Carl Schmitt: Wo steht der Feind?

Nicht gemeinsame Sache mit Verbrechern machen. Das Sinistre wird jedoch nicht vom „Guten“ überwunden werden, sondern durch sich selbst, da es an seinen inneren Widersprüchen zerbrechen muss.

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Carl Schmitt (1888-1985) war ein kompromisslos denkender deutscher Staats- und Völkerrechtler des 20. Jahrhunderts, dessen Werk heute wieder verstärkt international rezipiert wird.

Schmitt charakterisierte 1932 in seinem Aufsatz „Der Begriff des Politischen“ den Imperialismus wie folgt: „Ein ökonomisch fundierter Imperialismus wird natürlich einen Zustand der Erde herbeizuführen suchen, in welchem er seine wirtschaftlichen Machtmittel, wie Kreditsperre, Rohstoffsperre, Zerstörung der fremden Währung und so weiter, ungehindert anwenden kann und mit ihnen auskommt. Er wird es als ‚außerökonomische Gewalt‘ betrachten, wenn ein Volk oder eine andere Menschengruppe sich der Wirkung dieser ‚friedlichen‘ Methoden zu entziehen sucht. Er wird auch schärfere, aber immer noch ‚wirtschaftliche‘ und daher unpolitische, essentiell friedliche Zwangsmittel gebrauchen, wie sie zum Beispiel der Genfer Völkerbund in den ‚Richtlinien‘ zur Ausführung des Artikel 16 der Völkerbundsatzung (Ziffer 14 des Beschlusses der zweiten Völkerbundversammlung 1921) aufgezählt hat: Unterbindung der Nahrungsmittelzufuhr an die Zivilbevölkerung und Hungerblockade.

Schließlich verfügt er noch über technische Mittel gewaltsamer physischer Tötung, über technisch vollkommene moderne Waffen, die mit einem Aufgebot von Kapital und Intelligenz so unerhört brauchbar gemacht worden sind, damit sie nötigenfalls auch wirklich gebraucht werden. Für die Anwendung solcher Mittel bildet sich allerdings ein neues, essentiell pazifistisches Vokabularium heraus, das den Krieg nicht mehr kennt, sondern nur noch Exekutionen,  Sanktionen, Strafexpeditionen, Pazifizierungen, Schutz der Verträge, internationale Polizei, Maßnahmen zur Sicherung des Friedens. Der Gegner heißt nicht mehr Feind, aber dafür wird er als Friedensbrecher und Friedensstörer hors-la-loi und hors l'humanité gesetzt, und ein zur Wahrung oder Erweiterung ökonomischer Machtpositionen geführter Krieg muss mit einem Aufgebot von Propaganda zum ‚Kreuzzug‘ und zum ‚letzten Krieg der Menschheit‘ gemacht werden.“

Nach dieser Analyse hat sich seit 1921 erstaunlich wenig geändert, außer dass sich die imperiale Institution, die für das Boykottieren und Aushungern von Völkern zuständig ist, nicht mehr „Völkerbund“ sondern „UNO“ nennt. Dabei ist das Imperium nicht nur mit dem Ziel, die Welt unter seine Agenda zu zwingen, nicht weitergekommen, sondern es ist darüber hinaus in die Defensive geraten. Der Papiergeldthron droht sich aufzulösen. Leider sind die vielen Millionen von Toten, welche die Hochfinanz in den von ihnen angezettelten Kriegen zu verantworten hat, nicht in dem Maße im Bewusstsein der Massen präsent, wie es angemessen wäre, da diesen Ermordeten kein privilegiertes Opfer-Narrativ zugestanden wird.

Den Widerstand der um ihre Souveränität ringenden Völker hat die ununterbrochene Abfolge von Imperiumskriegen jedoch nicht brechen können.

Das macht Mut und ist eine Aufforderung, der Resignation zu widerstehen, die sich angesichts der US-Hybridkriege gegen die alten Völker breitzumachen droht.

