich-Ungarns und des kaiserlichen Deutschland zu verhindern. Über die weiteren Motive – Stichwort Kriegskredite – habe ich oben schon gesprochen. Weshalb fiel die Pariser Veranstaltung aus dem Rahmen? Es war in den zurückliegenden Jahrzehnten so etwas wie ein guter europäischer Brauch geworden, über die damaligen Gräben sich durch die Anwesenheit der Repräsentanten der ehemaligen Kriegsgegner die Hände zu reichen. Das war bis dahin in Frankreich so, und das war es auch für Russland. Sichtbar wich der französische Präsident Macron von dieser versöhnlichen Geste ab, auch wenn sie vor dem geschichtlichen Hintergrund mehr als angebracht gewesen wäre. Warum eigentlich? Um wenige Wochen später eine Rede über die Weiterentwicklung Europas der Europäischen Union zu halten? In welchem Geiste eigentlich? Abgesehen von der Frage, ob es nicht an der Zeit sein würde, mit singulären Entscheidungen Schluss zu machen. Mit Entscheidungen, durch die die Grundlage für die Europäische Union in den Augen der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig zerstört wird.

Die Vierzehn Punkte Wilsons und die westlichen Erklärungen 1990 kann man unter ein Motto stellen: Es gilt das gebrochene Wort

Ist der 8. Januar 1918 nichtsdestotrotz eine Angelegenheit der Vergangenheit? Eine Kriegslist eben, um die Gegner aufs Glatteis zu führen und sein Ziel auf kürzerem Weg zu erreichen? Sicher, man zog sich rechtzeitig aus den Verhandlungen zum Versailler Diktat zurück und überlies das den Erben Napoleons, der Europa seinerzeit nachhaltig in den Ruin getrieben hatte. Vergessen ist allerdings, dass man die amerikanischen „Kriegsschuldspezialisten“ in Schlüsselpositionen für die Veranstaltung in Versailles zurückließ, um gegen jede historische Wahrheit und Tatsache eine deutsche und österreich-ungarische Alleinschuld an diesem mörderischen Krieg festschreiben zu können. Vor wenigen Jahren hatte Deutschland die daraus aufgezwungenen Verpflichtungen auf Heller und Pfennig zurückgezahlt. Also doch der berühmte Schnee von gestern? Mitnichten, wie das Ende des Kalten Krieges, die Umstände der deutschen Wiedervereinigung mit dem gemeinsamen Verständnis über die fortdauernde Begrenzung der NATO und der heutige Aufmarsch des gesamten Westens gegen Russland erneut zeigen. Die Vierzehn Punkte Wilsons und die westlichen Erklärungen 1990 kann man unter ein Motto stellen: Es gilt das gebrochene Wort. Es wurde in der Zeit nach 1945 wieder und wieder betont, dass der Schlüssel für die Wiedervereinigung und das Ende der europäischen Spaltung in Moskau liege. Moskau hat uns diesen Schlüssel ausgehändigt und damit die Erwartung auf gutnachbarschaftliche Beziehungen und ein „gemeinsames Haus Europa“ verbunden. Die Geschäftsgrundlage war, die NATO nicht über die deutsche Ostgrenze hinaus auszudehnen. Die Erfahrungen, die Deutschland 1918 und in den Folgejahren machen musste, sind die Erfahrungen Russlands nach 1990.


LITERATUR

Christopher Clark: Die Schlafwandler: Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog. DVA, München 2013
Willy Wimmer: Die Akte Moskau. zeitgeist Print & Online, Höhr-Grenzhausen 2016
Wolfgang Effenberger/Willy Wimmer: Wiederkehr der Hasardeure. Schattenstrategen, Kriegstreiber, stille Profiteure 1914 und heute. zeitgeist Print & Online, Höhr-Grenzhausen 2014

 
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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Gipfler

"Wenige Wochen nach dem Ende 1918 geschlossenen Waffenstillstand machte sich US-Außenminister Robert Lansing Gedanken, welchen gefährlichen Geist sein Präsident aus der Flasche gelassen habe: ´Das ganze Wort „Selbstbestimmung“ ist bis zum Rand mit Dynamit geladen. Welch ein Verhängnis, dass dies Wort je geprägt wurde! Welches Elend wird es über die Menschen bringen! Welche Wirkung wird diese Formel zum Beispiel auf die Iren, die Inder, die Ägypter und die Burennationalisten haben? Werden sich nicht die Mohammedaner in Syrien und Palästina und womöglich auch in Marokko und Tripolis darauf berufen? Wie lässt sich dieses Prinzip mit dem Zionismus in Einklang bringen?` Lansing befürchtete, die so freiheitlich anmutende Formel werde Völkerhass, Diskriminierung, ja Mord und Totschlag befeuern und viele Volksgruppen anstecken. Der Mann behielt recht.“
Vgl.:
https://fassadenkratzer.wordpress.com/2017/11/23/katalonien-z-b-und-die-krux-mit-dem-selbstbestimmungsrecht/

Gravatar: Karl

die Erfahrungen Russlands nach 1990 sind so erschreckend und nüchtern, das es mich wundert das die Russische Politik noch immer an ihrem Ideal festhalten trotz der Sanktionen seitens Nato und Deutschland. Russland wurde halt als Feindbild auserkoren,, deren Bödenschätze und Reichtümer haben immer das westliche interesse in den Bann gezogen und diese Kapitaljongleure werden alles tuen um dieses einzuverlaiben,,aufgerüstet und provoziert wird ja schon genug,,,

Gravatar: Christian Dirk Bähr

Der erwähnte Mr. Friedman brachte es in der Rede vor dem Chicago Council (2015) mit der folgenden Frage auf den Punkt:

"WIE WIRD SICH DEUTSCHLAND VERHALTEN?"

Einerseits "weisungsgebunden", da ist Herrn Wimmer ausdrücklich zuzustimmen. Im großen Schatten der Supermacht sowie im Fahrwasser der Interessen der eigenen Industrie, eröffnen sich der deutschen Außenpoltik ausschließlich imperiale, gangbare Wege. Mit einhergehenden fatalen Konsequenzen für unsere nächsten Nachbarn.

Daher: Nur in offener, ehrlicher und natürlich durchgehaltener Oppositon läßt sich überhaupt so etwas wie ein Deutscher Weg identifizieren, der Abstand nimmt und Umkehr übt von der Politik des Flurschadens betrieben durch unsere autokratische und eng mit Großkonzernen verbundenen in Deutschland verfolgten Regierungslinie der Bundeskanzlerin.

Ein Dank für die Bereitstellung des Artikels (Herrn Wimmer/ Freie Welt).

Gravatar: Klaus Kolbe

Zwei britische Historiker, Gerry Docherty und Jim Macgregor, beschreiben noch ein bißchen konkreter als Clark, wer für den Kriegsausbruch 1914 verantwortlich zeichnet, nämlich ein kleiner, aber sehr einflußreicher Zirkel in Großbritannien. Lange vor Beginn des Ersten Weltkrieges wurde auf dieses Ziel hingearbeitet und wurden von ebendiesem Zirkel dafür die Weichen gestellt.

Als Ergänzung zu den von Herrn Wimmer angegebenen Literaturhinweisen sind diese beiden Bücher

„Verborgene Geschichte“ von Gerry Docherty und Jim Macgregor
und
„Sie wollten den Krieg“ von Jim Macgregor und Wolfgang Effenberger

zu sehen und zum Verständnis des damaligen Geschehens sehr zu empfehlen.

Diejenigen zumindest, die Europa in seine „Urkatastrophe“ getrieben haben, waren jedenfalls alles andere als Schlafwandler!

Und ob das Unternehmen Barbarossa als Angriffs- oder doch eher als Präventivkrieg zu verstehen und bewerten ist, darüber hat der deutsche Historiker Stefan Scheil in seinen Büchern „1940/41 Die Eskalation des Zweiten Weltkriegs“ und „Präventivkrieg Barbarossa“ ausführlich und faktenreich geschrieben.