Die wirtschaftliche und ethische Schwäche des Imperiums erklärt seine Aggressivität, mit der es selbst seine Verbündeten ökonomisch und biologisch angreift sowie ausspioniert, um wenigstens der Abschnittsbevollmächtigte im eigenen Revier zu bleiben. Ob sich das nun unter dem neuen Präsidenten Trump ändert, ist nicht gewiss.

Wo steht also der Feind? Schmitt schreibt: „Solange ein Volk in der Sphäre des Politischen existiert, muss es, wenn auch nur für den extremsten Fall – über dessen Vorliegen es aber selbst entscheidet –, die Unterscheidung von Freund und Feind selber bestimmen. Darin liegt das Wesen seiner politischen Existenz. Hat es nicht mehr die Fähigkeit oder den Willen zu dieser Unterscheidung, so hört es auf, politisch zu existieren. Lässt es sich von einem Fremden vorschreiben, wer sein Feind ist und gegen wen es kämpfen darf oder nicht, so ist es kein politisch freies Volk mehr und einem anderen politischen System ein- oder untergeordnet.“

Das ist eine heute vollkommen zutreffende Zustandsbeschreibung des deutschen Volkes, das sich wieder einmal ohne Not entwaffnet und einer linken Tyrannei ausgeliefert hat. Die BRD als ein absolut alle Lebensbereiche seiner Untertanen ergreifender Staat ist totalitär. Dieser Staat erzwingt die Identität von Staat und Gesellschaft kaum anders, als es die Diktaturen vor ihm taten. Die staatliche Lizenzpresse legt täglich Zeugnis davon ab. Wenn die nach dem Willen der Gründer der BRD  „neutralen“ Gebiete – Religion, Kultur, Bildung, Wirtschaft – aufgehört haben nicht-staatlich und nicht-politisch zu sein, stehen wir vor dem Lagertor der Zwangsherrschaft. Das Mantra der linksgrünen, trotzkistischen 68er, dass das Private politisch zu sein habe, hatte es für jeden hörbar angekündigt, wohin der Marsch durch die Institutionen führen soll – in die Diktatur.

Solange wir Deutschen durch den sinistren (verhängnisvoll, links, zwielichtig, unheimlich) Gesinnungsterror paralysiert bleiben, und damit unfähig, Freund und Feind abzugrenzen, sind wir auch dazu bestimmt, fremden Mächten als Vasallen zu dienen. Schmitt: „Politisches Denken und politischer Instinkt bewähren sich also theoretisch und praktisch an der Fähigkeit, Freund und Feind zu unterscheiden. Die Höhepunkte der großen Politik sind zugleich die Augenblicke, in denen der Feind in konkreter Deutlichkeit als Feind erblickt wird.“

Wo ist der Ausweg? Im Alten Testament, Sprüche 1, 15-19 steht: „Mein Sohn, mach nicht gemeinsame Sache mit diesen Verbrechern, denn auf Schritt und Tritt haben sie nichts als Bosheit und Mord im Sinn! Die Vögel beachten das ausgespannte Netz nicht und fliegen hinein. Genauso machen es diese Verbrecher: Sie lauern sich selbst auf und stellen dem eigenen Leben nach. Alle, die auf krummen Wegen reich werden wollen, nehmen ein solches Ende: Dem Räuber raubt sein Raub das Leben!“

Daher: Nicht gemeinsame Sache mit den Verbrechern machen. Das Sinistre wird jedoch nicht vom „Guten“ überwunden werden, sondern durch sich selbst, da es an seinen inneren Widersprüchen zerbrechen muss. Dafür sollten wir beten.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Thomas Rießler

Nun ja, irgendwann wird das „Sinistre“ in der Tat an seinen inneren Widersprüchen zerbrechen. Erfahrungsgemäß geschieht dies aber erst, nachdem es zuvor Millionen von Toten verschlungen hat. Es ist daher nicht gerade weise, dieses Ende tatenlos abzuwarten. So mancher Held greift dann in seiner Not zu Bibelzitaten (was er ansonsten nie tun würde), um sich sein Nichtstun schönzureden.