Gravatar: renhard

Leider ist das Wissen über historische Begebenheiten
speziell bei uns Deutschen nicht allzu ausgeprägt. Schon
der Geschichtsunterricht in der Schule seit 1945 ist nicht
nur mangel- und lückenhaft sondern einseitig und ganz
im Sinne der westlichen Siegermächte geprägt gewesen. Kein Wunder, daß die meißten von uns nur unvollständig
über das Täuschen, Manipulieren und Taktieren der da-
maligen Kriegsgegner informiert sind. Und genau dieses
böse Spiel setzt sich bis heute fort. Denn nach wie vor
würfeln auch heute Frankreich und England aus, wo
sie was und Wen in die Irre führen. Und es scheint, als
sei Deutschland wieder einmal dabei die blinde Kuh zu
spielen in dem es einfältig und naiv das mitspielt, was die Anderen in geschickter Geheimdiplomatie vorher aus-
gewürfelt haben. Es ist doch ein Treppenwitz der Ge-
schichte, daß es eines australischen Professors aus
Oxford (Christopher Clark) bedarf, der uns Deutschen
die Augen öffnet und über die wahren historischen Zu-
sammenhänge aufklärt.

Herr Wimmer verweist zu Recht darauf, daß es fatal ist,
wie Wir uns gegenüber Rußland verhalten. Wir haben
lange genug als Knechte der USA deren Interessen voll-
zogen ohne darüber nachzudenken, ob das nicht ein
Fehler ist. Immerhin liegt zwischen Moskau und Konti-
nentaleuropa kein Ocean. Der liegt bekanntermaßen
zwischen Europa und den USA. Vielleicht sollte sich
unsere Politik mal etwas sachkundiger in Geografie
machen und sich in Geschichte des habsburgischen
und deutschen Reiches unterweisen lassen. Insbeson-
dere im Hinblick auf das wachsende Selbstbewußtsein
der osteuropäischen Staaten.

Gravatar: Arminius

Sehr aufschlussreich ist natürlich auch Helmut Roewer bei Quer-TV mit dem Titel Unterwegs zur Weltherrschaft.
Er beschreibt darin, wie generalstabsmäßig der 1. Weltkrieg von den Briten geplant wurde. Bei den Briten ist übrigens der 1. "Welt"krieg keiner, sondern der Siebenjährige Krieg. Heute sehen wir wieder, wie sich die Briten, Frankreich und sowieso die USA fremdes Eigentum aneignen: Die Briten erklären eine 500sm Zone rund um die fischreichen Falklands und St. Helena zum Hoheitsgebiet,macht ein Gebiet von knapp 400 000km²! Wo steht das in der Presse? In Mali und Niger werden die frz. Interessen mit Gewalt und dt. Hiflstruppen durchgesetzt. Über die USA ein Wort zu verlieren ist überflüssig. Der Krieg ist längst in Europa angekommen. Er wird derzeit dort nur nicht offiziell geführt. Das kommt noch, wenn Deutschland die EU-Zahlungen und Garantien verringern will.