Andererseits haben speziell wir Deutsche wohl aber auch einen Hang dazu, Fehler bei der Identifikation des Bösen zu machen, so zum Beispiel bei der Identifikation der Juden als Verursacher des Bolschewismus oder bei der Identifikation des weißen „rechtspopulistischen“ Bürgers als xenophoben, „homophoben“ Rassisten. Da ist es dann vielleicht doch besser, nichts zu tun als in die falsche Richtung zu wüten. Ansonsten kommt dabei womöglich noch so etwas wie die Verweigerung von Reisebuchungen für AfD-Mitglieder heraus.

Gravatar: R. Avis

Es gibt genau genommen zwei Feinde, die sich zusammengetan haben, um das "Monster" gemeinsam zu bekämpfen: den "heterosexuellen weißen Mann". Der ist nämlich ein Schädling ersten Ranges und sollte der Welt den Gefallen tun, sich zu erschießen. So habe ich das in einem amerikanischen Blog gelesen. Weiße Frauen sind nicht ganz so unnütz, sie können nämlich mit einem dunkelhäutigen Partner braune Kinder haben.
Abgesehen von diesem hirnlosen "inverse racism": wer hat denn, überall auf dem Globus, Land urbar gemacht, Straßen und Brücken gebaut, den Lebensstandard durch Schulen, Krankenhäuser und Produktionsanlagen erhöht? Wer hat denn die Basis geschaffen für die weltweite (nicht-weiße) Bevölkerungsexplosion?
Aber, wie schon mein Großvater zu sagen pflegte: "Jede Gefälligkeit rächt sich."

Gravatar: ines Großjohann

"Dafür sollten wir beten" --- das ist verkehrt. Wir müssen etwas dagegen tun! Denken Sie an Goethe: "Im Anfang war die Tat"

Gravatar: H.M.

@Thomas Rießler und @ines Großjohann:

Der Autor Roland Woldag (
http://www.freiewelt.net/nc/autor/?tx_ttnews%5Bswords%5D=Roland%20Woldag) hat laut seiner Vita bereits aus politischen Gründen (in der DDR) in U-Haft gesessen und veröffentlicht hier kritische Artikel, die ihm vielleicht eines Tages zum Verhängnis werden können, wenn unser genialer Bundesjustizminister Heiko Maas in der nächsten großen Koalition unter Zuhilfenahme von Links und Grün beschließen kann, dass regierungskritische Meinungen auch rückwirkend unter Strafe zu stellen sind – oder er auf eine andere tolle Idee kommt. Insofern würde ich Herrn Woldag nicht unterstellen, sich auf Bibelverse und Gebete zu berufen und so Nichtstun zu rechtfertigen oder ihm den Vorwurf machen, er tue nichts. Denn er veröffentlicht hier und hat bereits für Opposition einen Preis bezahlen müssen.
Die Bibel gibt mir Kraft und Klarheit und Hoffnung bei den ganzen Lügen und Halbwahrheiten, die man den ganzen Tag über hört und liest, gerade dann, wenn sich der Teufel als Engel (Angela!) des Lichts vermerkelt (in Anlehnung an 2 Korinther 11,14). Gegen dieses perfide Böse hilft wirklich nur Gebet. Echtes, glaubendes Gebet, bei dem man die Wahrheit und Realität schonungslos anerkennt und nur auf Gott hofft. Ich bete nicht beschaulich „Herr segne doch unsere liebe Kanzlerin“, sondern ich bete für das Wunder eines Regierungswechsels und einer Wende im Denken und Handeln in Deutschland (auch in Medien und Sozialwissenschaft). Wenn nichts passiert, sind wir erledigt!
Wo sind denn die einflussreichen großen Persönlichkeiten in Politik und Kirche, die Merkel & Co. entgegentreten? Wo sind denn die, die dem Kurs entgegentreten können und nicht mit beruflichen und privaten Repressalien rechnen müssen. Eben, wir befinden uns in einem Alptraum. Nur Gott kann Deutschland und das deutsche Volk physisch und geistig noch retten.