Gravatar: Karl Brenner

Guter Artikel und wichtiges Thema für eine Transferaufgabe und zum weiterdenken

Gravatar: harald44

Ein Weltkrieg entsteht dann und nur dann, wenn sich eine Weltmacht in einen lokalen europäischen Konflikt einmischt, ohne durch diesen in seiner staatlichen Existenz bedroht worden zu sein, der eben ohne dieses Einmischen nach wenigen Wochen (1939) oder Monaten (1914) von alleine beendet worden wäre.
Die angeblich verletzte Neutralität Belgiens (in Wahrheit wollte das Kaiserreich im August 1914 nur ein Durchmarschrecht durch Belgien unter dem Druck des Aufmarschplanes, und es war die belgische Armee, die das Feuer auf die deutschen Truppen eröffnete und somit keinesfalls „neutral“ war) ging Großbritannien einen feuchten Kehricht an. Ebenso wie der Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien aufgrund des Thronfolgermordes von Sarajewo! Und auch, ob Danzig deutsch oder polnisch sein würde, ging Großbritannien nicht das geringste an, läßt man mal außer acht, daß es gerade Großbritannien war, welches führend in Versailles 1919 diesen künstlichen und völkerrechtlich unmöglichen Konfliktherd überhaupt erst geschaffen hatte, um jederzeit einen erneuten Krieg gegen das Deutsche Reich mithilfe der deutschfeindlichen Polen vom Zaum brechen zu können. Weil Polen genau das tat (Bromberger Blutsonntag und blutige Vorgeschichte polnischer Aggression gegen Deutsche im Korridor-Grenzbereich von 1919 bis 1939), bekam es auch Ostdeutschland bis zur Oder und Neiße 1945 zugesprochen, was Polen in London schon vor dem Krieg versprochen worden war. Man kann davon ausgehen, daß Großbritannien – immer großzügig mit dem Verschenken von Landesteilen anderer Staaten – auch dem russischen Zaren große teile Ostdeutschlands und des damaligen Österreich-Ungarn versprochen hatte, wenn dieses sich nur der antideutschen ENTENTE anschließen würde, denn real gab es überhaupt keine Grenzprobleme zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn einerseits und dem riesigen russischen Zarenreich andererseits.
Es war aber nicht der liebe GOTT, der Großbritannien zum Schützer Belgiens oder des völkerrechtswidrigen Korridors mit Danzig – 95 Prozent der Danziger wollten zum Deutschen Reich gehören - zugunsten des polnischen Staates ernannt hatte. Hatten wir Deutschen uns jemals darum gekümmert, ob Belfast irisch oder britisch war, oder ob England Schottland vereinnahmt hatte? - Nein, nie!
Im Gegenteil: Kaiser Wilhelm II. hatte die Engländer als "Vettern jenseits des Kanals" bezeichnet und Hitler bewunderte die Engländer geradezu.
Fakt ist ebenfalls, daß die Einkreisung Deutschlands lange vor 1914 mittels der ENTENTE, bestehend aus Großbritannien, Frankreich und dem zaristischen Rußland, und vor 1939 von Großbritannien führend betrieben wurde, weshalb bereits in den Dreißigerjahren in den USA und GB viermotorige Fernbomber entwickelt und gebaut wurden, um diese gezielt in einem erneuten Krieg gegen die deutsche Zivilbevölkerung einsetzen zu können, die dann auch pünktlich nach dem 3. September 1939 ihre grausigen Vernichtungsflüge aufnahmen.
Und darum zogen auch 1914 fünfzehn Millionen deutsche Soldaten und fünfundzwanzig Jahre später noch einmal zehn Millionen deutsche Soldaten in den Krieg, in der festen Überzeugung ihr Land verteidigen zu müssen, denn nicht die Mittelmacht Deutschland wollte Großbritannien zerstören, sondern die Groß- und Weltmacht Großbritannien wollte Deutschland zerstören – was ihr ja letzten Endes auch gelungen ist.
Und ansonsten: Fünfundzwanzig Millionen deutsche Männer kann man nicht täuschen!
Und der Gegenbeweis: Aus den drei deutschen Einigungskriegen des 19. Jahrhunderts, also 1864, 1866 und 1870/71, wurde kein Weltkrieg, weil sich England, aus welchen Gründen auch immer, herausgehalten hatte.
Noch Fragen?