Gravatar: Thomas Rießler

H.M, in Zeiten der Krise, sei es persönlicher oder gesellschaftlicher Natur, gibt es erfahrungsgemäß eine größere Bereitschaft als in Zeiten des Wohlstands und der Freiheit, seine eigenen Überzeugungen neu zu bewerten, grundsätzliche Fragen zu stellen und sich für andere Dinge zu öffnen. So manch einer mag in diesem Zusammenhang die Bibel für sich neu entdecken und daran ist ja auch gar nichts auszusetzen. Ganz im Gegenteil: Eine hierauf gegründete Beziehung zu Gott ist womöglich inniger als z.B. bei einem Theologiestudium, was eher intellektuell oder ideologisch gefärbt ist. Meine Kritik an dem Bibelzitat von Roland Woldag ist also nicht grundsätzlicher Natur, sondern bezieht sich auf die konkrete Herangehensweise. Es scheint mir hier nämlich eine schon vorab vorhandene Überzeugung durch irgendwo herausgekramte Bibelzitate nachträglich belegt zu werden, was einen gekünstelten Eindruck hinterlässt.

Im „Dein Reich komme“ des Vaterunsers wird darum gebeten, dass Gott die Herrschaft übernehmen soll. Dies geht zwar ebenso wie bei Woldag über die Austilgung der Übeltäter (was z.B. in der Apokalypse des Johannes beschrieben wird), jedoch ist letzteres kein zentrales Anliegen, welches das Gebet um die Wiederkunft Jesu Christi ersetzen oder überlagern soll. Die Bibelstelle aus Sprüche 1 mag in den Augen des neuzeitlichen Menschen „zivilisierter“ als ein Rache-Psalm sein, aber dennoch ist es nicht genau das, was im Neuen Testament den gläubigen Menschen geboten wird, um entsprechend Gottes Willen zu handeln.

Gravatar: H.M.

@Thomas Rießler
Vielen Dank für Ihren weiteren erläuternden Kommentar.
Ich kann ihre Kritik nachvollziehen, insofern es in Herrn Woldags Artikel ja eigentlich um Carl Schmitts Ideen geht und deren mögliche Anwendung auf heutige Situationen bzw. die Deutung der heutigen Situation durch Carl Schmitts Ideen. Eine Andacht zu oder gar Exegese von Sprüche 1, 15-19 war nicht zu erwarten und hätte den biblischen Text natürlich vorangestellt und dies auch im Titel erwähnt. Eine wirkliche (historisch-kritische oder historisch-grammatische) Analyse ist das nicht, eher ein Beispiel für synthetisches-assoziatives Denken (und dessen Anwendung im Umgang mit der Bibel bei bibelfesten Menschen), was man im Alltag häufiger antrifft. Das ist - quantitativ betrachtet – wohl die häufigste Anwendung der Bibel, auch wenn sie strengen wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügen kann. Beispielsweise der Unternehmer, der morgens seine stille Zeit hält und im Gleichnis vom Sämann Impulse für unternehmerische Tätigkeiten sieht - sei das jetzt berechtigt oder nicht. Den Unternehmer interessiert, ob er eine Investition tätigen soll oder nicht, der hat vermutlich kein großes Interesse an einem synoptischen Vergleich oder daran, aus Textvarianten den ursprünglichen Bibeltext zu rekonstruieren. So lesen die meisten Menschen, wenn sie die Bibel lesen, ihre Bibel. Heraus kommt dabei alles, von der genuinen Quelle von Hoffnung, Trost und Weisung bis hin zur religiösen Psychose bei entsprechend veranlagten Personen.

Was ich – auch im Zusammenhang mit dem anderen kritischen Kommentar – hervorheben wollte, ist die schriftstellerische Tätigkeit von Herrn Woldag. Er schreibt und veröffentlicht kritische Texte, was nicht „Nichtstun“ ist und er saß bereits in der DDR in U-Haft für oppositionelles Handeln. Die Autorentätigkeit ist im heutigen Deutschland mutig. Was soll denn der Autor Ihrer Meinung nach mehr oder anders tun?

Wofür soll man Ihrer Meinung nach konkret beten? Für die Regierung? Sicherlich ist das gut und richtig, aber der Inhalt eines solchen Gebetes hängt doch auch davon ab, wie man die politische Lage beurteilt.

Die Wiederkunft Jesu Christi ist entweder in gewisser Weise schon geschehen (um 70 n. Chr. – Präterismus) oder sie steht noch aus (Prämillennialismus/Postmilleniarismus/Amilleniarismus). Das die Wiederkunft Jesu Christi und das Jüngste Gericht sind sicherlich Zielpunkte unseres Glaubens und unserer Hoffnung. Aber zwischen deren Erstankündigung und letztlicher Vollendung liegen nun einmal bereits zwei Jahrtausende. Wenn sich das alles in Kürze erfüllt, erübrigt sich alles Schreiben und Beten. Wenn diese Welt aber noch ein paar Jahrzehnte, -hunderte oder –tausende Bestand hat, sieht das ganz anders aus.

Gravatar: Thomas Rießler

H.M., Ihre Verehrung von Roland Woldag als politischer Häftling geht mir zu weit. Dies läuft auf eine Art Heiligsprechung hinaus, die deplatziert ist.

Was Roland Woldag in dieser Situation tun sollte oder nicht, hängt davon ab, was er glaubt. Hierüber könnte man nur spekulieren und dies wäre in der Öffentlichkeit sicher unangebracht. In Ihren Aussagen bezüglich der Wiederkunft Jesu Christi sehe ich jedoch ein großes Maß an Beliebigkeit. Hier wäre es wohl zunächst mal angebracht, sich klarzumachen, was man eigentlich glaubt. Wenn man z.B. glaubt, dass die Wiederkunft Jesus Christus bereits geschehen ist, dann macht es eigentlich auch keinen Sinn, die Bitte um Wiederkunft im Vaterunser zu sprechen. Ich persönlich halte mich als Hilfe bei der Entscheidungsfindung in solchen Dingen allerdings für nicht besonders befähigt. Das können andere wohl besser.

Gravatar: Ralf H. Janetschek

Die Lust am Bösen

Das Böse ist eine Leidenschaft, die nur sich selbst kennt. Es ist keine Folge pathogener Zustände, schwieriger Umweltbedingungen, keine Ausgeburt von Verzweiflung und keine Rache für erlittenes Unrecht.

Das Böse ist auf der Welt, weil Menschen sich dazu entschließen, Böses zu tun. Die Übeltäter wissen genau, daß ihre Untaten unrecht sind. Aber der Spaß an der Grausamkeit ist größer als alle Hemmnisse. Bosheit an sich ist durch keine Zivilisation zu tilgen. Menschen sind gewalttätig, weil sie es können und niemand (wirksam) sie daran hindert. Nicht soziale, seelische, politische oder kulturelle Umstände produzieren Gewalt. Sie eröffnen nur Gelegenheiten, welche diese Subjekte allzu gern nutzen.

Das Böse an sich ist Teil der menschlichen Natur, was nur allzu oft verkannt wird, allerdings entscheiden sich die meisten Menschen aus moralischen Gründen dagegen. Diejenigen, die dies jedoch nicht aus eigen Antrieb tun, müssen von der Gesellschaft an der Ausübung ihrer Leidenschaft gehindert werden, tut sie es nicht, geht sie in der Endkonsequenz selbst unter. Das Resultat ist das Chaos. Edmund Burke hat dies wie folgt kommentiert: „Die einzige Sache die das Böse benötigt, um zu triumphieren ist, daß gute Menschen nicht handeln.“

Der derzeit populäre Therapiekult glaubt beharrlich an die Heilbarkeit des Bösen, unterschlägt aber den Spaß an der Schikane, die Lust am Bösen und die Eigeninitiative der Täter.

Das Böse ist keine Krankheit, und die Bösen sind in aller Regel keine Psychopathen. Also könnten sie auch nicht geheilt, sondern lediglich bekämpft werden. Das Problem ist nur, daß die Gesellschaft keinen Begriff mehr vom Bösen hat, daß es nicht mehr erkannt wird, wenn es vor einem steht, und deshalb versäumen wird, ihm im Bedarfsfall eins auf die Fresse zu geben.

Die schönste List des Teufels ist es, uns zu überzeugen, daß es ihn nicht gibt. (Charles Baudelaire)

Ralf H. Janetschek, Letschin

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