Gravatar: Klaus Kolbe

@ harald44 am 10.01.2018 um 14.08 Uhr

Kleine Ergänzung zu Ihren Ausführungen:

Aus dem Buch „Kaiser Wilhelm II. – Ereignisse und Gestalten aus den Jahren 1878–1918“, gedruckt 1922:

Kaiser Wilhelm II.: »Beim Vormarsch im Jahre 1914 fanden unsere Truppen in Nordfrankreich und an der belgischen Grenze große Depots (stores) von englischen Soldatenmänteln vor. Nach Aussage der Einwohner sind diese Mäntel schon in den letzten Jahren im Frieden an Ort und Stelle niedergelegt worden. Die englischen Infanteristen, die im Sommer 1914 von uns zu Gefangenen gemacht wurden, hatten meist keine Mäntel, und gaben auf die Frage: warum? ganz naiv an: „We are to find our great coats in the stores at Maubeuge, Le Quesnoy etc. in the north of France and in Belgium.“ (Übersetzung: „Wir sollten unsere Mäntel in den Depots zu Maubeuge, Le Quesnoy usw. in Nordfrankreich und Belgien vorfinden.“)
Ebenso stand es mit den Karten. Es wurden in Maubeuge von unseren Leuten große Mengen englischer Militärkarten von Nordfrankreich und Belgien gefunden, Exemplare sind mir vorgelegt worden. Die Ortsnamen waren auf französisch und belgisch gedruckt und am Rande alle Bezeichnungen für den Gebrauch der Soldaten übersetzt, z. B. moulin = mill, pont = bridge, maison = house, ville = town, bois = wood usw. Diese Karten stammten aus dem Jahre 1911 und waren in Southampton gestochen. Die Depots waren seitens Englands mit der Erlaubnis der französischen und belgischen Regierungen schon vor dem Kriege, mitten im Frieden, angelegt worden. Was wäre wohl in Belgien, dem „neutralen Lande“, für ein Sturm der Entrüstung losgebrochen, und welchen Lärm hätten England und Frankreich darüber geschlagen, wenn wir in Spa, Lüttich, Namur im Frieden Depots von deutschen Soldatenmänteln und Karten hätten anlegen wollen!«

Gravatar: Ede Wachsam

Zitate von Willi Wimmer:
Unsere Nachbarvölker im Osten, die von uns bereits gut 130 Jahre unter dem französischen Kaiser Napoleon verheert worden waren, mussten für die Abwehr des vom nationalsozialistischen Deutschen Reich ausgehenden Angriffs einen unvorstellbaren Blutzoll erbringen. Sie forderten dafür nichts ein. Im Gegenteil, es war die Sowjetunion, welche die Grundlage für die deutsche Wiedervereinigung geschaffen und das Ende des Kalten Krieges ermöglicht hatte. Seither verfolgt der Kreml uns gegenüber eine Politik der erhofften guten Nachbarschaft. Und was tun wir? Es mag die Weisung aus Washington sein, den Russen die kalte Schulter zu zeigen. Aber es ist unsere Regierung, und es sind spezielle Teile der deutschen Gesellschaft, die gegenüber Moskau noch nicht einmal eine Grundlage der europäischen Kulturgeschichte gelten lassen wollen. Danach ist es das mindeste, auch die andere Seite zu hören. Stattdessen wird Russland weisungsgemäß mit persönlichem Boykott und Sanktionen ohne Ende überzogen, selbst ohne Rücksicht darauf, ob die eigene Wirtschaft nachhaltigen Schaden nimmt. Sollte uns der klägliche Rest an politischem Anstand hierzulande nicht vielmehr gebieten, nach der Leidensgeschichte des vergangenen Jahrhunderts die Staatsräson auch einmal gegenüber unserem großen östlichen Nachbarn zu bemühen anstatt sich erneut vor dessen Grenze in Stellung zu bringen? Zitate Ende

"UND IM ÜBRIGEN BIN ICH DER MEINUNG, DASS DIE NEUE LINKSRADIKALE REGIERUNG SEIT 2005 SEHR ZÜGIG UND GRÜNDLICH ZERSTÖRT WERDEN MUSS!"

Grund: Völlige Verkennung der Fakten und absolute Dämlichkeit der Marionetten-Akteure dieses linksgrünen Packs mit Merkel an der Spitze!!! Diese ach so friedlichen "superdemokratischen" schwarz/grünen Neusozialisten sind so dumm, dass sie die Gänse beißen, weil sie uns bewusst in einen neuen Krieg mit dem militärisch unüberwindbaren Russland treiben wollen und dies ohne jeglichen Anlass.

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